Van Halen

1974 wurde in Pasadena, California, mit Van Halen eine Band gegründet, die vier Jahre später die Welt verändern sollte. Zumindest die Gitarrenwelt, denn die hatte nach den späten 60er Jahren mit John McLaughlin und Jimi Hendrix keine großartigen Impulse mehr bekommen.

Das Debütwerk ‚Van Halen‘ schlug 1978 ein wie eine Bombe. Die Newcomer stellten bereits mit dem Opener ‚Running With The Devil‘ klar, dass hier keine Gefangenen gemacht werden. Ein sägendes Riff, ein pumpender Bass und ein straffer Beat sind das Fundament für einen Sänger der zwar kein Stimmwunder ist, aber verdammt viel Charisma hat.

Cover-Versionen wie ‚You Really Got Me‘ und ‚Ice Cream Man‘ sind Ausdruck unzähliger Gigs als Top-40-Band. Aber dann ist da noch ein 1:42 Minuten dauerndes Gitarrensolo, das die globale Gitarrengemeinde über Jahrzehnte fasziniert, ein geradezu „unerhörtes“ Solostück mit Two-Hand-Tappings, das die Messlatte für ambitionierte Flinkfinger und Griffbrettakrobaten ein gehöriges Stück höher setzt. Resultat: Der Debüt-Knaller von Van Halen hält sich 169 Wochen in den US-Charts, wird mehrfach mit Platin ausgezeichnet und verändert die Rock-Welt nachhaltig.

M C M L X X X I V

Fünf Jahre später erklimmen Van Halen mit ‚MCMLXXXIV’ (,1984’) den Rock-Olymp.  Edwards Strat-plus-Marshall-Sound hat sich zu einem deutlich produzierten Sound entwickelt. Gleichzeitig nutzt er inzwischen Keyboards für den kompositorischen Prozess, auch wenn er dies schon früher tat, nur nicht so offensichtlich: Auf dem Titelstück von ‚Women And Children First‘ spielt Eddie zum Beispiel ein Wurlitzer-E-Piano, das er über einen MXR-Flanger durch seine Marshalls jagt. Grundlage für ‚Jump‘, laut Edward der erste Song, der in seinem neuen „5150“-Studio auf seinem Anwesen in den Hollywood Hills entsteht. („5150“ ist der amerikanische Polizeifunk-Code für einen flüchtigen Geisteskranken).

„Ich schreibe am liebsten allein“, erklärt Van Halen seinen Arbeitsansatz, „ich setze mich selten mit den anderen hin.“ Die Umsetzung seiner Ideen ist jedoch Teil eines demokratischen Prozesses der Band. Neue Ideen werden oft über Wochen geprobt, bis man vielleicht „auf das Element stößt, das einem Song den berühmten Funken verleiht. Es ist ein tolles Gefühl aus dem Nichts etwas zu erschaffen.  Es gibt keine Droge die dir dieses Gefühl verschaffen kann.“ Der Party-Knaller ‚Jump‘ eröffnet der Band neue Möglichkeiten, neue Reichweiten.

Die Band spielt 102 Konzerte und ist neben AC/DC Headliner beim Monsters Of Rock in Donington. Edward Van Halen ist in dieser Ära König des Gitarrenimperiums. Und eine zufällige Begebenheit sorgt dafür, dass sein Name auch bei Pop-Fans in aller Munde ist. Produzent Quincy Jones bittet ihn, ein Solo für Michael Jacksons neues Album zu spielen. Steve Lukather hat bereits die Rhythmus-Gitarre für den Track namens ‚Beat It‘ eingespielt. Eddie Van Halen hält das Angebot zunächst für einen Scherz und lehnt ab, lässt sich jedoch überzeugen und spielt – kostenfrei übrigens – zwei Takes ein, im sicheren Glauben, es werde sowieso niemand mitbekommen.

„Glaub es oder nicht: Ich hatte keine Ahnung, wie erfolgreich dieser Song werden würde“, lacht Edward später. „Normalerweise spiele ich nie auf anderen Platten, ohne Alex, Mike und Dave davon zu erzählen. Aber alle waren irgendwo unterwegs, also dachte ich mir: was soll’s! Es endete damit, das ‚Beat It‘ zwei Grammys und zwei American Music Awards bekam und Michael Jacksons größter Hit wurde. Meine Band fand das gar nicht gut.  Wir hatten selbst gerade ‚1984‘ veröffentlicht und ‚Jump‘ war die Nummer-1-Single in den USA. Unser Album war jedoch lediglich auf Platz 2, weil Michael Jacksons ‚Thriller‘ die Nummer 1 war! Und ich war mit ein Grund dafür, weshalb es dort oben stand.  Die Band war ziemlich sauer auf mich!“

History

Ende 1985 ist die alte Band Van Halen Geschichte. Sänger David Lee Roth verlässt die Formation nach elf gemeinsamen Jahren (1974–1985) und macht Platz für Sammy Hagar (1985–1996), kommt nach dessen Ausscheiden kurz zurück, dann steht plötzlich Gary Cherone am Mikrofon (1996–1999), dann wieder Hagar (2004–2005) und seit 2007 schließlich wieder der alte Frontman David Lee Roth. Trotzdem: Die legendäre, einflussreiche Rock-Band Van Halen in voller Größe gab’s nur einmal, und das ist über dreißig Jahre her.

 

Van Halen Discografie

 

Van Halen (1978)

Van Halen II (1979)

Women And Children First (1980)

Fair Warning (1981)

Diver Down (1982)

MCMLXXXIV (1983)

5150 (1986)

OU182 (1988)

For Unlawful Carnal Knowledge (1991)

Right Here, Right Now (Live, 1993)

Balance (1995)

Van Halen III (1998)

Greatest Hits, Vol. 1 (1999)

A Different Kind Of Truth (2012)

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