E-GITARRE

Im Unterschied zu der Akustik Gitarre wird bei der E-Gitarre ein oder mehrere Tonabnehmer – engl. Pickups – sowie weitere Elektronik wie Lautstärke- und Ton-Regler auf den Korpus installiert, die den Klang elektrisch verstärken. Hierzu benötigt man zusätzlich einen Verstärker, der mittels eines Kabels mit der E-Gitarre verbunden wird und das Signal hörbar werden lässt. Bei uns erfährst du alles über die E-Gitarre! Und hier gibt’s jede Menge Workshops, Tests und News zum Thema E-Gitarre:

 

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Es gibt verschiedene E-Gitarren Typen wurde. So ist etwa bei Solid-Body-Modellen der Korpus aus einer massiven Scheibe Holz gefertigt. Demgegenüber steht die so genannte Halbresonanz-Gitarre (engl. Semi-Acoustic oder Thinline), die über einen etwa halb so hohen Resonanzkörper wie z. B. eine (vollakustische) Western-Gitarre verfügt. Die Bezeichnung der Oberseite lautet Decke, und sie kann gerade (engl. Flat Top, z. B. Telecaster) oder gewölbt (engl. Arch Top, z. B. Les Paul) gefertigt sein. Die Seiten werden Zargen (engl. Sides), die Unterseite Boden (engl. Back) genannt. Damit die höheren Lagen ungehindert zu bespielen sind, haben fast alle E-Gitarren mehr oder weniger große Ausschnitte im Korpus (engl. Cutaway). Ausbuchtungen im Korpus-Boden werden Shaping genannt. Damit wird erreicht, dass sich die Gitarre beim Spielen besser an den Körper anschmiegt.

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Cover vom Gitarren ABC

E-Gitarre: KORPUS

Schwarzweiße Gitarren

Auf dem Korpus der E-Gitarre sind die Tonabnehmer, weitere Elektronik wie z. B. der Pickup-Wahlschalter und die Vorrichtung für die Saitenhalterung, also der Steg angebracht. Obwohl man nun meinen könnte, dass die E-Gitarre lediglich ein Stück Brett mit Tonabnehmern ist, sollten der Einfluss der Korpus-Hölzer und deren Konstruktion auf den Klang nicht unterschätzt werden. Dies erklärt zum Teil auch die erheblichen Preisunterschiede fast identischer Instrumente, die leider nur von Musikern zu beurteilen sind, die sich schon jahrelang mit dieser Materie auseinander setzen und über das entsprechend geschulte Gehör verfügen.

Zu den im E-Gitarrenbau verwendeten Hölzern zählen: Erle, Esche, Ahorn, Pappel, Linde, Mahagoni. Beleuchten wir die Klangeigenschaften der verschiedenen Hölzer.

  • Erle (engl. Alder): Diese Holzart ist vor allem durch die Produkte der Firma Fender bekannt geworden. Erle ist leicht und liefert einen ausgeglichenen, vollen Klang. Durch die kaum erkennbare Maserung lässt sie sich zudem hervorragend lackieren.
  • Esche (engl. Ash) ist der andere Werkstoff, den Fender bekannt machte. Es gibt verschiedene Eschesorten, die durch unterschiedliches Gewicht und unterschiedliche Klangcharakteristik auffallen. Im Gitarrenbau wird harte Esche, die schwere Version, und die leichte Sumpfesche (engl. Swamp Ash) verwendet. Klanglich liefert die harte Esche einen sehr brillanten Ton mit langem Sustain, während die Sumpfesche durch die perfekte Balance von Brillanz und Wärme gefällt. Zudem ist Sumpfesche meist sehr ansprechend gemasert.
  • Ahorn (engl. Maple) kennt man meist nur als Halsmaterial oder Deckenbelag (siehe Gibson Les Paul), doch verwenden ihn einige wenige Hersteller für den gesamten Korpus. Das Resultat ist eine schwere Gitarre mit viel Brillanz und Sustain, wobei es ein wenig an Wärme fehlt. Sehr schöne Varianten sind Wölkchenahorn (engl. Quilted Maple), Riegelahorn (engl. Flamed Maple oder Tigerstripe Maple) und Vogelaugenahorn (engl. Birdseye Maple), die fast ausschließlich als Deckenbelag Verwendung finden.
  • Pappel (engl. Poplar): Anfangs nur in unteren Preisregionen zu finden, werden immer mehr Instrumente der Mittel- und Oberklasse (auch Signature-Modelle, also für bestimmte Musiker gefertigte Gitarren) aus Pappel gebaut. Und da es hier nicht ums Sparen geht, scheint der zwiespältige Ruf dieser Holzsorte nicht begründbar. Pappel hat allerdings den Nachteil, dass sie sehr weich ist. Klanglich ist dieses Holz im weitesten Sinne mit Erle zu vergleichen, allerdings fehlt ihm sowohl die ausgesprochene Brillanz als auch Wärme.
  • Linde (engl. Basswood) hat einen ähnlichen Ruf wie die Pappel. Vom Gewicht noch etwas leichter, ist Linde nicht für Transparentlackierungen geeignet, dagegen sprechen die häufig auftretenden grünen Verfärbungen des fast weißen Holzes. Linde ist ebenfalls weich, kann allerdings durch einen angenehm warmen Ton gefallen, dem es etwas an Spritzigkeit fehlt.
  • Mahagoni (engl. Mahogany): Diese Holzsorte ist im Gitarrenbau eine feste Größe und unverrückbar mit dem Namen Gibson verbunden. Mahagoni liefert einen warmen Klang ohne Ecken und Kanten, weshalb man es sehr oft (siehe Gibson Les Paul) mit einer Ahorndecke kombiniert, um dem Ganzen mehr Brillanz zu geben.

Die hier getroffenen Aussagen zum Klang beziehen sich auf die rein akustischen Charakteristika, denn noch ist ja kein Tonabnehmer montiert. Das Wissen um die akustische Klangcharakteristik der Gitarre ist nicht nur für den Hersteller wichtig, sondern auch für den Gitarristen selbst. Wenn ein Tonabnehmer ausgetauscht werden soll, um der Gitarre ein anderes (elektrisches) Klangbild zu verschaffen, ist die Auswahl so sehr viel leichter und erspart manche unnötige Geldausgabe.

HALS & GRIFFBRETT der E-Gitarre

Nicht nur Korpus und Tonabnehmer (s. u.) haben Einfluss auf den Klang, sondern vor allem der Hals (engl. Neck). Drei Arten der Befestigung des Halses mit dem Korpus haben sich etabliert:

  • Hals und Korpus miteinander verleimt (engl. Set In Neck).
  • Hals und Korpus werden miteinander verschraubt (engl. Bolt On Neck).
  • Der Hals ist so lang wie der ganze Korpus und es werden zur Formgebung nur Seitenteile angeleimt; dies nennt man durchgehender Hals (engl. Neck Trough Body).

Weit verbreitet ist die verschraubte Methode, sie ist in allen Preisregionen anzutreffen. Der größte Vorteil des geschraubten Hals ist, dass man ihn ohne weiteres gegen einen anderen (besseren) austauschen kann. Wenn die Holzkonstruktion von Korpus und Hals stimmig ist, sind durchaus gleichwertige Ausklingzeiten der Töne wie bei einem eingeleimten Hals zu erwarten.

Als Holzsorten haben sich für den Hals eigentlich nur zwei Varianten etabliert: Ahorn sowie Mahagoni.

Um den Hals vor dem Verziehen bei Temperaturwechseln oder Ändern des Saitenzugs (dickere oder dünnere Saiten) zu schützen, verfügt jeder hölzerne Gitarrenhals über einen so genannten Halsverstellstab (engl. Trussrod) aus Metall. Dieser von außen zugängliche Mechanismus ermöglicht es, je nach Bedarf, die Halskrümmung konkav (nach innen gewölbt) oder konvex (nach außen gewölbt) zu beeinflussen. Die Verstellschraube kann vom Korpus her oder der Kopfplatte zugänglich sein.

Auf dem Hals der E-Gitarre befindet sich das Griffbrett (engl. Fingerboard oder Fretboard). Es wird aufgeleimt, und man verwendet Ahorn, Palisander (engl. Rosewood) und in seltenen Fällen Ebenholz (engl. Ebony). Besonders preisgünstige Gitarren können auch ein Griffbrett aus nicht weiter identifizierbarem Holz besitzen, das für die Optik z. B. dunkelbraun gebeizt wird.

In das Griffbrett werden Schlitze gesägt und die Bundstäbchen (engl. Frets) eingesetzt. Diese Metallteile gibt es mittlerweile in allen möglichen Dimensionen, wobei die als Jumbo-Bund bezeichnete Variante gerne bevorzugt wird. Diese Bünde haben auf Grund ihrer „elefantösen“ Bauhöhe den Vorteil, dass die Finger beim Saitenziehen (engl. Stringbending), keinen bzw. recht wenig Kontakt zum Griffbrett haben, was diese Spieltechnik enorm erleichtert.

Damit man immer informiert ist, wo sich die Greifhand gerade befindet, sind fast auf jedem Griffbrett Positionsmarkierungen (engl. Position Markers) eingelegt. Das können einfache Punkte (engl. Dots) sein oder mehr oder weniger aufwendige Einlagen (engl. Inlays). Einfache Punkte (bzw. zwei Punkte für die Oktave am zwölften Bund) sind in jedem Fall in der dem Spieler zugewendeten Griffbrettflanke angebracht.

Vor dem Griffbrett finden wir den Sattel (engl. Nut), dem zwei Aufgaben zukommen: erstens muss er die Saiten in ihrer entsprechenden Position führen, ohne dass sie, z. B. beim Stimmen, in den Kerben (engl. Slots) festhängen, und zweitens sollen die Leersaiten wie gegriffene Töne klingen. Beide Anforderungen lassen die Hersteller immer wieder mit verschiedenen Materialien experimentieren. In der Vergangenheit verwendete man meist Knochen, heutzutage kommt an dieser Stelle oft Kunststoff zum Einsatz. Es wurden jedoch auch schon Sättel aus Metall verwendet, sie sind jedoch eher selten zu finden. Reibung reduzierende, graphithaltige Sättel zur Verbesserung der Stimmstabilität bei Gitarren mit Vibratosystemen sind ebenfalls kaum noch serienmäßig anzutreffen. Eine wichtige Innovation war bei Vibrato-Gitarren der statt eines konventionellen Sattels gerne eingesetzte Klemmsattel aus Metall, der durch Fixieren der Saiten per Schrauben ebenfalls zu mehr Stimmstabilität beitragen sollte.

Die Saitenlänge zwischen Sattel und Saitenauflage am Steg (s. u.) der E-Gitarre nennt man Mensur, die meist in Millimetern angegeben ist (z. B. Stratocaster 648 mm).

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Archiv, Fender, Sony bmg

Jetzt sind wir am obersten Teil des Halses angelangt, der Kopfplatte (engl. Headstock). Hier befinden sich die Mechaniken (engl. Tuner, auch Machine Head oder veraltet Peg Head), die die Saiten, nachdem sie über den Sattel geführt sind, festhalten und mit deren Hilfe man die Tonhöhe jeder einzelnen Saite verstellen kann.

E-Gitarre: HARDWARE

Als Hardware (dt. Eisenwaren) bezeichnet man die Einzelteile, die sich auf einer E-Gitarre gemeinhin befinden, und die meist aus Metall gefertigt sind. Hierzu zählt man den Steg, Saitenhalter, den Sattel (s. o.), Vibratosystem, Saitenniederhalter und auch die Mechaniken.

Mit den Mechaniken bringt man die Gitarre in die richtige Stimmung. Bei den E-Gitarren unterscheidet man zwei Mechanik-Typen: Die erste Version besitzt zum Schutz vor Staub usw. ein aufgestülptes Gehäuse, die zweite ist vollkommen verkapselt und mit Schmiermittel gefüllt, also wartungsfrei.

Um das Saitenaufziehen zu vereinfachen und die Stimmstabilität bei Gitarren zu erhöhen, gibt es noch so genannte Klemm-Mechaniken (engl. Locking Tuner), die in beiden oben erwähnten Varianten angeboten werden. Die Saite wird eingefädelt, strammgezogen und mit dem Klemm-Mechanismus fixiert, maximal eine halbe Drehung an der Mechanik bringt sie dann auf die richtige Tonhöhe.

Die Mechaniken sind üblicherweise folgendermaßen auf der Kopfplatte angeordnet: entweder alle sechs auf einer Seite, wie z. B. bei der Fender Stratocaster, oder drei rechts oder drei links, wie etwa bei der Gibson Les Paul. Eine Ausnahme bilden z. B. die Instrumente des Herstellers Music Man: Hier gibt es eine 4/2-Anordnung.

Um die Saiten überhaupt zu befestigen und deren Schwingungen auf den Korpus zu übertragen, wird ein Metallteil, das Steg oder auch Brücke (engl. Bridge) genannt wird, montiert. Wir unterscheiden folgende Steg-Typen:

  • Einteiler-Steg
    Steg und Saitenhalter in einem.
  • Tune-o-matic/Stop-TailpieceEine andere Variante ist die Stegkonstruktion der Gibson Les Paul. Sie besteht aus zwei Teilen, einem speziellen Steg (engl. Tune-o-matic), über den die Saiten laufen, und einem Saitenhalter (engl. Stop-Tailpiece).
  • Vibrato-SystemNeben den feststehenden Stegen gibt es auch beweglich gelagerte, die allgemein mit Vibrato-System, oder verkürzt einfach nur mit Vibrato bezeichnet werden. Im Englischen hat sich der Gebrauch des Wortes „Tremolo“ hierfür etabliert. Er ist nicht korrekt, man sollte ihn jedoch trotzdem kennen, da er fälschlicherweise immer wieder verwendet wird. Die Funktionsweise des Stratocaster-Vibrato ist seit 1954 die am meisten verbreitete. Das in Stützschrauben bewegliche System verfügt an der Unterseite über einen Metallklotz, Vibratoblock genannt, in den die Saiten und mehrere an einem Halteblech befestigte Spiralfedern eingehängt sind. Mit einem Hebel wird das gesamte System nach vorne oder hinten gekippt, so dass sich die Tonhöhe der Saiten schlagartig ändert.

Ebenfalls oft anzutreffen ist das Floyd-Rose-Vibrato, das neben dem Vibrato-System aus einem speziellen Klemmsattel besteht (s. o.).

 

E-Gitarre: TONABNEHMER

Hagstrom Impala & Condor_03
Dieter Stork

Der Tonabnehmer (engl. Pickup) ist das Konstruktionsmerkmal der E-Gitarre schlechthin. Wie funktioniert so ein Tonabnehmer? In unserem Fall haben wir es mit der magnetischen Version zu tun, die prinzipiell aus zwei Elementen besteht: einem Magneten und einer Spule, die um den Magneten gewickelt ist. Die Spule besteht aus mehreren Tausend Windungen hauchdünnen Drahts, wobei eine feine Lackisolation verhindert, dass es zwischen den einzelnen Windungen zu Kurzschlüssen kommt.

Aus dem Physikunterricht wird der eine oder andere das Prinzip der Induktion noch kennen. Hierbei wirkt ein magnetisches Wechselfeld auf die Spule ein, und wenn das Magnetfeld in seiner Feldstärke schwankt, ändert sich auch die induzierte Spannung in der Spule. Durch die Saitenschwingung entstehen ständige Veränderungen des Magnetfelds, was in der Tonabnehmerspule elektrische Spannung entstehen lässt, die entsprechend der mechanischen Schwingung in Frequenz und Lautstärke schwankt. Das funktioniert natürlich nur mit Metall-Saiten. Grundsätzlich unterschieden wird zwischen zwei Tonabnehmer-Typen: Singlecoil und Humbucker (s. u.).

Zur Lautstärke-Regelung besitzt jede Gitarre ein Volumen-Poti (engl. Volume) und auch ein Ton-Poti (engl. Tone). Außerdem gibt es noch Pickup-Wahlschalter, mit denen man die verschiedenen Tonabnehmer einer Gitarre einzeln oder auch zusammen anwählen kann. Wir unterscheiden vor allem den Dreiwegschalter (Fender Stratocaster) und den Toggle-Switch (Gibson Les Paul).

Mit diesen Reglern kann man den Klang des Gitarrensignals beeinflussen, Diese Variante nennt man passive Elektronik. Das lässt die Vermutung aufkommen, es gäbe auch eine aktive Elektronik – und richtig, es gibt sie, meistens zu erkennen an einer Batterie (mit zugehörigem Fach), die zum Betrieb des in die Gitarre integrierten Vorverstärkers notwendig ist.

Wir unterscheiden folgende Tonabnehmer-Typen:

Singlecoil

Die einfachste Ausführung ist der einspulige Tonabnehmer, englisch „Singlecoil“. Die bekanntesten Gitarren mit diesem Pickup-Typ sind die Fender Stratocaster und die Fender Telecaster.

Jimi Hendrix Stratocaster
Dieter Stork

In der Regel liefert der einspulige Singlecoil einen durchsichtigeren, helleren Sound als Tonabnehmer mit mehreren Spulen. Das hat verschiedene Gründe. Da die schwingende Saite sich ja nicht als Ganze auf und ab bewegt, sondern selbst in wellenförmige Schwingungen gerät, macht es einen Unterschied, ob man die Saite nur an einem Punkt oder auf einer gewissen Strecke magnetisch abtastet. Während man bei der punktförmigen Abtastung ein getreues elektrisches Abbild der momentanen Schwingungsphase der Saite erhält, entstehen bei der Abtastung einer Strecke gewisse Auslöschungen von Teilschwingungen, da ja gleichzeitig verschiedene Phasenlagen der Schwingung erfasst und in der Tonabnehmerspule zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst werden.

Entspricht die Wellenlänge bestimmter Obertonschwingungen der Saite der Länge des vom Pickup abgetasteten Saitenstücks, so wird vom Tonabnehmer eine ganze Schwingungsperiode gleichzeitig aufgenommen. Innerhalb dieser Schwingungsperiode vollzieht die Saite sowohl eine positive (z. B. zum Pickup hin) wie auch eine negative Auslenkung (vom Pickup weg). Da beide Auslenkungen bei einem entsprechend breitem magnetischen Fenster gleichzeitig aufgenommen werden, aber unterschiedliche Vorzeichen besitzen, kommt es für diese Schwingung zu einer Auslöschung; in der Tonabnehmerspule entsteht keine Spannung.

Singlecoils besitzen einen gewissen Nachteil, da sie anfällig sind für Störgeräusche und ein Brummen wiedergeben können. Die Ursache: Magnetische Wechselfelder induzieren in der Tonabnehmerspule ja wie beschrieben eine elektrische Spannung. Dies gilt nicht nur für die schwingende Metallsaite, sondern auch für Magnetfelder, die frei durch den Raum „schwirren“. Solche magnetischen Störfelder werden zum Beispiel durch Transformatoren, wie sie in quasi jedem elektrischen Gerät vorhanden sind, erzeugt – unser braver Tonabnehmer fängt sie bei genügender Nähe zur Störquelle auf und gibt sie als hässliches Brummen wieder.

Humbucker

Den Humbucker (dt. Entbrummspule) ließ sich Gibson in den 50er Jahren patentieren. Dieser Pickup ist u. a. bekannt von den Gibson-Modellen Les Paul oder SG. Humbucker liefern einen eher fetteren, dichteren Klang mit mehr Bässen.

Der Humbucker besteht im Gegensatz zum Singlecoil aus mindestens zwei Spulen und zeichnet sich durch seine geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störfeldern aus, was mit einer speziellen Verschaltung der Spulen erreicht wird. Die beiden Spulen des Humbuckers werden dazu phasenverdreht (engl. Out Of Phase) hintereinander oder parallel geschaltet. Bei zwei gegenphasig miteinander verschalteten Spulen löschen sich die störenden Brummeinstreuungen, sofern sie identisch sind.

Gibson Les Paul Studio Faded_01
Petia Chtarkova

Damit sich nicht durch diese Out-of-Phase-Schaltung auch das Nutzsignal (sprich: der Klang der Saite) der beiden Spulen auslöscht, sorgt man dafür, dass die Saitenschwingung in den beiden Spulen Spannungen entgegengesetzter Polarität erzeugt. Dazu müssen nur die Magneten der beiden Spulen gegenpolig angeordnet werden.

Eine weitere, ausgeklügelte Humbucker-Bauweise stellt der so genannte Stack- oder Vertical-Humbucker dar. Hier liegen die beiden Spulen vertikal aufeinander, womit nur der Platz eines normalen einspuligen Tonabnehmers beansprucht wird. Man benutzt auch gerne die Formulierung vom „Humbucker im Singlecoil-Format“. Weiterhin besitzt dieser Tonabnehmer ein ähnlich enges magnetisches Fenster wie ein Singlecoil. Dass ein Stack-Humbucker dennoch nicht ganz so brillant wie ein einspuliger Tonabnehmer klingt, liegt auch an der höheren Windungszahl der beiden hintereinander geschalteten Stack-Spulen.

Aktiv-Pickups

Aktive Tonabnehmer sind solche, bei denen eine elektronische Vorverstärkerschaltung baulich mit dem eigentlichen Tonabnehmer vereinigt ist. Dies ist vorwiegend bei niederohmigen Tonabnehmern mit geringer Spulen-Ausgangsspannung der Fall, um auch hier einen ausreichenden Ausgangspegel zum Aussteuern der Verstärkeranlage zu erhalten.

Man erkennt einen Aktiv-Tonabnehmer einfach daran, dass außer den Tonsignal-Anschlussdrähten noch weitere für die Versorgungsspannung (meistens 9-V-Batterie) der eingebauten Elektronik bei der E-Gitarre vorhanden sind.

Tonabnehmer ohne eingebaute Verstärker- und Impedanzwandler-Elektronik sind passive Bauteile und benötigen zum Betrieb keine Versorgungsspannung. Gleichwohl können sie im Instrument mit einer aktiven Elektronik kombiniert werden. Man spricht in einem solchen Fall von einer „aktiven Gitarre“, die Tonabnehmer als solche sind aber passiv. Bei der ins Instrument integrierten Aktivschaltung kann es sich um einen Vorverstärker (zur Steigerung des Ausgangspegels), um einen Impedanzwandler (für niederohmiges Ausgangssignal) oder um eine aktive Klangregelung handeln. Bei einer aktiven Klangregelung können im Gegensatz zur passiven Tonblende nicht nur gewisse Frequenzbereiche weggefiltert, sondern auch hervorgehoben werden. In aller Regel liefern sämtliche Aktivschaltungen, also auch Klangregelschaltungen, ein relativ niederohmiges Ausgangssignal.

Piezo-Pickups

Pickups, die direkt die mechanischen Schwingungen des Instruments (oder der Saiten) aufnehmen, bezeichnet man als Körperschall-Tonabnehmer. Diese Spezies kommt vor allem bei akustischen Instrumenten zum Einsatz und hat dort eine Mischform hervorgebracht: die elektro-akustische Gitarre mit fest eingebautem Tonabnehmersystem.

Piezoelektrische Pickups (kurz: Piezos) sind reine Körperschall-Tonabnehmer, die nicht auf magnetische Felder oder Luftschall, sondern nur auf direkte mechanische Schwingungsübertragung reagieren. In der praktischen Anwendung werden sie also mechanisch mit schwingenden Teilen des Instruments gekoppelt, z. B. auf die Decke einer Akustik-Gitarre geklebt oder geklemmt. Populär sind auch Piezo-bestückte Steg-Systeme, bei denen der Auflagedruck der Saiten am Steg für die Erregung des PiezoElements ausgenutzt wird.

Manche E-Gitarren Hersteller benutzten solche Stege mit eingebauten Piezos auch bei der E-Gitarre, um zusätzlich einen brillanten und akustischen Klang anbieten zu können, einzeln oder mit magnetischen Pickups gemischt.

Da Piezos auch für jede Saite einzeln arbeiten können, werden sie für spezielle Tonabnehmer bei MIDI- bzw. Synthesizer-Gitarren verwendet, wo jede Saite individuell abgenommen werden muss, bevor ihr Signal über eine spezielle Elektronik weiterverarbeitet wird.

Keramische Piezos lassen sich in allen möglichen Formen herstellen, zumeist kommen sie als Plättchen, Scheiben oder kleine Würfel zum Einsatz. Generell ist das spröde, gelbliche Material mit den meist hauchfeinen Zuleitungs-Drähten recht empfindlich, weshalb der eigentliche Piezo fast immer in einem schützenden Gehäuse untergebracht ist, bzw. mit einem geeigneten Material ummantelt ist.

 

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