Eddie Van Halen

Eddie Van Halen ist der Lead-Gitarrist von Van Halen. Mit seiner Band schrieb als Songwriter und musikalischer Kopf Rock’n’Roll-Geschichte.

Eddie Van Halen & sein Equipment

Die erste „professionelle“ Gitarre von Eddie Van Halen ist eine Fender Stratocaster. Im Originalzustand bleibt das Instrument allerdings nicht lange… Aus Unzufriedenheit über Sound, Pickups und Whammy-Bar beginnt Eddie Van Halen mit Hälsen, Korpussen und Tonabnehmern zu experimentieren (mit Parts von Fender, Charvel und später Kramer Barettas). Daraus entstanden die wunderlichen „Frankenstrats“ der frühen Phase.

„Die Jungs mochten den Sound (der Stratocaster) nicht, weil er von Natur aus eher dünn ist. Also baute ich einen Humbucker ein. Dabei hatte ich Probleme, die anderen Kabel wieder in die Gitarre hineinzubekommen. Also hab ich den ganzen Kram gar nicht erst wieder eingebaut.“ Parallel entsteht auch Edwards typisches Streifen-Design im Do-It-Yourself-Verfahren in der heimischen Garage. „Ich klebte die Gitarren mit Klebeband ab, nahm ‚ne Sprühdose und hielt einfach drauf.“

Gleichzeitig tüftelt Eddie Van Halen an der Entwicklung eines verstimmungsfreien Vibrato-Systems mit einem jungen Unternehmen namens Floyd Rose. „Eines Tages kamen die Jungs mit einem Vibrato zu mir, das entfernte Ähnlichkeit mit dem heutigen System hatte.  Allerdings musste man zum Stimmen eine Feststellschraube lösen. Ich schlug vor, es mit Feinstimmern zu versuchen. Sie probierten es, doch dummerweise saßen die genau dort, wo mein Handballen beim Spielen aufliegt, sodass sich die Gitarre dauernd verstimmte.“ Etwa ab 1983 spielt Eddi Van Halen dann Kramer-Gitarren mit verbessertem Floyd-Rose-Vibrato.

Zur Verstärkung: Ende der 70er-/Anfang der 80er-Jahre spielt Eddie Van Halen modifizierte Marshalls, deren angepasstes Signal aus dem Speaker-Output noch mal von drei HIIH-800-Watt-Endstufen aufgeblasen wird. Als Cabinets dienen Marshall 4x12er mit Celestions, die mit zwei Shure-SM57-Mikros abgenommen werden, eins angewinkelt, eins direkt.  Ansonsten lautet EVHs Philosophie: „Ich reiße einfach alles bis zum Anschlag auf!“

Zum Glück vergisst Eddie Van Halen dabei nicht sein Gehör und verrät sein Rezept zur Vermeidung vom kleinen Mann im Ohr: „Selbst anfangs, als ich noch hohe Verstärkertürme hatte, hab ich nur die unteren Cabinets benutzt. Ich stelle mich gerne davor, damit ich spüre wie sich die Härchen auf meinen Armen bewegen, aber bitte nicht die Haare auf meinem Kopf!“ Wie schon erwähnt, ist Edwards rauer, ursprünglicher Sound einer eher „produzierten“ Klangfarbe gewichen.

Aber erst 1992 wird Edward seinen 5150-Amp vorstellen, der in Zusammenarbeit mit Peavey kompromisslos auf seine Ansprüche zugeschnitten ist. Zu seiner damaligen Sound-Philosophie sagt er. „Marshalls klingen mir manchmal zu schrill, ihr Sound ist nicht so warm wie ich es gerne hätte.“ Sein Amp muss vor allem zwei Kriterien erfüllen: „Ein gutes Sustain und ein klarer Ton. Diesen totalen Headbanger-Fuzz-Sound mag ich nicht.“ Und er fügt noch etwas sehr interessantes an. „Ich drehe solange an den Knöpfen meiner Verstärker herum, bis ich meinen Sound finde und nicht den Sound des Amps.“ Eine einfache, selbstbewusste und tolle Philosophie.

Tapping & Tricks

Die Tapping-Technik ist seinerzeit noch völlig neu und Eddi Van Halens „Geheimnis“, das jedoch schnell zum Markenzeichen wird. Bei den ersten Shows spielt Edward seine Tapping-Parts mit dem Rücken zum Publikum, um sich unerwünschter Kopierer zu erwehren.  „Es gab einige Jungs die nur kamen, um sich meine Tricks abzuschauen“, grinst er später.

Zum weiteren Vokabular in seinem Wortschatz gehören Spieltechniken wie Percussive-Harmonics (die beim Hammer-On auf einer Saite entstehen, wenn man bei einem gegriffenen Akkord zum Beispiel fünf, sieben oder zwölf Bünde höher aufs Griffbrett tappt) wie im Intro zu ‚Spanish Fly‘ oder Flageolets als integrativer Bestandteil eines Stücks wie bei ‚Ain’t Talkin‘ ‘Bout Love‘ oder ‚Little Guitars‘. Später auch die feinfühlige und Delay-veredelte Volume-Knopf-Arbeit von ‚Cathedral‘. Vor allem aber der exzessive Einsatz des Vibratos, von der gewagten Übertreibung eines gespielten Bendings bis zur absoluten Erschlaffung der Saiten – „Dive Bomb“ – die in den Achtzigern allerorten kopiert wird. „Ich benutze das Whammy-Bar nicht für irgendwelche Mätzchen“, stellt Eddie Van Halen klar, „es ist einfach meine Art zu spielen!“

Was übrigens selbst erfahrenen Dozenten Probleme bereitet. 1983 ist Edward am renommierten Guitar Institute of Technology (kurz G.I.T.) in Los Angeles zu einem Workshop geladen. Die dortigen Dozenten möchten für die Nachtwelt transkribieren, was der geniale Gitarrenvirtuose vorträgt.

Doch dann passiert etwas Verblüffendes: weder profunde Notenkenntnisse noch analytische Tiefenschärfe reichen, um zu Papier zu bringen, was der Gast-Star auf seinem Instrument an Kapriolen hinlegt. „Es mag aus heutiger Sicht lustig klingen, aber damals mussten sie erst mal neue Symbole erfinden, die dann über die Noten gestellt wurden, um zu zeigen, was ich mache“, freut sich Edward – bekanntlich ein Autodidakt.

„Es gab zu der Zeit keinen Weg aufzuschreiben was ich spiele!“ Welcher andere Rock-Musiker kann das für sich in Anspruch nehmen? Überhaupt: Kein anderer Rock-Gitarrist prägt das Genre derart eindrucksvoll wie der kumpelhafte Kettenraucher mit den wuchtigen Akkorden und wieselflinken Soli auf seinen seltsam selbst geschraubten Ersatzteilgitarren, die so aussehen, dass man sie nicht mal geschenkt haben will.

Als Einflüsse nennt er Jeff Beck, Jimi Hendrix, Jimmy Page und Eric Clapton – angeblich kann er jeden Clapton-Song auswendig. „Jeder von ihnen hat einen unverwechselbaren Stil, spricht auf der Gitarre seine eigene Sprache. Die Liebe zur Musik ist ihr Antrieb. Ich habe oft gesagt, dass Clapton mein Haupteinfluss ist, aber Page war in Wirklichkeit eher wie ich, im Hinblick auf die Wildheit.“

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