E-Bass

James Jamerson

Der E-Bass hat seine musikalische Rolle vom akustischen Kontrabass geerbt. Den Sprung von der ernsten Musik in die Unterhaltungsbranche schaffte der Bass Anfang der 1930er Jahre, wo er die seinerzeit im Jazz gebräuchliche Tuba nach und nach verdrängte. Da der Jazz rhythmisches, akzentuiertes Bass-Spiel erforderte, kam dem ursprünglichen Streichinstrument der Bogen abhanden – in der Unterhaltungsmusik wird der Kontrabass vorzugsweise gezupft.

Wo zuerst nur der Gesang per Mikrophon und Lautsprecher verstärkt wurde, hatte auch bald der Gitarrist einen eigenen Amp. Umso schwieriger wurde es für den akustischen Bass, sich noch im Band-Sound durchzusetzen. Da aber die damals erhältlichen Verstärker nicht ausreichend leistungsstark und die untersten Klangbereiche von den Lautsprecherherstellern noch nicht erschlossen waren, war den frühen Elektro-Stehbässen kein Erfolg vergönnt.

In den 40er Jahren war es endlich so weit: mit dynamischen Speaker-Systemen und leistungsfähigen Pentoden-Amps standen geeignete Mittel zur wirksamen Verstärkung tiefer Frequenzlagen bereit. Der New Yorker Bassist Everett Hull konstruierte ein Abnahmesystem für Kontrabass, indem er ein Mikrophon im Inneren des Korpus am Ende des Stachels (engl. peg) montierte – der E-Bass war geboren. Aus der Kombination der Wörter amplified (dt. verstärkt) und peg wurde der Firmenname Ampeg geboren, einer der bekanntesten Hersteller von Bass-Verstärkeranlagen.

Zunächst orientierte sich der E-Bass am akustischen Vorbild, bis Leo Fenders „elektrischer Brettbass“ im Jahre 1951 diese Instrumentengattung revolutionierte. Der „Precision Bass“, wie Fender sein Instrument nannte, sah ganz anders aus als die klassischen Bässe. Wegen des fehlenden Resonanzkörpers war der E-Bass leichter zu transportieren und auch günstiger im Preis. Eine weitere Innovation war das bundierte Griffbrett, auf dem man die Töne ohne hinzuschauen hundertprozentig präzise treffen konnte – daher der Name des Instruments. Der E-Bass Precision wurde in größeren Stückzahlen hergestellt und verkauft.

In seiner Konstruktion unterscheidet sich der E-Bass kaum von einer E-Gitarre. Beim elektrischen Bass kommen zur Erzeugung der tiefen Töne jedoch längere und dickere Saiten zum Einsatz, da die Saiten E/A/D/G des viersaitigen E-Basses eine Oktave tiefer gestimmt sind als die entsprechenden Gitarrensaiten. Freilich wurden beim E-Bass gewisse Details im Laufe der Entwicklung anders gewichtet als bei der E-Gitarre, um dem Klangideal eines satten, sauberen Bass-Sounds näher zu kommen. Aber im Grunde bildet Fenders gitarrenähnlicher Precision Bass bis heute in den meisten Einzelheiten die Grundlage des typischen E-Basses.

E-Bass – Typen

Im Wesentlichen kennen wir im E-Bass-Bau folgende Typen:

Schraubhals-Konstruktion

Bei diesen Bässen, die den Standard im Bass-Bau darstellen, wird der Hals an den Korpus angeschraubt, was eine perkussivere Tonartikulation begünstigt und dem E-Bass im Band-Kontext präzisere Konturen verleiht. Maßgebliche E-Bass-Modelle in diesem Bereich sind der Fender Precision und der Fender Jazz Bass.

E-Bass-Modelle mit eingeleimtem Hals

E-Bässe mit eingeleimtem Hals sind in der Konstruktion der Schraubhals-Bauweise recht ähnlich, bilden aber eher die Ausnahme. Die Hersteller Gibson und Guild wählten diese E-Bass-Bauweise öfter und auch frühe Ken-Smith-Bässe waren so gebaut.

Neck-Through-Body

Fenders Bauweise mit aufgeschraubtem Hals hat sich allgemein durchgesetzt, wenngleich auch in den 1970er und 1980er Jahren der „durchgehende Hals“ stark an Beliebtheit gewann. Dabei wird der Hals komplett bis zum Steg aus einem Stück – bzw. aus mehreren parallel verleimten Streifen – gearbeitet. Die Korpusteile werden bei diesem E-Bass seitlich angeleimt. Diese Bauart (engl. Neck-Through-Body) beschert ein besseres Sustain.

Fretless-Bässe

Hierunter versteht man E-Bässe, deren Griffbrett keine Bundstäbchen besitzt. Bundlose (engl. Fretless) Instrumente begünstigen eine fließende Spielweise, sind jedoch nicht einfach zu handhaben, was ihre Intonation betrifft. Dieser Typ E-Bass ist eher etwas für Spezialisten. Der Klangcharakter geht beim Fretless E-Bass ein wenig in Richtung Kontrabass. Der Jazz-Musiker Jaco Pastorius (1951 – 1987) gilt als Innovator auf dem Fretless.

E-Bass mit Graphit-Hals

Geoff Gould und Rick Turner sind die Erfinder des „Graphithalses“, den sie zunächst als Verbesserung für die Alembic-Bässe entwickelt hatten; ein erster Prototyp wurde 1977 vorgestellt. Goulds Firma Modulus Graphite begann die Produktion von Graphithälsen für verschiedene Bassmarken, wobei als Pioniere vor allem Alembic und auch Music Man (für den Cutlass Bass) die neuen Hälse für ihren E-Bass verwendeten. Viele Bassbauer – vor allem auch in Europa – nutzen dieses Wundermaterial nun mit Begeisterung für ihre Edelbässe, allen voran die englische Marke Status und auch der deutsche Hersteller SKC, der viele kleine und mittelständische Bassbauer mit Graphithälsen beliefert.

Headless-Bässe

Einen echten Boom der künstlichen Materialien im Bassbau löste eine sensationelle Basskonstruktion von Ned Steinberger aus. Der pechschwarze Steinberger-Headless-Bass bestand nicht nur komplett aus faserverstärktem Kunststoff, er hatte auch weder eine Kopfplatte noch einen konventionellen Korpus! Das Konstruktionsmerkmal der fehlenden Kopfplatte beim E-Bass wurde auch von anderen Herstellern übernommen, die Headless-Bässe aus konventionellen Materialien fertigen.

E-Bass mit Laminatbauweise

Während die ursprüngliche Fender-Halskonstruktion beim E-Bass aus einem Streifen Ahornholz bestand, ist es heute vor allem bei teureren Instrumenten üblich, den Hals aus mehreren, schmalen Holzstreifen zusammenzuleimen. Hierbei werden oft verschiedene Holzarten miteinander kombiniert – auf diese Weise wird die Stabilität des Halses erhöht. Dies macht den E-Bass wiederum weniger empfindlich gegen Witterungseinflüsse. Ein besonders stabil konstruierter Hals lässt sich auch dünner formen und bietet dadurch eine leichtere Bespielbarkeit. Eine deutliche Verbesserung bietet die Multi-Laminatbauweise.

E-Bass mit mehr als vier Saiten

Grundsätzlich hat sich im Bass-Bau der viersaitige Bass durchgesetzt. Allerdings existieren auch Modelle mit mehr Saiten. Neben dem fünfsaitigen E-Bass – zunächst oft mit zusätzlicher, hoher C-Saite, dann fast durchweg mit tiefer H-Saite ausgestattet – kamen auch bald sechssaitige Bässe auf den Markt (mit hohem C und tiefem H), die von einigen Bass-Stars virtuos eingesetzt wurden. Mittlerweile sieht es fast so aus, als ob der Fünfsaiter neben dem ursprünglichen, viersaitigen E-Bass zum gleichberechtigten Standard-Instrument geworden ist, während die Sechssaiter nach einem zeitweiligen Boom nun wieder eher etwas für Spezialisten sind. Als Sonder-Spezies ist der achtsaitige E-Bass zu betrachten, der (ähnlich einer zwölfsaitigen Gitarre) mit vier zusätzlichen, hoch gestimmten Oktavsaiten ausgestattet sind, die gleichzeitig mit der jeweiligen Bass-Saite angeschlagen werden.

Electric Upright

Eine Besonderheit unter den E-Bässen stellen die elektrifizierten Standbässe dar. Diese können im Stehen gespielt werden, da der Korpus wie bei einem Kontrabass auf einem „Stachel“ sitzt. Auch der E-Bass Electric Upright ist eher etwas für Spezialisten.

E-Bass mit Hohlkorpus  

Neben E-Bässen mit Korpussen aus massiven Holzstücken (engl. Solid Bodies) existieren auch Modelle mit hohlem Korpus. Zu den bekanntesten gehört der so genannte „Beatle Bass“ von Höfner. Paul McCartney machte diesen E-Bass, der wegen seiner geigenartigen Form „Violin Bass 500/1“ hieß, während seiner Zeit mit den Beatles äußerst populär.

Digital-Bass

Das vorerst letzte Wort im E-Bass-Bau hat wohl der Herstellers Line6 mit seinen Variax-Bässen. Diese Instrumente erzeugen den Klang mit digitaler Technik (Emulation) und bieten die populärsten Bass-Sounds diverser Instrumentenklassiker, die per Dreh-Regler abrufbar sind. Der Variax sieht eigentlich aus wie ein normaler E-Bass, er hat jedoch aufgrund der Digital-Technik keine Tonabnehmer mehr.

Bassprüfung

Bei Bässen ist der Hals sicherlich das empfindlichste Teil, wo im Laufe der Jahre durch Verschleiß und unsachgemäßen Umgang böse Schäden auftreten können. Zunächst sollten die Bundstäbchen (bei bundlosen Instrumenten die Griffbrettoberfläche) nach Kerben abgesucht werden, die sich naheliegender Weise am ehesten in den meistgespielten, tieferen Lagen finden lassen. Leicht angegriffene Bundoberflächen sind bei der Verwendung von Roundwound-Saiten natürlich normal, die Bünde können von einem Gitarrenbauer wieder glattgeschliffen werden.

Tiefere Kerben (die mehr als ca. 1/3 der Bundhöhe ausmachen) können freilich schon ärgere Probleme bereiten, im schlimmsten Fall ist dann eine teure Neubundierung fällig. Ob sich das lohnt, hängt natürlich von der Güte des Basses und dem Kaufpreis ab. Die Halskrümmung sollte sich am Spannstab noch in beide Richtungen justieren lassen, und vor allem für die gewünschte Saitenstärke sollte man den Bass optimal einstellen können.

Etliche alte Instrumente weisen hier ernste Krankheiten auf, die sich nur für sehr teures Geld auskurieren lassen. Während man bei alten Hälsen aus weicherem Material (z. B. Mahagoni) zuweilen die Halskrümmung nicht mehr flach genug einstellen kann, haben manche harten, mehrstreifigen Hälse genau das gegenteilige Problem, nämlich dass man bei Verwendung dünner Saitensätze den Spannstab schon ganz gelöst hat, und dennoch stellt sich keine ausreichende Hohlkrümmung des Griffbretts ein. Auch muss das Griffbrett eine gleichmäßige Krümmung aufweisen, und Knicke oder Wellen im Hals (die zuweilen oberhalb der 12. Lage oder in den tiefsten Lagen auftreten) erkennt man, wenn man von der Kopfplatte oder vom Korpus aus mit einem Auge die Griffbrettkanten entlang „peilt“.

Lassen sich kleinere Unregelmäßigkeiten entdecken, sollte man in diesen Bereichen sorgfältig Ton für Ton auf Bundscheppern hin überprüfen. Durch einen zu gerade eingestellten Hals lässt sich ein leichter Halsknick gut kaschieren, und auch deswegen sollte man die Funktion des Spannstabs antesten, bevor es später böse Überraschungen gibt. Des Weiteren lohnt es sich, am Übergang zum Korpus und zur Kopfplatte nach Rissen und Beschädigungen zu suchen, und gerade bei Instrumenten mit abgewinkelter Kopfplatte kann ein einziger Sturz schon schlimme Holzrisse verursachen.

Da alle anderen Teile (Stimmechaniken, Tonabnehmer etc.) sich leicht überprüfen lassen, stellen sie beim Gebrauchtkauf kein großes Risiko dar, wobei es schon interessant wäre, einmal einen Blick ins Elektronikfach zu werfen, um zu überprüfen, ob sich hier schon einmal ein mehr oder weniger begabter Hobbybastler betätigt hat. Lästig können zudem noch durch Handschweiß korrodierte und festsitzende Einstellschrauben am Steg sein, was sich ja auch mittels Inbusschlüssel und Kreuzschlitz-Schraubendreher leicht feststellen lässt.

Gebrauchten E-Bass kaufen

Da es bei optischen Mängeln, z. B. Lackbeschädigungen, mitunter schwierig sein kann, die eigene „Unschuld“ zwecks Garantiereklamation zu beweisen, tut man gut daran, die Geräte vor dem Kauf auf solche Mängel hin sorgfältig zu überprüfen. Lackmäßig sind bei Instrumenten grundsätzlich die Übergangsbereiche zwischen Hals und Korpus/Kopfplatte und die Griffbrettkanten am kritischsten und sollten daher auf Lackrisse und Ablösungen (Lufteinschluss) untersucht werden.

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