Marshall Verstärker

Seit 50 Jahren begleitet Marshall nun die Geschichte der Rock-Musik und hat dabei das ein oder andere Kapitel mehr als nur mitgeschrieben. Denn eins ist klar: Ohne die Verstärkung aus dem Hause Jim Marshall wäre so manche Band nicht erfolgreich und so mancher Song nicht unsterblich geworden.

 

 

INHALTSVERZEICHNIS:

===>   MARSHALL-TIMELINE   <===
===>   MARSHALL-LEXIKON A-Z   <===
===>   MARSHALL-RIFFS   <===

 


Unbenannt

DIE MARSHALL-TIMELINE

Schon während seiner durch eine schwere Krankheit geprägten Kindheit und Jugend zeigt Jim Marshall einen ausgeprägten Wissensdurst und stillt diesen mit der Lektüre von Büchern über Technik und Maschinenbau. Seine erworbenen Fachkenntnisse setzt er später nach zahlreichen Hilfsarbeiter- Jobs als Werkzeugmacher beim Flugzeugbauer Heston Aircraft in die Tat um.

Während des 2. Weltkrieges startet er als Sänger in einer Band, bei der er nur wenig später das Schlagzeug übernimmt. Mangels Benzin transportiert er sein Drum-Set und seine damals schon selbstgebauten PABoxen per Fahrradanhänger zu den Auftritten. Nach zwei Jahren Schlagzeugunterricht bei dem in England angesagten Max Abrams beginnt Jim 1949 selbst zu unterrichten. Zu seinen Schülern zählen u. a. Mitch Mitchell (Jimi Hendrix), Micky Burt (Chas & Dave), Micky Waller (Little Richard) und Nick Underwood (Ritchie Blackmore). Während der 50er-Jahre verdient er sich mit Gigs und wöchentlich bis zu 65 (!) Schülern die finanzielle Basis für den Einstieg ins Boxen- und Verstärker- Business.

1960

In seiner Garage startet Jim mit dem Bau von säulenförmigen Bassund PA-Boxen, die er mit je zwei 12“-Lautsprechern bestückt. In ersten Verkaufsbelegen wird die Custom- Line-Range beschrieben, die aus 12″-, 15″- und 18″-Boxen mit Goodmans-Speakern besteht. Dazu bietet Jim Verstärker der Marken Linear und später Leaks an. Gleichzeitig besorgt er seinen Schülern Premier- Drums vom Selmer Shop in der Charing Cross Road. Der dortige Shop-Manager bringt ihn dann auf die Idee, selbst mit Schlagzeugen und Zubehör zu handeln. Am 07. Juli 1960, um 14 Uhr war es dann soweit: Feierliche Eröffnung des ersten Ladens von Jim Marshall und dessen Sohn Terry, der bei den angesagten Flee-Rekkers Saxophon spielt, in der 76 Uxbridge Road, Hanwell.

Gaststar ist Max Abrams. Jim himself ist im Übrigen für den Drum- Service zuständig. Viele Schlagzeuger kommen mit ihren Bands vorbei, und schnell folgt die Nachfrage nach Gitarren und Verstärkern, von denen Jim Marshall laut eigenem Bekunden keine Ahnung hat. Kurz darauf wurden Fender Stratocaster und Tremolux- Amps, wie auch Gibson ES-Thinline-Gitarren ins Sortiment aufgenommen. Ben Davis, Chef des damaligen Gibson- und Fender-Vertriebs Selmer, wundert sich über die immensen Umsätze des Ladens.

1962

Die bis heute anhaltende Zusammenarbeit mit dem britischen Lautsprecherhersteller Rola Celestion Ltd. beginnt. Bevorzugter Speaker: G12. Ein gewisser Ken Bran, der oft mit seiner Band Peppy and the New York Twisters den Laden besucht, lässt Jim wissen, dass er beabsichtige, das Touren an den Nagel zu hängen. Ein Jahr später bietet Jim Marshall Ken, der inzwischen bei PanAm arbeitet, die Position des Servicetechnikers an, die der gerne annimmt. Erst Ken Bran schlägt Jim vor, anstelle des Handels mit, lieber eigene Verstärker herzustellen. Jim beauftragt also seinen Techniker mit der Entwicklung eines Amps, und so entsteht der erste Lead Amp für E-Gitarre, der legendäre JTM 45, den es bald auch als Bass- und PA-Version gibt.

In Gesprächen mit Pete Townshend, Brian Poole & the Tremeloes und Jim Sullivan erfährt Jim, dass denen die Fender-Gitarrenverstärker wie Tremolux, Twin Reverb etc. zu clean klingen, und nach der Beschreibung ihrer Sound-Vorstellungen weiß Jim, was zu tun ist. Offenbar trifft der Sound eines Fender Bassman eher den Geschmack der Gitarristen als die Gitarren- Amps des US-Herstellers. Im September 1962 entsteht, technisch an den Fender Bassman angelehnt, der erste Prototyp mit einem nackten Chassis ohne Holzgehäuse, um Modifikationen zu erleichtern. Die 4×12″-Box feiert Premiere, kurz darauf folgt die abgeschrägte Version. Zahlreiche Bestellungen des Prototyp-Amps zeigen, dass Jim und Ken auf dem richtigen Weg sind.

1963

Der vergrößerte Shop erhält einen kleinen Fertigungsbereich, in welchem Ken und dessen langjähriger Freund Dudley Craven die ersten Verstärker bauen – etwa einen pro Woche. Ken Bran ordert die Aluminium- Chassis je nach Bedarf aus dem Lager von Smith s in der Tottenham Court Road. Die Nachfrage steigt kontinuierlich, und so zieht die Gehäuseproduktion in einen anderen Laden gegenüber (93 Uxbridge Road) und kurz darauf in eine 7×10 m große Werkstatt in Southall, Middlesex. Anfänglich verkauft Jims Laden in Hanwell Marshalls ausschließlich direkt an Endverbraucher. Die Mundpropaganda läuft jedoch auf Hochtouren, und so bietet Jim seine Produkte auch Händlern in Südengland an, während sein Freund Johnny Jones (Jones & Crossland, Birmingham) sie ab Ende 1963 in Nordengland vertreibt.

1964

Nach „Zwangsexpandierung“ und Umzug im Juni eröffnet in der 28-30 Silverdale Road, Hayes die erste richtige 567 m2 große Marshall- Fabrik mit bereits 16 Arbeitern, die rund 20 Amps pro Woche fertigen. Die erste 1960-Box für Gitarre und (!) Bass geht in Serie. Sie verträgt 60 Watt und besitzt eine gewinkelte Front. Roy Orbison tourt in England mit Marshall-Equipment und nimmt es mit nach Amerika.

1965

Jim Marshall unterschreibt einen weltweit exklusiven Vertriebsvertrag mit Rose-Morris. Da Johnny Jones damit die Marshall-Vertriebsrechte verliert, führt Jim exklusiv für Johnny die nahezu baugleiche Verstärkerund Boxenreihe „Park“ ein, benannt nach dem Geburtsnamen von Johnnys Frau Margaret. Jim Marshall war schon immer ein Fuchs! Vertrieben werden die Parks von Johnny’s Firma Cleartone Musical Instruments oder kurz „CMI“. Von Design-Unterschieden abgesehen, fertigt man die Park-Amps und -Cabinets primär aus überschüssigen Lagerbeständen.

Zudem schlägt Jim so gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Die Produktion wird ausgelastet, er tut einem Freund einen Gefallen, und das alles bringt nebenbei auch noch zusätzliches Geld in die Kasse. Großbritannien schwelgt in der Hysterie des Beat-Booms, Amerika erliegt der britischen Invasion, und Pete Townshend braucht einen stärkeren Amp! Jim beauftragt Ken mit der Entwicklung eines 100-Watt- Heads. Sie sind sehr stolz auf die ersten Exemplare, und plötzlich steht Pete Townsend mit dem Wunsch nach einer 8×12″-Box auf der Matte. Erwartungsgemäß beschweren sich die Roadies, die Idee der riesigen Box wird ad acta gelegt (nur sechs Stück wurden gebaut!) und das Ganze auf zwei einzelne Boxen aufgeteilt, die man zudem noch aufeinander stellen konnte – das Marshall- Stack war geboren! Somit ist Pete Townshend maßgeblich am klassischen Stack-Design beteiligt. Eric Clapton kauft im Marshall Shop seinen später legendären 1962-Bluesbreaker- Combo aus der zweiten Produktionsreihe. Mit dem Model 1983 erscheint die erste offizielle Marshall 2×12″ PA-Box.

1966

Man erfreut sich explosionsartiger Zuwächse und festigt seine Position als weltweit führender Hersteller von Rock-Gitarren-Amps. The Who, Cream und besonders Jimi Hendrix, der England ab September 1966 förmlich in Hysterie versetzt, tragen in den Jahren 1964 bis 1967 hauptsächlich zum sechsfachen Zuwachs des Marshall- Umsatzes bei. EL34-Endröhren ersetzen die seltenen und daher teuren KT66. Mit Ausnahme der Tremolo-Amps müssen auch die GZ34 Gleichrichterröhren einer Halbleiterschaltung weichen. Der Umzug in die Lyon Road, Bletchley, Milton Keynes ist unerlässlich. Die Musikladenkette „Kitchen“ beauftragt Marshall mit einer eigenen Amp-Reihe, die das Logo „Kitchen- Marshall“ erhält. Obgleich es sich dabei primär um PA-Equipment handelt, werden auch ein paar JTM45-Tops und unterschiedliche Gitarren-Boxen gefertigt. Der hässlichste oder seltsamste Marshall- Combo dürfte wohl der Capri sein, ein 5-Watt-Röhren-Amp mit 8″-Speaker und rotem Vinyl-Bezug, der hinsichtlich der Ausstattung sehr an einen Fender Champ erinnert. Da gerade mal 100 Stück gefertigt wurden, ist er heute überaus selten.

1967

Jim baut in großen Stückzahlen Verstärker für den deutschen Markt, wird jedoch aus markenschutzrechtlichen Gründen von dem deutschen Trompetenhersteller Marshall daran gehindert. Also werden die Exportprodukte erst einmal auf „Big M Made in England“ getauft. 1967 oder 68 erwirbt Jim die weltweiten Rechte an seinem Namen und die Big-M-Logos sind Geschichte. Außerdem erblicken das legendäre SupaFuzz-Pedal, das bis zu 15 Sekunden Sustain verspricht, der 2020 Reverb (Federhall), der auch von Pete Townshend benutzt wird, sowie das 2021 Reverb-Fuzz, beide im Gehäuse des 20-Watt-PAAmps, das Licht der Welt.

Auszug aus dem Katalog von 1965

1968

Umzüge zählen offenbar zu Jim Marshalls Hobbies, denn jetzt wechselt er standesgemäß in die First Avenue, was allerdings de facto um die Ecke ist. Das speziell auf die eigenen PAs abgestimmte High-Impedance-Marshall- Mikrofon und das legendäre Supa-Wah- Pedal erscheinen.

Katalog von 1965

1969

Nicht viel Neues ist zu vermerken, außer: Aufgrund wachsender Leistungsansprüche wird die 1×18″-Bass-Box Modell 1988 von 50 auf 100 Watt verstärkt.

1970

Während der 70er-Jahre schießen Marshall-Produkte wie Pilze aus dem Boden, und das Sortiment umfasst nicht nur Gitarren- sondern auch Bass-Equipment, PA-Boxen und Mischpulte, die zu riesigen Systemen kombiniert mit Deep Purple, Elton John u. v. a. Top-Acts in der Welt unterwegs sind.

1971

Eine weitere Variante des Standard- Amps wird vorgestellt, nämlich der zerrtechnisch extrem vielseitige Artist. Obgleich wenig erfolgreich, werden die Tops und Combos noch etwa sieben Jahre lang gefertigt. Der 2046 Specialist, ein 25-Watt-Combo mit 15″-Speaker, Hall und Tremolo ist der erste Amp mit Platinenaufbau und für Club- und Jazz-Gitarristen vorgesehen. Aufgrund von chronischen Überhitzungsproblemen wird er 1973 wieder aus dem Sortiment genommen.

1972

Marshall standardisiert die Größe der Topteil- Gehäuse und nimmt Tremolo-Amps aus dem Programm. Ein seltener Combo-Amp ist der nur ein Jahr lang gebaute 1930 Popular, der 10 Watt liefert und mit einem 12″-Speaker, zwei Kanälen und Tremolo ausgestattet ist. Auch der 2060 Mercury ist solch ein Exot und Marshalls erster Amp mit Hybrid-Schaltung (Transistor-Preamp, Röhrenendstufe). Er drückt seine 5 Watt durch einen 12″-Lautsprecher und wurde speziell für Bestellungen aus dem Katalog gebaut.

1973

Mit den Modellen 2077 und 2078 erscheinen Marshall’s erste Bass- und Gitarren-Combos in Transistortechnik. Bestückt mit vier 12″-Lautsprechern wirken die Gehäuse recht monströs. Beide Amps bieten zwei Kanäle sowie FX-Send und -Return.

1974

Der Musikalienhändler Sound City fragt an, ob man ihm einen Marshall- Amp mit anderem Namen bauen könne. Da der Verstärker nicht Kens Nachnamen und damit den einer Müsli-Zutat tragen soll (Bran = Kleie), benutzt man den Namen einfach rückwaÅNrts: Narb. Wieder eine gute Gelegenheit, alte Marshall-Chassis und -Teile aufzubrauchen. Die Narb-Amps erhalten Standard-Marshall- Schaltungen mit Tremolo, und es werden lediglich 4×12-Boxen gefertigt. DJs aufgepasst: Mit der Disco-Unit, bestehend aus zwei Plattenspielern, Endstufe und zwei Lautsprecherboxen beweist Marshall wahrhaft prophetische Fähigkeiten.

1975

Mit den Master-Volume-Amps erhört Marshall den Wunsch zahlreicher Gitarristen nach mehr Gain bei geringerer Lautstärke. Gleichzeitig bekommt die Transistorabteilung Zuwachs durch die von den Combos abgeleiteten ultra flachen 100-Watt-Topteile 2098 für Gitarre und 2099 für Bass. Cleartone Musical Instruments beauftragt Marshall, neben Park eine weitere Amp- Reihe zu produzieren. Jim ist von der Idee nicht sonderlich begeistert, willigt jedoch ein. So entstehen die zunächst PA-orientierte CMI-Reihe und kurz darauf drei gut funktionierende, aber hässliche CMI-Gitarrenverstärker, und zwar zwei Heads und ein Combo, die natürlich technisch auf Marshall- Schaltungen basieren. Da mangels Erfolg nur wenige Geräte gebaut und auch nur von 1976 bis 1977 angeboten werden, konzentriert sich Johnny Jones wieder auf die Park-Produkte.

1976

Das Jahr hält sich mit Neuerungen zurück: Präsentiert werden die 2097 PA-Boxen mit 125 Watt, acht 8″-Lautsprechern und VFront sowie das einkanalige, für Gitarre und (!) Bass konzipierte 100-Watt-Transistor-Top 2195 mit Master-Volume.

1977

Eine Combo-Version des ersten 1959-Tops mit 100 Watt, zwei Kanälen, vier Eingängen und zwei 12″-Lautsprechern erscheint.

1978

Das 100-Watt-Head Model 2959 im Standard- Design mit fußschaltbarem Hall und 6- dB-Booster, aber ohne Master Volume, geht an den Start. Diesem ist jedoch kein langes Leben vergönnt, und so fliegt es nach einigen Monaten und ca. 150 gefertigten Exemplaren wieder aus dem Programm. Der neue 2150-Röhren-Combo leistet 100 Watt, besitzt einen 12″- Speaker und wurde als einziger mit vier Inputs und Master Volume ausgestattet. Er bleibt einige Jahre im Marshall- Programm. Mit gleich drei besonders clean klingenden Club-&- Country-Combos hat Marshall die Gitarristen und Bassisten der Country-Szene ins Visier genommen.

1979

Die klassischen mit G12-25 Celestions bestückten 1960Aund 1960B-Boxen werden mit G12-65 aufgepeppt, was die Leistungsfähigkeit von 100 auf 260 Watt erhöht.

1980

Die 30-Watt-Speaker der Bass-Boxen 1984 und 1984B werden durch 80-Watt-Typen ersetzt. Das 100 Watt starke Gitarren-Top 2959 mit Hall und Booster wird aus dem Programm genommen.

1981

Jim Marshall beendet die 15-jährige Zusammenarbeit mit Rose-Morris und startet eine eigene Vertriebsfirma. Während dieser Zeit reduziert er die Zahl der verschiedenen Modelle drastisch, um sich auf die neu eingeführte JCM-800-Reihe zu konzentrieren. Dies war zunächst nicht ganz einfach – übrigens auch nicht für andere Hersteller –, denn Großbritannien steckte in einer tiefen Rezession. Aber das Ding wurde durchgezogen und war letztendlich von wirtschaftlichem Erfolg gekrönt. 1982 Marshall feiert sein 20. Jubiläum mit einer speziellen Anniversary-Serie weißer Marshall-Amps, -Combos und -Boxen.

1983  

Die 2205 50-Watt- und 2210 100-Watt- Heads aus der JCM800-Reihe mit Split Channel, Master Volume und Reverb zählen ebenso zu den Neuheiten wie die entsprechenden 2×12″-Combos.

1984  

Jim Marshall wird mit dem „Queen’s Award for Export“ ausgezeichnet, einem Ehrenpreis für außerordentliche Exporterfolge über einen Zeitraum von drei Jahren. Da das „Queen’s Award“-Logo auf allen Marshall- Briefköpfen und -Anzeigen verwendet werden darf, verhilft dies der Firma zu erhöhtem Ansehen im In- und Ausland und macht die Belegschaft außergewöhnlich stolz. Der bislang letzte Umzug steht an, obgleich die Adresse lediglich von der einen Seite des Blocks auf die gegenüber liegende wechselt. Aktuelle Adresse ist somit die Denbigh Road. Das Mini-Stack, bestehend aus dem 3210 Mosfet-Head und zwei 4×10″-A- und -BBoxen wird vorgestellt. (Angesichts der noch folgenden Minis handelt es sich dabei eher um ein Medium-Format, doch das konnte man zu dem Zeitpunkt noch nicht wissen.)

Jim Marshall wird eingeladen, neben Leo Fender, Robert Moog, Frank Martin III, Les Paul, Bill Ludwig, Remo Belli, Eddie van Halen und Stevie Wonder seine Handabdrücke in der Rock Walk Hall of Fame zu hinterlassen. Das Gitarren-Mini-Stack aus Lead-12-Top und zwei 10″-Boxen erscheint und wird in den Gehäusefarben weiß, silber, grün und rot angeboten. Zum Preamp umfunktioniert avanciert das Top später zum Liebling zahlreicher Gitarristen. Mit den leistungsstarken 6010/-20/-40 Transistor- Mono-Bass-Endstufen (100/200/400 Watt) und dem 3540 400-Watt-Basstop steigt Marshall ins Rack-Geschäft ein.

1986  

Eine Besonderheit stellt der 4001 Studio 15 dar: Er ist der erste und einzige Marshall- Combo mit 6V6 Endstufenröhren und eingebauter Leistungsminderung, der erste mit Celestion Vintage 30 Speaker und der erste bekannte Röhren-Amp mit Kopfhöreranschluss, der gleichzeitig als Power Attenuator dient. Höchst innovativ! Der 4203 Artist ist ein 1×12″-30-Watt- Combo basierend auf dem Topteil des 3204 Mini-Stacks. Seine Hybrid-Schaltung mit Vor- und Endstufenröhren beschäftigt eine Halbleiter-Klangreglung. Das entsprechende Top dazu ist der 3203 Artist.

1987  

Jim Marshall feiert 50 Jahre im Musik-Business und sein 25. Firmenjubiläum. Gleichzeitig präsentiert er die Silver-Jubilee- Reihe von 50- und 100-Watt-Verstärkern – dank silberner Vinyl-Bezüge und verchromter Frontplatte echte Eyecatcher. Das Model 2555 Top dieser Serie ist später Basis für das erste Slash-Signature- Modell. Gleichzeitig erscheinen die ersten Gitarren- Combos in Mosfet-Technologie mit Kanalschaltung und Hall sowie das Mikro-Stack für Bass mit 30-Watt-Top und zwei 10″-Boxen. Leistungsmäßig krönt das 600-Watt-Top 3560 das Angebot an Bass-Verstärkern.

1988  

Als erste Marshall-Reissues erscheinen das 1987S 50-Watt-Top (Reissue des Model 1987 aus den frühen 70ern), das 1959S 100- Watt-Top sowie die 1960AS und 1960BS 4°—12-Boxen mit Chequerboard-Front. Außerdem führt man das The Guv’nor Distortion-Pedal ein.

1989  

Der legendäre Bluesbreaker- Combo (Model 1962) und ein Reissue des JTM 45 werden wieder aufgelegt. Marshall’s erster dreikanaliger Röhren-Preamp 9001 und eine Röhren- und zwei MOSFET-Endstufen erscheinen, allesamt im 19″- Format.

1990  

Marshalls lange erwartete JCM-900-Serie erblickt das Licht der Öffentlichkeit. Die Amps sind vor allem dadurch bekannt geworden, dass deren Regler bis 20 gehen, ein von Nigel Tufnel (Spinal Tap) inspiriertes Feature. Die 1960A 4×12-Box mit Mono/Stereo-Schaltung wird vorgestellt. Dem 9001-Preamp folgen die zweikanalige Transistor Variante 9004 und diverse Röhren- und Transistor- Endstufen. Der kleinste Marshall, der Microbe MS-2, erscheint. Zunächst noch in schwarz, wird die Reihe der kleinen Plastikkiste mit Mini-Speaker und Kopfhörerausgang später in allen klassischen Designs inklusive rot erscheinen.

1991  

Um den grassierenden Bluesbreaker-Hype und gleichzeitig weniger gut betuchte Musiker zu bedienen, präsentiert Marshall das gleichnamige Distortion- Pedal. Das Mini-Stack wird noch kleiner: Jetzt als Mikro-Stack 8010 mit 10-Watt-Top und zwei 1×8″-Boxen. Die ValveState-I-Reihe startet mit zwei kleinen Gitarren-Endstufen (8004 und 8008), die das Rack-Programm erweitern, sowie diversen Transistor- und Hybrid-Combos (ab 40 Watt), Topteilen und Boxen. Weiterhin werden der Plexi 1959 (1959X) wieder aufgelegt und die ShredMaster- und DriveMaster- Distortion-Pedale eingeführt.

1992  

Marshall begeht sein 30. Jubiläum mit neuen Produkten, nämlich dem auf 800 Stück limitierten 30th Anniversary Amplifier, dem ultimativen Röhren-Top, einem entsprechenden 1×12″-Combo und 1×12″- und 4×12″-Boxen, mit blauem Vinylbezug und vergoldeten Amp-Chassis. Der programmierbare JMP-1-MIDI-Röhren- Preamp im 1-HE-Rackformat erscheint. Im Oktober stellt Marshall unter dem reanimierten Label Park drei preisgünstige, in Korea gefertigte Transistor-Combos vor. Zudem erscheint das SE100, ein 100 Watt Powersoak mit integrierter Speaker-Simulation und diversen variablen Abnahmeparametern.

Ein Reissue des 1987 Plexi (1987X, 50 Watt Top) erscheint, allerdings auf frühen 70er- Sound ausgerichtet. Abseits der Musikindustrie engagiert sich Jim Marshall in zunehmendem Maße für wohltätige Zwecke wie den Variety Club und den London Federation of Boys Club. Im August wird er Mitglied der Grand Order of Water Rats, einer auf weltweit 200 Mitglieder begrenzten Zahl ausgewählter Bürger, die sich für behinderte und unterprivilegierte Menschen einsetzen. Ein weiteres Highlight des Jahres ist der erneute Gewinn des Queen’s Award for Export.

1993  

Im vorangegangenen Jahr fragte der große Konkurrent früherer Tage, Vox, bei Marshall an, eine Wiederauflage des klassischen Vox AC30 zu bauen. Tatsächlich ging der Amp Anfang 1993 in Produktion. Dabei hatte zu Beginn der 60er Vox-Chef Tom Jennings Marshall noch mit einer Klage gedroht, wenn man weiterhin dessen Vox Bulldog Speaker verwende. Das Gitarren-Rack-Programm wird mit zwei Röhrenendstufen (2×50 und 2×100 Watt) erweitert.

1994  

Der neue DRP-1 ist ein Recording Amp im Desk-Top-Format mit integriertem Preamp und Speaker-Simulation für Gitarre und Bass, den man vor Mischpult oder Amp schaltet.

1995  

Als Ergänzung zum JMP-1 erscheint im 1-HERackformat Marshalls erstes MIDI-kompatibles programmierbares Multieffektgerät JFX- 1. Gleich vier verschiedene Modelle vom JTM60-Röhrencombo werden vorgestellt, und zwar mit 1×12″-, 2×12″-, 3×10″- und 1×15″-Lautsprecherbestückung.

1996  

Marshall präsentiert sein allererstes Signature- Modell für den ehemaligen Guns-N’Roses- Gitarristen Slash, das auf dem Silver-Jubilee- Topteil Model 2555 basiert und mit schwarzem Bezugsstoff neu aufgelegt wird. Die unerwartet hohe Nachfrage verleitet Marshall dazu, das als Limited Edition angekündigte Modell in großen Stückzahlen zu fertigen. Pech für die Sammler. Die optimierte ValveState-II-Serie erweitert die Palette mit verschiedenen Mono- und Stereo-Combos.

1997  

Mit dem JCM600 erscheint ein Vollröhrentop in Kompaktformat mit symmetrischem D.I.-Ausgang. Ebenso kompakt sind die passenden 4×10″- Boxen JCMC410A und -B. Der technisch identische 2×12″-Combo heißt JCM601, der sich mit der Zusatzbox JCM C12 erweitern lässt. Als Highlight des Jahres werden die JCM2000 DLS (Dual Super Lead) Gitarren- Tops vorgestellt, jeweils als 50- und 100-Watt-Versionen, die die Klangcharakteristiken des alten 1959 und des ersten Master-Volume-Amps 2203 an Bord haben.

1998  

Nach dem edlen 30th Anniversary Top legt Marshall sechs Jahre später nach: Der JCM2000 TSL100 ist ein dreikanaliges 100-Watt- Head mit allem, was das Gitarristenherz erfreut, u. a. mit frequenzkorrigiertem D.I.-Out. Ein extrem vielseitiger Amp. Der EL84 20/20 Valve Power Amp rundet als 19″/1-HE-Endstufe mit 2×20 Watt das Rack- Programm nach unten ab. Das Dual Super Lead Top erhält mit den Combos DSL201 und 401 zwei kleinere 20- bzw. 40-Watt-Brüder.

1999  

Auch das neue dreikanalige JCM 2000 TSL60 Top trumpft mit Luxusausstattung und 60- Watt-Endstufe auf. Ein wenig Verwirrung stiften die Transistor- Amps G80RCD Combo und G100RCD Head, denn vorne prangt unübersehbar das Marshall- Logo, während sich auf der Rückseite „Park Series“ versteckt. Der AS50R, Marshalls erster Combo für akustische Instrumente, wird vorgestellt. Zur Effektpedalreihe gesellen sich VT-1 Vibratrem, SV-1 Supervibe und JH-1 The Jackhammer.

2000  

Neues Flaggschiff der Acoustic Amps wird der ASD100D Acoustic Soloist, ein drei kanaliger 2×50 Watt Stereo-Combo mit Digitaleffekten. Die Valvestate-Reihe wird quasi mit einem Quantensprung aufgestockt: Der vierkanalige 2000 AVT150, ein Gitarren-Combo in Hybrid-Technologie, liefert 150 Watt und kommt mit digitaler Effektsektion und zahlreichen weiteren Features. Er ist auch als Top und 2×75-Watt starker Stereo-Combo erhältlich. Ein wahrer Brecher ist das 400 Watt starke Röhren-Bass-Top VBA 400, zu dem die nicht weniger imposante 8×10-Box VBC 810 gehört. Beide zusammen bringen schlappe 110 kg auf die Waage.

2001  

Marshall hat seine erfolgreiche Valvestate- Reihe überarbeitet und präsentiert sie als Advanced Valvestate Technology. Nach wie vor kommt Hybrid-Bauweise mit einer ECC83 Vorstufenröhre zum Einsatz, alles andere ist Solid State. Neben dem üppig ausgestatteten AVT275 Stereo- Combo mit Digitaleffekten gibt es das schlichtere zweikanalige 50-Watt-Top AVT50H und die beiden kompakten 4×12- Boxen AVT412A und AVT412B.

2002  

Zu seinem 40. Jahrestag geht Marshall in die Vollen. Neben dem Zakk Wylde 2203ZW Limited Edition Modell und der MG-Transistor-Amp-Serie zählt der 1962JAG, eine erneute Wiederauflage des Bluesbreaker-Combos, zu den Highlights. Der Combo entsteht in Zusammenarbeit mit dem britischen Autohersteller Jaguar, der seinen Namen, das Design mit vergoldetem Chassis und die weißen Lederbezüge aus dem berühmten Jaguar Custom Shop in Coventry beisteuert. Für den schlanken Geldbeutel präsentiert Marshall die MG-Reihe, die sich aus Transistor- Combos mit 15, 30 und 2×50 Watt rekrutiert und über Aux Inputs, Federhall und/oder vereinfachter digitaler Effektsektion verfügt.

2003  

Als imposanter Knaller entpuppt sich das ModeFour-Konzept, dessen 350-Watt-Head (!) eine Hybrid-Schaltung, zwei ECC83 Vorstufenröhren, vier getrennt regelbare Kanäle, zwei frequenzkorrigierte Line-Ausgänge, 6-fach-Fußschalter u. v. m. bietet. Die darauf abgestimmten 4×12-Boxen, selbstverständlich mit gewinkelter und gerader Front, gibt es in 280- und 400-Watt-Ausführung.

2004  

Eindeutige Highlights des Jahres sind die Reissues der Handwired-Serie, wobei es sich um komplett handverdrahtete Klassiker der Marshall-Historie mit EU-konformen Upgrades handelt. Neben dem 1959HW Head und den entsprechenden 4×12-Boxen mit künstlich gealterten Lautsprechern präsentiert man den seltenen 1974X Combo (18 Watt, 1×12″) und das entsprechende 2061X Top (20 Watt). Die dazu angebotenen Cabinets 1974CX und 2061CX hat man allerdings komplett neu entwickelt.

2005  

Eine umfassend erweiterte MG-Reihe wird vorgestellt. Die Amps liefern 10, 15, 30, 50, 100 und 2×50 Watt und basieren ausnahmslos auf Halbleitertechnik. Je nach Größe gibt es Aux Input, Aux Input plus Federhall oder Digitaleffekte. Topmodelle sind der zweikanalige 100-Watt-Combo und das entsprechende Head. Für Letzteres gibt es selbstverständlich kompakte 4×12″-A- und -B-Boxen. Auch das überarbeitete Mikro-Stack MG15 MSII zählt zum Lineup. Die Effektserie wird mit dem EH-1 Echohead Delay-Pedal aufgestockt. Nach dem Motto „Das Beste zum Schluss“ präsentiert Marshall Ende des Jahres eine originalgetreu nachgebildete Replik des JTM45/100 Super Amps mit historisch korrekten 4×12-Boxen. Exakt dieses Stack soll 40 Jahre zuvor Pete Townsend bei Jim geordert haben. Nur 250 Exemplare werden aufgelegt.

2006  

Erneut präsentiert Marshall ein Dokument seiner Historie, und zwar das Super 100JH Limited Edition Stack. Genauso hat Jimi Hendrix, der ja mitverantwortlich für den Erfolg von Marshall war, es 1966 in Hanwell, im Norden Londons gekauft. Die mitgelieferten 4×12- Boxen, die untere ist ein ganzes Stück höher als die abgewinkelte obere, sind mit der damals üblichen Pinstripe-Frontbespannung versehen. Limitiert auf 600 Stück weltweit. Da müssen sich der neue MB30 Bass- Combo und das vierkanalige JVM410H Gitarren-Top sehr anstrengen, um nicht im Schatten des Hendrix-Turms zu verblassen. Mit den RF-1 Reflector (Reverb) und RG-1 Regenerator (Modulation) werden auch neue Pedaleffekte vorgestellt.

2007  

Marshall versucht einen Brückenschlag zwischen Tradition und Moderne. Zur Serie „Vintage Modern Amps“ zählen 50 und 100 Watt Heads, ein 50 Watt Combo und zwei 4×12″-Boxen im gewohnten A/BFormat. Neu sind auch das JCM 800 Kerry-King-Signature- Gitarren-Top und der JVM205CCombo, ein zweikanaliger Bruder des JVM410 Topteils. Die Bassisten werden mit dem 450 Watt starken MB450H Top und den Lautsprecherboxen MBC410 (4×10″) und MBC115 (1×15″) beglückt.

2008  

Auch Randy Rhoads war treuer Marshall- User, und daher wird der auch unter Kollegen höchst angesehene Gitarrist posthum mit dem 100 Watt Signature-Top 1959RR (Mark II Super Lead) geehrt. Mit dem JVM Ltd. Edition „RB“ Halfstack, bestehend aus dem zweikanaligen JVM205H Top und der abgewinkelten höheren 1960TV-Box, beides in knallrot und mit Brown-Basket- Front, bringt der britische Hersteller ein wenig mehr Farbe in sein Sortiment. Die zum dritten Mal re-designte MG-Serie kommt mit einer umfangreichen Palette diverser Transistor-Combos und Heads. Die Amps mit dem Anhängsel „FX“ bieten neben digitaler FX-Sektion vier programmierbare Kanäle, die sich mithilfe des optionalen Fußschalters PEDL9008 abrufen lassen. Der beinharte Motörhead-Basser Lemmy Kilmister erhält das auf 250 Exemplare limitierte 1992LEM Signature- Top, das detailgetreu seinem modifizierten MKII Super Bass nachempfunden wurde.

2009  

Mit der Haze-Serie zieht es Marshall nach Indien, wo diese Röhren-Amps produziert werden. Das Haze-Mini- Stack besteht aus einem 2-kanaligen 15-Watt-Top mit Channel Memory, Digitaleffekten und zwei 1×12″-Boxen, der 40- Watt-Combo kommt mit einem 12-Zöller. Passend zum Zwergen-Amp-Boom wird der Class5 vorgestellt, ein puristischer 5-Watt- Vollröhren-Combo. Mit dem netz- oder batteriebetriebenen MG2FX beweist Marshall, dass es noch kleiner geht: Zwei Watt, 6,5″-Speaker, zehn feste Sound Modes, Digitaleffekte und Tuner. Dave Mustaine verpasst seinen klassischen 4×12″-Boxen ein konsequentes Metal-Outfit, Marshall stellt die Boxen als Signature-Series vor. Zum Schluss das Highlight: Marshall goes Hybrid-Modeling. Die JMD:1-Reihe umfasst zwei Topteile und zwei Combos mit digitaler Vorstufe + Effektsektion + Röhrenendstufe + üppiger Ausstattung + MIDI.

2010  

Die MA-Reihe wird eingeführt: Zweikanalige Vollröhren-Amps, ein 50 und 100 Watt Head mit entsprechenden Combo-Modellen, Made in Vietnam. Zur Ausstattung zählen fußschaltbarer Overdrive- Boost, Federhall, serielle FX Loop, getrennte Klangreglungen. Die Combos stattet man mit einem bzw. zwei 12″-Eminence- Speakern aus.

2011  

Zum vierten Mal präsentiert Marshall die komplett überarbeitete MG-Line, diesmal dank Carbon-Fiber-Look schon optisch interessant. Die Transistor-Amps mit dem Anhängsel „CFX“ bieten vier voll programmierbare Kanäle, FX Modeling und FX Loop. Bis auf Master-Volume ist alles programmierbar. Per optionalem Fußschalter PEDL90008 (mit Tuner-Funktion) lassen sich alle Settings abrufen. In Zusammenarbeit mit Yngwie Malmsteen hat man das 1959-Top neu definiert (YJM100), das als weiterer Signature-Verstärker mit zweifach regelbarem Gain-Booster, Gate, Reverb, Effects Loop und der neuen Bias-Automatik erscheint.

2012  

Nicht nur wegen ihrer Maße, sondern auch ihrer Leistung erregen die 1-Watt-Miniverstärker der 50th Anniversary Range enorme Aufmerksamkeit. Streng limitiert auf 50 Stück für Deutschland, Österreich und die Schweiz, werden die drei Combos und entsprechenden Tops mit zeitlichem Abstand erscheinen. Das erste Modell hört auf den Namen JTM1 und ist klanglich und optisch an den ersten JTM45 angelehnt.

Und dann …  

Ja, und dann passiert es: Während ich an diesem Artikel arbeite – bei meiner Recherche switche ich ständig zwischen Marshall-Book, Gitarre-&-Bass-Tests, -Artikeln und -Messeberichten und natürlich der Website www.marshallamps.de – erscheint plötzlich dieses tolle Schwarzweißportrait von Jim auf der Marshall-Website, darunter die Jahreszahlen 1923 – 2012. Wie paralysiert starre ich auf meinen Monitor – ich weiß nicht, wie lange … Die Web-News bestätigen dann meine Befürchtung. Bevor ich weiterarbeite, muss ich das erst mal bei einem Kaffee sacken lassen. Viele Bilder von Jim Marshall passieren Revue, der, sofern es seine Gesundheit zuließ, Jahr für Jahr auf seinem Messestand in Frankfurt anwesend war. Morgens als erster an seinem großen Stand, signierte er schon mal Poster und Autogrammkarten vor, bevor der alltägliche Run darauf einsetzte.

Ein Mann zum Anfassen, für jeden Musiker und jeden Fan. Jim ist ein wirklicher Verlust. Ich werde ihn in lebendiger Erinnerung halten, spätestens immer dann, wenn ich mein kleines Marshall-2061X-Top einschalte. Jim, lass es dir gut gehen da oben. Du wirst viele Freunde und Weggefährten wiedersehen. Die, mit denen du deine Hände auf der Rock Walk Hall of Fame in den Zement gedrückt hast und auch die unzähligen Musiker, die dir und denen du gleichermaßen Erfolg verdankst. Vielleicht kommt es ja auch zu der einen oder anderen Session. Keep on rockin’!

Mehr zur Thema Marshall Amps findest du in unserer Marshall Sonderausgabe!

Buch-Tipps  

  • Jim Marshall – The Father of Loud Rich Maloof Backbeat Books
  • Jim Marshall – Pionier des Rock-Sounds Rich Maloof und Jürgen Richter PPV Medien
  • A History of Marshall Michael Doyle Hal Leonard Pub Co. 

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DAS MARSHALL-LEXIKON A-Z

 

Marshall JVM410H Vorderseite

18 und 20 WATT SERIES

1965 brachte Marshall drei kleine Combos auf den Markt – den 1958 (2×10″), 1973 (2×12″) und 1974 (1×12″). Diese Verstärker orientierten sich technisch tendenziell am Watkins-Dominator-Kofferverstärkers, einem britischen Konkurrenzprodukt, und wirkten äußerlich wie eine Mini-Ausgabe des Bluesbreaker-Combos. Zwei EL84 saßen in der Endstufe, und die Ausstattung glänzte mit Hall und Tremolo. Diese Combos wurden nur zwei Jahre gebaut, ehe die 20 Watt Series sie ersetzte, die von 1967 bis 1974 gebaut wurde. Diese Serie bestand aus fünf Topteilen inkl. eines PA-Heads und sechs Combos.

2100

50-Watt starker Lead-and-BassVerstärker, der nur zwischen 1973 und 1976 gebaut wurde, einen 1987-Lead- mit einem 1986-Bass-Kanal kombinierte und nur über Mailorder zu bekommen war. Im Paul-Weller-Signature-Amp erlebte der 2100-Combo 2008 eine Wiederauferstehung in einem spektakukären Brit-Pop-Outfit. (Siehe den Artikel Signature-Amps in dieser Ausgabe!)

2150

Ein 100 Watt starker 1×12″- Combo, der einzige Marshall-Amp mit vier Inputs plus Master-Volume. Der von von Steve Grindrod (-> Grindrod, Steve) entwickelte Amp wurde 1978 vorgestellt und nur kurz gebaut.

5F6A

Kennziffer für die Schaltung des 59er Fender Bassman, an dem sich die Entwickler des ersten Marshalls orientierten.

ALVAREZ, SANTIAGO

Ab 2005/06 Marshall-Chef-Designer, der u. a. für die JVM-Serie, den Slash-Amp AFD100 und die MG-Serie verantwortlich war. (Siehe auch das Interview mit Alvarez in dieser Ausgabe!)

AVT SERIE

Nachdem man bei den beiden Valvestate-Serien gute Erfahrungen mit Solid-State-Komponenten gemacht hatte, stellte Marshall im Jahr 2000 die AVT-Amps vor, die eine 12AX7-Röhre in der Vorstufe hatten und deren Endstufen eine neue, sogenannte Dynamic-Clip-Schaltung präsentierten, die ein Röhren-ähnliches Endstufenverhalten simulierte.

ARTIST SERIE

Die Artist-Serie erschien parallel zur JCM-800-Serie zwischen 1984 und 1991, die Verstärker (3203 Top, 4203 1×12″- Combo) waren 30 Watt stark und mit Solid-State-Vor- und Röhren-Endstufe ausgestattet. Nicht zu verwechseln mit der -> Artisté-Serie!

ARTISTÉ SERIE

Von 1971 bis 1978 wurde die Artisté-Serie produziert; sie bestand aus den Topteilen 2048 (50 Watt) und 2068 (100 Watt), dem Combo 2040 (50 Watt, 2×12″), einer 2×12″- und einer 4×12″-Box (2049, bzw. 2069). Sowohl die Tops als auch der Combo dieser Artisté-Serie waren mit einem Federhall ausgestattet.

BEANO

Spitzname eines Albums von John Mayall & The Bluesbreakers (Clapton liest auf dem Cover-Foto einen Beano-Comic), aber auch Kurzformel für den einzigartigen, fetten Sound, den Eric Clapton mit einer Gibson Les Paul und einem Marshall-Bluesbreaker-Combo auf diesem Album schuf.

BESPANNSTOFFE

Genauso klassisch wie die Technik der Marshall-Amps ist ihr äußeres Erscheinungsbild, geprägt durch die Vielzahl der Front-Bespannstoffe der Boxen und das -> Kunstleder, mit dem Boxen, Combos und Tops bezogen sind.

White: der erste von Marshall benutzte Stoff, von 1962 bis 1965 eingesetzt.
Grey Bluesbreaker: von 1965 bis 1968.
Brown Bluesbreaker: von 1965 bis 1968, sehr selten verwendet.
Brown Basket Weave: meist in Verbindung mit purple-farbenem Kunstleder verwendet.
Salt and Pepper, auch Grey Basket Weave genannt, von 1968 bis 1973 Checkerboard: von 1972 bis 1975 sowie bei diversen Reissues.
Light Straw: bei Club-and-Country-Combos eingesetzt.
Black: von den Achtzigern an bis heute. Der erste schwarze Stoff, der ab ca. 1976 eingesetzt wurde, war eher dunkelgrau und blich im Laufe der Zeit aus.
Black and Silver Thread: 1975, selten.

BIG M

Ab 1966 kam Marshall auch in größeren Stückzahlen auf den deutschen Markt. Hier gab es aber einen Trompeten-Hersteller, der die Rechte am Markennamen Marshall besaß und den Engländern verbot, unter diesem Namen ihre Produkte anzubieten. Kurzerhand taufte Jim seine Marshalls in Big M um, um sich etwa ein Jahr später die Rechte an seinem Namen auch in Deutschland zu sichern. Aber auch: Mitte der 70er-Jahre baute der amerikanische Marshall-Vertrieb in den USA eigene Boxen, die er ebenfalls Big M nannte – billigere Aggregate, die mit Eminence-Speakern bestückt waren und hauptsächlich im Verbund mit den neuen Transistor-Amps angeboten wurden.

BLOCK LOGO

Wurde ab ca. 1964 verwendet, erst als sogenanntes „Transition“ Silver-Block-Logo, mit dunkelroter Schrift auf silbernem Grund, später dann als Gold-Block-Logo auf goldenem Grund. Ab ca. 1966 wurde dann in unterschiedlichen Variante das -> Script Logo verwendet.

BLUESBREAKER

Spitzname eines Marshall-Combos, zuerst im Jahr 1965 als Modell 1961 als 4×10″-, und als Modell 1962 als 2×12″-Combo vorgestellt. Es gab zwei Serien, Eric Clapton erspielte sich mit einem 2×12″-Combo der zweiten Generation als Gitarrist von Johny Mayall & the Bluesbreakers ab 1966 Ruhm und Ehren. Aber auch: Marshall Verzerrer-Pedal (ab 1991).

BLUESBREAKER HOUSE

So nannte Jim Marshall seinen Bungalow.

BOXEN

Eine energische Faustsportart! Aber auch: Lautsprecher-Gehäuse, wichtig für den Sound, wichtig für die Optik. Die typische Marshall-Box ist längt eine Ikone des Rock ‘n‘ Roll, und immer noch aktuell! Heute hat Marshall acht 4×12″- (jeweils in abgeschrägter und gerader Bauform) und acht andere Boxen im Programm. Hier sind sie im Überblick, zuerst die 4×12″-Boxen:

1960A/B – 300 Watt, Celestion G12T-75, mono/stereo, 760 × 830 × 365 mm
1960AV/BV – 280 Watt, Celestion G12 Vintage, mono/stereo, 760 × 830 × 365 mm
1960AX/BX – 100 Watt, Celestion G12M- 25, mono, 760 × 830 × 365 mm
1960AHW/BHW – 120 Watt, Celestion G12H-30, mono, 760 × 830 × 365 mm
1960TV – 100 Watt, Celestion G12M-25, mono, 770 × 820 × 365 mm
425A/B – 100 Watt, Celestion G12C, mono/stereo, die Vintage-Modern-Box, 770 × 755 × 365 mm 1960DMA/B – 280 Watt, Celestion G12V- 30, mono/stereo, Dave-Mustaine-Signature-Boxen, 770 × 755 × 365 mm
M412A/B – 300 Watt, 12AX75 Speaker, mono, 770 × 755 × 365 mm, günstiger Preis dank Fertigung im Fernen Osten, aus der JMD-Serie.
Wie eine Box gebaut ist, also die beiden Grundtypen, unterscheidet Marshall mit den Ziffern A bzw. B. Dabei steht A für angled (= abgewinkelt) und B für base oder bottom (= Basis, Boden).

Andere Boxen:

1912 – 1×12″, 150 Watt, Celestion G12B- 150, mono, 510 × 465 × 290 mm
1922 – 2×12″, 150 Watt, Celestion G12T- 75, mono/stereo, 675 × 515 × 260 mm
1936 – 2×12″, 150 Watt, Celestion G12T- 75, mono/stereo, 740 × 600 × 305 mm
1936V – 2×12″, 140 Watt, Celestion G12 Vintage, mono/stereo, 740 × 600 × 305 mm
JVMC212 – 2×12″, 150 Watt, Celestion Vintage und Heritage, mono, 690 × 490 × 265 mm
C110 – 1×10″, 15 Watt, Celestion G10F- 15, mono
2061 – 2×12″, 60 Watt, Celestion G12H- 30, mono, 650 × 665 × 305 cm, aus der Handwired-Serie
1974CX – 1×12″, 20 Watt, Celestion G12M-20, mono, 610 × 535 × 230 mm. Diese 1974CX ist als Ergänzungs-Box zum 1974X-Combo aus der Handwired-Serie gedacht.

BRAN, KEN

War ab 1962 Jim Marshalls rechte Hand. Er entwickelte die ersten Marshall-Amps und leitete Marshalls Entwicklungsabteilung bis weit hinein in die 70er-Jahre, ehe er sich mit einer großzügigen Aktien-Abfindung zurückzog.

BROWN SOUND

Beschreibung des Sounds, den Eddie van Halen bei den ersten Van-Halen-Alben erzielte. Hierzu benutzte er einen nicht modifizierten 100 Watt JMP Super Lead aus den 60er-Jahren. Alle Volume- und Ton-Regler standen auf 10 (also voll auf), er verwendete ein Ohmite Variac, das die Spannungsversorgung des Amps von den in den USA üblichen 110 Volt auf ca. 90 Volt absenkte, die brachiale Endlautstärke wurde durch einen Lastwiderstand gezähmt. Live verwendete er dann lange Zeit den Marshall-Amp mit Dummy-Load quasi als Preamp, der dann von H&H V800 Mosfet-Endstufen hochverstärkt wurde. Effekte wie das Echoplex wurden mit dem Dummy-Load-Signal gespeist.

CAPRI

1966 und 1967 wurden nur knapp 100 Stück dieses 5- Watt/1×8″-Vollröhren-Combos gebaut. Er war nur für Mailorder-Kunden erhältlich und sah mit seinem rotem Kunstleder und weißem Front-Bespannstoff so gar nicht wie ein Marshall-Amp aus.

CELESTION

Englischer Lautsprecher-Hersteller, der seit 1962 mit Marshall zusammenarbeitet. 1924 gegründet ist Celestion damit die Lautsprecherfirma mit der längsten Tradition, die heute noch im Geschäft ist.

CLASS 5

Eine kleine Serie kleiner Produkte, im Zentrum ein 5 Watt starker Vollröhren-Amp mit einem Kanal und einer Class-A-Schaltung. Die Serie besteht aus Top (C5H), 1×10″-Combo (C5- 01) und Box (C110).

CLUB AND COUNTRY SERIES

Die Stiefkinder des MarshallProgramms, denn über diese Serie findet man so gut wie nichts in den Firmenunterlagen. Wie ihr Name schon sagt, sollten diese Verstärker, die 1978 vorgestellt wurden, vor allem Country-Musikern gefallen, sprich: den in diesem Genre erfolgreichen Fender-Amps wie Twin und Super Reverb das Wasser abgraben. Drei 100-WattCombos beinhaltete diese Serie: 4140 (2×12″), 4145 (4×10″) und 4150 (4×10″ Bass). Die Amps hatten KT77-Endröhren und waren mit braunem Tolex bezogen, den Cowboy-Look vervollständigte die strohfarbende Frontbespannung. Nur sechs Jahre ritten die drei Amps durchs Marshall-Programm.

CMI

Für die selbe Firma, die u.a. auch -> Park-Amps in England verkaufte, baute Marshall einige wenige Amp-Serien unter dem Firmenlogo CMI – Cleartone Musical Instruments. Hauptsächlich PA-Equipment, aber auch drei Gitarren-Amps wurden 1976 und 1977 angeboten.

DR.

Das College of Music in den USA verlieh Jim Marshall die Ehrendoktorwürde. Aus dem unter einfachsten äußeren und beschwerlichen gesundheitlichen Bedingungen aufgewachsenen Jim Marshall, dessen Vater eine Imbissbude betrieb, war im Laufe der Zeit Dr. Jim Marshall -> OBE geworden.

CRAVEN, DUDLEY

Assistent von Ken Bran (-> Bran, Ken), der als 18-jähriger mitentscheidend an der Entwicklung der ersten Marshall-Amps beteiligt war. Er verließ mit 21 bereits wieder die Firma, um in die Großstadt London zu ziehen.

DISCO UNIT

1974 stellte Jim Marshall die Disco Unit vor, bestehend aus einem Paar Boxen (Mod. 1995), einer Transistor-Endstufe (Mod. 1994 Slave) und einem Plattenspieler (Mod. 1993). Nur ein paar wurden gebaut, dann kümmerte sich Marshall wieder um Live-Musik.

DOYLE, MICHAEL

Ausgewiesener Marshall-Experte und Autor der Bücher ‚The Sound of Rock‘ und ‚The History of Marshall‘

EL34-KRISE

Marshall und EL34-Endröhren gehören ähnlich fest zusammen wie Marshall und Celestion-Speaker. Kein Wunder, dass die Mannen um Jim Marshall nervös wurden, als Anfang der 90er-Jahre Tesla, die Röhrenfabrik in der damaligen Tschechoslowakei, die Segel strich. Tesla war einer der wenigen verbliebenen Hersteller guter EL34-Röhren. Der eigene EL34-Vorrat in England war schnell aufgebraucht, und es blieb nichts anderes übrig, als auf russische 5881-Röhren auszuweichen. Diese Röhren sind den 6L6 sehr ähnlich, 6L6 steht aber für Fender-Sound. Ein Unding für die zahlreichen Marshall-Fans, die längst vergessen hatten, dass die Geschichte Marshalls mit einem JTM 45 samt 5881-Endröhren begonnen hatte. 1997 konnte der russische Hersteller Svetlana nach einer intensiven Zusammenarbeit mit Marshall dann eine neue EL34 vorstellen, die den Standards der Engländer genügte.

FABULOUS FLEE-REKKERS

Die Band, in der Jim Marshalls Sohn Terry Saxofon spielte – und zusammen mit den -> Sensational Flintstones die ersten Endorser von Marshall-PA-Boxen, Anfang der 60er- Jahre.

GELEGENHEITSJOBS

Jim Marshall begann im Alter von 13 1/2 zu arbeiten: Zuerst auf einem Schrottplatz, in einem Baustoff-Geschäft, als Bäcker in einer Keksfabrik, dann als Einkocher in einer MarmeladenProduktion, als Schuhverkäufer und in einer Fleischkonservenfabrik. Später ging er zu einer Ingenieur-Schule, um anschließend (1946 bis 1949) als Werkzeugmacher bei Heston Aircraft sein Geld zu verdienen. Seit 1942 war Jim Marshallübrigens Mitglied einer Unterhaltungs-Combo, erst als Sänger und Step-Tänzer, dann beorderte man ihn ans -> Schlagzeug.

GOLD BLOCK LOGO

Siehe -> Block Logo

GOODMANS

Englischer Lautsprecher-Hersteller, mit dem Marshall Anfang der 60er-Jahre und damit vor der Partnerschaft mit der Firma -> Celestion zusammenarbeitete.

GO OVER BIG…

… with Marshall! Der erste Werbeslogan der Firma sagt eigentlich alles: Größer als Groß!

GRINDROD, STEVE

Der einstige Marshall-Chefentwickler arbeite von 1973 bis 2000 in -> Milton Keynes; vorher war er für Tom Jennings und dessen Firma Vox tätig, zu der er 2000 als Geschäftsführer und Chef-Entwickler zurückkehrte. Seit 2009 leitet er in Partnerschaft mit der International Audio Group seine Firma Albion, die Amps in einer eigenen Fabrik in China baut, in der Grindrod auch vor Ort mitarbeitet.

GUV´NOR

Spitzname Jim Marshalls, aber auch der Name eines Marshall Verzerrers.

JCM

Abkürzung für den Namen Jim Charles Marshall.

JCM 600 SERIES

Die JCM-600-Serie löste 1997 die wenig erfolgreiche -> JTM Series ab, kam wieder in einem Marshall-typischen, schwarzen Design und entsprach technisch der 60 Watt starken JTM60- Linie. Die 600er-Serie bestand aus dem JCM600 Top, den Combos JCM601 (1×12″) und JCM602 (2×12″) und den vier Zusatzboxen C12 (1×12″), C212 (2×12″), C410A (4×10″, abgeschrägt) und C410B (4×10″, gerade).

JMP

Abkürzung für Jim Marshall Products

JMP-1

Erster und bisher einzige programmierbarer 19″-Röhren-Preamp der Marshall-Geschichte; war von Ende der Achtziger bis 2006 auf dem Markt.

JTM

Abkürzung für die Namen „Jim & Terry Marshall“. Terry ist Jims Sohn, ebenfalls Musiker (Saxofonist) und sein Geschäftspartner in den frühen Marshall-Jahren.

JTM 45

Der Amp, mit dem alles begann, 1962 entwickelt von Ken Bran (-> Bran, Ken).

JTM SERIES

Zwischen 1995 und 1998 aufgelegte Serie rund um die Verstärker JTM 30 und JTM 60. Sie nahmen nicht nur wegen ihres Äußeren (Vintage-Brown-Tolex) eine Sonderposition ein, sondern auch wegen ihrer brillanten Vintage-Sounds. Die Verstärker waren zweikanalig (clean, Overdrive) aufgebaut, hatten Federhall und eine moderne Ausstattung mit frequenzkorrigiertem DI-Out und einem seriellen (JTM 30), bzw. mit je einem seriellen und parallelen Effektweg (JTM 60). Die JTM- 30-Verstärker, die es als 2×10″- und 1×12″-Combos gab, hatten 5881-Endröhren, während die JTM-60-Endstufen von Marshalltypischen EL34 betrieben wurden. Neben dem JTM600-Topteil gab es hier noch drei Combos (1×12″, 1×15″ und 2×12″). Die JTM-Serie, die nicht besonders erfolgreich war, rundeten drei Zusatzboxen (1×12″, 2×12″, 4×10″) ab.

JVM

Abkürzung für die Namen „Jim & Victoria Marshall. Victoria ist Jims Tochter.

KITCHEN-MARSHALL

Die Musikladenkette Kitchen beauftragte 1966 Marshall, eine eigene Amp-Reihe zu bauen, die das Block-Logo Kitchen-Marshall bekam. Es wurden hauptsächlich PA-Verstärker und – Boxen gebaut, aber auch einige Gitarrenverstärker.

KNOCHEN-TUBERKULOSE

Jim Marshall, geboren am 29. Juli 1923, litt seit frühester Kindheit an Knochen-Tuberkulose, einer chronischen Entzündung im Körper, bei der es auch zur Eiterbildung im Knochen, zur Zerstörung von Knochensubstanz und zu entsprechenden Änderungen der Knochenform kommen kann. Dies hatte zur Folge , dass er den größten Teil seiner Kindheit von den Knöcheln bis zu den Achseln eingegipst war. Jim Marshall war insgesamt nur drei Monate in der Schule, um sich dann ab 13 1/2 Jahren, als er wieder gesund war, mit -> Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten.

KUNSTLEDER

Genauso klassisch wie die Technik der Marshall-Amps ist ihr äußeres Erscheinungsbild, geprägt durch die Vielzahl der -> Bespannstoffe und das Kunstleder, mit dem Boxen, Combos und Tops bezogen sind.

Black Levant: 1965 bis 1974. Black on
Green: sporadisch ab 1966 eingesetzt.
Orange Levant: im 1972erKatalog angeboten.
Purple Levant: in 1968er- und 1972er Katalogen, bei diversen Reissues und der Haze-Version von 2012.
Red Levant: in 1967er-, 1968er- und 1972er-Katalogen.
Blue Levant: im 1967er-Katalog und bei den 30th Anniversary-Modellen.
Dark Brown Elephant: für Club-and-Country-Combos
White Elephant: 20th Anniversary Modelle, Randy-Rhoads-Signature u. a.
Black Elephant: Der Marshall-Standard ab 1975.

METAL LOGO

Die ersten JTM-45-Tops trugen eine rote Marshall-Schrift auf einer Metallplatte, gerne Coffinoder Badge-Logo genannt. Es wurde von dem -> Block-Logo abgelöst.

MAJOR

Ein 1967 auf der Basis eines HiFi-Verstärkers entwickeltes Gitarren-Topteil mit 200 Watt Ausgangsleistung.

MARSHALL COUNTRY CLUB

Kein Marshall-Verstärker, sondern ein Golfclub in Marshall, Michigan (USA). Aber: Marshall hat allerdings Verstärker namens -> Club and Country gebaut.

MARSHALL GUITAR

Eine richtig laute E-Gitarre ließ Marshall für Spinal-Tap-Gitarrist Nigel Tufnel 1992 bei Jackson/USA bauen. Alle Parts wie Knöpfe, Panel, Logos, Keder, Buchsen etc. stammten aus dem Marshall-Baukasten, der eigentliche Clou war die ansteckbare Nachbildung einer 1960B-Box. Insgesamt wurden vier Marshall Guitars gebaut.

MERCURY

Modell 2060 Mercury, seltener 1×12″-Combo, der nur 1972/73 gebaut wurde. Mit TransistorVorstufe und EL84-bestückter Endstufe, die fünf Watt erzeugte. Weitere Besonderheit: Den Combo gab es nur in Rot und Orange.

MILTON KEYNES

Die Stadt, in der die MarshallFabrik zu Hause ist. Hier alle Adressen der diversen MarshallFabriken, von 1962 bis in die Gegenwart:

1962 – 1964: Jim Marshall & Son 76 Uxbridge Road Hanwell, W7
1963 – 1964: (nur Boxen-Fertigung) Jim Marshall & Son 93 Uxbridge Road Hanwell, W7
1964 – 1966: 20-30 Silderdale Road Hayes, Middlesex
1966 – 1968: Lyon Road, Bletchley Milton Keynes
1968 – 1984: First Avenue, Bletchley Milton Keynes 1984 bis heute Denbigh Road, Bletchley Milton Keynes

Milton Keynes hat etwa 200.000 Einwohner und hat neben Marshall noch einige andere interessante Fakten zu bieten – wie z. B. das längste Einkaufszentrum der Welt, Europas größte Skihalle mit echtem Schnee und die National Bowl, ein beliebter Ort für große Open-Air-Konzerte. Das Straßenbild von Milton Keynes wird zum einen durch viele Beton-Kühe (!) geprägt, aber auch durch eine moderne Straßenarchitektur, denn Milton Keynes entstand am Reißbrett erst in den 60er-Jahren. Die Straßen sind schachbrettartig angeordnet und durch zahlreiche Kreisverkehre verbunden, die Dichte der Kreisverkehre ist selbst für englische Verhältnisse außergewöhnlich hoch.

MINI STACKS

Marshall hat ab 1984 Mini-Versionen seiner Stacks vorgestellt. Bei den Boxen handelte es sich um verkleinerte 4×10″- oder 2×12″-Formate, bei den Verstärkern wurden zum Teil sogar klassische Röhren-Amps auf das kleinere Format gebracht: So war der 2204S die MiniMarshall-Variante des 50-Watt- 2204 aus der JCM-800-Serie, der 3203 stammt aus der Artist-Serie (Solid-State-Preamp, Röhren-Endstufe, und Modell 3210 Lead Mosfet 100 war komplett in Solid-State-Technik aufgebaut; ein Transistor-Amp also…

MITCHELL, MITCH

John „Mitch“ Mitchell (1947- 2008) war vielleicht der talentierteste Schlagzeugschüler Jim Marshalls. Er wurde später, ab Ende 1966, weltberühmt als Mitglied der Band Jimi Hendrix Experience.

MODE FOUR

2003 eingeführte, ultrastarke Hybrid-Amp- und Boxen-Serie für die Metal-Fraktion.

MS-SERIE

Vielleicht die meistverkauften Marshall-Amps? Das mag an der Größe liegen, denn MS ist nicht umsonst das Kürzel für Microben-Stack. Kaum größer als eine Zigarettenschachtel, entfachte der 1990 vorgestellte 1 Watt starke MS-2 (Halfstack) einen Höllenlärm, der von seinem Fullstack-Bruder (ab 1995 im Programm) noch getoppt wurde. Die MS-Serie gibt es in vielen verschieden Farben, sie ist bis heute im Marshall-Katalog vertreten.

NARB

Für den Musikladen Sound City baut Marshall 1974 Amps und Boxen unter dem Namen Narb – Ken Brans (-> Bran, Ken) Familiennamen rückwärts buchstabiert.

OBE

Abkürzung für Order of the British Empire – ein britischer Verdienstorden, den Jim Marshall 2004 von der Queen verliehen bekam und der den Mann aus einfachen Verhältnissen in den Offiziersstand versetzte.

PARK

Für seinen Freund und Geschäftspartner Johnny Jones bauten Jim Marshall und seine Mannen ab 1965 aus MarshallRestbeständen eine eigene Verstärker- und Boxen-Reihe namens Park. Johnnys Firma Cleartone Musical Instruments (CMI), bis 1965 der MarshallVertrieb für Nord-England und durch die Verbindung Marshalls mit Rose Morris aus dem Spiel, brachte die Park-Produkte, heute natürlich genauso gesucht wie die Originale, bis 1982 in die englischen Läden. Dann ließ Marshall die ParkSerie auslaufen, um etwa zehn Jahre später den Namen wieder zu beleben – mit günstigen Transistor-Amps, made in Fernost: Park – Son of Marshall.

PEPPY AND THE NEW YORK TWISTERS

Band von Ken Bran (-> Bran, Ken), aus der er Anfang der 60er ausstieg, um bei Pan Am zu arbeiten, bevor er einen Anruf von Jim Marshall bekam, der dringend einen Service-Techniker suchte.

POPULAR

Modell 1930 Popular, seltener Marshall-Vollröhren-Combo, der nur 1972 und 1973 gebaut wurde; mit zwei Kanälen, 1×12″-Speaker-Bestückung und Tremolo-Effekt.

PIPING

Keder, Einfassung, z. B. um den Front-Bespannstoff einer Box.

POWER BRAKE

PB 100 Marshall Power Attenuator, dessen leistungsreduzierende Technik dem 19″-Stallgefährten SE- 100 entliehen worden war.

POWER BUILDER

Kaum bekannt, nicht erfolgreich, seiner Zeit weit voraus – der Power Builder war ein um seine Endstufen-Sektion erleichterter Marshall-Amp, der 1967 mit dem Ziel auf den Markt kam, als Preamp aktiven, mit 50 Watt starken Röhren-Endstufen ausgerüsteten 2×12″-Boxen vorzustehen. Bis zu zehn Boxen konnten von einem einzigen Power Builder mit JMP-MarshallSound versorgt werden. Nur knapp 50 Stück wurden gebaut.

PURE EVOKE-1S

Ein Digital-Radio im Look der Marshall-Amps. Gibt’s im Fan-Shop aufwww.marshallamps.de

QUEEN’S AWARD FOR EXPORT

1984 und 1992 erhielt Marshall diesen Preis für außerordentliche Erfolge im Export-Business.

REVERSED LOGO

Bezieht sich auf die ersten JTM-50-Verstärker, deren Typenbezeichnung (JTM) auf dem Front-Panel in Gold auf schwarzem Grund ausgeführt war. Dieses Logo nennt man auch Black Flag, da es wie eine Flagge aussieht.

RÖHREN

Essentieller Bestandteil der meisten Marshall-Schaltungen ist die Bestückung mit Röhren in Vor- und Endstufen, aber auch vielmals in der Gleichrichter-Funktion. Folgende Röhrentypen verwendet(e) Marshall:

ECC83 – Vorstufenröhre mit dem meisten Gain.
GZ34 – Gleichrichter-Röhre, seit den Siebzigern in den meisten Amps durch eine Dioden-Gleichrichtung abgelöst.
5881 (6L6) – Die erste Endstufen-Röhre, die Marshall benutzte, als man noch vom Fender Bassman beeinflusst war. Sie kam dann Mitte der 90er Jahre in der -> EL34-Krise in den JTM-30-Amps zum Einsatz, aber auch größtenteils in der JCM-900-Serie
KT66 (6L6) – Die britische Version der amerikanischen 6L6. Sie wurden in der JTM-45-Produktion verwendet, wenn 5881 nicht verfügbar waren, aber z. B. auch in den ersten 100-Watt-Amps.
6L6 – Amerikanische Röhre, die heute in einigen Reissue-Modellen eingesetzt wird.
EL34 – Die klassische Marshall-Endstufenröhre. Seit 1966 in fast jedem Marshall-Amp im Einsatz.
EL84 – Bekannt als Endröhre für Vox-Amps wie AC30 und AC15, hat Marshall diese verkleinerte EL34 z. B. früher bei den -> 18-WattCombos und dem 20-Watt-Top verwendet, aber auch z. B. bei Amps der JCM-2000-Serie. Hier spielten der DSL401 und der DSL201 mit EL84.
KT88 – Mächtige Endröhre, die als Quartett erstmals 1967 im Marshall Major Anwendung fand.
6550 – Ersatzröhre für die teure KT88, die kaum noch gebaut wird. Marshall verwendete sie in der 2000er Serie und mit nicht weniger als acht Stück beim VPA 400-Bass-Amp.
KT77 – Heavy-duty-Version einer EL34, nicht gerade preisgünstig und deshalb nur in wenigen Marshalls zu finden.
6V6 – Eigentlich eine Röhre typisch für ältere Fender-Amps wie z. B. Deluxe Reverb. Marshall hat diese Low-output-Endröhre im Studio 15 „Little Fatty“ eingesetzt, aber auch im Haze und den neuen DSL15H und DSL15C.
ECL86 – Eine Hälfte der Röhre ist als Triode, die zweite als Pentode gebaut. Diese seltene Röhre wurde im -> Popular und im -> Spezialist als Treiberröhre für den Hall verbaut.

 

 

ROSE MORRIS

Englische Vertriebsfirma, mit der Marshall von 1965 bis 1981 zusammenarbeitete.

REVERB FUZZ UNIT

Im Gehäuse des 20-Watt-PATopteils brachte Marshall 1968 diesen Effekt auf den Markt, in Transistor-Technik, mit einer Hammond-Hallspirale. Das Gerät war auch ohne Fuzz-Effekt erhältich, beide wurden in den frühen Siebzigern aus dem Programm genommen.

SCHLAGZEUG

Seit 1942 arbeitete Jim Marshall als Schlagzeuger, nahm aber 1946 Unterricht bei dem berühmten Jazz-Drummer Max Abrams und begann 1949, selbst Unterricht zu geben. Bis zu 65 Schüler hatte er pro Woche und verdiente sich damit das Geld, um 1960 sein eigenes Boxenbau-Business zu gründen. In seiner aktiven Zeit galt Jim Marshall als der beste singende Schlagzeuger Englands!

SCRIPT LOGO

Ca. 1966 eingeführtes Logo, das sich in verschiedenen Grö- ßen und Ausführungen (ganz weiß, Gold auf Weiß) bis heute gehalten hat.

SENSATIONAL FLINTSTONES

Die Band, in der Rod Freeman Gitarre spielte und sang – und zusammen mit den -> Fabulous Flee-Rekkers die ersten Endorser von Marshall-PA-Boxen, Anfang der 60er-Jahre. Rod Freeman war Verkäufer in Jim Marshalls erstem Laden.

SERIEN

JTM 45  (1962 – 1966)
JTM 50 (1966 – 1967)
JTM 45/100 (1965 – 1967)
Major (1967 – 1974)
18 Watt (1965 – 1967)
Park  (1965 – 1982)
20 Watt (1967 – 1974)
JMP (1967 – 1981)
JMP Solid State (1973 – 1980)
Artisté (1971 – 1978)
2000 – (1981 – 1989)
JCM 800 (1981 – 1985)
Artist (1981 – 1991)
Solid State (1981 – 1991)
Mini Stacks (1984 – 1991)
Integrated Bass System (1985 – 1995)
25th Anniversary (1987 – 1990)
Reissue (ab 1988)
9000 (1989 – 1997)
JCM 900 (1990 – 1999)
MS (ab 1990)
30th Anniversary (1992)
Park: Son of Marshall (1993 – 1998)
Dynamic Bass System (1994 – 2000)
JTM 30 (1995 – 1998)
JTM 60 (1995 – 1997)
35th Anniversary (1997)
JCM 600 (1997 – 1999)
JCM 2000 DSL (ab 1997)
JCM 2000 TSL (2000 – 2012)
VBA 400 (ab 1998)
Valvestate I (1991 – 1993)
Valvestate II (1993 – 1999)
AVT (2000 – 2009)
MG (ab 1998)
Mode Four (ab 2003)
JVM (ab 2006)
MB (ab 2006)
Vintage Modern (ab 2007)
Class 5  (ab 2009)
JMD:1 (ab 2010)
MA (ab 2012)
50th Anniversary (2012)

SILVER BLOCK LOGO

Siehe -> Block Logo

SOLID STATE SERIES

Bereits in den 70er-Jahren stellte Marshall Transistor-Verstärker vor, aber die JMP Solid State Series war alles andere als erfolgreich. In der Dekade zwischen 1981 und 1991 wurden dann eine ganze Reihe neuer Solid-State-Amps veröffentlicht, die der Markt deutlich besser akzeptierte. Angefangen von dem 12- Watt-Micro-Stack-Topteil 3005, bis hin zu dem bärenstarken 150-Watt-Topteil 3315, umfasste die Serie nicht weniger als vier verschiedene Amp-Tops, 17 Combos (darunter fünf für Keyboard-Verstärkung) und zwei 1×12″/75-Watt-Boxen.

SPECIALIST

Modell 2046 Specialist, seltener 1×15″-Combo, der nur 1972/73 gebaut wurde. Er war der erste Marshall-Amp mit einer Platine und hatte Hall- und Tremolo-Effekte. Überhitzungs-Probleme, die nicht gelöst werden konnten, stoppten die Produktion.

STUDIO 15

Modell 4001 Studio 15; dieser Combo mit dem Spitznamen „Little Fatty“ hatte als erster Marshall 6V6-Endröhren, einen XLR-Output und einen eingebauten Power-Attenuator. Der 18-Watt/1×12″-Combo wurde von 1986 bis 1992 gebaut.

TREMELOES

Englische Beat- und Pop-Band und eine der ersten Formationen, die mit Marshall-Equipment unterwegs waren. Und deren Name permanent falsch geschrieben wurde und wird – sogar auf dem Titelbild des ersten Marshall-Katalogs (Siehe den Artikel Zeitmaschine in dieser Ausgabe!)

VALVESTATE

Ab 1991 auf dem Markt erfolgreich eingeführt, repräsentiert die Valvestate-Serie die erste Hybrid-Serie Marshalls mit einer ECC83 in der Vorstufe und einem Endstufen-Design, dass der HiFi-Technik entlehnt wurde. Die erste Valvestate-Serie wurde von 1991 bis 1993, die zweite von 1993 bis 1999 gebaut.

WOMAN TONE

Gitarrist Eric Clapton schuf in seiner Cream-Phase zusammen mit einem Marshall-Verstärker und Humbucker-Gitarren (Gibson Les Paul, SG, ES-335) den sogenannten Woman-Tone. Das Rezept: Beide Ton-Regler komplett zurückdrehen und den Toggle-Schalter in die Mitte stellen. Nun den Volume-Regler des Steg-Pickups um etwa ein Drittel zurückregeln und den Verstärker in eine starke Verzerrung bringen. Auf diese Art entsteht ein mittiger, fast synthetischer Sound – eben der berühmte Woman Tone.

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DIE MARSHALL-RIFFS

 

Natürlich lässt sich vortrefflich darüber streiten, ob ein Verstärker die Kreativität eines Musikers insoweit beeinflussen kann, dass andere Dinge aus ihm herauskommen, als es mit einem anderen Amp der Fall gewesen wäre. Tatsache aber ist – und das kann jeder Musiker bestätigen – dass ein guter Sound inspiriert!

Vor diesem Hintergrund ist es sicherlich nicht übertrieben zu behaupten, dass die Geschichte der Rock-Musik ohne die Innovationen von Marshall völlig anders verlaufen wäre. Dabei macht es keinen Unterschied, ob es tatsächlich die Marshall-Verstärker waren, die unzählige Musiker in den letzten 50 Jahren zu derartigen Höchstleistungen angetrieben haben oder ob Jim Marshall mit seinen Entwicklungen einfach nur den Zahn der Zeit getroffen und mit seinen Amps etwas aus den Musikern herausgekitzelt hat, das sowieso schon da war.

Die Sichtweise ändert im Ergebnis nichts an den Tatsachen. Ob im Blues-Rock der 60er-Jahre mit Jimi Hendrix oder Eric Clapton, ob die Hardrocker der 70er, wie Deep Purple und Van Halen, die Schwermetaller von Motörhead und Iron Maiden in den 80ern oder aktuelle Bands wie die Red Hot Chili Peppers und System Of A Down – alle zogen ihre Inspiration auch aus dem Sound von Marshall-Verstärkern. Und so liest sich der folgende Streifzug durch die (Riff-)Geschichte der Marshall-Benutzer wie das Who-Is-Who der Musik.

Die wichtigsten, bekanntesten und einprägsamsten Riffs sollen hier, chronologisch und nach Jahrzehnten geordnet, vorgestellt werden. Die Auswahl dieser Riffs erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist lediglich eine subjektive Sammlung von weithin bekannten Songs, die auf Marshall-Verstärkern gespielt und/oder komponiert wurden und damit in untrennbarem Verhältnis zur Geschichte der Firma und zur Geschichte des Rock stehen.

Marshall in den Sixties

Anfang der 60er-Jahre erlebte die Musikwelt eine markante Wende. Kamen bis dahin alle gitarrenrelevanten Musikstile wie Jazz, Blues oder Rock & Roll aus den USA, verlagerte sich die Entwicklung nun nach England, wo plötzlich Blues-, Rock- und Beat-Bands wie die Beatles, die Rolling Stones, The Who, Led Zeppelin oder Cream aus dem Boden schossen. Man kann diesen Trend als logische Konsequenz der damals immer mehr global agierenden Plattenindustrie sehen, die es nun auch den Briten ermöglichte, ihre amerikanischen Vorbilder zunächst kennenzulernen und anschließend zu adaptieren und weiterzuentwickeln. Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch auch der Einfluss des noch jungen Jim Marshall, der als Fender-Kopist begann, anschließend jedoch den Klang der elektrischen Gitarre in eine neue Richtung lenkte und in Sachen Zerrsounds Maßstäbe setzte, die im Prinzip bis heute ihre Gültigkeit behalten haben. Und das noch dazu damals für einen erschwinglicheren Preis als die Importe aus Übersee.

Wie jede technische Entwicklung brauchten auch die Röhren-Amps aus dem Hause Marshall ein Weilchen, bis sie in Gitarristenkreisen Fuß gefasst hatten. Aber schon in den mittleren bis späten 60er-Jahren gehörten so prominente Musiker wie Eric Clapton, Pete Townshend, Jimmy Page oder Jimi Hendrix zu den Verehrern der neuen Marke und fanden darüber ihre persönliche Ausdrucksweise, ihren ureigenen Sound. Die frühen Marshall-Verstärker der JTM- und JMP-Serien wurden damals nicht selten auch von Bassisten benutzt. Einer der ersten: John Entwistle von The Who.

Marshall in den Seventies

War man im Jahrzehnt zuvor noch in der Findungsphase, was sich musikalisch mit den dazugewonnenen Overdrive- und Distortion-Sounds umsetzen ließ, so ist der markante Klang der Marshall-Amps aus der Musik der 70er-Jahre nicht mehr wegzudenken. Schließlich markiert dieses Jahrzehnt die Blütezeiten von Stilen wie Hard Rock, Heavy Metal und später: Punk, die allesamt ohne die Verzerrung und vor allem den infernalischen Druck der Marshall-Verstärker in dieser Form nicht möglich gewesen wären.

Was dann übrigens auch die Amerikaner gemerkt haben, man denke an ZZ Top, Allman Brothers Band, Lynyrd Skynyrd, Kiss und unzählige andere. Hand in Hand mit der von Marshall geprägten Entwicklung geht mit Sicherheit auch die Etablierung des Powerchords als einfache aber wirksame Basis unzähliger, legendärer Gitarren-Riffs, allen voran natürlich Deep Purples ,Smoke On The Water‘, frei nach dem Motto: Was schert uns die Terz!

In dieses Jahrzehnt fällt auch die Erfindung des Master-Volume-Reglers, der im Falle von Marshall mit den Master-LeadModellen der JMP-Serie zum Standard wurde und uns heute ermöglicht, verzerrte Sounds auch in erträglicheren Lautstärken benutzen zu können.

Marshall in den Eighties

Ob Jim Marshall 1962, als er anfing Gitarrenverstärker zu bauen, schon ahnte, dass 20 Jahre später, zumindest was die großen Rock-Bühnen dieser Welt betrifft, seine Amps nicht nur als Verstärker, sondern auch als Einrichtungsgegenstände Verwendung finden sollten? In den 80er-Jahren wurden vor allem die 4×12″-Cabinets aus dem Hause Marshall zum beliebtesten Bühnenmobiliar unzähliger Gitarristen und Marshall damit zum gefragten Innenausstatter von Rock-‘n’-RollBands. Im Steckkastensystem wurden ganze Bühnenrückwände mit den schwarzen Holzkästen ausgekleidet. Doch Vorsicht, was nach viel aussieht, muss nicht unbedingt auch viel bringen. Also verließen immer mehr sogenannte Dummies, sprich reine Boxen ohne Speaker, die Marshall-Fließbänder, um den Gitarrenhelden bei ihrer Lautstärke-suggerierenden, mitunter protzigen Selbstdarstellung unter die Arme zu greifen.

Marshall in den Nineties …

Mit dem Abebben der Vorliebe für Virtuosität und lange Haare in der Gitarrenmusik gerieten auch einige der namhaften Marshall-User ein wenig in Vergessenheit und immer weniger neue sogenannte Gitarren-Heroes rückten nach. Nicht dass niemand mehr Marshall-Verstärker spielen wollte, doch die Musik, für die die Firma mit ihren Amps lange Jahre stand, war nicht mehr gefragt, hardrockende Riffs und schnelle Gitarrensoli waren einfach aus der Mode geraten.

Hinzu kam der Erfolg einiger anderer Firmen, die es schafften, sich neben Marshall als Ausrüster für Bands und Musiker der härteren Gangart zu etablieren. Dennoch entstanden auch Ende letzten und Anfang diesen Jahrtausends Gitarren-Riffs, die die Rock-Musik prägten und die ohne Marshall-Amps vermutlich nie das Licht der Musikwelt erblickt hätten. Oder anders klingen würden.

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