Elektro-Hula

Hawaii Gitarre & Lap Steel Guitar: Die ersten Gitarren

Die ersten elektrischen Gitarren? Keine Frage: das waren Lapsteels, zu deutsch: Hawaii Gitarren. Suchen wir nach magnetischen Tonabnehmern, Brett-Bauweise, geschraubten Hälsen oder kompletten Sets mit Verstärkern, dann werden wir bei den Steelguitars schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg fündig.

 Jimmie Tarlton

Anzeige

Gitarristen sind in den letzten Jahren geschichtsbewusster geworden. Der Blues-Boom, die Jazz-Begeisterung und die große Country-Welle der zwanziger Jahre sind mittlerweile im Gedächtnis wieder präsent. Ebenso die Auswirkungen dieser Erscheinungen auf die Pop-Musik im Allgemeinen und die Gitarrenentwicklung im Besonderen. Einen vermutlich weit größeren Anschub als diese Richtungen gab allerdings eine Mode, die viel früher begann, viel länger dauerte und trotzdem heute fast vergessen ist: die Hawaii-Musik. Sie ebnete den Weg von der Darm- zur Stahlsaiten-Gitarre und gab kurz darauf den unmittelbaren Anstoß zur Entwicklung der elektrischen Gitarre.

Den Grund dafür liefert eine spezielle hawaiianische Spielweise. Das Instrument wird zuerst einmal auf einen Akkord, z. B. A-Dur, G-Dur, G6 etc. gestimmt. Dann greift der Spieler zur Erzielung verschiedener Tonhöhen die Saiten nicht auf dem Griffbrett, drückt sie also nicht auf die Bünde. Statt dessen legt er das Instrument auf seine Oberschenkel oder einen kleinen Tisch, nimmt einen Metallstab (daher die Bezeichnung Steelguitar), bewegt ihn über die Saiten und bringt so die gewünschten Einzeltöne und auch Akkorde hervor. Darüber hinaus sind extreme Glissandi, Vibrato-Techniken und ausgeklügelte Flageolett-Melodien möglich. Nachteil dieser Angelegenheit: auf handelsüblichen Instrumenten lassen sich nur geringe Lautstärken erzielen. Die Entstehung von Spezialkonstruktionen war also nur eine Frage der Zeit.

Rickenbacker SD ca. 1949
FOTO: Archiv, Nabiner
Rickenbacker SD ca. 1949

Aber greifen wir nicht vor, sondern wenden uns erst einmal den Ursprüngen dieser Technik zu. Auch heute streiten darüber noch die Gelehrten. Um 1900 war das Spiel mit dem Steelbar eine verbreitete Erscheinung auf Hawaii. Joseph Kekuku, ein Musiker, der schon ab 1904 durch die USA tourte, will sie per Zufall erfunden haben. Das war gewiss ein schön ausgedachter Werbe-Gag in eigener Sache. Plausibler scheint, dass die Übertragung des traditionellen Hawaii-Gesangsstils auf eine alte indische Instrumentaltechnik – das Sliden über die Saiten – dafür verantwortlich war. Die entstandene Mischung wiederum spielte man auf akustischen Gitarren der „spanischen“ Bauart, die portugiesische oder mexikanische Einwanderer mitgebracht hatten. Dieser frühe Fall von Crossover fand zwischen 1880 und 1890 statt und war kurz darauf schon auf Hawaii eine gängige Technik. Schon die ersten Steelbars hätten aus Metall sein können, es wurden angeblich Eisenbahn-Nägel, Taschenmesser oder die Rückseite von Kämmen verwendet, um über die Saiten zu sliden.

Hawaii-Musik Ebenso interessant wie die Spielweise sind auch Repertoire und Stilistik der damaligen Hawaii-Musik. Auch hier heißt das Stichwort Crossover: hundert Jahre nach der Entdeckung der Inseln durch James Cook bestand die Musik schon aus einer Mixtur polynesischer, europäischer und amerikanischer Einflüsse. Hawaii zog zuerst europäische Abenteurer, US-Missionare und Walfänger an. Dann kamen amerikanische Plantagenbesitzer, denen wiederum mexikanische Cowboys, portugiesische Handwerker und Schiffsleute folgten. Das hawaiianische Königshaus orientierte sich stark an europäischen Standards und holte 1872 den preußischen (Militär-)Kapellmeister Henry (Heinrich Wilhelm) Berger aus Potsdam ins Land. Dieser organisierte in den folgenden 40 Jahren das offizielle Musikleben, schrieb über 275 Hawaii-Titel und notierte viele der traditionellen Melodien, die sein Königliches (Blas-)Orchester dann auch spielte. Gedruckte Noten mit Texten (Sheet-Music) gab es ab ca. 1870.

Der bekannte Song ,Aloa Oe‘ wurde beispielsweise 1878 von Prinzessin Lilioukalani komponiert und war bald schon in gedruckter From als Sheet-Music erhältlich. Erste Schallaufnahmen hawaiianischer Musik sollen schon 1891 stattgefunden haben, älteste erhaltene Zylinder datieren von 1904. Interessanterweise kamen von Anfang an kleine Bands, die Ukulelen, Gitarren, Geigen und Flöten benutzten, zum Einsatz. Mit ihnen verbinden wir heute die typischen Hawaii-Melodien. Zu diesem Zeitpunkt tauchten vermehrt Melodien mit Texten in englischer Sprache auf. Denn ab der Jahrhundertwende wurde Hawaii-Musik immer mehr zu einer Sache, die in den und für die USA stattfand.

Die Inselgruppe liegt zwar knapp 4000 km von San Francisco entfernt im Pazifischen Ozean, trotzdem nahm der amerikanische Einfluss dort immer stärker zu. Schließlich war er so stark, dass 1893 US-Plantagenbesitzer die hawaiianische Königin absetzen konnten. Die Inseln waren nun faktisch Kolonien und wurden 1900 zum US-Territorium erklärt; 1959 integrierten die USA Hawaii schließlich als ihren 50. Bundesstaat. Dem tatsächlichen Status als Kolonie entsprach in keinster Weise das Bild, das die US-Unterhaltungsindustrie damals von den Hawaii-Inseln zeichnete. Die Texte der Lieder priesen ein Paradies, einen traumhaften Zufluchtsort vor Industrialisierung und Verstädterung, wo unter jeder Palme Liebe und Glück warteten.

Oahu Lapsteel 1949
FOTO: Archiv, Nabiner
Oahu Lapsteel 1949

Gegenläufig zur Amerikanisierung Hawaiis drangen aber auch Elemente hawaiianischer Kultur in den amerikanischen Mainstream vor. An fünf Ereignissen lässt sich dies verfolgen. 1895 trat die Royal Band unter Henry Berger auf der Weltausstellung in Chicago auf. 1905 zeigte die Lewis-&-Clark-Ausstellung in Portland, Oregon, erstmals Musik, Instrumente und Trachten der neuen US-Außenstelle. 1909 präsentierte die Alaska-Yukon-Pazifik-Ausstellung in Seattle hawaiianische Kultur und Natur bereits in wesentlich größerem Umfang. 1912 wurde die Broadway-Show „Bird of Paradise“ zum Publikumsrenner und führte hawaiianische Melodien erfolgreich bei den Song-Schreibern der Tin Pan Alley ein. 1915 schließlich erlebte die HawaiiMusik auf der Panama-Pacific-Ausstellung in San Francisco ihren endgültigen Durchbruch. Das Publikum begeisterte sich an den Hula-Tänzen spärlich bekleideter Frauen, labte sich an den süßen Falsett-Gesängen – und tobte, wenn die Steelguitar einsetzte.

Diese hawaiianische Spezial-Gitarre erwies sich auf Dauer als die größte Attraktion, zumindest was die musikalische Seite dieser Mode anging. 1899 soll Edison das neue Klangphänomen erstmals auf einer Tonwalze aufgenommen haben. 1909 machte Joseph Kekuku erste Aufnahmen mit seiner Steelguitar. 1915/16 brachten alle Plattenfirmen schon regelmäßige Hawaii-Veröffentlichungen auf den Markt. Um 1920 verkauften sich Hawaii-Titel besser als alles andere.

Hawaii-Gitarren

Dieser enorme Boom löste eine starke Nachfrage nach Hawaii-tauglichen Instrumenten aus, was wiederum nicht ohne Konsequenzen für den Gitarrenbau und den Musikalienhandel bleiben konnte. Die erste Generation der Steelguitar-Platten-Stars nahm ihre Titel auf gewöhnlichen, kleinen Parlor-Gitarren von Martin oder anderen Herstellern auf. Diese Instrumente waren eigentlich für Darmsaiten gebaut, wurden nun aber mit Stahlsaiten bespannt – für die Spielweise mit dem Steel Bar eine unabdingbare Vorraussetzung. Die Hersteller mussten ihre Instrumente nun schleunigst dem stärkeren Zug von Stahlsaiten anpassen. Die Hawaii-Welle gab somit der Entwicklung der Stahlsaiten-Gitarre den entscheidenden Anschub.

Trotz Stahlsaiten hielt sich die erzielbare Lautstärke dieser Gitarre in natürlichen Grenzen. Der Gitarrenbauer Chris Knutsen entwickelte (möglicherweise nach hawaiianischen Anregungen) spezielle Instrumente, die inkl. des Halses komplett hohl waren und damit ein größeres Luftvolumen besaßen. Unter dem Namen Weissenborn sind sie später halbindustriell fabriziert und bekannt geworden. Lautstärkemäßig brachten sie allerdings nur einen geringen Gewinn. Deutlich kräftiger tönten ab 1927 die National-Gitarren. Steel-Gitarrist George Beauchamp und Banjo-Bauer John Dopyera hatten in Anlehnung an ein älteres europäisches Patent die ersten Resonator-Gitarren geschaffen. Sie besaßen einen Metall-Korpus in Weissenborn-Form und interne Aluminium-Membrane. Nur kurz währte die Blütezeit dieser Gattung.

National Tricone Square Neck 1929
FOTO: Archiv, Nabiner
National Tricone Square Neck 1929

Beauchamp hatte nämlich parallel mit elektrischer Tonabnahme und Verstärkung experimentiert und lieferte 1931/32 die erste brauchbare Konstruktion, die sich durch Verwendung zweier großer Hufeisenmagnete auszeichnete. Gebaut wurde sie bei Adolph Rickenbacher, der für National die Blecharbeiten lieferte und mit Beauchamp die Firma „Electro Strings“ gründete. Beauchamps elektrische Hawaii-Gitarre besaß Pfannenform (daher der Spitzname „Frying Pan“) und war massiv aus Aluminium gegossen. Später kam ein Modell aus Bakelit hinzu, das kommerziell sehr erfolgreich war und auch heute noch bei vielen Spielern als das Nonplusultra der Steelguitar gilt. Stars der Hawaii-Musik wie Sol Hoopii wechselten schnell von den Resonator-Instrumenten zu den neuen Elektrogitarren. Das Bakelit-Modell verfügte übrigens schon über einen geschraubten Hals und eine Saitenaufhängung im Korpus.

Das „Electro“-Emblem an seinem Kopf wich bald dem Namenszug „Rickenbacher“ bzw. der amerikanisierten Form „Rickenbacker“. Die elektrische Gitarre wurde also als Hawaii-Gitarre geboren. Es dauerte nicht lange, bis fast alle Hersteller entsprechende Modelle bzw. Sets mit Verstärker anboten. National-Dobro war sofort mit von der Partie, Kay und Epiphone ebenso. Gibson trat 1935 auf den Plan, und sogar Leo Fender startete 1945 mit einer Lapsteel seinen einzigartigen Siegeszug.

Ein Instrument auf dem Vormarsch

Die elektrischen Instrumente wurden schnell populär, denn die akustische Steelguitar war bereits in viele musikalische Bereiche vorgedrungen, hatte den elektrifizierten Schwestern den Weg geebnet. Nehmen wir als Beispiel die Country-Musik. Sie war kaum geboren, da klopfte auch schon die Hawaii-Gitarre dort an. Die Band Al Hopkins And The Hill Billies gab 1925 nicht nur einer ganzen Richtung den Namen, sondern auch gleich der Steelguitar einen prominenten Platz in diesem Genre. Jimmie Rodgers, der erste Superstar des Country, setzte ab 1929 ebenfalls eine Hawaii-Gitarre (und einen hawaiianischen Musiker) ein. Von da an bis heute zählt die Steelguitar in ihrer elektrischen oder akustischen (Dobro-)Spielweise zum Grundinventar der Country-Musik, des Oldtime und des Bluegrass.

Der Western-Swing, der sich selbst nicht als Country verstand, heute aber oft in diese Schublade einsortiert wird, brachte die ersten Pioniere der elektrischen Lapsteel hervor. Bob Dunn zauberte einen speziellen Sound bei Milton Brown And His Musical Brownies, Leon McAuliff entwickelte seine auch heute noch klassischen Licks bei Bob Wills And His Texas Playboys. Um den gestiegenen musikalischen Ansprüchen Genüge zu tun, entwickelten Musiker und Instrumentenbauer neue elektrische Lapsteels mit zwei, drei oder sogar vier Hälsen. So konnte man schnell zwischen diversen Stimmungen wechseln und die verschiedensten harmonischen Effekte erzeugen. Endpunkt dieser Entwicklung bildete die Pedalsteel-Gitarre, die mittels Hebeln und Pedalen während des Spiels umstimmbar ist und seit Jahrzehnten zum typischen Country-&-Western-Sound beiträgt.

diverse Strings
FOTO: Archiv, Nabiner

Im Blues der zwanziger und dreißiger Jahre finden wir statt der klassisch hawaiianischen Spielweise (Gitarre flach auf den Knien des Spielers liegend) eher die Bottleneck- oder Slide-Technik. Ob diese eine eigene Tradition besitzt oder hawaiianisch inspiriert wurde, ist bis heute nicht geklärt. Im Blues sind Hawaii-Elemente aber auf jeden Fall nachweisbar. Denn trotz der Bottleneck-Dominanz zogen es einige Musiker vor, das Instrument schön übersichtlich vor sich liegen zu haben und mit einem Steelbar zu bearbeiten. Black Ace, „Casey Bill“ Weldon („The Hawaiian Guitar Wizard“) und Jimmie Tarlton sind wohl die bekanntesten Namen. Sogar im elektrischen Chicago Blues wagten sich später einige Musiker an dieses Instrument.

Freddie Roulette ging aus dieser Schule hervor und wird heute von Leuten wie David Lindley als unbestrittener Meister seines Faches genannt. In jüngster Zeit haben Musikforscher eine weitere Tradition der Steelguitar innerhalb der schwarzen Musik ausfindig gemacht. Dort setzt man auch heute noch die „Sacred Steel“ in den Gottesdiensten zur Liedbegleitung und zu ekstatischen Soli ein. Robert Rudolph heißt der neue Star, der mit virtouser Technik diese Tradition in Richtung Funk und Jazz öffnet. Wir haben uns also musikalisch nun schon ein ganzes Stück von den Walzern und Märschen, die Henry Berger in Hawaii aufschrieb, entfernt.

Die Hawaii-Gitarre zeigte aber bislang nirgends Scheu vor neuen musikalischen Herausforderungen, Berührungsängste kennt sie nicht, auf fremdem Terrain wird sie meist schnell heimisch. Country und Blues haben dies gezeigt, und bei weiterem Nachforschen stoßen wir somit unvermeidlicherweise auch auf Lapsteels im Jazz. King Oliver setzte sie ein, Duke Ellington ebenfalls. Einer der größten Virtuosen der Hawaii-Gitarre, „King“ Benny Nawahi spielte mit seinen „Red Devils“ Dixieland, und auch Stars wie Sol Hoopii oder Roy Smeck folgten diesem Trend. Der ,12th Street Rag‘, ,Dinah‘, der ,St. Louis Blues‘ oder der ,Tiger Rag‘ zählen zu den Klassikern eines anspruchsvollen Steel-Repertoires.

Sol Hoopii
FOTO: Archiv, Nabiner
Der Pionier: Sol Hoopii

Höhepunkt, Niedergang, Revival

Fast immer gab es interessante und musikalisch überzeugende Ergebnisse, wenn sich Hawaii-Musiker fremdes Repertoire aneigneten. Peinlich bis unerträglich wurde es hingegen, wenn europäische oder US-amerikanische Schlager- und Operettensänger (pseudo-)hawaiianisches Material in die Finger bekamen. Zwischen einem betörenden und einem quälenden Falsett liegt eine schmale, aber deutliche Grenze. Nichts ist nerviger als ein mühsam heraus gequetschtes, nichts ergreifender als ein natürlich fließendes Vibrato. Ähnliches gilt auch für den Einsatz der Steelguitar: im Laufe ihrer inflationären Verwendung verkam sie oft zur einer schwächlichen Imitation ihrer selbst, zu einem billigen Effekt, schwang sich dann aber plötzlich wieder zu ungeahnten Höhen auf.

Bis Ende der fünfziger Jahre besaß der Begriff „Hawaii“ und damit auch die Steelguitar eine gewisse Anziehungskraft in der US-Unterhaltungsindustrie. Dann waren die Inseln für den Tourismus erschlossen, die Melodien für den Kommerz endgültig ausgeschlachtet. Um so erstaunlicher, dass die Brüder Santo und Johnny Farina mit einem Steelguitar-Titel 1959 noch einen Nr.-1-Hit landen konnten. ,Sleepwalk‘ hieß die Nummer, dessen Melodie Santo auf einer Fender Triple-Neck spielte. Die Steelguitar gab damit an alle Telecaster-, Stratocaster- und Les PaulHelden eine nicht zu schlagende Vorgabe, indem sie noch kurz vor ihrem Abtauchen in die Vergessenheit das einzige Gitarren-Instrumental lieferte, das jemals in den Billboard-Charts ganz oben stand. Jahrzehntelang war die Steelguitar in den USA ein allgegenwärtiges Phänomen.

Hunderttausende legten sich passende Instrumente zu, besuchten Kurse und kauften Millionen von Schallplatten. Kein Wunder, dass das Instrument auch schnell internationale Verbreitung fand. Hawaii-Musik war durch Tonaufnahmen in Europa spätestens ab 1904 bekannt. Bald tourten Bands durch Europa und Asien. Überall hinterließen sie Zuhörer, die vom Klang der Hawaii-Gitarre fasziniert waren und begannen, sich die speziellen Techniken des Instruments anzueignen. Auch vor Deutschland machte der „Hawaiian Craze“ nicht halt. Im Berlin der zwanziger und dreißiger Jahre traten Hawaii-Ensembles, u. a. die berühmte Moe-Familie, auf. Und deutsche Hersteller boten – nach einigem Zögern – in den frühen Dreißigern Hawaii-Gitarren eigener Konstruktion an. Dabei handelte es sich oft um Instrumente konventioneller Bauweise, die man schlicht mit einem höheren Sattel und einem speziellen Steg ausrüstete.

Zuweilen legte man auch ganz normalen Gitarren mit verstellbarem Steg ein kleines Blechteil zur Sattelerhöhung und einen Steelbar („Bündedruckeisen“) bei. Das nannte sich dann offiziell „Patentgitarre mit Umstellvorrichtung auf Hawaiian-Gitarre“. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in starker Anlehnung an amerikanische Vorlagen elektrische Lapsteels von Framus, Höfner, Hoyer, Rellog und anderen Herstellern. Kommen wir zum Schluss nach einem langen Ausflug in die Vergangenheit noch einmal kurz in die Gegenwart zurück. Denn unverkennbar feiert die Steelguitar (auch außerhalb der Country-Musik) seit einigen Jahren eine Wiederauferstehung. Vorbereitet wurde sie im Folk-Revival der sechziger Jahre. Leute wie Jimmie Tarlton, John Fahey oder Richard Crumbs Cheap Suit Serenaders waren damals noch Geheimtipps. Einen gewaltigen Anschub erhielt die Sache durch die Aufnahmen, die David Lindley in den Siebzigern mit Jackson Browne und später mit seiner eigenen Band El Rayo-X machte.

Hier waren alte Lapsteels von National und Rickenbacker mit einem völlig neuen Sound im Kontext zeitgemäßer Rock-Musik zu hören. Gewaltig dürfte die Zahl der Gitarristen gewesen sein, die darin ein neues Klangideal sahen und sich in Imitationen und Weiterentwicklungen übten. Ein Musiker der heutigen Generation, der das Lapsteel-Spiel in seine Rock-&-Soul-Musik perfekt integriert hat, ist Ben Harper. David Lindley belebte auch das Interesse an den akustischen Hawaii-Gitarren wieder, als er Weissenborn-Instrumente für seine Solo- und Duo-Auftritte benutzte. Parallel dazu hatte Bob Brozmann, ein ehemaliger Cheap Suit Serenader, einen musikalischen Kreuzzug zur Rehabilitierung der Resonator-Hawaii-Gitarren von National gestartet, der im Zuge des Vintage-Booms zu einer immensen Nachfrage nach den alten Blech-Instrumenten (und dementsprechenden) Preisen führte. Mittlerweile bieten zahlreiche Hersteller akustische und elektrische Lapsteels an, die sich technisch und optisch an die Klassiker der zwanziger bis vierziger Jahre anlehnen.

Eine völlig neue Variante der Lapsteel kommt vom deutschen Hersteller Manzanita, der zeigt, dass die Lapsteel an sich zwar ein altes Thema ist, aber durchaus noch Spielraum für Modifikationen erlaubt: Für den Musiker Martin Huch baute diese Firma eine horizontal wie eine Walze drehbare (!)Lapsteel mit vier in Mensur und Tonabnehmerbestückung unterschiedlich ausgelegten Hälsen. Die Thunderlog, so der Name dieses einzigartigen Instruments, wird auf einen Ständer montiert und kann dadurch sogar im Stehen gespielt werden.

Ein Kommentar zu “Hawaii Gitarre & Lap Steel Guitar: Die ersten Gitarren”
Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: