Jimmy Page

Jimmy Page hat jeder schon mal gehört, der zwischen den frühen 60er Jahren des vergangenen Jahrtausends und der Gegenwart an Rock-Musik im weiteren Sinne interessiert war: Seine Gitarre war in Aufnahmen von Brian Auger, Jeff Beck, Maggie Bell, David Bowie, Eric Clapton, Joe Cocker, David Coverdale, Crosby, Stills, Nash & Young, Donovan, The Everly Brothers, Family Dogg, The Firm, Kim Fowley, Roy Harper, The Honeydrippers, Brenda Lee, John Mayall, Nico, The Pretty Things, Puff Daddy, Jimmy Rogers AllStars, The Rolling Stones, Al Stewart, Stephen Stills, Screaming Lord Sutch, Sonny Boy Williamson II, Willie & The Poor Boys, The Yardbirds u. v. a. zu hören, seine Songs wurden von so verschiedenen Bands & Interpreten wie Aerosmith, Tori Amos, The Bollock Brothers, Bongwater, Pat Boone, Elkie Brooks, Deodato, The Dixie Dregs, Double Trouble, Duran Duran, Great White, Herbie Hancock, Jeff Healey, Heart, Kristin Hersh, Hootie & the Blowfish, Infectious Grooves, Stanley Jordan, L.A. Guns, Todd Rundgren, Tina Turner, Van Halen und Frank Zappa interpretiert – und sein erfolgreichstes eigenes Projekt hieß Led Zeppelin. Der Mann & seine Musik aus vier Jahrzehnten sind Geschichte.

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Zusammen mit Jimi Hendrix dürfte Jimmy Page zu den einflussreichsten E-Gitarristen der Rock-History gehören. Denn mit Led Zeppelin hat Page Ende der 60er und in den 70er Jahren zeitlose Song-Klassiker wie, Whole Lotta Love‘, ,Kashmir‘ und ,Stairway To Heaven‘ geschaffen und dabei kreativ die Rock-Gitarre neu definiert. Seine Spielkultur, in der sich Elemente aus Blues, 50s Rock & Roll und Folk wiederfinden sowie sein Sound sind legendär. Und bis heute stellen die Platten von Led Zeppelin für jeden ambitionierten E-Gitarristen eine unerschöpfliche Inspirationsquelle dar. Jimmy Page genießt auch bei den Musikern der Nu-Rock-Generation offenbar hohes Ansehen. Am 08. November 2001 trat er gemeinsam mit Limp Bizkit beim „MTV Music Awards“-Happening in der Frankfurter Festhalle auf – kein schlechter Ersatz für den ausgeschiedenen Gitarristen Wes Borland, aber wohl (leider) nicht von Dauer. Dabei gibt es zwischen dem britischen Gitarren-Idol und Borland durchaus Gemeinsamkeiten, wie das Spielen mit ungewöhnlichen Tunings; wobei Page dies und einiges andere auch schon 30 Jahre vorher praktiziert hatte.

Session Player

James Patrick Page wurde am 09. Januar 1944 in Heston, Middlesex, England geboren. Während seiner Jugend in den 50er Jahren lernte er durch das Radio den damals populären Rock & Roll von Interpreten wie Little Richard kennen. Der Auslöser für Jimmys Gitarrenleidenschaft war schließlich die Elvis-Presley-Nummer ,Baby Let‘s Play House‘ mit Scotty Moore an der Gitarre, einem der wichtigsten Begleitmusiker des Rock & Roll der 50s. Seine Eltern kauften Jimmy eine Gitarre und er begann schon sehr bald in diversen Formationen zu spielen. In seine erste richtige Rock-Band stieg Jimmy nach Abschluss der Schule ein: Mit Neil Christian & The Crusaders trat Page in England auf; auf der Setlist der Band standen u. a. Songs von Chuck Berry, Gene Vincent und Bo Diddley. Aufgrund einer ernsthaften Erkrankung war Page gezwungen bei den Crusaders wieder auszusteigen, und er begrub zunächst alle Pläne als Musiker sein Geld zu verdienen.

Jimmy schrieb sich am Art College in Sutton, Surrey, ein, das er zwei Jahre lang besuchte. In dieser Zeit als Kunststudent spielte Page laut eigener Aussage aber weiterhin Gitarre und beschäftigte sich mit dem Blues. Jimmy zog es dann aber endgültig wieder zur Musik hin und gleichzeitig mitten ins Zentrum des Brit-Rock der 60er Jahre: London! Nach einer Session im legendären Marquee Club wurde er für eine Aufnahme angeheuert. Page begann fortan als Studio-Musiker zu arbeiten und dies gleich sehr erfolgreich. Jet Harris und Tony Meehan, die ehemalige Rhythm-Section der Shadows, heuerten den jungen und talentierten Gitarristen für ihre Single ,Diamonds‘ an, die im Januar 1963 auf Rang 1 der britischen Charts landete.

Page spielte in der Folgezeit weitere Studiojobs, u. a. für Beat-Acts wie The Lancastrians, The Primitives und First Gear, aber auch für Schlagersänger, wie die britische Heintje-Version Gregory Phillips. Einen weiteren Hit als Session-Gitarrist konnte Page mit ,Shout‘ von Lulu & The Luvers verzeichnen. Im Laufe der Zeit zupfte Page die Gitarre auch für einige spätere Größen des Business: So ist er etwa auf der Debüt-Single ,Can’t Explain‘ von The Who zu hören, für die Kinks spielte er die Songs ,Kelly‘ und ihre Version von ,See You Later Alligator‘ ein. Ins Reich der Mythen und Legenden gehört allerdings die Behauptung, Page hätte bei den Kinks-Hits ,You Really Got Me‘ und ,All Day And All Of The Night‘ die Gitarre bedient.

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Außerdem kam es in jener Zeit zu einigen wenigen gemeinsamen Aufnahmen mit John Mayall & The Bluesbreakers – damals mit Eric Clapton an der Gitarre. Highlights seiner Session-Tätigkeit war sicherlich das Mitwirken an Joe Cockers ,With A Little Help From My Friends‘ und Donovans ,Hurdy Gurdy Man‘. Gelegentlich arbeitete Page auch als Produzent, so 1965 bei zwei Songs der zeitweiligen Velvet-Underground-Chanteuse Christa Päffgen, besser bekannt als Nico. Die frühen Studiosessions von Jimmy Page zeigen, dass er zu Beginn seiner Karriere von verschiedenen, damals angesagten Gitarristen beeinflusst war. Auf der Rock-Seite waren dies Leute wie Scotty Moore, James Burton und Cliff Gallup (von der Gene-VincentBand); auf der Blues-Seite hörte Page anfangs Musik von Elmore James und B.B. King.

Mit der zunehmenden Studioarbeit war Jimmy aber gezwungen, sich auch mit neuen Stilen zu befassen. „Ich habe damals circa drei Sessions an einem einzigen Tag gespielt“, erzählte Page einmal in einem Interview. „Eine Film-Session am Morgen, dann spielte ich für irgendeinen Rock-Act und am Abend für eine Folk-Band. Ich wusste nie, was kam. Aber die Studioarbeit war wirklich gut für meine Disziplin. Und sie gab mir die Chance, mich weiterzuentwickeln in all diesen verschiedenen Stilen.“ Als Jimmy 1966 bei den damals sehr populären Yardbirds einstieg (Hit: ,For Your Love‘), besaß er also schon einen vielseitigen musikalischen Background.

Interessanterweise spielte er zunächst nur Bass für den ausgeschiedenen Paul Samwell-Smith. Ursprünglich wollten die Yardbirds ihren Rhythmus-Gitarristen Chris Dreja dazu bewegen zum Bass zu wechseln, damit Page gemeinsam mit dem damaligen Lead-Gitarristen Jeff Beck (der als Nachfolger für Eric Clapton in die Formation gekommen war) die Gitarrenarbeit übernehmen sollte. „Was auch geschah“, wie Page sich in einem Gespräch erinnerte, „aber nicht für sehr lange Zeit. Es war eine Frage der Disziplin. Wenn du dich daran begibst mit zwei Gitarren z. B. Riffs zu doppeln, musst du eben genau die gleichen Sachen spielen. Jeff Beck besaß gelegentlich zwar Disziplin, aber er war in dieser Hinsicht ein unbeständiger Spieler. Er ist möglicherweise der beste Gitarrist überhaupt, aber zu jener Zeit hat er sich nicht um solche Sachen oder das Publikum gekümmert.“

Jimmy Page
Archiv, BobHhewitt, Guido Karp, Lj Eifel

Die Platten-Aufnahmen mit den Yardbirds liefen für den studioerfahrenen Page also recht chaotisch ab: „Wir spielten ein Stück und wussten nicht, ob es in Ordnung war. Ian Stewart von den Rolling Stones spielte am Piano mit, und als das Stück fertig war, haben wir es noch nicht einmal angehört und Produzent Mickie Most sagte nur: ,Das Nächste!‘ Ich sagte ihm darauf hin, ich hätte in meinem Leben noch nie so gearbeitet. Und er antwortete: ,Mach‘ dir keine Sorgen.‘ Es ging alles sehr schnell und so klingt es auch.“ Jeff Beck stieg nach einer US-Tour bei den Yardbirds aus, Page übernahm die Rolle des Lead-Gitarristen. Und die Musik der bis dahin stark vom Blues beeinflussten Beat-Band ging in eine noch rockigere und zunehmend psychedelische Richtung, wie man auf dem ‘67er Album ,Little Games‘ nachhören kann. Die Nummer ,White Summer‘, bei der Page akustische Gitarre spielt, und auch das rockige ,Glimpses‘ mit einem Trademark-Page-Riff, weisen schon stark auf spätere Led-Zeppelin-Songs hin.

Led Zeppelin

1968 lösten sich die Yardbirds auf. Page, der sich die Rechte an dem Namen sichern konnte, wollte als die „New Yardbirds“ weitermachen und begann Leute für dieses Projekt zu suchen. Bassist John Paul Jones, der Page schon aus gemeinsamen Studio-Sessions kannte, erfuhr aus einem Artikel des britischen „Disc“-Magazins, dass Jimmy eine neue Band zusammenstellen wollte – und meldete sich prompt. Sänger Robert Plant und Drummer John Bonham, die vorher zusammen in der „Band Of Joy“ gespielt hatten, komplettierten die neuen Yardbirds. Nach einer Skandinavien-Tour im Herbst ’68 und einer nachfolgenden Club-Tour durch UK nannte sich die Formation nun in „Led Zeppelin“ um. Der erste Gig unter dem offiziellen neuen Namen ging am 25. Oktober 1968 in der Surrey University über die Bühne. Und mit dem Erscheinen des selbstbetitelten Debüt-Albums am 12. Januar 1969 hob der Zeppelin dann richtig ab – auf Rang sechs der UK-Album-Charts.

Jimmy Page mit Gitarre

Mit den Rockern ,Communication Breakdown‘ und ,Dazed & Confused‘ begründeten die Musiker ihren Ruf als „erste Heavy-Metal-Band“ – und dies sicherlich eher zu unrecht, denn die gitarrenlastigen Rock-Stücke machten schon zu Beginn nur einen Teil des Zeppelin-Programms aus. Balladen mit Folk-Einflüssen, fast traditioneller Blues mit Slide-Gitarren, schleppende Rock-Nummern mit psychedelischem Einschlag – bereits bei ihrem Debüt zeigten Led Zeppelin genau jene musikalische Bandbreite und jenen eigenwilligen Sound, den sie in den Folgejahren immer weiter verfeinern sollten. Und der sie sicherlich absetzte von den etwas eintönigeren Heavy-Konkurrenz Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre, wie Deep Purple und Black Sabbath.

Über die Entstehung des ersten Led-Zeppelin-Albums erwähnte Bassist John Paul Jones in einem Interview mit Gitarre & Bass (09/99), dass die Songs in nur 15 Stunden eingespielt wurde, weitere 15 Stunden wurden für den Mix benötigt. Allerdings muss man berücksichtigen, das Page und Jones zu diesem Zeitpunkt bereits alte Studio-Hasen waren, die die nötige Disziplin mitbrachten. Und auch Plant und Bonham waren nicht zum ersten Mal an Aufnahmen beteiligt. Zudem konnte die Band auf ihrer Skandinavien-Tour die Songs bereits vorher ausprobieren und an ihnen feilen. Interessant ist sicher der Umstand, das Page, den man normalerweise mit einer Gibson Les Paul in Verbindung bringt, ,Led Zeppelin I‘ mit einer Fender Telecaster einspielte, jenem bunt bemalten Instrument, das ihm Jeff Beck überlassen hatte. Außerdem setze er einen Supro-Amp ein – die gleiche Kombination verwendete Page später übrigens auch für das Solo des Zeppelin-Klassikers ,Stairway To Heaven‘.

Das Debüt-Album war jedenfalls der Startschuss für eine erfolgreiche Karriere: Die folgenden Zeppelin-Alben avancierten allesamt zu Klassikern, und Stücke wie ,Whole Lotta Love‘, ,Black Dog‘ und ,Kashmir‘ dürften wohl auf ewig ihren Platz in der Rock-Geschichte sicher haben. Der Mega-Act der 70er Jahre hieß Led Zeppelin. Die Alben landeten in UK und zumeist auch in den USA auf Rang eins der Charts, die Arenen wurden zunehmend größer und die Shows in visueller Hinsicht immer ausgefeilter. Aber es gab auch negative Schlagzeilen. Jimmy Page begann zu jener Zeit damit, verstärkt illegale Drogen zu konsumieren und bekam gesundheitliche Probleme.

Auch sein Interesse an dem britischen Okkultisten und Selbstdarsteller Aleister Crowley beschäftigte die Fantasie von Fans und Kritikern. Von Rückwärtsbotschaften, geheimnisvollen Symbolen auf den LP-Covern und Ähnlichem war da die Rede. Solche Gerüchte kannte man schon seit den Beatles, die bekanntermaßen ebenfalls mit übernatürlichen Mächten im Bunde gestanden haben sollen – und im Falle von Led Zeppelin wurde der gleiche esoterische Humbug kolportiert, wie immer bei solchen Meldungen. Ende der 70er blieb die Band nicht von Schicksalsschlägen verschont: 1977 starb der Sohn von Robert Plant. Und am 25. September 1980, nach einer durchzechten Nacht, stirbt Led-Zeppelin-Drummer John Bonham keinen Heldentod: Er erstickt an seinem eigenen Erbrochenem. In diesem Jahr, nach dem Tod von AC/DC-Sänger Bon Scott im Februar, bereits das zweite Opfer von übermäßigem Alkoholkonsum. Page, Plant und Jones zogen die Konsequenzen: Kurz nach Bonhams Tod verkündeten die Drei das Ende von Led Zeppelin.

Guitar Hero

Jimmy Page wurde in den 70er Jahren als einer der Gitarren-Götter schlechthin verehrt, und dies nicht ohne Grund. Seine beeindruckende Vielseitigkeit zieht sich als das prägende Merkmal durch alle Zeppelin-Alben. Treibende Rock-Riffs, wie in ,Heartbreaker‘ und ,Immigrant Song‘, Folk-Anleihen auf der Akustischen, z. B. in ,The Battle Of Evermore‘, und Blues-beeinflusste, mit markanten Bendings versehene Soli sind wichtige Aspekte seines Personalstils.

Aber nicht nur in dieser Hinsicht beeindruckte Page, bekannt war er auch für seine Sound-Tricks, die er live und im Studio angewendet hat. Bei der Abnahme der Gitarren-Amps vertraute Page zu Led-Zeppelin-Zeiten der Studio-Weisheit „Distanz schafft Tiefe“. Ein Mikrofon stand direkt vor dem Lautsprecher des benutzten Combos bzw. der Box, ein weiteres wurde in einiger Entfernung platziert; beide Signale wurden später zusammengemischt. So entstand etwa der räumliche und breite Gitarren-Sound in der Nummer ,Out On The Tiles‘ vom Album ,Led Zeppelin III‘. Einen markanten Page-Effekt hört man in dem abfallenden Slide-Riff, das im späteren Verlauf von ,Whole Lotta Love‘ auftaucht. Diesem Part, den Jimmy mit einem Metall-Bottleneck spielte, fügte er ein Rückwärts-Echo hinzu.

Fast schon konventionell wirkt dagegen der eingesetzte Leslie-Speaker-Cabinet bei der Nummer ,Good Times Bad Times‘. Durch den mikrofonierten, rotierenden Lautsprecher entstand dieser flirrende Lead-Gitarren-Sound. Bei der Nummer ,Tangerine‘ (,Led Zeppelin III‘) spielt Page auch Pedal-Steel-Guitar. Dieses Instrument kam übrigens schon auf dem ersten Zeppelin-Album zum Einsatz (,Your Time Is Gonna Come‘), allerdings klingt die Pedal-Steel hier etwas verstimmt. Der Grund: Page hatte damals einfach nicht das geeignete Werkzeug zur Hand, um das Instrument in das ganz korrekte Tuning zu bringen. Der Atmosphäre des Stücks tat dies allerdings keinen Abruch.

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Zu den populärsten Gimmicks von Jimmy Page gehörte sicherlich das Spiel mit dem Geigenbogen, das er schon bei den Yardbirds praktiziert hatte. Laut eigener Aussage bekam Page die Idee durch ein Gespräch mit einem klassisch ausgebildeten Streicher, den er während einer Studio-Session traf. Anfangs strich Page die Saiten seiner E-Gitarre ganz „konventionell“ mit dem Bogen, was den bekannten geigenähnlichen Sound erzeugt; später fügte er diesem Klang auch einige Effekte hinzu, wie WahWah und Echo. Page setzte neben seinen diversen elektrischen und akustischen Gitarren, dem E-Bass, der Harmonica und dem Dulcimer noch ein weiteres Instrument ein – das Theremin. Dieser Frequenzgenerator ist über Handbewegungen steuerbar und erzeugt ziemlich spacige und abedrehte Effekte.

Mit seiner Experimentierfreude im Studio und der gleichzeitigen Verwurzelung in traditionellen Stilen wie Folk und Blues unterschied Jimmy Page sich eindeutig von den beiden anderen wichtigen Gitarristen der sogenannten „British Invasion“ der 60s, den ehemaligen Yardbirds-Musikern Eric Clapton und Jeff Beck. Beck war und ist bis heute von seiner Spielweise her zwar auch extravagant, pendelte jedoch viel mehr als Grenzgänger zwischen den Stilen Rock, Jazz und Blues. Und Clapton blieb im Wesentlichen als Gitarrist immer dem Blues treu.

Solo Artist

Jimmy Page verschwand nach dem Ende von Led Zeppelin für einige Zeit von der Bildfläche und tauchte erst 1982 wieder auf, als er die Soundtracks zu den Filmen „Death Wish I“ und „Death Wish II“ produzierte – und hier auch wieder Gitarre spielte. 1982 erschien posthum das Led-Zeppelin-Album ,Coda‘, für das Page einige bis dahin unveröffentlichte Aufnahmen aus den Jahren 1970 bis ’78 zusammengestellt hatte. 1983 trat er dann gemeinsam mit Eric Clapton und Jeff Beck bei der A.R.M.S.-Tour in England und den USA auf, deren Einnahmen zugunsten der Multiple-Sklerose-Hilfe gingen. Ein Jahr später spielte Page, wieder vereint mit Robert Plant und Jeff Beck, bei dem Honeydripper-Projekt mit, außerdem gründete er mit The Firm eine eigene Band. Mit dabei waren Free/Bad Company-Sänger Paul Rodgers, Tony Franklin am Bass und der spätere AC/DC-Drummer Chris Slade.

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Im Juli 1985 kam es dann zu einer echten Reunion der drei verbliebenen Led-Zeppelin-Musiker Page, Plant & Jones. Bei ihrem Auftritt zu Bob Geldofs „Live Aid“-Konzert traten sie gemeinsam mit den Schlagzeugern Tony Thompson und Phil Collins in Philadelphias JFK Stadium auf. Ein weiteres Reunion-Konzert fand 1988 anlässlich des 25-jährigen Bestehens von Atlantic Records im New Yorker Madison Square Garden statt. Hinter den Drums saß diesmal John Bonhams Sohn Jason. Im selben Jahr spielte Jimmy Page auf Plants Solo-Album ,Now & Zen‘ mit. Und mit ,Outrider‘ gab’s dann 1988 ein richtiges Page-Solo-Album mit einem interessanten Line-Up: Bei einer Nummer singt Robert Plant mit, außerdem sind Brit-Blues-Original Chris Farlowe (voc) und wieder Bonham Jr. (dr) zu hören. Die Musik von ,Outrider‘ fiel insgesamt sehr bluesy aus, daneben gab es auch Rock-Nummern im Zeppelin-Stil.

Anschließend ging Jimmy Page in den USA und England auf Tour. Zu Beginn der 90er kursierten wieder Zeppelin-Comeback-Gerüchte, und in der Tat schlug Page seinem alten Kollegen Plant eine gemeinsame Zusammenarbeit vor. Letzterer lehnte jedoch ab und ging auf Solo-Tournee. Page blieb nicht untätig und spielte 1993 mit dem ehemaligen Deep-Purple- und damaligen Whitesnake-Sänger David Coverdale ein Album ein. Die Musik von ,Coverdale –Page‘ war relativ heavy, die Riffs & Licks trugen unverkennbar die Handschrift des Gitarristen. Die beiden Hardrock-Veteranen spielten einige gemeinsame Konzerte in Japan, aus einer gemeinsamen Welt-Tournee wurde jedoch nichts – angeblich lief der Vorverkauf nicht wie erwartet.

1994 war es dann wieder soweit: Page & Plant machten gemeinsame Sache und das Gespann brachte die CD ,No Quarter‘ heraus. Außerdem spielte man für MTV eine vielbeachtete Unplugged-Session ein und ging auf Welt-Tournee. 1998 veröffentlichten die beiden mit ,Walking Into Clarksdale‘, ein Studio-Album mit neuen Songs. Obwohl das Song-Material typisch zeppelinesk war, zog es jedoch keine größere Aufmerksamkeit nach sich. Die gab es im selben Jahr allerdings für die Kooperation von Jimmy Page mit Rapper Puff Daddy (der sich heute P. Diddy nennt). Für die Neuverfilmung von „Godzilla“ nahm man die Nummer ,Come With Me‘ auf, eine Art Heavy-Version von Zeppelins Klassiker ,Kashmir‘. Page hatte hier sehr clever bei sich selbst geklaut und außerdem mit Tom Morello von Rage Against The Machine, der bei diesem Stück Gitarre und Bass einspielte, einen populären Protagonisten der jüngeren Generation dabei.

Ende der 90er landete Page einen neuen Coup: Gemeinsam mit den Retro-Rockern Black Crowes ging er auf Tour. Auf dem Programm standen überwiegend Led-Zeppelin-Songs, die Jimmy und die Krähen überzeugend interpretierten. 2000 wurde dann das gemeinsame Album ,Live At The Greek‘ veröffentlicht. Im Juni 2001 gab‘s auch wieder mal einen Auftritt von Jimmy Page und Robert Plant, diesmal anlässlich des 60. Geburtstages von Roy Harper. Mit Harper verbindet Page eine lange Freundschaft; bereits zu Beginn der 70er arbeitete er mit dem Folk-Musiker auf verschiedenen Alben zusammen – und Harper dürfte den Gitarristen, was dessen Vorliebe für Folkoristisches anging, nachhaltig geprägt haben.

2001 kam es zu einer weiteren Kooperation von Page & Plant. Für ein Tribute-Album zu Ehren des legendären Rock-’n’-Roll-Labels Sun – zu dessen Artist-Rooster gehörten u. a. Elvis Presley, Roy Orbison, Johnny Cash und Jerry Lee Lewis – spielten beide die Nummer ,My Bucket’s Got A Hole In It‘ ein. Ganz im Sound der 50er Jahre ging Page hier richtig weit zurück zu seinen Roots als Musiker & Gitarrist. Offensichtlich arbeiten die beiden Zeppelin-Köpfe immer mal wieder gerne zusammen – Fortsetzung nicht ausgeschlossen …

Equipment

Seine erste E-Gitarre bekam Jimmy Page im Alter von 14 Jahren, eine Grazzioso-Stratocaster-Kopie, dann folgte eine richtige Fender Strat. Schließlich legte sich Jimmy eine schwarze Gibson Les Paul Custom zu, mit der er seine 60s-Sessions bestritt – bis dieses Instrument ihm gestohlen wurde. Bei den Yardbirds spielte Page dann hauptsächlich die Fender Telecaster, die er von Jeff Beck bekommen hatte und die im Trend der Zeit psychedelisch-bunt angemalt wurde. Außerdem kamen eine Gibson Les Paul und bei einigen Aufnahmen eine Vox- 12-String zum Einsatz. Schließlich benutze er live für die Nummer ,White Summer‘ eine Danelectro. Das erste Led-Zeppelin-Album wurde ebenfalls mit der Telecaster eingespielt, außerdem kamen hier eine akustische Gibson J-200 und eine unbekannte zwölfsaitige elektrisch Gitarre zum Einsatz.

Jimmys Haupt-E-Gitarren in den 70er Jahren waren dann eine 1958er und ‘59er Gibson Les Paul (beide sunburst). Auf der Bühne pflegte Page bei ,Stairway To Heaven‘ ein Gibson-SG-Doubleneck-Modell einzusetzen. Er bemerkte einmal dazu, dass er die Pickups des 12-saitigen Teils der Gitarre in Betrieb ließ, während er auf den 6 Saiten des anderen Halses spielte. Die Abnahme der leicht mitschwingenden Leersaiten fügen so subtil dem Klang Resonanzschwingungen hinzu. Auf alten Fotos sieht man Page zu Led-Zeppelin-Zeiten auch mit einer Danelectro-Gitarre und einem Semiakustik-Modell von Gibson.

Page besaß, beeinflusst von Fingerstyle-Artisten wie Bert Jansch, John Renbourn und Roy Harper eine Vorliebe für Folk. Im Laufe der Zeit verwendete er für diverse ruhigere Parts in den Zeppelin-Songs neben der Akustik-Gitarre auch noch andere Saiteninstrumente, wie ein Banjo auf ,Gallows Pole‘ (,Led Zeppelin III‘) und eine Mandoline bei ,The Battle Of Evermore‘ (,Led Zeppelin IV‘).

1998 trat Jimmy Page mit Robert Plant als Headliner beim Bizarre-Festival in Deutschland auf. Hier kamen u. a. wieder die alten Les-Paul-Gitarren von 1958 und ’59 zum Einsatz. Das modifizierte ‘59er Modell besitzt übrigens einige schalttechnische Raffinessen: Unter dem Schlagbrett befinden sich Druckknöpfe für Seriell/Parallel- und Out-Of-Phase-Schaltungen der beiden Pickups, Push/Pull-Potis bieten weitere Schaltmöglichkeiten der beiden Humbucker. Weiterhin stand auch der Prototyp des späteren Jimmy-Page-Signature-Modells von Gibson auf der Bühne, das schaltungstechnisch der ‘59er Paula folgt. Außerdem hatte Page zwei neuere Les Pauls am Start, die mit Performance-Tuning-Systemen ausgestattet waren. Dieses computergesteuerte System namens „The Cat“ stimmt die Gitarre automatisch über kleine Motoren, die in einer Spezial-Brücke untergebracht sind; in die obere Korpuszarge wurde sogar ein LC-Display eingebaut. Über 200 verschiedene (Open-)Tunings lassen sich im Instrument abspeichern und können über Taster auf der Decke abgerufen werden. Akku-Packs am Gitarren-Gurt sorgen für die Betriebsspannung.

Außerdem hatte Page noch eine Strat aus den 60er Jahren und eine Ted-McCarty-Gitarre von PRS dabei. An Acoustics standen eine Yamaha-Jimmy-Page-Signature und zwei Ovation-Doublenecks bereit, beides Sonderanfertigungen. Page setzte neben der Standardstimmung sehr gerne und oft spezielle Tunings ein, aber auch konventionellere, wie die von ihm als „CIA“-Stimmung bezeichnete: von den tiefen zu den hohen Saiten lautete die Stimmung: d a d g a d. CIA bezog sich dabei auf das keltische (celtic), indianische (indian) und arabische (arabian) Feeling dieses Tunings. Zu hören ist es etwa bei der Nummer ,Black Mountain Side‘.

Weitere verwendete Tunings waren Open-C (c g c e g c) und Open G (d g d g b d). Bei einigen Songs stimmte Page die tiefe E-Saite um einen Ganzton auf d herunter (Dropped-D). Für seine Session-Arbeit in den 60ern benutze Page einen kleinen Supro-Amp. Zu Yardbirds-Zeiten spielte er Vox-AC-30-Combos, später auch Vox-Top-Teile mit Boxen. Mit Zeppelin dürfte Sound-Fanatiker Page dann die verschiedensten Verstärker- und Boxen-Typen von Vox, Fender und Marshall ausprobiert und eingesetzt haben.

Live benutze er in den 70er Jahren modifizierte 100-Watt-Marshall-Amps, deren Leistung auf 200 Watt erhöht war. Auf der Bühne standen nebeneinander mehrere Marshall- 4×12″-Lautsprecher-Boxen. Zum weiteren Equipment gehörten u. a. ein WahWah-Pedal, ein Harmonizer, ein Echoplex und das Theremin. Bei jenem oben erwähnten Bizarre-Gig von 1998 setzte Jimmy Page ein Pedalboard des englischen Rack-Spezialisten Pete Cornish ein. Mit diesem Board steuerte Page ein WahWah, ein Digitech-Whammy-Pedal, zwei Chorus-Einheiten, einen Phaser und einen Booster. Zwei alte Echoplex-Banchecho-Geräte sind über Loops hinzuschaltbar. Über das Cornish-Board wurden drei Fender-Tonemaster-Amps angewählt, angeschlossen waren damals 4×12″-Cabinets, ebenfalls von Fender.

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