Gibson

Gibson Gitarren – der Stoff aus dem die Träume sind? Sechs Saiten, die die Welt bedeuten? Für viele Künstler schon. Die hegen nämlich zumeist ein ausgesprochen inniges Verhältnis zu ihrem Gibson Instrument. Warum, das sagen sie hier!

 

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Trotz einer Vielzahl exzellenter und qualitativ hochwertiger Instrumenten-Hersteller spalten die beiden amerikanischen Firmen Gibson und Fender die Musikwelt noch heute in zwei Lager. Gibson oder Fender zu spielen bedeutet, sich festzulegen, eine Wahl getroffen, einen Sound erkoren, und ihn vielleicht sogar zu seinem Markenzeichen gemacht zu haben. Wie bei Fender erfreuen sich auch bei Gibson trotz einer beachtlichen Produktpalette einige Instrumente einer größeren Beliebtheit, als andere. Einige haben sogar Kultstatus erlangt. Nicht zuletzt durch die Künstler, die mit ihnen ein Genre, einen Stil oder einen Sound begründeten, seit mit der ES-150 die erste elektrifizierte Gibson das Licht der Welt erblickte.

Charlie Christian
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Charlie Christian

Zu jener Zeit gehörte Charlie Christian, Jazz-Virtuose und Mitglied der Benny-Goodman-Band neben Jean Baptiste „Django“ Reinhardt zu den ersten Gitarristen, dessen Name der Firma Gibson An- und Aufsehen brachte. Wenig später folgten die ersten Blues- und Rock-‘n‘-Roll-Gitarristen wie Chuck Berry, Scotty Moore und B.B. King, die semiakustische Gibson-Modelle spielten. Am bekanntesten der bereits erwähnten F-Loch-Beauties wurde sicherlich die ES-335 (ES steht für „electric spanish“), deren prominenteste Vertreterin B.B. Kings Lucille wurde. Die Gitarre verdankt ihren schönen Namen einem recht dramatischen Umstand, wie ihr Besitzer im Laufe seiner langen Karriere immer wieder zum Besten geben musste:

„Vor vielen Jahren spielte ich in einem Club ungefähr fünfundvierzig Meilen nordwestlich von Memphis Tennessee, der ,Twist‘ hieß. Es war ziemlich kalt und sie hatten da einen kleinen Petroleumofen, und da tanzten die Leute herum, während wir spielten. Eines Abends fingen zwei Typen Ärger an, begannen sich zu prügeln, und einer stürzte gegen diesen Ofen. Der Schuppen stand sofort in Flammen. Alle rannten ins Freie, einschließlich mir. Als ich draußen war, merkte ich, dass ich meine Gitarre drinnen vergessen hatte. Der Schuppen stand bereits voll in Flammen und drohte einzustürzen. Ich riskierte mein Leben, um meine Gitarre zu retten – und holte sie aus den Flammen heraus. Am nächsten Morgen fand ich heraus, dass sich die beiden Typen wegen einer Frau geschlagen hatten. Ich habe diese Frau zwar nie kennengelernt, aber ich habe gehört, dass sie Lucille hieß. Da habe ich meine Gitarre nach ihr benannt, um mir immer bewusst zu machen, so eine riskante Aktion nie wieder zu tun – auch nicht für eine Gitarre.“

Eine von Lucilles Schwestern, handsigniert vom „Beale Street Blues Boy“, ist übrigens im Berliner Hard Rock Cafe zu besichtigen. Bis heute erfreuen sich die 335er großer Beliebtheit. Zum Beispiel bei George Benson (übrigens auch oft mit einer L-5 CES unterwegs), Rick Derringer und Mick Taylor. Doch besonders durchLarry Carlton erlangte das Instrument Kultstatus. Der Veteran der legendären amerikanischen Recording-Szene der Siebziger und Achtziger, mit seiner Erfahrung von Hunderten von Aufnahmen, bekam aufgrund seines Handwerkzeugs den Spitznamen „Mr. 335“ verpasst und nahm 1979 sogar ein Live-Album unter diesem Titel auf. Nach einigen Jahren im Fender-Lager kehrte er wieder zu seiner Jugendliebe zurück.

„Als ich bei Fourplay einstieg, (eines seiner zahlreichen Projekte, zu sammen mit Bob James (key), Nathan East (b) und Harvey Mason (dr), bei dem er Lee Ritenour ersetzte, der Verf.), habe ich meist eine 1951er Telecaster gespielt. Ich habe die Klarheit ihres Tones im Studio wirklich geliebt. Aber als wir dann live spielten, hatte sie einfach nicht genug Arsch. Deshalb kam ich letztlich wieder zur ES-335 zurück.“

Alvin Lee
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Alvin Lee

Ein weiterer prominenter Vertreter, der diese Qualitäten schon früh registriert hat, ist Ten Years After/Later-Gitarrist Alvin Lee, der sein mittlerweile legendäres Woodstock-Modell seinerzeit recht stillos mit allerlei Aufklebern und einem dritten Pickup in der Mittelposition verziert hatte. Jahrzehnte später, Anfang der Neunziger, berichtete er im Rahmen einer Tour mit Peter Maffay von seinem Lieblingsscherz: „Ich nenne meine Gitarre heute einfach nur noch Big Red. Ich habe mittlerweile einige neue Gitarren, deshalb hatte ich sie geschont und so hing sie zu Hause ein paar Jahre an der Wand. Auf der Maffay-Tour brauchte ich keine Gitarre mit Whammy-Bar, also entschloss ich mich, meine originale 335er mitzunehmen. Und ich sag dir was: Sie klingt einfach großartig! Sie hat diesen unverkennbaren Sound. Es war witzig, denn als ich das erste Mal bei den Proben damit auf die Bühne ging, kamen sofort Carl Carlton, Frank Dietz und all die Jungs an, berührten sie ehrfürchtig und sagten: ,Oh, die originale Gibson von Woodstock!‘ Und ich sagte: ,Ja klar. Ich war übrigens auch dort. Warum fasst ihr mich nicht an?‘“

Eine der vermutlich größten Sammlungen an akustischen und elektrischen Gitarren, über die sogar ein aufwändiges, sehenswertes Buch erschienen ist, besitzt Yes-Altmeister und Art-Rock-Virtuose Steve Howe. Trotz einer beträchtlichen Auswahl ist sein Lieblingsinstrument die ES-175 (mit dem scharfen florentinischen Cutaway). „Sie war nicht nur die erste richtige Gitarre, die ich mir kaufte (das war 1963, der Verf.), sondern sie ist auch das Instrument, das ich am besten kenne. Ich glaube, ich habe diese Gitarre auf jeder Platte gespielt, die ich je aufgenommen habe. Auf ihr fühle ich mich einfach zu Hause.“

Weniger feinfühlig gegenüber seinen Instrumenten zeigte sich anfangs Pete Townshend von The Who, der zu den prominentesten Vertretern in Sachen Gibson SG gehört. Und nebenbei, in den frühen Tagen des Rock ‘n‘ Roll, auch zu den Experten in Sachen kleinteiliger Zerlegung des Arbeitsgerätes. Im Alter zeigte er dann späte Reue: „Ich weiß gar nicht, wie viele Gitarren ich in all den Jahren auf der Bühne zerschmettert habe. Aber irgendwann ist mir klar geworden, dass ich einige meiner besten Freunde umgebracht habe.“

Pete Townshend
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Pete Townshend

Ein weiterer Liebhaber des SG-Modells ist Black Sabbaths Tony Iommi, dem es gelang, das Teil mit dem doppelten Cutaway zu seinem Markenzeichen zu machen. Und der darüber hinaus bewies, dass man aus dem dünnen Brett, das erstmals 1960 das Licht der Welt erblickte, einen gewaltigen Sound herausholen kann. Und noch ein weiterer Vorteil: Es gab sie auch für Linkshänder, wie Iommi. „Meine erste Gitarre hatte ich aus einem Katalog, dort wurde ein Linkshändermodell angeboten. Eine sehr billige Gitarre, aber die einzige, die ich überhaupt fand. Meine Mutter kaufte sie mir und ich spielte darauf. Als ich besser wurde, wollte ich eine andere Gitarre und fand eine Burns für Linkshänder. Ich wollte damals eigentlich eine Fender Stratocaster, aber ich fand einfach keine. Damals war es recht schwierig, Linkshändermodelle zu finden. Nicht nur, dass sie doppelt so teuer waren – es gab kaum welche! Heute ist das viel einfacher.“ Vor allem, wenn einem ein eigenes Modell gewidmet wird: Seit der NAMM Show 2001 gibt es das Tony-Iommi-Signature SG-Modell, natürlich stilecht in schwarz/chrome, mit Mahagoni-Korpus, Stop-Tailpiece und den typischen Kreuz-Inlays im Griffbrett.

Auch AC/CD-Musterschüler Angus Young pflegt eine innige Beziehung zum SG-Modell. Die Entscheidung für sein Arbeitsgerät basierte anfänglich auf optischen Reizen. „Als Teenager sah ich die Beach Boys mit Stratocasters. Da war mir klar: So wollte ich definitiv nicht aussehen! Also kaufte ich mir eine SG. Diese Gitarre ist einfach geil. Sie hat eine gute Figur, eine tolle Taille und jede Menge Sex-Appeal. Ihr Nachteil: Bei den meisten Leuten sieht sie aus wie eine Violine. Doch weil ich so klein bin, wirkt sie bei mir riesengroß.“ Es wird nicht der einzige Grund sein, warum sich dieser Herr Young nicht für eine Les Paul entschied. Der Mann klagt ja bereits jetzt schon über Rückenschmerzen. Mit einer Les Paul hätte er weit mehr zu buckeln.

Angus Young
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Angus Young

Ein anderer Herr Young, der bekanntlich bereits in den Siebziger Jahren ernsthafte Rücken- und Bandscheibenprobleme hatte, kann sich sein Bühnendasein ohne seine Les Paul, die er „Old Black“ nennt, nicht mehr vorstellen. Neil Young hat diese Les Paul, ursprünglich eine 53er Goldtop, bei der ein Bigsby-System das große und unspielbare Trapez-Tailpiece ersetzt, seit Ende der Sechziger Jahre. Sie löste die diversen GretschModelle ab, die Young bis dato spielte. 1972 wurde der Steg-Pickup, ein alter DeArmond, durch einen Firebird-Mini-Humbucker ersetzt, der mittlerweile halbwegs defekt und extrem mikrofonisch ist – aber nicht repariert werden darf. „Warum auch? Er klingt gut, er gibt mir Feedback, ich kann sogar über ihn singen,“ meint Young, der lange nur diese eine Gitarre spielte, bis sein Techniker eine zweite 53er Goldtop auftrieb und sie exakt nach dem Vorbild Old Black modifizierte.

Nur in der Stegposition sitzt nun ein heiler Mini-Humbucker, so dass Young mittlerweile für die ganz harten Sessions wie z. B. ,Ragged Glory‘ und ,Weld‘ die goldene der schwarzen Les Paul vorzieht. Über das Bigsby sagt Young: „Natürlich verstimmt sich die Gitarre immer, wenn ich den Hebel bediene. Na und? Wenn ich den Hebel nur oft genug bewege, ist das doch egal, dann fällt das gar nicht auf. Das ist wie ein von Hand gesteuertes Flanging.“

Lester William Polsfuss
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Lester William Polsfuss alias „Les Paul“

Verantwortlich für den stabilen Boliden der Solidbodies im Hause Gibson war bekanntlich Herr Lester William Polsfuss, alias Les Paul, der das Grundmodell der nach ihm benannten Gitarre erschuf. Ab 1952 wurde das Instrument dann unter der Regie der Firma Gibson gefertigt. Damals dachte allerdings noch niemand daran, dass damit das Instrument geschaffen würde, aus dem heute noch Gitarristenträume geschnitzt sind. Polfus, der sich damals „Wizzard From Wukesha“ nannte, elektrifizierte als Jugendlicher bereits seine erste Versandhausgitarre und schloss sie angeblich ans heimische Familienradio an. Der Grund: Er spielte unter anderem in einer Big Band und wollte dort der phonetischen Übermacht der Bläser zeigen, dass die Gitarre nicht nur als Begleitinstrument, sondern auch prima als Solo-Instrument funktionieren kann.

Später sagt der Altvater der Les Paul liebevoll über sein Instrument: „Diese Gitarre ist Psychiater, Barkeeper und Frau in einem. Sie ist alles, was du willst. Sie ist ein gutes Instrument und kann ein ständiger Begleiter für dich sein.  Auf alle Fälle lässt sie sich viel besser umarmen als ein Klavier.“ Der Mann war auch als Musiker äußerst erfolgreich. Rund 80 Millionen seiner Schallplatten gingen bis heute über die Ladentische, mit Bing Crosby, Chet Atkins oder im Duett mit seiner Frau Mary Ford. Selbst noch im hohen Alter durfte der Mann beim Guitar-Legends-Festival in Sevilla nicht fehlen. Denn auf keinen trifft das Wort Legende besser zu als auf Mr. Les Paul persönlich.

Zu den frühen Blues-Musikern und Les-PaulLiebhabern gehörte auch „Slowhand“Eric Clapton, der seine Gitarre bei John Mayall‘s Bluesbreakers und Cream bearbeitete. Er wechselte später das Lager und bekam im Hause Fender – wie sollte es anders sein – ein Signature-Modell angepasst. Doch Mitte der Sechziger bewahrte Clapton die Les Paul vor ihrem Untergang. Bei Gibson hatte man damals bereits dieses Instrument aus dem Programm genommen und durch die modernere SG ersetzt. Claptons phänomenale und epochale Gitarrenarbeit, die in dem Satz „Clapton Is God!“ gipfelte, der an eine Backsteinwand gepinselt war, sorgte für einen neuen Paula-Boom – und dafür, dass Gibson 1968 die ungeliebte Gitarre wieder ins Programm aufnahm. Gut so.

Jeff Beck
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Jeff Beck

Ebenso in frühen Tagen mit einer Les Paul war Jeff Beck unterwegs, der allerdings in jenen Tagen auch einiges Kleinholz fabriziert hat. „Wenn ich eine Gitarre zerschlagen habe, war das kein Teil der Show, sondern entstand aus der Emotion heraus. Ich hab‘ da einfach die Kontrolle über mich verloren. Meistens, weil ich sauer über den Sound war. Zum Beispiel, wenn wir große Gigs vor Tausenden von Leuten in den USA spielten – mit dem gleichen Equipment, mit dem wir zuvor im Londoner Marquee Club aufgetreten sind. Also haben wir aus dem Zeug rausgeholt, was ging. Und das klang meist fürchterlich.“ Der Rest war Frust. Inzwischen endorsed auch Beck Fender-Gitarren und verriet 1990 einem deutschen Musikmagazin zum Thema Les Paul, sie sei „eine Antiquität, die bei mir zu Hause liegt.“ Damit hat er nicht völlig unrecht: Wer nimmt seine „Rare & Vintage“-Teilchen schon mit auf Tour?

Jimmy Page
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Jimmy Page

Zum Beispiel Jimmy Page. Der Led-Zeppelin-Gitarrist erfand neben der Verstellbarkeit des Gitarrengurtes auf Kniehöhe auch bewunderswert ausgefuchste Heavy-Riffs und gehört zu den Vorreitern der bis heute vermutlich populärsten Gitarre-Amp-Rock-Sound-Kombination Marshall und Les Paul. Und den hört er eben auch heute noch ganz gerne on the road. Zu seinen Lieblingsteilen gehören bevorzugt zwei LP-Standards im Sunburst-Finish aus den Jahren 1958 und ’59, live werden aber auch Replikas aus dem Gibson-Custom- Shop eingesetzt, die ihm vor Jahren auch ein Signature-Modell widmeten, dass inkl. einer komplizierten, sehr speziellen Schaltung mit kleinen Reglern unter (!) dem Pickguard seiner Lieblingsgitarre, der 59er Les Paul, nachgebaut war. Page gehört zu den Gitarristen im Rock-Business, die von einem anderen Rock-Star eine 59er Les Paul entweder geschenkt oder billig angeboten bekamen. Sein Gönner war Joe Walsh, der Page anlässlich eines gemeinsamen Auftritts bei einem Festival im Londoner Wembley-Stadion mit diesem generösen Geschenk bedachte.

Peter Frampton
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Peter Frampton

In den Siebzigern sorgte in Amerika derweil ein junger Brite namens Peter Frampton für Aufhorchen. Genauer gesagt, durch seinen Talk-Box-Lead-Sound, effektvoll in Szene gesetzt beim Evergreen ,Do You Feel Like We Do‘ vom Kult-Album ,Peter Frampton Comes Alive‘. Sein Markenzeichen war eine schwarze Les Paul Custom mit drei Humbuckern. Der Grund: „Ich liebe einen fetten Ton“, erklärte der ehemalige Humble-Pie-Gitarrist. „Sie hat einen stattlichen Korpus, einen leicht bespielbaren Hals und drei Pickups. Dazu ein Marshall-Röhrenverstärker, mehr brauche ich nicht.“ Framptons Custom (mit „Split Diamond Inlays“) aus den Sechziger Jahren wurde ihm später leider gestohlen. Wie beliebt dieses Instrument war, zeigt eine Neuauflage von Gibson in sehr edler Form in den Jahren 1977 bis 1980 unter dem Namen Artisan, mit drei Tonabnehmern, kunstvollen Inlays im Griffbrett, einer herrlich verzierten Kopfplatte und goldener Hardware. Der Custom Shop hat mittlerweile Peter Framptons Lieblingsgitarre als eigenständiges Modell in sein Programm aufgenommen.

Joe Perry
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Joe Perry

Aerosmith-Gitarrist Joe Perry mag es dagegen gerne etwas einfacher. Er steht auf die Les Paul Standard und formulierte seine Zuneigung einmal recht treffend: „An dieser Gitarre gibt es einfach nichts zu verbessern. Sie hat den ultimativen Sound. Es ist wie mit einem Auto – mit vier Rädern fährt es eben am besten. Und das haben sie auch schon vor einer ganzen Weile herausgefunden.“ Stimmt! Denn mittlerweile gehören bekanntlich die LP-Modelle aus den Jahren 1958 bis 1960 zu den Objekten der Begierde. Am besten eine jener Standards im beliebten „cherry sunburst“, die inzwischen zu den feuchten Träumen von Musikern und Sammlern gehören, wie auch Bon-Jovi-Gitarrist Richie Sambora.

Der Unterschied zu den meisten Normalsterblichen – auch er bekam so eine Gitarre geschenkt, wie er stolz berichtet: „Ein Freund von mir arrangierte eine Geburtstagsparty für mich, und Les Paul besuchte mich und schenkte mir tatsächlich eine seiner eigenen Les-Paul-Gitarren. Das hat mich wirklich bewegt, das war Wahnsinn. In den nächsten Tagen flog ich zurück ins Studio und kaufte zwei Tickets. Eins für die Gitarre und eines für mich, denn ich wollte sie nicht im Laderaum verstaut haben. Also buchte ich ihr den Sitz neben mir, habe sie mit nach Vancouver genommen und auf der ganzen Platte gespielt.“ Die hieß übrigens ,New Jersey‘.

Traurig ist dagegen, wer schon mal eine Gitarre aus den gefragten Jahrgängen besaß und sie verkauft hat, wie übrigens Joe Perry. „Ich war damals total abgebrannt und brauchte Geld, also verkaufte ich meine 1959er Les Paul. Slash hat sie jetzt. Ich habe ihn mal gefragt, ob er sie mir wieder verkaufen wolle. Er hat sogar ja gesagt. Aber das liegt mittlerweile Jahre zurück. Ich habe ihn seit dem nicht mehr darauf angesprochen. Aber irgendwann kriege ich diese Gitarre zurück.“

Saul Hudson alias "Slash"
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Saul Hudson alias „Slash“

Ex-Gunner Slash, alias Saul Hudson, der bekanntlich bevorzugt Les Pauls mit Marshall-Amps, Lederhosen und Zylindern kombiniert, gehört zu den kompromisslosesten Usern von Les Pauls. Gleichzeitig hat er mit seiner damaligen Band Guns N‘ Roses zum Album ,Appetite For Destruction‘ einen ähnlichen Les-Paul-Boom losgetreten, wie in den Siebzigern Mark Knopfler mit seinen Dire Straits zu ,Sultans Of Swing‘ mit der Fender Stratocaster. Slashs Liebe zur Paula erblühte übrigens, als er im Studio keinen guten Gitarren-Sound zustande brachte.

G-N‘-R-Manager Alan Niven besorgte ihm eine Les Paul – Slashs Schlüsselerlebnis. „Ich saß im Studio, und dann brachte Alan diese magische Gitarre rein. Ich nahm die komplette Scheibe damit auf und es klang wunderbar. Über Sound denke ich nicht lange nach und experimentiere auch nicht herum. Insofern arbeite ich schon seit Jahren mit demselben Equipment. Und im Grunde verwende ich doch immer dieselbe alte Gibson Les Paul.“ Nichtsdestotrotz besitzt Slash heute mehr als 80 Les Pauls. Darunter befindet sich neben diversen Modellen aus allen möglichen Jahrgängen immer noch jene LP-Standard, die Perry ihm im Drogenwahn verkaufte und heute gerne zurück hätte.

Bartmensch Billy Gibbons von den US-Blues-Rockern ZZ Top hat den Les-Paul-Sound ebenfalls populär gemacht. Er jedenfalls meinte Mitte der Neunziger Jahre im Umfeld zu den Aufnahmen des ZZ-Top-Albums ,Antenna‘, zu dem die Band einen neuen Endorsement-Deal mit dem Konkurrenten Fender abgeschlossen hatte, recht undiplomatisch: „Auch wenn ich auf unse rem neuen Album eine andere Gitarre spiele – ,Pearly Gates‘, meine 1958er Les Paul, ist immer noch meine Königin.“ Auch Gary Moore favorisiert die Les Paul Standard, seit der flinke Ire so ein Teil aus dem Jahr 1959 vom ehemaligen Fleetwood-Mac-Gitarrist Peter Green bekam, der Moore seinerzeit folgenden Deal vorschlug: Moore sollte seine Stratocaster verkaufen und ihm den Erlös geben.

Im Gegenzug überließ Green ihm die ungleich wertvollere Les Paul. „Ich liebe diese Gitarre“, sagt Moore heute. Und weiter: „Durch sie bin ich wieder zum Blues gekommen.“ Und auf den Geschmack, was Gibson betrifft. Inzwischen spielt der Mann eine ES-335: „Die ES stammt aus dem Jahr 1960 und ich besitze sie jetzt seit fünf Jahren. Aber es ist das erste Mal, dass ich sie auf einem Album (,Back To The Blues‘) einsetze . Ich wollte ihren Sound erleben und bin froh, dass ich’s probiert habe. Denn die 355 klingt doch ziemlich anders – sie ist wärmer, klarer und direkter.“

Ein Name, den man nicht auf Anhieb mit Gibson in Verbindung bringen würde, istMark Knopfler. Der Dire-Straits-Gitarrist, eigentlich als Vertreter perliger Clean-Sounds bekannt, sorgte mit dem Chartsbreaker und MTV-Werbe-Song ,Money For Nothing‘ und einem ultra-fetten, wie obertonreichen Les-Paul-Sound für Aufhorchen. „Ich habe etwa 60, 70 Gitarren, von denen ich etwa 20 benutze“, gestand er im Interview. „Wenn es zum Beispiel darum geht, so richtig in die Saiten zu hauen und nicht mit den Fingern zu zupfen, dann benutze ich eine Les Paul samt Plektrum. Das gehört einfach zusammen. Wenn mir danach ist, wähle ich meist zwischen drei Gibsons (einer 58er Les Paul, einer 59er Les Paul und einer ES-335). Suche ich nach einem jazzigen Sound, entscheide ich mich für eine Gibson Super 400 von 1953, wie sie Scotty Moore auch spielte, mit den alten Pickups.“

Von den gediegenen Instrumenten zu den halbstarken Modellen: Mit Flying V (1957), Explorer und Moderne (je 1958 gebaut) schuf Gibson drei Modelle, die durch Konstruktion und Optik stark auffielen, Reaktionen provozierten und für Gesprächsstoff sorgten. Was übrigens auch der Grund war, warum die Produktion der futuristischen Bretter nach kurzer Euphorie im Gibson-Werk in Kalamazoo zunächst wieder eingestellt wurde. Erst in den späten Siebzigern und frühen Achtziger Jahren eroberte besonders die Flying V die Herzen der Rock-Gitarristen, nachdem sie schon im Jahrzehnt zuvor vereinzelt beim Blues zum Einsatz kam, wie beim Blues-Albino Johnny Winter (der auch eine Schwäche für die 1963 ins Programm genommene Firebird hatte, insbesondere das Model V mit Reverse Headstock), sowie der „Born-under-a-bad-sign“- Blues-Gitarrist Albert King, dessen Flying V mit rotem Mahagoni-Korpus zu seinem Markenzeichen wurde.

Wie B.B. Kings ,Lucille‘ erhielt auch diese Gitarre den Namen einer Frau und hörte fortan auf den Namen ,Lucy‘. Lonny Mack, ein weiter Flying-V-Blueser, ließ es sich nicht nehmen, auf einer Querstrebe zwischen den beiden Korpusflügeln sein geliebtes Bigsby-Vibrato zu montieren. Weitere Flying-V-Protagonisten waren Leute wie Andy Powell von Wishbone Ash und natürlich die prominentesten Vertreter in Sachen teutonischem Rock: Die Brüder Rudolf und Michael Schenker. Rudolf hatte als Teenager ein Poster von Johnny Winter im Jugendzimmer in Hannover zu hängen, auf dem der mit einer Flying V abgebildet war. Allerdings war es dann der jüngere Michael, der die Gitarre zuerst in einem Musikladen in Hamburg entdeckte. „Ich hatte mir dort gerade eine Les Paul gekauft und sah zufällig diese Flying V. Ich rief sofort Rudolf an und meinte: Hey, hier ist die Gitarre, die du so gut findest! Er kam, war fasziniert und kaufte sie sofort.“

Rudolf Schenker
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Rudolf Schenker

Die Gitarre blieb allerdings nicht lang im Besitz des großen Bruders. Eines Abends hatte Michael einen Auftritt mit seiner Band, kam aber nicht an seine Les Paul ran, die er bei einer Freundin deponiert hatte. Und die war nicht zu Hause. Verzweifelt bat er Rudolf um die Flying V. Michael bekam sie, spielte sie und war beeindruckt: „Es war, als ob die Sonne aufging! So eine Gitarre hatte ich noch nie gespielt! Nach dem Auftritt habe ich Rudolf klar gemacht, dass er die Gitarre nicht mehr zurück bekommen würde.“ Danach trennten sich auch die Karrierewege. Rudolf tourte mit den Scorpions um die Welt, Michael mit UFO, mit denen er zwar berühmt, aber nie glücklich wurde. Aus Frust zerschlug er die eine oder andere Flying V. Es geht das Gerücht um, dass Michael mal gesagt haben soll, seine Lieblings-Flying-V hätte erst nach dem vierten Halsbruch so richtig gut geklungen. Wer will das schon nachprüfen?

Ähnlichen Belastungstests unterzog auch Metallica-Frontman James Hetfield schon dem Instrument seiner Wahl, der Gibson Explorer. Diese Gitarre gehört aufgrund ihrer spektakulären Form zu den Favoriten im Metal-Genre und feierte ebenfalls in den späten Siebzigern und frühen Achtzigern ein Revival. „Die Explorer ist das absolute Brett“, meint der Metallica-Bandboss, „sie hat einen schneidenden, mittenlastigen Sound und sieht einfach total cool aus. Das hat mich fasziniert.“

Ebenso wie übrigens auch den ehemaligen Nirvana-Trommler und heutigen Gitarristen und Frontmann der Foo Fighters, Dave Grohl. „Für mich ist das die ultimative Rock-Gitarre. Ihr Sound hat mich umgehauen. Ich habe mal Bob Mould bei Hüsker Dü mit einer Explorer gesehen. Und was er für eine Sound-Wand geschaffen hat, war einfach genial. Da war mir klar, dass ich auch so eine Gitarre haben musste!“

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