Slash

Gitarren, Drogen, Guns N’ Roses: Erfahre alles über Slash, einen der begnadetsten Rock-Gitarristen der Welt!

Slash

Seit einigen Jahren ist Saul Hudson, den alle nur Slash nennen, auch einer der produktivsten. Denn seit der Kalifornier mit britischem Pass die Finger von Alkohol und anderen Drogen lässt, ist da plötzlich so viel überschäumende Kreativität, dass er seine Weggefährten von Guns N’ Roses gleich noch älter aussehen lässt.

Dabei machen ihn der schwarze Zylinder, der Nasenring und die verspiegelte Sonnenbrille fast schon zur Karikatur seiner selbst – einfach, weil der Mann aus Los Angeles im Grunde noch mehr Rock’n’Roll ist, als man überhaupt sein kann. Weil sich seine Profession schon aus 500 Metern gegen den Wind erahnen lässt. Und weil er jedes noch so abgegriffene Klischee des hart lebenden, hart rockenden Musikers erfüllt.

Zumindest was den Großteil der letzten 30 Jahre betrifft. Die Hälfte davon hat Slash als Gitarrist der legendären Krawalltruppe Guns N’ Roses verbracht, über 150 Millionen Tonträger verkauft, die größten Stadien der Welt gefüllt und dem Tod gleich mehrfach ins Auge geblickt. Doch mit inzwischen über 50 ist er clean, geläutert und überraschend fit. Eben einer, der alles erlebt und vor allem überlebt hat. Weiser, aber keineswegs leiser ist.

<<<Inhaltsverzeichnis >>>

Einflüsse von Slash

Das Equipment von Slash

Der Sound & die Technik von Slash

Slash privat

Slash Diskografie

Top 6: Slashs Lieblings-Songs

Interview: Slash über…

… Drogen

… Gitarrensoli

… seine Gitarrensammlung

… Signature Modelle

… Jim Marshall

… Älterwerden

Einflüsse von Slash

Das Handwerkszeug von Slash: abgegriffen, seine Technik: Schnee von gestern, sein Rocker-Image: viel zu oldschool, seine Musik: ebenfalls altbacken. Was man aus heutiger Sicht vielleicht über fast jeden Gitarristen des letzten Jahrhunderts sagen könnte, trifft ganz gewiss auch auf den als Saul Hudson in England geborenen Slash zu. Nur mit dem Unterschied, dass er schon in seinen Anfangstagen mit voller Innbrunst absolut retro war.

Umso erstaunlicher, wie viel Frische und Innovation man der Musik von Slash‘s Band Guns N‘ Roses und vor allem seiner Gitarrenarbeit heute bescheinigen kann bzw. muss. Er selbst sagte damals schon: „Ich bin das Gegenteil von alledem, was Mitte der 80er populär war“, womit er auch wieder Recht hat. Einigen wir uns darauf: Wäre Slash nicht so gut und eigenständig an seinem Instrument, wäre er mindestens zwei Jahrzehnte zu spät dran gewesen.

Ist ja auch kein Wunder: Wer sich schon von Kindheit an für Bands wie Aerosmith, die Rolling Stones, Led Zeppelin oder Cream begeistert, der kann nur zu einem Freund des energetischen, bluesrockenden Gitarrenspiels werden.

Wann hat Slash angefangen, Gitarre zu spielen?

Seine ersten Gitarren bekam Slash als Teenager, erst eine Nylon-Saiten-Akustik, und später die heißersehnte LesPaul-Kopie von Memphis – und dies war der Anfang einer Liebe, die bis heute nicht rostet: Seine Lieblingsgitarre ist immer noch die Les Paul.

Schnell wusste Saul Hudson, dass er professioneller Gitarrist werden wollte, vielleicht auch angetrieben durch seine ebenfalls im Musikbusiness tätigen Eltern. Er begann bis zu 12 Stunden am Tag zu üben, nahm ein paar Stunden Unterricht, schmiss diesen aber bald wieder und verließ sich fortan aufs Learning-By-Doing.

„Ein paar pentatonische Skalen habe ich wohl gelernt“, sagt er, ließ diese aber schnell links liegen und konzentrierte sich aufs Raushören und Nachspielen seiner Lieblingsaufnahmen. Er mochte „jede Band, die eine Gitarre hatte und gute Musik spielte“ und war großer Fan von Gitarristen wie Jimi Hendrix, Johnny Winter und Ted Nugent.

Somit wurde er des Transkribierens nicht müde, denn „allein schon zwei Töne zu spielen und zu merken, dass sie genauso wie auf der Aufnahme klingen, war für mich die absolute Erfüllung“. Auf diese Weise erarbeitete Slash sich im Laufe der Zeit ein großes Repertoire, sowohl auf solistischer als auch auf rhythmischer Ebene, spielte in diversen Cover-Bands, bis er schließlich die Kollegen von Guns N‘ Roses traf und anfing, Rock-Geschichte zu schreiben.

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Das Equipment von Slash

Um Slashs Equipment zu benennen reichen vier Worte: Les Paul plus Marshall. Das sind die soliden Säulen seines Sounds. Slash gilt zwar seit je her als fanatischer Gitarrensammler, jedoch ist er meist mit seiner Gibson Les Paul Standard von 1987 (oder seiner berühmten 1959er-Les-Paul-Kopie von Chris Derrig) und mehreren Marshall-JCM-Topteilen auf der Bühne. So gewöhnlich sein Equipment ist, so unüblich sind seine Einstellungen.

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Slash im Gibson Custom Shop – seit 2017 ist er der erste offizielle Markenbotschafter von Gibson.

Die Knöpfe seines Amps stehen allesamt fast auf gleicher Position etwas über der Mitte, also Bässe, Höhen und Volume bei 7, Mitten und Presence bei 6. An seiner Gitarre, die meistens einen Halbton tiefer gestimmt ist, verwendet er für Solopassagen den ja eher etwas schwammigen Hals-Tonabnehmer und dreht noch dazu den Höhenregler etwas zurück. Dadurch wird sein Ton zwar fett, verliert verständlicherweise aber an Durchsetzung in den Höhen, was Slash mit seinem harten Anschlag kompensiert. Mit Bodentretern oder sonstigen Effekten geht Slash sehr sparsam um. Lediglich ein Delay-Pedal von Boss schleift er in den Effektweg des Amps ein. Für cleane Passagen werden etwas Hall und Chorus aus einem Yamaha-MultieffektProzessor dazugeschaltet.

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Gibson Les Paul Slash Signature

Wer mehr über Slashs Geräte und deren Einstellungen wissen möchte, der schaue in zurückliegende Features dieses Magazins (u.a. 03/1992, 04/2000, 03/2001 und 04/2010) oder unter: www.slashsworld.com/equipment.

Slash Gear

  • Studio-Gitarren: B.C. Rich Warlock, B.C. Rich Mockingbird, Fender Telecaster 1952, Fender Stratocaster 1965, Gibson Les Paul Standard 1959 Replik, Gibson SG 1960, Gibson Flying V 1959, Gibson Explorer 1958, Gibson Les Paul Goldtop 1956, Gibson ES-335 1967, Gibson Les Paul 12-String 1990, Gibson Slash Les Paul Appetite, Gretsch 6120 Setzer, Travis Bean 100
  • Live-Gitarren: B.C. Rich Mockingbird, Gibson Les Paul Standard 1976, Gibson Les Paul Goldtop 1987, Gibson Slash Les Paul Snakepit 1996, Gibson Slash Les Paul Standard 2008, Gibson Slash Les Paul Appetite 2010, Gibson Slash Les Paul Standard VOS Aged 2008, Gibson Slash Les Paul Goldtop 2008, Gibson EDS-1275 Doubleneck 1975, Guild Crossroads Doubleneck, Travis Bean 1000
  • Signature-Gitarren: Gibson Slash Signature Les Paul (kurz SSLP) Custom Shop 1990, Gibson SSLP Snakepit 1996, Gibson SSLP Standard Dark Tobacco Burst 2004, Gibson SSLP Standard Tobacco Burst 2008, Gibson SSLP Standard VOS 2008, Gibson SSLP Standard VOS Aged 2008, Gibson SSLP Goldtop 2008, Gibson SSLP Appetite 2010, Gibson SSLP Appetite For Destruction VOS 2010, Gibson SSLP Appetite For Destruction VOS Aged 2010, Gibson SSLP Rosso Corsa 2013, Gibson SSLP Vermillion 2013
  • Amps, Cabinets & Speakers: Marshall 1959T Super Tremolo, Marshall JCM 2555 Silver Jubilee, Marshall JCM 2555 Slash Signature, Marshall AFD100 Slash Signature, Marshall JCM 800 2203, Marshall Vintage Modern 2466, Marshall 1960 BV 4×12, Marshall 1960 BX 4×12, jeweils mit Celestion Vintage 30s oder Celestion Greenbacks
  • Effects: Boss DD-3 Digital Delay, Boss OC-3 Super Octave, Boss GE-7 Equalizer, Dunlop Cry Baby DCR-2SR Rack Module, Dunlop Cry Baby 535Q, Dunlop Cry Baby SW95 Slash, Dunlop Heil HT1 Talkbox, Whirlwind Selector A/B Box, MXR M108 10-Band Graphic EQ, MXR M134 Stereo Chorus, MXR M104 Distortion, MXR M101 Phase 90, MXR M103 Blue Box, MXR MC401 Boost/Line Driver, MXR Cry Baby KFK Q Zone, MXR M135 Smart Gate

Erfahre mehr über die Technik von Slash in dem großen Equipment Special! 

Slash Technik Special Cover

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Der Sound & die Spieltechnik von Slash

Viel interessanter als die Techniken, die Slash benutzt, ist, welche er weglässt. Aufgewachsen in einer Zeit, in der Guitar Heroes nur so aus dem Boden schossen und mit ihnen neue Techniken wie Sweeping, Tapping, Whammy-Bar-Gewitter etc. populär wurden, hat er sich nie für virtuose Show-Einlagen erwärmen können. „Ich bin kein begnadeter Solist“ konstatierte er einmal in diesem Magazin.

Wenn man es sportlich betrachtet, hat er recht, musikalisch gesehen liegt er mit dieser Einschätzung völlig daneben. Wie gesagt, er ist das Gegenstück zu allem, was in den 80ern populär war, einer Zeit also, als Satriani den ‚Satch Boogie‘ (1987) unters Volk brachte, Van Halen mit ‚Eruption‘ 1977 das Tapping längst populär gemacht hatte und Gitarristen wie Frank Gambale oder Vinnie Moore gitarrenaffinen Musikliebhabern mit ihren Sweepings zeigten, wo der Hammer hängt.

https://www.youtube.com/watch?v=dUqZPrt3lLg

All das findet man bei Slash nicht. Er beschränkt sich auf profane Techniken – wie Bending, Legato und Vibrato – und lässt damit oftmals sehr viel mehr Musik entstehen als seine effektheischenden Kollegen. Auffällig ist bei Slash die lockere, aber hart anschlagende rechte Hand. Durch die tief hängende Gitarre ist sein Arm fast gestreckt, dafür aber das Handgelenk sehr stark geknickt, um eine parallele Position der Hand zu den Saiten herzustellen.

Von Slashs linker Hand kommen meist nur Zeige-, Mittel- und Ringfinger zum Einsatz, was in häufigem Positionenwechsel resultiert. Dies überrascht, da Slash in fast allen Soli die zwei bekanntesten Grundpositionen der Moll-Pentatonik (mit dem Grundton auf der tiefen E- bzw. A-Saite) als Angelpunkt nimmt und somit tonal recht festgelegt ist.

Durch die beschränkte Spannweite der drei Finger bricht er aus dieser Position immer wieder zwei bis drei Bünde nach oben und unten aus. Wie im Erklärungstext zu den Transkriptionen noch näher beschrieben wird, ist also die Pentatonik sein Hauptarbeitsutensil, jedoch lange nicht der einzige Bestandteil seines Vokabulars.

Vor allem für seine Melodien in Balladen verwendet er vorzugsweise die Dur-Tonleiter und in schnelleren Rock-Songs eine Mischung aus Mixolydisch und Blues-Tonleiter. Dieses Tonmaterial inszeniert er mit vielen Bendings, Legato-Läufen, einem weiten, aber langsamen Vibrato und vor allem einer sehr variantenreichen Rhythmik.

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Slash privat

Slash ist am 23. Juli 1965 in London Hampstead geboren. Sein richtiger Name ist Saul Hudson. Mit elf zog er nach der Trennung seiner Eltern mit seiner Mutter nach Los Angeles. Hier ging Slash auf die Beverly Hills Continuation High School – privat vertrieb er sich die Zeit mit BMX fahren und Gitarre spielen. In der 11. Klasse brach er die Schule ab und gründete mit Steven Adler seine erste Band namens „Road Crew“ gründete. Diese fusionierte 1985 mit der Band „Hollywood Rose“ und wurde zu Guns N’ Roses. Der Rest ist Musikgeschichte – wer diese noch mal nachlesen möchte, erfährt hier alles über die Bandgeschichte.

Privat hat Slash nach zwei missglückten Ehen (mit Renee Suran und Perla Ferrar) sein Glück mit Meegan Hodges gefunden, mit der er seit 2015 in einem Anwesen in San Fernando, LA, lebt.

Aus seiner Ehe mit Perla Ferrar hat Slash zwei Söhne – hier gibt die Familie 2012 ein Interview bei einem gemeinsamen Stadion-Besuch bei LA Galaxy:

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Slash Diskografie

Guns N’Roses

  • Appetite For Destruction (1987)
  • G N’R Lies (1988)
  • Use Your Illusion I (1991)
  • Use Your Illusion II (1991)
  • The Spaghetti Incident? (1993)

Slash’s Snakepit

  • It‘s Five O‘Clock Somewhere (1995)
  • Ain’t Life Grand (2000)

Velvet Revolver

  • Contraband (2004)
  • Libertad (2007)

Slash Solo

  • Slash (2010)
  • Apocalyptic Love (2012)
  • World On Fire (2014)

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Top 6: Slashs Lieblings-Songs

  1. Led Zeppelin: Whole Lotta Love
    „Dieser Song hatte schon mit vier oder fünf Jahren eine geradezu magnetische Wirkung auf mich. Einfach wegen dieses genialen Gitarrenriffs am Anfang. Und der Art, wie dann der Bass, der Gesang und die Drums einsetzen. Das ist so sexy, so anrüchig, so vulgär. Es steht für die hedonistischste Dekade aller Zeiten – für Sex, Drugs & Rock’n’Roll“.
  2. Aerosmith: Back In The Saddle
    „,Back In The Saddle‘ habe ich bei einem Mädel entdeckt, mit der ich schon länger ins Bett wollte. Doch als ich endlich auf ihrem Bett saß, legte sie diese Single auf. Was zur Folge hatte, dass sie plötzlich völlig uninteressant war. (lacht) Ich habe sie komplett ignoriert und nur noch diesen Song gespielt – bis sie mich rausgeschmissen hat.“
  3. Black Sabbath: Iron Man
    „In den frühen 80ern war ich oft auf dem Anwesen von Errol Flynn in den Hollywood Hills, wo man sich für kollektive Acid-Trips getroffen hat. Was toll war: Die Sterne funkelten, die Mädels waren heiß, und ich komplett high. Eines Abends lief ,Iron Man‘ – was mir fast den Kopf weggepustet hat. Es war eine Erfahrung, die mein Leben für immer verändert hat.“
  4. AC/DC: Back In Black
    „Ich hatte gerade angefangen, Gitarre zu spielen, als dieser Song erschien. Ich war zu Besuch bei Seymour Cassel, der mir den Spitznamen Slash verpasst hatte, als ich ihn zum ersten Mal hörte. Er hatte diesen Rhythmus, der bis heute das Wichtigste für mich ist. Nämlich etwas, das lasziv und dreckig ist. Eben wie Sex – nur noch viel besser.“ Hier geht’s zum Meilenstein AC/DC Bck in Black
  5. Stevie Wonder: Living For The City„Der Lieblingssong meiner Mutter, der etwas Moralisches hat. Es geht um einen Typen vom Land, der in die Großstadt zieht, aber sich in Drogen verliert, und es einfach vermasselt. Was nichts anderes ist als das, was ich in ,30 Years To Life‘ besinge. Eben was passiert, wenn du zu sorglos bist. Und ich war zwischendurch ja selbst ein Junkie.“
  6. Erik Satie: Gymnopédies
    „Dieser französische Komponist hat zwar nichts mit Rock’n’Roll zu tun, aber mein Vater hat ihn immer gespielt, wenn er ein paar Flaschen Wein zu viel hatte. Dann lief diese Musik und er hat dazu gemalt. Weshalb sie bis heute eine starke Faszination auf mich ausübt. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass sie bei meiner Beerdigung läuft.“

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Slash im Interview

Im Gitarre-&-Bass-Interview 2014 erwies sich der zweifache Familienvater als kurzweiliger Gesprächspartner, der offen aus dem Nähkästchen plaudert – und sichtlich Spaß daran hat.

Slash über Drogen

Slash, drei Alben in sechs Jahren, dazu zig Tourneen, Gastauftritte und Nebenprojekte – wieso der plötzliche Ehrgeiz?

Slash: Der war schon immer da. Das Problem war nur, dass ich meist in Bands gespielt habe, in denen ich ihn nicht wirklich ausleben konnte. Oder auch dass ich lange Zeit viel zu stoned war, um richtig kreativ zu sein. (lacht)

Aber sollten Drogen nicht eher als Stimulans und Katalysator dienen? Sprich: Zur Steigerung der Kreativität?

Slash: Das mag schon sein. In meinem Fall waren sie eher eine Flucht, um mit dem ganzen Stress und dem tagtäglichen Wahnsinn bei Guns N’ Roses klarzukommen. Da war ich meistens so dicht, dass an Kreativität nun wirklich nicht zu denken war …

Und das versuchst du zu kompensieren, indem du jetzt besonders aktiv bist?

Slash: Das spielt da auch mit rein. Wobei ich aber nicht weiß, ob ich all die Zeit, die ich sinnlos verplempert habe, tatsächlich wieder aufholen kann. Aber ich versuche heute, die beste Musik zu machen, die in mir steckt und zudem konstant zu sein. In dem Sinne, dass ich mich nicht zurücklehne und auf meinen Lorbeeren ausruhe, sondern jeden verfügbaren Moment für Dinge nutze, die mich weiterbringen, die mir wichtig sind und die Spaß machen. Die mich als Mensch wie Musiker ausfüllen.

Slash über Gitarrensoli

Wie bist du die Soli auf ,World On Fire‘ angegangen? In jedem Song ist eins zu hören …

Slash: Beim Hauptsolo ist es im Grunde immer dasselbe: Wir gehen da rein, setzen den Song zusammen und dann schaue ich, was ich für ein Solo beisteuern kann. Soll heißen: Es ist immer das Allerletzte in der Arbeitskette, quasi der Zuckerguss, der ganz am Ende hinzugefügt wird. Zunächst hast du meist das Intro, dann überlegst du dir, wie die Strophen aussehen könnten, und so weiter. Wenn es dann an die Gitarrensoli geht, ist es in 99,9 Prozent aller Fälle so, dass ich es einfach höre. Also dass mir instinktiv klar ist, was da an diese Stelle muss. Und das impliziert auch, dass ich weiß, in welche Richtung es geht. Sprich: Es gibt einen Anfang, einen Mittelteil, ein Ende und einen bestimmten Raum für ein Solo, in dem ich mich bewege.

Wobei es in neun von zehn Fällen so ist, dass ich die erste Idee behalte, die ich hatte. Was auch bedeutet: Wenn wir den Song anschlie- ßend spielen, bringe ich vielleicht nicht haargenau dasselbe Solo, aber doch dasselbe Gefühl, dieselbe Melodie und dieselbe Struktur. Denn all meine Soli haben immer etwas Melodisches. Sie sind in etwa so, als würde ich den Song an dieser Stelle singen. Wobei ich mich ganz auf das verlasse, was ich höre und fühle. Und das vom ersten Moment an, da ich ein Solo entwickle, bis zu dem Augenblick, da ich es aufnehme. In diesem Prozess verändert es sich ständig, während die Struktur dieselbe bleibt. Was auch bedeutet: Bei aller Improvisation folgt es einem ganz bestimmten Modus. Und so ist es bei allem, was ich mache. Denn letztlich ist es immer so: Der Song diktiert das Solo und nicht umgekehrt.

Slash über seine Gitarrensammlung

Du besitzt angeblich weit über hundert Gitarren, die du aber kaum spielst. Darf man fragen, wo du sie aufhebst?

Slash: Die meisten sind irgendwo eingelagert. Und früher ist es durchaus schon mal vorgekommen, dass ich nicht mehr genau wusste, wo. Was ein ziemliches Chaos war. Mittlerweile bin ich besser organisiert, und das muss ich auch sein. Einfach, weil ich über die Jahre so viel Kram gekauft habe. Die meisten Sachen stammen aus den frühen 90ern als ich ,Use Your Illusion‘ aufgenommen habe. Denn damals hatte ich die finanziellen Möglichkeiten, konnte aber einfach nicht mit Geld umgehen. Im Sinne von: Es hat mir förmlich unter den Fingern gebrannt, und ich wusste nichts damit anzufangen. Einfach, weil ich es nicht brauchte.

Bis ich irgendwann dachte: Wir nehmen 36 Songs auf, und dafür benö- tige ich all diese unterschiedlichen Gitarren! Also habe ich mir eine stattliche Auswahl an teuren Vintage-Modellen zugelegt, die ich bis heute habe. Allerdings musste ich über die Jahre erkennen, dass ich mich da dezent verkalkuliert habe. Denn eine richtig gute Gitarre reicht eigentlich auch. Zumal ich mit einer neuen genauso gut klarkomme wie mit einer Vintage-Ausführung. Wenn man es richtig anstellt, hört man da kaum einen Unterschied.

Sie dürften über die Jahre enorm an Wert gewonnen haben.

Slash: Das haben sie auf jeden Fall. Nur: Ich hasse es, Gitarren als reine Investitionen zu betrachten. Es handelt sich schließlich um Sachen, die du nie verkaufen würdest, wenn du nicht unbedingt musst. Also wenn du richtig am Boden bist und nicht weiterweißt. Ich hoffe, das wird nie passieren. Und ich hätte auch gerne einen Ort, wo ich sie ausstellen könnte. Einfach, weil viele von ihnen eine nette, kleine Geschichte aufweisen. Und weil es toll wäre, wenn sich auch andere Menschen daran erfreuen könnten.

Slash über seine Signature Modelle

Wie viele Slash-Signature-Modelle gibt es mittlerweile?

Slash: Ich schätze, es sind elf oder zwölf. Wobei ich mir aber nicht sicher bin. Ich weiß nur, dass sie toll sind – einfach, weil ich sie ja selbst benutze.

Darf man fragen inwiefern du diese Modelle personalisierst und wie involviert du da bist?

Slash: Das ist eine Sache, bei der ich sehr aktiv bin. Einfach, weil es mir wichtig ist. Ich will zum Beispiel, dass der Hals eine gewisse Beschaffenheit hat, ich will eine TonePros-Brücke, ich will bestimmte Pickups, ich will ganz bestimmte Tuner und so weiter und so fort. Von daher bin ich sehr spezifisch, was die Gitarren und ihre Elektronik betrifft. Ich mag zum Beispiel altmodische Bumblebee-Kondensatoren und viele andere kleine Dinge, die wahnsinnig wichtig sind. Zumindest für mich. Nur: Letztendlich – und das ist der Punkt – ist es immer dieselbe Gitarre. (kichert)

Slash über Jim Marshall

Vermisst du Jim Marshall?

Slash: Sogar sehr. Denn er war wirklich toll. Ein großartiger Typ. Und er hatte eine wirklich lange und erfolgreiche Karriere, in der er ein paar Sachen erschaffen hat, die wohl für immer halten werden. Die quasi für die Ewigkeit geschaffen sind. Was das betrifft, hat er der Musikindustrie nachhaltig seinen Stempel aufgedrückt. Und er ist ja auch ziemlich alt geworden. Sprich: Er konnte die Früchte seiner Arbeit durchaus genießen. Ganz abgesehen davon, dass er ein großes Erbe und eine gesunde Firma hinterlässt.

Slash übers Älterwerden

Du selbst wirst nächstes Jahr 50* – ein schrecklicher Gedanke?

Slash: Nein, ich freue mich sogar darauf. Und sei es nur, weil ich nie damit gerechnet hätte, dass ich mal so alt würde. Was auch für mein Umfeld gilt. Ich meine, Leute haben Wetten darauf abgeschlossen, dass ich es nicht bis 30 schaffe. Einfach, weil ich so viel Gas gegeben habe, dass es für zwei Leben reicht – mindestens. Und ich bin froh, dass ich die Kurve gekriegt und gerade noch rechtzeitig auf die Bremse getreten habe. Sonst wäre ich jetzt nicht hier – und hätte etwas Bemerkenswertes verpasst. Nämlich dass mit zunehmendem Alter alles ein bisschen besser und leichter wird. Was ich allein an meinem Gitarrenspiel festmachen kann, in dem heute viel mehr Gefühl, aber auch Erfahrung steckt als früher.

Im Ernst: Ich verstehe das Instrument viel besser, ich habe eine intimere Beziehung zu ihm und ein größeres Verständnis dafür. Sprich: Ich bin längst nicht mehr so eingeschränkt wie früher. Wenn ich heute spiele, ist das ein ganz anderer, ein viel berauschenderer Trip – und auch der Sex ist besser.

Woran machst du das fest?

Slash: (lacht) Frag meine Frau

*Das Interview stammt von 2014

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Interview/Text: Marcel Anders/Arnd Müller