Ecken & Kanten

Von der Gibson Explorer zur Heavy-Axt

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(Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Modernistisch sollten die neuen Gitarren sein – um Gibson von seinem traditionsbelasteten, muffigen Image befreien, in dem man sich gegen Ende der 1950er-Jahre wähnte. Zu aufmüpfig war Fender, der freche Konkurrent von der Westküste, geworden – mit seinen unkonventionellen Gitarrenkonzepten Telecaster und Stratocaster.

An einem Frühlingstag 1957 trommelte also Ted McCarty, der Gibson-Mastermind und -CEO, seine besten Männer zusammen, um einen Ausweg aus dieser Misere zu finden. Dabei befand sich doch die Firma eigentlich mitten in ihrer kreativsten Phase, die der Gitarrengeschichte viele Langzeit-Klassiker bescheren sollte. So z.B. das frische, neue Sunburst-Finish für die Les Paul, die revolutionären Semiacoustics der ES-Serie, die Einführung des Humbuckers und des Double-Cutaway-Korpus für Junior und Special, und auch die ersten Doubleneck-Instrumente der Firma sind in dieser Phase entstanden. Aber was an diesem Tag auf Ted McCartys Schreibtisch ins Rollen gebracht wurde, war deutlich revolutionärer als alles andere bisher dagewesene …

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Ecken & Kanten

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte eine Gitarre einen Korpus mit zwei Rundungen zu haben, die sich durch eine mehr oder weniger schmale Taille voneinander absetzten. Die Korpusrundung am Hals war in der Regel kleiner als die auf der anderen Seite, und es bedurfte keiner besonders großen Phantasieanstrengung der Männerwelt, solch einem wohlgeformten Körper ganz bestimmte Assoziationen zu entlocken.

Alle Hersteller bauten ihre Gitarren nach diesem Schema, und selbst die ansonsten so innovativen Fender-Instrumente wiesen ebenfalls diese Konzeption auf. Doch damit war nun Schluss! Man wollte modern sein, Ted McCarty forderte von seinen Leuten eine „Modernistic Series“. Ausgehend von einem großen Rechteck, zeichnete man gerade Linien und skizzierte vermutlich zuerst das pfeilförmige Design, das sich später zur Flying V entwickeln sollte.

Schiebt man zwei Konturzeichnungen der Flying V nun schräg übereinander und gleicht die daraus entstehende Form noch an die Ergonomie-Voraussetzungen einer Gitarre an, entsteht daraus ein Korpus-Design, das kurze Zeit später als erstes der drei Modernistic-Gitarren patentiert wurde – die Futura. Ein nicht ganz ernst gemeinter Versuch mit einem gewinkelten Korpus mit sehr schmaler Taille und einer gesplitteten Kopfplatte, die wie ein umgedrehtes V aussah. Von der Futura war es jedoch nur ein kleiner Schritt zu dem, was wir als Explorer kennen – ein in seinen Dimensionen besser abgestimmter Korpus und eine nach unten zeigende, schmale Kopfplatte, nicht unähnlich einem umgedrehten Hockey-Schläger.

Gibson veröffentlichte jedoch nicht die von der Futura zur Explorer gereifte Gitarre als erste der Modernistic-Series, sondern die schnittige Flying V – auf der NAMM-Show 1958. Doch bereits in einem Katalog vom Mai 1958 kündigte Gibson das zweite Modell der neuen Reihe an – die Explorer. „We introduce you to a new star in the Gibson line, The Explorer, designed as an companion instrument to the already famous Flying V“, formulierten Gibsons Werbetexter gewohnt blumig.

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Das Original: Gibson Explorer von 1958 (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Die Verzögerung, mit der die Explorer auf den Markt gebracht wurde, hatte mit den Änderungen des Designs auf dem Weg von der Futura hin zur Explorer zu tun. Dafür hätte man nicht zwangläufig den Namen der Gitarre ändern müssen. Aber da die USA Ende Januar 1958 ihren ersten Satelliten Explorer-I in die Erdumlaufbahn katapultiert hatten, entschloss man sich, die Strahlkraft dieses Weltraumabenteuers auch für die eigenen Zwecke zu nutzen und taufte die Futura in Explorer um. Einige wenige Explorer der ersten Stunde – produziert wurden sie ab Juli 1958 – kamen noch mit der V-förmigen Kopfplatte der Futura auf den Markt, aber diese lassen sich an einer Hand abzählen.

Wie auch das Schwestermodell Flying V war die Explorer aus Limba gebaut, einem hellen, günstigen Holz mit Mahagoni-ähnlichen Eigenschaften und dem Handelsnamen Korina. Sie hatte zwei der neuen PAF-Tonabnehmer, die mittels Dreiweg-Schalter, zweier Volume- und eines Tone-Potis zu regeln waren. Die Saiten liefen ganz konventionell über eine Tune-o-matic-Brücke und wurden an einem Stop-Tailpiece verankert. Kaum konventionell konnte man jedoch die gesamte Erscheinung dieser Gitarre nennen. Dieser eckige Korpus mit seinen modernen, geraden Linien, dem keilförmigen Hinterteil und dem spitzen langen Horn unter dem Halsansatz gaben im Prinzip ein noch radikaleres Bild als die Flying V ab.

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(Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Schade nur, dass sich kaum ein Gitarrist der späten 1950er-Jahre für diese radikale Gitarre erwärmen konnte. 1958 wurden 19 Exemplare der Explorer, 1959 gerade mal drei (!) verkauft. Grund genug, die Modernistic-Serie 1960 wieder zu den Akten zu legen, denn auch die Flying V hatte die in sie gesteckten Erwartungen nicht erfüllt – und die Moderne, das dritte Modell des Modernistic-Trios, wurde erst gar nicht gebaut. Nur 22 Explorer plus eine Handvoll, die 1963 aus vorhandenen Teilen zusammengebaut und auf den Markt gebracht worden waren, befanden sich nun also im Umlauf; kein Wunder, dass dieses seltene Modell kein Prinz wach küsste, so wie es Eric Clapton mit der Les Paul oder Albert King und Lonnie Mack Mitte der 1960er mit der Flying V getan hatten.

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Rick Derringer spielte die ultraseltene Version der 1958er Explorer mit gesplitteter Kopfplatte, von der nur eine kleine Handvoll gebaut wurde. (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Wiedergeburt

Der Dornröschenschlaf der Explorer dauerte etwa bis 1975. Allerdings küsste der besagte Prinz nicht etwa Gibsons Dornröschen wach, sondern bemühte sich erstmal um andere hübsche Artgenossinnen. Und wie Aschenputtel standen urplötzlich neue Marken im Mittelpunkt des Interesses. Und die bedienten sich frech des ursprünglichen Gibson-Designs, reicherten es mit ansprechenden Details an und boten eine deutlich bessere Verarbeitung plus hochwertigere Komponenten als Gibson in den von der Konzernpolitik geprägten 1970er-Jahren.

Bestes Beispiel: die Hamer Standard. Paul Hamer und Jol Dantzig arbeiteten seit 1973 zusammen – und als sie beschlossen, eigene Gitarren zu bauen, fiel ihre Wahl auf die Designs der Modernistic-Series von Gibson. Erst eine Handvoll Flying-V-, dann volle Konzentration auf Explorer-Versionen, die sie nicht ohne Grund Standard nannten. Denn eine Hamer Standard morphte das zackige Explorer-Design mit dem Erscheinungsbild einer Les Paul Standard – also mit stark geflammter Ahorndecke inkl. cremefarbener Einfassung und Cherry-Sunburst-Lackierung.

Die Gitarre gefiel auf Anhieb und gerade angesagte Musiker bekannten sich zu Hamer. Martin Barre, Gitarrist von Jethro Tull, bekam die erste Hamer Standard aus der Produktion, Mick Ralphs von Bad Company, Rick Nielsen von Cheap Trick und viele andere folgten dem Ruf. Die Hamer Standard und ihr Erfolg fungierten als Weckruf für andere junge Gitarrenbau-Firmen, die sich ebenfalls an den Modernistic-Designs austobten.

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Mit der Hamer Standard begann in den 1970er-Jahren der Aufstand der Kleinen gegen das große Gibson-Imperium – mit Erfolg. (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Diese Geschichte entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn jetzt, mit dem Erfolg solcher Firmen wie Hamer, Dean, Jackson und anderen, schien die Modernistic-Series endlich in einer Zeit angekommen zu sein, die auch zu ihr passt. Eine Zeit des Aufbruchs, der Rebellion und der immer aggressiver werdenden Musik – die Flower-Power-Ansätze der 1960er-Jahre waren längst im Kommerz ertränkt, die Rock-Konzerte wurden in den 70ern immer größer, lauter und bunter – da wollten viele der jungen Musiker auffälligere Instrumente spielen, und nicht die Les Paul oder Stratocaster von Vattern.

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Die Jackson Kelly erinnert nur noch entfernt an eine Gibson Explorer. (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Japan Calling

Die Japaner – allen voran Ibanez und Tokai – beobachteten wie immer sehr aufmerksam aus der Ferne das Geschehen.

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So schick wie eine Hamer Standard – eine seltene Tokai EX von 1982. (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Das www war noch nicht erfunden, aber dennoch waren sie bereits Anfang der 70er-Jahre mit Kopien der alten Originale am Start – und genauso schnell mit eigenen Versionen dieser auffälligen Designs. Bereits 1975 stellte Ibanez mit der 2459 Destroyer eine eigene, sehr schnittige Interpretation des Themas Explorer vor.

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Eddie van Halen spielte sein erstes Album mit so einer Ibanez-Explorer-Kopie, der 2459 Destroyer ein. Er hatte seine Gitarre allerdings weiß umlackiert. (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Dieses Modell sollte kurze Zeit später in den Händen eines gewissen Eddie van Halen Geschichte schreiben – als eine von zwei Hauptgitarren des ersten Van-Halen-Albums. Mehr als die Hälfte der Songs dieses Albums hat Eddie van Halen mit der Destroyer eingespielt, die er selbst weiß lackiert hatte. Den fetten Ton dieser Gitarre kann man auf den Tracks ‚Runnin’ With The Devil‘, ‚You Really Got Me‘, ‚Jamie’s Cryin’‘, ‚Feel Your Love Tonight‘ und ‚On Fire‘ klar erkennen.

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(Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Kurze Zeit nach den Aufnahmen „modifizierte“ Eddie seine Destroyer kurzerhand mit einer Kettensäge, indem er aus dem hinteren Body-Teil einen großen, V-förmigen Teil herausschnitt und dort zwei Ketten reinhängte. Auch die Farbe wurde in Rot mit weißen Streifen geändert – aber leider hatte sich durch diese Operation der Ton der Gitarre so sehr verschlechtert, dass The Shark, wie die Destroyer jetzt hieß, kaum mehr zum Einsatz kam.

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Operation gelungen: Aus Destroyer wurde The Shark! Patient tot. (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Neue Namen

Auch in den USA war man bereits bei eigenen EX-Modellen angekommen, wie die Explorer-Versionen abgekürzt genannt wurden. Bernardo Rico stellte 1976 seine B.C. Rich Mockingbird vor, eine aus edlen Hölzern gebaute Gitarre mit eindeutigen Anleihen beim Explorer-Design, aber genauso eindeutig ausgeprägtem eigenen Stil. Das fanden auch Joe Perry von Aerosmith und Slash, die diese B.C.-Rich-Gitarren spielten. Bis heute hat sich diese Marke ihre extremen Designs erhalten und ist in Hard’n’Heavy-Kreisen eine große Nummer geworden – dank der neuen Besitzer, die die Marke nach dem Tod von Bernardo Rico im Jahr 1999 weiterführten und neben den teuren USA-Modellen vor allem auf fernöstliche Produktion setzten.

Apropos große Nummer: Dean Guitars waren in der Tat eine große Nummer unter den kleinen Neuen. Dean Zelinsky, der Firmengründer, war einer der jungen Wilden, die von der Modernistic-Series überzeugt waren. Er begründete seine Firma 1976 gleich mit drei extravaganten Modellen: V, Z und ML – Letztere benannt nach seinem besten Freund Matt Lynn, der an Krebs starb, als beide 17 Jahre alt waren. Die Z war Zelinskys Version der Explorer, die ML hingegen ein eigenes Design, das geschickt Elemente von V und Z miteinander verwob und sich schon bald neben V- und EX-Gitarren als dritter Gitarrentyp im Hardrock und Metal etablieren konnte.

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Dank Dimebag Darrell längst ein Neo-Klassiker: Dean ML (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Verantwortlich war dafür, wie schon so oft in der Gitarrengeschichte, ein herausragender Gitarrist: Dimebag Darrell. Der hatte als Teenager in einem Gitarristen-Wettbewerb eine Dean ML gewonnen und diese Gitarre auf Anhieb als seine Lieblingswaffe adoptiert. Darrell und seine Band Pantera entwickelten sich zu Pionieren des Metal und ebneten damit den Weg für die ML in eben jener Musik und den vielen anderen Richtungen, die sich aus dem Metal in den Folgejahren herausschälen sollten.

1991 verließ Zelinsky seine Firma, 1995 ging auch Darrell von Dean zu Washburn, wo er mehrere Signature-Modelle entwickelte, die allesamt auf dem ML-Design basierten. Die Beziehung zu Zelinsky brach nie ab, und als dieser ab 2000 wieder als Consultant für Dean Guitars tätig war, kehrte auch Darrell wieder zu dieser Firma zurück. Man arbeitete an einem neuen Signature-Modell, das später als Razorback auf den Markt kam, als der gewaltsame Tod Darrells 2004 die Zusammenarbeit jäh beendete.

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Dean Razorback: die zweite Signature-Gitarre für Dimebag Darrell. (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Dean hält das gitarristische Erbe Dimebag Darrells bis heute mit vielen verschiedenen Versionen von ML und Razorback aufrecht, versorgt aber auch andere Metal-Größen mit passenden Äxten in EX-Form. Z. B. gibt es die X, ein Signature-Instrument für den Megadeth-Gitarristen Dave Mustaine.

Zelinsky verließ Dean Guitars ein zweites Mal 2008, um eine neue Firma zu gründen: DBZ. Hier wartete er mit noch extremeren ML-Designs wie z.B. der Bird of Prey auf, die auf starke Resonanz in der Metal-Szene stießen. Mit der Hailfire hatte man aber auch eine gelungene EX-Version an Bord. Doch nur ein paar Jahre später beschloss Zelinsky endgültig, dass das Arbeiten in einer größeren Firma nichts für ihn sei. Er gründete Dean Zelinsky Private Label Guitars – aber zackige Gitarren sucht man dort bis heute vergebens.

Alles geht

Der Weg für extrem zackige EX- und ML-Designs war im Laufe der 80er-Jahre also längst freigeräumt, und sie wurden gerne mit anderen gewagten Erscheinungsformen kombiniert. Spandex-Hosen, Föhnfrisuren und Plateausohlen, Bands wie Kiss und der Glam-Rock an sich, ermöglichten den Einsatz von extrovertierten Gitarren-Formen und -Ausführungen, wie sie vorher noch nie dagewesen waren. Die Gitarre als pures Handwerkszeug hatte längst ausgedient – sie war modisches Accessoire! Obwohl sie natürlich weiterhin zu funktionieren hatte.

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Gibson Matthias Jabs 90 Signature Explorer – mit nur 90% der üblichen Größe. Die späteren X-Plorer-Modelle von Gibson hatten ebenfalls die verkleinerte, handlichere Korpusform. (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Ibanez war an vorderster Front mit entsprechenden Gitarren dabei und hatte längst in den USA Fuß gefasst. Jackson und Charvel wurden immer größer, fusionierten schließlich und erzielten mit ihren in Fernost produzierten Instrumenten enorme Umsätze. Ähnliche Wege gingen auch B.C. Rich, Dean, Schecter und DBZ, um nur einige zu nennen.

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Matthias Jabs und ein Nachbau seiner Signature vom Hamburger Gitarrenbauer Boris Dommenget (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Einen gewaltigen Schub an Aufmerksamkeit bekam die Explorer in der zweiten Hälfte der 80er-Jahren durch zwei sehr unterschiedliche Gitarristen. In Dublin machte eine Band namens U2 auf sich aufmerksam, deren Gitarrist The Edge von Anfang an mit Gibson Explorer, EHX Memory Man und Vox AC30 einen Sound prägte, der heute längst als klassisch gilt. The Edge spielte eine 1976er Explorer, die er sich in genau diesem Jahr als Teenager in New York gekauft hatte.

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Gibson Explorer von The Edge/U2 (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

In Amerika gab es Metallica, eine Band, die wie keine andere den modernen Metal formte. 1986 erschien ‚Master Of Puppets’, eines der wichtigsten Metal-Alben überhaupt. Kirk Hammett und James Hetfield, die beiden Gitarristen, dachten natürlich auch modernistisch und spielten erst Gibson-Instrumente (V, bzw. Explorer), ehe sie Ende der 80er eine japanische Firma ins Spiel brachten, die heute als eine der wichtigsten Gitarrenfirmen des harten Genres gilt: ESP. Bis heute arbeiten die beiden mit ESP und deren Tochterfirma LTD zusammen, mit diversen Signature-Modellen wie z.B. der von der Explorer abgeleiteten Snakebyte für James Hetfield.

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James Hetfield mit einer seiner ersten Gibson-Kopien von ESP. 1999 gab es ein Gerichtsverfahren, in dem sich ESP verpflichtete, keine 1:1-Kopien mehr herzustellen. (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Dass diese Gitarren nicht mehr so eng an Gibson angelehnt sind, hat einen guten Grund. 1999 einigte man sich vor Gericht darauf, dass ESP auf 1:1- Kopien der Gibson-Designs verzichtet. Und das machte den Weg frei für noch mehr Ecken, Spitzen und Kanten.

Heute gibt es etliche Firmen, große wie kleine, die extreme Gitarren für ein extremes Klientel bauen. Die Metal-Szene ist so groß wie nie, die „Zackenbarsche“ sind nicht nur etabliert, sondern ein unverzichtbares Muss dieser Szene geworden. Da wirkt eine ganz normale Gibson V oder Explorer im Vergleich zu den heute angesagten Designs wie eine biedere Reminiszenz an längst vergangene Tage.

Mutterschiff

Aber was machte eigentlich Gibson in der ganzen Zeit? Beamen wir uns zurück in die 1970er-Jahre, als Gibson den Anschluss verloren hatten. Der Hersteller machte in dieser Zeit aus gitarrenhistorischer Sicht nichts Besonderes. Außer, einen Flop nach dem anderen zu produzieren. Gitarren wie L-5S (1972), L-6s (1973), Marauder (1975) und S-1 (1976) taugten nicht, um Geschichte zu schreiben.

Auch die 1977 ins Leben gerufene RD-Serie, die zumindest wie entfernte Verwandte der Explorer aussahen und für die der große Bob Moog eine aktive Elektronik mit Kompressor und Expander entwickelte, war ein Schlag ins Kontor. Genau wie Fender war auch Gibson schwach geworden, was den kreativen Output anging, und hatte den Musiker und den Zeitgeist vollkommen aus den Augen verloren. Doch so langsam besann man sich auf die eigene Vergangenheit – vor allem, als man den Erfolg von Firmen wie Hamer und Dean mit den eigenen Modernistic-Designs mitbekam.

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Bei der Wiederauflage 1976 gab es auch farbig lackierte Modelle. (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Gibson handelte und stellte 1976 eine Neuauflage der Explorer vor – 16 Jahre, nachdem man die Produktion eingestellt hatte. Der Body war aus Mahagoni statt aus Korina – lediglich eine kleine, limitierte Anzahl war aus dem Originalmaterial, und es gab auch Versionen mit einem Kahler-Vibratosystem. Von 1981 bis 1983 erschienen mit der Explorer I und der Explorer 83 Modelle mit Erlekorpus. Wichtiger war da schon die Installation der Heritage-Serie, in der 1981 bis 1983 das komplette Modernistic-Trio V, EX und Moderne erschien, mit der Explorer als erste dieses Runs.

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Gibson Explorer von 2007. Man beachte die drei Stücke, aus denen der Body zusammengesetzt ist. (Bild: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius)

Im Laufe der Zeit erschienen immer wieder neue Explorer-Modelle, die meist nur sehr kurz am Markt waren. Herauszuheben aus diesem Experimentierfeld wären vielleicht die Instrumente der Designer-Series von 1984, Explorer Vampire Blood Moon (2011) und Voodoo (2002 bis 2004), die X-Plorer New Century (2006 bis 2008) mit voll verspiegelter Decke oder die Explorer CMT (1976 und 1981-84), die wie nichts anderes als eine Kopie einer Hamer Standard daher kam.

Es gab 7-saitige Explorer, es gab Explorer mit Synth-Pickup, es gab Explorer mit Robot-Mechaniken – aber so richtig interessant erscheinen heute mehr denn je die Reissues des alten Originals. 1993 kam die Korina Explorer auf den Markt, die 1994 zusammen mit der Korina V die Historic Collection begründete, in der, wie wir alle wissen, bis heute auch viele andere Gibson-Klassiker erscheinen und das reiche Erbe des Herstellers würdig in die Zukunft transportieren. Während die Ritter des modernen Metal in all seinen Facetten sich an immer wilderen Nachfahren der Explorer erfreuen.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Auch Guild hat sich Ende der 70er/Anfang 80 mit einer Variante (Explorer Korpus mit etlichen rausbgeschnittenen Löchern) versucht!
    Die Bladerunner!
    (Kann leider das Foto der Gitarre hier nich runterladen)

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