Billy Gibbons

Billy Gibbons ist der Gitarrist und Sänger von ZZ Top. Gemeinsam mit dem Bassisten Dusty Hill hat er den Texas-Blues mitbegründet. Hier erfährst du alles über den prägnanten Gibbons-Sound, ZZ Top und Billy Gibbons berühmte Pearly Gates!

ZZ Top Billy Gibbons und Dusty Hill

>>> Inhaltsverzeichnis <<<

Billy Gibbons Biografie

Fragen rund um Billy Gibbons

Pearly Gates: Billy Gibbons’ legendäre Les Paul

ZZ Top: Der Sound von Billy Gibbons

Das Equipment von Billy Gibbons

Die Spieltechnik von Billy Gibbons

Bau eines universalen Billy-Gibbons-Amps

Diskografie mit ZZ Top

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Billy Gibbons auf der Bühne

° Eine Person, die absolut für Blues und Rock’n‘Roll steht: Billy Gibbsons

Billy Gibbons Biografie

Billy Gibbons wurde am 16. Dezember 1949 in Houston/Texas als William Frederick Gibbons geboren. Eines Weihnachtsabends kam Santa Claus nach Texas und legte dem kleinen Billy eine Gitarre (Gibson Melody Maker) samt Verstärker (Fender Champ) unter den Weihnachtskaktus. Anders als die meisten seiner Klassenkameraden, die hauptsächlich auf die Beatles standen, war Billy total dem Blues verfallen, mochte Jimmy Reed, Little Richard, Bobby Bland, Muddy Waters.

Billy Gibbons bei der Arbeit

Recht bald spielte er auch in verschiedenen Bands: The Saints, The Coachmen, The Ten Blue Flames, The Moving Sidewalks. Bei einem Halloween-Party-Gig 1969 lernt Billy zwei Musiker kennen, die mal eben aus Dallas rübergekommen sind, Bassist Dusty Hill und Drummer Frank Beard. In der Pause unterhalten sie sich und irgendeiner schlägt vor, im nächsten Set ein oder zwei Nummern zusammenzuspielen.

Der Funke springt über, die Chemie stimmt und der Rest ist Geschichte. Ja genau, die wohl berühmteste „kleinste Big Band“ der Welt, ZZ Top, entstand ganz zwanglos auf einer Party irgendwo deep in the heart of Texas, ganz ohne TV-Casting oder Bart Vergleich

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Fragen rund um Billy Gibbons

Im Netz gibt es zahlreiche Fragen zu Billy F Gibbons aka BFG. Viele davon drehen sich um seine politische Haltung, Konfession und andere private Angelegenheiten. Wir versuchen einfach mal, alle offenen Fragen in einem Satz zu beantworten – wir befassen uns hier schließlich mit den wirklich wichtigen Dingen, der Musik von ZZ Top:

Billy Gibbons ist seit Dezember 2005 mit Gilligan Stillwater verheiratet, hatte schon Gastauftritte im TV, zum Beispiel bei der Serie Bones, und bezieht politisch nicht klar Stellung. Auf die Frage in einem Interview mit dem Rolling Stone, wie er den Republikaner Kandidaten Trump bewertet, antwortet er:

But I don’t mind the guy. I mean, I have never been politically motivated one direction or the other. I am glad I don’t have to do it as I said it’s a challenge that really quite a great bit of fortitude and stamina. We will see. Frankly I don’t care. Just make sure we keep this country in a forward direction.

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Pearly Gates: Billy Gibbons’ legendäre Les Paul

Während Billy Gibbons in seinen jungen Jahren alle möglichen Gitarren gespielt hatte, tendierte er später verstärkt zur Les Paul.

Nachdem er sich ein paar sehr schöne Modelle zugelegt hatte, bekam Billy Gibbons eines Tages eine wunderbare Les Paul angeboten, die er unter denkwürdigen Umständen kaufte und ihr deshalb den Spitznamen „Pearly Gates“ gab: Die Musiker fuhren damals einen Packard, Baujahr 1936, ein zwar sehr komfortables, aber gleichzeitig auch altes und reichlich abgehalftertes Fahrzeug.

„Eine Freundin wollte nach Kalifornien fahren, um sich für eine Rolle in einem Film zu bewerben. Ich gab ihr meinen alten Packard mit, obwohl ich mir nicht ganz sicher war, ob die Karre die Reise überhaupt überstehen würde“, erzählt Billy Gibbons. Doch das Schicksal meinte es gut mit der ZZ-Top-Freundin: Der betagte Packard erreichte sein Ziel und die Frau bekam die Filmrolle.

Gibbons: „Deswegen nannten wir das Auto ,Pearly Gates‘ (zu Deutsch etwa: Himmelspforte), weil wir dachten, dass es offenbar gute Kontakte zum Himmel hat.“ Etwa zeitgleich versuchte Gibbons, eine wunderschöne 59er Les Paul zu erwerben.

„Dem Besitzer war sie zu schwer, ich aber hatte eigentlich kein Geld, um sie kaufen. Ich hielt ihn für ein paar Tage hin, und gerade an dem Tag, als er endgültig eine Entscheidung von mir forderte, überwies mir die Freundin das Geld für den alten Packard, den sie einem Sammler verkauft hatte. So konnte ich die Gitarre bezahlen.

ZZ-Top-Buehne-2
Billy Gibbons berühmte Pearly Gates

Ich rief bei meiner Freundin an und dankte ihr, sie sagte nur: „Scheinbar bringt uns beiden der alte ,Pearly Gates‘-Packard viel Glück. Jetzt kannst du mit der Gitarre göttliche Musik machen.“

Logisch, dass Gibbons der Les Paul ebenfalls den Namen „Pearly Gates“ gab und mit ihr auf nahezu allen ZZ-Top-Scheiben gespielt hat. Obwohl er mittlerweile eine Reihe weiterer Les Pauls gekauft hat, besitzt keine davon einen so dicken, süßlichen Ton wie die originale Pearly Gates.

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ZZ Top: Der Sound von Billy Gibbons

Es gibt nur ganz wenige Gitarristen, die einen so unverwechselbaren Ton haben, dass man sie schon nach wenigen Noten oder Akkorden erkennt. Billy Gibbons ist einer davon.

Dusty Hill und Billy Gibbons auf der Bühne
Dusty Hill mit Bass und Billy Gibbons mit Gitarre

Billy Gibbons hat seine Roots im Blues und Boogie. Fasziniert von seinen Helden B.B.King, Bo Diddley, Jimmy Reed oder T.Bone Walker transformierte er, ähnlich wie Hendrix, Page, Clapton und Beck, diese Musik in eine wesentlich härtere Gangart. Er gilt somit als Mitbegründer des Texas-Blues. Anders als seine Idole verwendete er einen unverkennbaren Distortion-Ton, der bis heute sein Markenzeichen ist.

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Das Equipment von Billy Gibbons

Sein Sound ist „barky“ mit sehr viel Grundton und tiefen Mitten, meist auffallend „fuzzy“ und komprimiert. Durch die Trio-Besetzung besaß seine Gitarre sehr viel Raum und damit die idealen Entfaltungsmöglichkeiten für seinen Sound.

In den Anfangstagen von ZZ Top sammelte Gibbons vor allem alte und leistungsschwächere Fender Tweed-Combos und übersteuerte seinen Ton mit Endstufenverzerrung. Er nutzte dafür Modelle wie Fender Champ, Deluxe, Dual Professional oder Tremolux.

Von einem Roadie aus Jeff Becks Band bekam er sein erstes Marshall-Stack. Für ihn ein Muss, denn schließlich spielten Clapton, Beck und Hendrix diese Amps.

Dennoch blieb er bei Studio-Aufnahmen den kleinen Fenders stets treu. Bis heute werden sie im Studio eingesetzt. Angesteuert werden diese Amps vor allem mit seiner berühmten 59er Les Paul, die er „Pearly Gates“ nennt. Dazu besitzt er hunderte von Vintage-Gitarren, darunter alte Stratocasters, Jazzmasters, Telecasters und Gibson Melody Makers, Explorers und Flying Vs.

Billy Gibbons mit Helliver Gitarre

Es gibt wohl kaum ein Modell, das Billy Gibbons nicht besitzt. In jüngster Zeit betätigt er sich sogar selbst als Gitarren-Designer, denn er lässt sich schon seit vielen Jahren Custom-Gitarren auf den Leib schneidern. John Bolin von Bolin Guitars verwirklicht seine Träume in Perfektion.

Darunter Telecaster-Modelle in allen denkbaren Ausführungen, von Gretsch inspirierte Bo Diddley-Gitarren mit Schafpelzumrandung oder reichlich verzierte Billy-Gibbons-Gitarren, die einfach mittlerweile zum ZZ-Top-Show-Case gehören. Im Zentrum unserer Betrachtungen steht jedoch der frühe Gibbons-Sound mit Pearly Gates und Fender Vintage Gitarren.

Billy Gibbons mit Les Paul Gitarre

In den frühen Jahren der Band klang Gibbons eher puristisch. Er nutzte den typischen Charakter seines Equipments zur Formung seines Sounds. Effekte waren nur selten im Einsatz, und wenn, sind vor allem Fuzzfaces oder ein Maestro Ringmodulator zu hören.

Ab den Achtzigerjahren fingen auch ZZ Top an, mit Elektronik zu experimentieren. Gibbons nutzte in dieser Zeit reichlich Effekte, einen Tom Scholz Rockman und andere Preamps. Man hörte auf den Alben dieser Ära zwar immer noch unverkennbar Billy Gibbons, sein Sound gilt jedoch unter Fans nicht als der beste seiner Karriere.

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Die Spieltechnik von Billy Gibbons

Werfen wir zunächst einen Blick auf seine Spiel-Technik, denn hier wird sein Ton schließlich geboren. Gibbons verwendet seit jeher extrem dünne Saiten. Zunächst waren das 8er Sätze. Heute spielt er sogar 7er Saiten von Dunlop. Sein Gitarren-Techniker schwört, dass er es dennoch nie erlebt habe, dass Gibbons eine Saite reißt. Das liegt vor allem an seiner sehr filigranen Anschlagtechnik.

Billy Gibbons Setup
Ein kleines Billy Gibbons Setup

Gibbons zupft mit Plektrum und Fingern und gibt dabei nur sehr wenig Kraft und Energie auf die Saiten. Da die dünnen Saiten auch recht hell klingen, stellt er Treble- und Presence-Regler seiner Amps meist auf Null. „He don’t needs treble at all“, erklärt sein Techniker. Jeder andere würde vermutlich dumpf und fuzzy mit Gibbons Amp-Einstellung klingen.

Nur bei dem Texaner scheint es eben zu funktionieren. Mit einem zum Gitarren-Plektrum umfunktionierten mexikanischen Peso entwickelte Gibbons bald seine sogenannte Pinch-Technik, bei der er, ähnlich wie Rory Gallagher, nur die Obertöne einer angeschlagenen Saite herauskitzelt. Man hört das sehr gut im zweiten Gitarren-Solo von ,La Grange‘.

Die kleine Metall-Münze erleichterte die Entstehung dieses Sounds. Da er in seiner Band auch als Rhythmus-Gitarrist arbeitet, wurden aber vor allem seine fetten Riffs zum Markenzeichen. Weitere spannende Details zu dem ZZ-Top-Sound erfährst du in dem großen Workshop-Special.

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Bau eines universalen Billy-Gibbons-Amps

Das Intro von ,Tush‘ (Album ,Fandango‘ 1975) kennt heute wohl jeder Gitarrist. Dieses Riff ist genauso bekannt wie ,All Right Now‘ von Free, ,Whole Lotta Love‘ von Led Zeppelin oder ,Smoke On The Water‘ von Deep Purple.

Sein Stil ist einfach, aber angereichert durch zahlreiche Feinheiten, die es fast unmöglich machen, diesen Sound zu kopieren. Wir werden also versuchen, einen universalen Billy-Gibbons-Amp zu bauen.

Das ist gar nicht so schwer, denn während der Entstehung meines „Neil-Young-Tweed-Deluxe“-Combos konnte ich feststellen, dass es bis zum Gibbons-Ton nicht mehr weit ist. Zudem halfen mir ein paar kleinere Entdeckungen, dieses Vorhaben weiter zu verfeinern.

Ein Fender Tweed Deluxe 5E3 ist dabei schon mal ein sehr guter Anfang. Schließlich spielte Billy einen solchen Amp mit einer 50s Hardtail-Stratocaster bei seinem berühmten ,Blue Jean Blues‘ (Album ,Fandango‘ 1975).

Bei einem Live-Auftitt  von 1980 (im gleichen Jahr wurde der berühmte Rockpalast ZZ-Top-Live-Gig in der Essener Gruga-Halle aufgezeichnet) spielt Gibbons einen braunen Fender Deluxe Amp, der wohl mit einem Fuzzface oder Power Booster angesteuert wird. Der 5G3 Brownface Deluxe ist dem 5E3 Tweed Deluxe recht ähnlich.

Es gibt aber ein paar Änderungen, die den Sound dieses Amps etwas britischer und stabiler machen. Der Brown Deluxe gilt seit jeher als kleiner Marshall-Ersatz, weil er so fett und mittig klingt. Ted Nugent hat übrigens über diesen Amp ,Cat Stratch Fever‘ aufgenommen. Kein schlechter Rock-Sound, oder?

Vor ein paar Jahren kam ein Kunde zu mir, der einen braunen Deluxe mit einem alten Celestion Greenback G12H ausgestattet hatte. Dieser Amp klang unglaublich fett und rockig. Man konnte mühelos Eric Claptons Bluesbreaker-Sound nachstellen, aber auch das Tush-Riff beängstigend authentisch abfeuern.

Auf dem angesprochenen Live-Video spielt Billy seine Pearly Gates und klingt so typisch und perfekt wie eh und je. Und das alles über einen 12-Watt-Combo! In den USA gibt es einen kleinen Hersteller namens Tungsten, der mit dem Crema Wheat seine eigene Interpretation des Gibbons-Tons anbietet.

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Dieser Amp ist eine Mischform aus einem Tweed Deluxe 5E3 und einem Brown Deluxe 5G3. Dazu sind diese Amps mit einem Scumback M75 Lautsprecher bestückt. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Zu einer anderen Entdeckung gehörten für mich einige Booster, die ich mir kürzlich für einen Workshop gekauft oder ausgeliehen habe. Darunter einen Colorsound Powerboost Reissue, einen Butler Tubedriver und einen Klon Centaur Treble Booster.

5E3 Eigenbau mit Billy-Gibbons-Tuning
Der 5E3 Eigenbau mit Billy-Gibbons-Tuning

Alle drei Pedale führen unter gewissen Voraussetzungen zu einem extrem authentischen Gibbons-Sound. Doch dazu später mehr. Zunächst habe ich mich mit einem Pool von NOS-Bauteilen ausgestattet. Ein 1961er Fender Schumacher 8-Ohm-Ausgangsübertrager für etwa 30 Watt bildet dabei das Kernstück. Um diesen Übertrager herum wird das Amp-Projekt entstehen, denn ich konnte keinen anderen finden, der diesen Ton liefert. Das Tone-Clone-Pendant von Mercury Magnetics ist nah dran, aber eben nicht ganz auf den Punkt. Von diesem Hersteller kommt jedoch der 5G3 Netztrafo in der Fat-Stack-Ausführung für etwas mehr Leistung.

Ansteuern werde ich das Amp-Projekt in allen Testphasen mit meiner Les Paul CC 4, die ich mittlerweile mit alten PAFs, einer alten ABR-1 Brücke und alten Centralab-Potis ausgestattet habe. Meine PAF-Pickups haben zwar Alnico V-Magneten (Billy Gibbons 59er Pearly Gates soll Alnico II haben), taugen für die Versuche allerdings dennoch besser als die meisten After-Market-Produkte.

Für den stark komprimierten Fuzz-Sound kommt mein Colorsound Powerbooster zum Einsatz. Dieser Booster hat den Vorteil, dass man den Amp damit auch clean ansteuern kann. Und mit der Klangregelung kann man Bässe und Höhen nach Wusch gestalten. Für einen La-Grange-Sound ist der Colorsound wirklich erste Wahl.

Mir bleibt nur noch zu sagen: Let’s Boogie! Ich freue mich schon riesig auf diese Projekt. Wir sind nun auf dem Weg, einen kleinen Amp zu bauen, der den Sound aus der frühen ZZ-Top-Phase in sich trägt.

Vorbild war wieder die Fender 5E3-Schaltung, die wir zu diesem Vorhaben jedoch stark modifizieren. Auch wenn Gibbons Ton manchmal sehr fuzzy und komprimiert klingt, brauchen wir für diesen Sound eine etwas stabilere Schaltung mit etwas mehr Attack und Grind. Wer einmal einen Fender Tweed Deluxe gespielt hat, wird bemerkt haben, dass die Lautstärke-Potis recht seltsam arbeiten. Schon bei etwa Lautstärke 2 bis 3 scheint der Amp voll aufgedreht.

Zwischen Stellung 3 und 7 ändert sich kaum etwas, und bei Stellung 10 bis 12 (beim Tweed Deluxe geht die Volume-Skala bis 12) kommt noch etwas Verzerrung hinzu, die aber in den seltensten Fällen brauchbar ist, weil der Amp dann schon zu stark komprimiert.

Große Trafos für die 6L6-Endstufe
Große Trafos für die 6L6-Endstufe

Der Ton ist flabby und äußerst unscharf. Dieser Eigenschaft verdankt der Deluxe seinen Status als Studio-Amp. Für lautere Bühnen-Gigs ist er offenbar zu leise und zu unflexibel. Neil Young half sich bekanntlich mit der motorgesteuerten Regeleinheit für alle drei Potis. Zudem agieren die beiden Volume-Potis für den Bright- und Normal-Kanal interaktiv.

Das heißt, sie beeinflussen sich gegenseitig. Dreht man beispielsweise den nicht genutzten Normal-Kanal weiter auf, wird der Bright-Kanal wieder cleaner und verliert Gain. Das liegt daran, dass beim Tweed Deluxe das Signal auf den Schleifer gelötet ist und nicht auf den Poti-Eingang. Denn hier liegt komischerweise der Ausgang, der zum Gitter der zweiten Vorstufenröhre führt. Verkehrte Welt, aber auch maßgeblich beteiligt am typischen Deluxe-Sound.

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Die Folge ist ein sehr früher Zuwachs an Lautstärke an den Volume-Potis und sehr viel Gain am zweiten Gitter. Seine Rauheit verdankt er weiterhin der fehlenden Gegenkopplung. Hier wird der volle Gain-Umfang ausgenutzt, ohne einen Teil des Signals an der Speakerbuchse zurück in die Endstufe zu schicken, um durch eine „Negative Feedback Loop“ die Arbeitsweise der Endstufe zu stabilisieren und damit cleaner zu machen.

Alle größeren Fender-Amps haben eine Gegenkopplung. Das dritte Manko dieser Schaltung ist die geringe Spannung in der Vor- und Endstufe. Ein Vintage Tweed Deluxe hat eine B+ -Spannung von etwa 370 bis 390 Volt und nur etwa 130 Volt an der 12AY7 Vorstufenröhre. Hier verliert der Amp nicht nur Leistung, sondern erhält einen sehr warmen, aber auch verzerrten Charakter.

Die Modifikation der Volume-Regelung
Die Modifikation der Volume-Regelung für mehr cleanen Headroom

Mit einer Les Paul dem Tweed Deluxe einen brauchbaren Clean-Ton zu entlocken, ist daher ziemlich schwierig. Andererseits sind die Humbucker schon so stark, dass auch der Distortion-Ton teils zu dick und unscharf klingt. Schuld daran ist unter anderem ein 25-uFElko, der zusammen mit einem 1,5-k-Widerstand an der Kathode der zweiten Vorstufenröhre hängt. Nimmt man diesen Elko heraus oder macht diesen schaltbar, verringert sich der Gain-Faktor des Amp erheblich.

Der Ton wird so clean, dass nun in der Vorstufe auch wieder eine 12AX7 arbeiten kann, ohne den Amp zu früh in die Sättigung zu treiben. Durch den höheren Gain-Faktor dieser Röhre, erhöht man die Spannung an der Anode um etwa 20 bis 30 Volt. Außerdem kann man an diesen 1,5-k-Widerstand nun auch die Gegenkopplung anschließen. Hierbei kann man mit Werten von 2,7 k bis 56 k experimentieren oder gleich ein 100-k-Poti zur Regelung der Gegenkopplung verwenden.

Man wird nicht schlecht staunen, wie klar der Deluxe jetzt klingt. Genau hier liegt die Verwandtschaft zum Nachfolge-Modell 6G3, der mit einer 12AX7 in der Vorstufe und 56k Gegenkopplung arbeitet. Für den Billy-Gibbons-Sound habe ich mich für einen Fat-Stack-Netztrafo von Mercury Magnetics entschieden. Dieser Trafo liefert mit einer GZ34 Gleichrichterröhre immerhin 430 Volt B+ -Spannung. Genug, um zwei 5881 Endröhren anzufahren. Das passt auch hervorragend zu dem alten Tweed Pro Ausgangsübertrager, den ich in diesen Amp eingebaut habe.

Die Primärimpedanz dieses Trafos liegt bei 6,5 k. Den Kathodenwiderstand der Endstufe habe ich dazu von 250 Ohm auf 500 Ohm/25 Watt erhöht. 10 Watt wären auch genug gewesen, aber ich wollte wegen der enormen Hitzeentwicklung an dieser Stelle auf Nummer sicher gehen. Mit diesem Widerstand liegen an der Kathode etwa 40 Volt an. Die beiden TungSol 5881-Röhren laufen somit mit einem Ruhestrom von etwa 40 Milliampere.

Der parallele Kathoden-Elko sollte daher auch eine Spannungsfestigkeit von mindestens 50 Volt haben. Zum Schluss habe ich mich noch den beiden Volume-Reglern gewidmet. Hier habe ich das Signal aus den beiden Vorstufenhälften auf die Poti-Eingänge gelötet. Nun bleiben jedoch zwei Schleifer als Ausgang übrig. Diese habe ich, wie bei den meisten zweikanaligen Amps üblich (z.B. Marshall JTM45) mit zwei 220-k-Mischwiderständen vor dem Gitter der zweiten Röhre verbunden. Fertig! Jetzt kann man die Lautstärke des Amps ohne Einschränkungen wieder gleichmäßig regeln.

Der Ton bleibt zunächst clean und reicht ab Volume-Stellung 5 bis 6 über leichten Crunch bis Lautstärke 12 zu einem fetten Distortion-Ton à la Billy Gibbons. Das Board habe ich komplett mit New-Old-Stock-Allen-Bradley-Carbon-Composition-Widerständen bestückt. Ich war wieder einmal überrascht, wie warm und dennoch konkret der Ton dadurch wird. Wirklich Spitzenklasse.

Die Koppel- und Tone-Kondensatoren kommen von Sprague (P715). Nach wie vor eine gute Wahl für einen knackigen Ton mit optimaler Kontur. Zwischendurch habe ich den Amp auch mit Jupiter Caps und mit Mallory 150 Kondensatoren bestückt, war aber von den Ergebnissen nicht ganz so überzeugt. Der Ton wurde zwar noch etwas rauer und ungeschliffener, verlor aber auch ein wenig Charakter. Besonders die Bässe waren mir mit diesen Kondensatoren manchmal zu weich.

Modifizierte 5E3-Schaltung
Schaltplan: Modifizierte 5E3-Schaltung

Die Netzteil-Elkos kommen von F&T, wobei ich den letzten Elko für die Spannungsversorgung der Vorstufe gegen einen alten Astron- „Minimite“-Elko aus den Fünfzigern getauscht habe. Es war schwer, ein Exemplar zu finden, das noch funktionierte, denn 50 Jahre hält kaum ein Elko. Doch der Distortion-Ton bei voll aufgedrehtem Amp war mit diesem Elko so viel saftiger und runder, dass ich nun vollkommen verstehe, warum Tone-Freaks wie Neil Young hunderte von Vintage-Amps kaufen, um sie als Ersatzteillager für den Lieblings-Amp zu nutzen.

Die Kathoden-Elkos in der Vorstufe habe ich danach auch gegen Vintage-Typen von Astron getauscht. Jedesmal mit einem verbesserten Klangergebnis. Es ist schon erstaunlich wie stark diese beiden Elkos am Klangergebnis beteiligt sind. Gute Alternativen bieten hier Sprague, TAD oder F&T. Von billigen Fernost-Produkten sollte man sich hier fernhalten. Die funktionieren zwar, bieten aber keinen verführerischen Distortion-Ton à la Billy Gibbons. Früher war alles besser? In dieser Hinsicht sicher schon.

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Ausgestattet habe ich den Amp mit einem Scumback M75 65-Watt Lautsprecher mit Large Dustcap (LD-Version). Der Speaker liefert im Prinzip einen etwas dunkleren und wesentlich stabileren Greenback-Sound, was für unser Ziel perfekt passte. Der fertige Amp klingt unheimlich fett und stabil. Man benötigt eigentlich keinen Booster, um ihn so richtig in die Sättigung zu fahren. Das Klangergebnis schließt auf sagenhafte Weise die Lücke zwischen einem guten Plexi-Marshall und einem kleinen Tweed Deluxe. Mit dem Scumback erinnert der Sound auch eher an einen Marshall als an einen Fender-Amp. Je weiter man aufdreht, desto dicker und runder werden auch die Bässe.

Das kann mit starken Pickups schon mal zu viel werden. Daher lohnt sich der Versuch, mit einem Overdrive oder Booster die Bässe etwas zu beschneiden. Gut geeignet haben sich dazu Tubescreamer oder verwandte Pedale, der Klon Centaur, der wirklich hervorragend mit dem Amp harmonierte und schließlich der Colorsound Powerboost, der dank verfügbarer Klangregelung den Amp unheimlich flexibel machte. Mit dem Colorsound erreichte der Amp eine sehr große Nähe zum Billy-Gibbons-Sound aus der Rockpalast-Aufzeichnung von 1980.

Das kann schon süchtig machen. Erst recht, wenn man bedenkt, dass man diesen Ton aus einem kleinen Combo mit gerade mal 15 kg Gewicht zaubert. Zum besseren Verständnis der Schaltung habe ich Bilder der Verschaltung der Volume-Potis hinzugefügt. Dazu noch ein Layout-Plan von Mission-Amps/USA, der im Prinzip meine Umbauten am Deluxe verdeutlicht.

Text: Udo Pipper

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Diskografie mit ZZ Top

Jahr Album
1971 ZZ Top’s first Album
1972 Rio Grande Mud
1973 Tres Hombres
1975 Fandango!
1977 Tejas
1979 Degüello
1981 El Loco
1983 Eliminator
1985 Afterburner
1990 Recycler
1994 Antenna
1996 Rhythmeen
1999 XXX
2003 Mescalero
2012 La Futura

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