Metal

Bei Metal bzw. Heavy Metal handelt es sich um ein aus dem Bluesrock bzw. Hardrock hervorgegangenes musikalisches Sub-Genre. Es wird wohl auf ewig umstritten bleiben, welche Band denn nun die erste wirkliche Metal-Band war, zweifelsfrei waren jedoch Black Sabbath, Led Zeppelin sowie Deep Purple die wichtigsten Wegbereiter.

Die ersten Bands, die auch nach eigenem Verständnis Metal spielten, waren Judas Priest sowie die in den späten 70ern Fahrt aufnehmende New Wave of British Heavy Metal mit Iron Maiden an der Spitze.

Heute erfreut sich der Metal nach wie vor großer Beliebtheit und bietet aktuell mit seinen vielen Unterarten und unzähligen aktiven Bands die wohl größte musikalische Vielfalt seiner Geschichte.

Wer gerne die komplette Geschichte nachvollziehen möchte, dem sei die Dokumentations-Reihe “Metal Evolution” des kanadischen Anthropologen und Regisseurs Sam Dunn ans Herz gelegt.


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Metal und seine Sub-Genres

Metal-Musik hat sich mittlerweile in unzählige Sub-Genres aufgespalten, sie alle ausführlich zu beschreiben, wäre eine buchfüllende Aufgabe und wurde in diesem Format auch schon in verschiedenen Formen gemacht. Entsprechend ist es einfach unmöglich alle relevanten Bands und Künstler auch nur halbwegs vollständig aufzuzählen.

Wir beschränken uns hier daher auf die klassischen Genres und ihre bekanntesten Interpreten – HEAVY/POWER METAL, THRASH METAL, BLACK METAL sowie DEATH METAL. Wie immer besteht hier kein Anspruch auf Vollständigkeit 😉

Heavy/Power Metal

FOTO: Tonito292

Europäischer Power Metal

Albumcover von BLind Guardian, Power Metal

Obwohl in den frühen Jahren Bands wie Slayer, Venom, Artillery oder Nasty Savage den Begriff Power Metal nutzten, um die kraftvolle Spielart der eigenen Musik zu unterstreichen, hat der Power Metal nach der heutigen Definition seinen Ursprung in Europa. Es waren Bands wie die deutschen Helloween (Keeper of the Seven Keys Part 1 (1987) und Part 2 (1988)), die Krefelder Blind Guardian oder die Finnen Stratovarius, die eingängige Melodien, ein hohes Spieltempo sowie noch höhere Stimmlagen, die bis hin zum Falsett gingen, etablierten.

Anfangs noch mit einem Bein im Speed-Metal, bewegte sich der europäische Power Metal immer weiter von seinen thrashigen Einflüssen weg in Richtung Melodie und Eingängigkeit. Hier ist es für die Sänger/innen nicht verpönt, eine klassische Gesangsausbildung im Gepäck zu haben.

Auch Keyboards, die das Melodie-Geflecht der Songs noch enger knüpften sind hier, im Gegensatz zu vielen anderen Spielweisen des Metals, sehr weit verbreitet. Auch orchestrale Arrangements, die das Gefühl einer gewissen Epik transportieren sollen, sind weit verbreitet. Dabei spricht man oft auch von Symphonic Power Metal oder Epic Metal. Meist drücken die Stücke eine eher positive Stimmung aus.

Balladen – ob durchgängig ruhig, oder in Form sogenannter “Power-Balladen” – sind auf fast jedem Power-Metal-Album anzutreffen. Textlich bedient man sich oft an der Fantasy-Thematik, gerne auch mal in der literarischen Epik, besonders was heldenhafte Schlachten, Unabhängigkeit und Selbstverwirklichung angeht.

Besonderen Wert auf diese “truen” [aus dem Englischen – true = wahrhaftig] Texte legten die Amerikaner Manowar. Entsprechend werden diese oft auch dem Genre “True Metal” zugerechnet, welches sich im Grunde jedoch nur textlich vom Power Metal unterscheidet und entsprechend schwammig definiert ist.

Der Begriff “Power Metal” soll durch die 1993 durchgeführte Europa-Tour von Gamma Ray, Rage, Conception sowie Helicon eingeführt worden sein. Später machten ihn die Schweden Hammerfall noch populärer. Einer der größten Vertreter der europäischen Power Metaler sind sicherlich Nightwish, die stets eine Sängerin mit einer enormen Stimmgewalt im Line-Up hatten, was später zu zahlreichen Nachahmungen führte. Hier seien Kapellen wie Xandria, Within Temptation oder Sirenia genannt.

US Power Metal

Die amerikanische Bewegung des Power Metals ging der europäischen zwar Voraus (Anfänge zu Beginn der 1980er Jahre), ist heute jedoch nicht mal annähernd so populär wie auf dem Alten Kontinent. Die größten Unterschiede sind in der aggressiveren Grundstimmung zu finden – Gitarrenriffs und Soli haben stets Vorfahrt vor der Melodie. Auch Keyboards sind hier deutlich weniger verbreitet.

Bekannte Vertreter des Genres sind Vicious Rumors, Metal Church, Jag Panzer oder die älteren Sachen von Savatage. Auch Iced Earth spielten anfänglich eher die US-Version des Power Metals, bevor sie ihren Sound “europäischer” gestalteten.

Thrash Metal

Der Begriff Thrash Metal kommt aus dem Englischen (to thrash) und heißt so viel wie dreschen oder prügeln. Entsprechend schnell und aggressiv ist auch die dazugehörige Spielart, die ihren Ursprung zu Beginn der 1980er Jahre hat.

Musikalisch kann der Thrash Metal als eine Symbiose von Hardcore, Punk sowie der New Wave of British Heavy Metal beschrieben werden, jedoch ist auch dies eine Vereinfachung, denn es gibt durchaus auch andere Einflüsse wie beispielsweise Jazz (spätere Megadeth) oder Rap (Body Count) sowie Crossover-Varianten wie Black-Thrash (mit Black-Metal-Elementen).

Im Mittelpunkt steht stets das Riff, meistens schnell und präzise gespielt. oftmals wird lediglich die offene E-Saite in Kombination mit Powerchords genutzt. Auch Gitarrensoli sind ein absolutes Muss. Dabei variiert die Bandbreite der Stile vom intensiven Gebrauch des Vibratos (Kerry King von Slayer), über technisch sehr anspruchsvolle Läufe (Dave Mustaine von Megadeth oder Alex Skolnick von Testament) bis hin zum intensiven Einsatz des WahWahs (Kirk Hammett von Metallica).

Textlich werden oft Themen wie Gewalt oder Politik thematisiert, meist mit einem starken sozialkritischen Unterton. Auch Kritik an Religion, Unterdrückung, Umweltverschmutzung etc. steht in der Tradition des Genres. Bands wie Slayer flirteten auch mit satanistischen Themen, jedoch diente dies stets (im Gegensatz zum Black Metal) nur der Provokation. So ist Slayers Sänger Tom Araya bekennender Katholik.

Oft steht der Thrash für Musik der Arbeiterschicht. Besonders in Deutschland stammen die größten Vertreter des Genres (Sodom, Kreator und Destruction) aus dem Ruhrpott und meist aus Familien von Grubenarbeitern.

Die bekanntesten Vertreter des Genres sind natürlich Metallica, die zusammen mit Anthrax, Slayer und Megadeth zu den Big 4 zählen, ein Begriff, den sich die Presse für die gemeinsame Tour mit dem entsprechenden Line-Up hat einfallen lassen. Später wurde mit Sodom, Kreator, Destuction und Tankard das “teutonische” Äquivalent dazu gedichtet, die Teutonic 4.

Der Thrash bekam eine Frischzellenkur verpasst, als in den 90ern Bands wie Machine Head oder Pantera auf der Bildfläche erschienen.

Black Metal

Der Black Metal ist vermutlich die kontroverseste Form des Metals, denn damit sind unweigerlich die in der Mitte der 90er Jahre vor allem in Norwegen stattgefundenen Morde und Kirchenverbrennungen von Mitgliedern unterschiedlicher Black Metal Bands verbunden. Der Begriff wurde zunächst für Bands verwendet, deren Texte satanisch geprägt waren.

Seit den 90er-Jahren wird zusätzlich eine musikalische Definition verwendet, die sich an der Spielweise der norwegischen Szene (Mayhem, Burzum, Satyricon, Emperor) orientiert und auch Bands mit heidnischen, nihilistischen oder misanthropischen Inhalten betrifft und von vielen “traditionellen” Anhängern abgelehnt wird.

Attila Csihar von Mayhem

Musikalisch definiert sich das Genre überwiegend durch eine gutturale Gesangsweise, wobei das eher hohe “Gekreische” dominiert und nicht die im Death Metal üblichen “Growls”. Auch werden die Gitarren normalerweise nicht herunter gestimmt. Die Riffs sind tendenziell monoton und repetitiv, oft wird ein einzelner Ton schnell “geschreddert”, sprich: in Sechszehntel gespielt.

Auch die Produktion, vor allem in der ersten Welle des Black Metals, sollte oftmals roh klingen, was durch Lo-Fi-Herangehensweise bei der Aufnahme resultiert. Das Schlagzeug beschränkt sich in der Regel auf schnelle Doublebass und Blastbeats. Auch Keyboards werden hin und wieder verwendet, jedoch meist für Interludes oder sphärische Hintergrundklänge. Diese Elemente gelten jedoch überwiegend für die bereits genannten frühen Black Metal Vertreter, die üblicherweise aus Norwegen stammten.

Dem Genre lastet der Ruf an, von Menschen mit nationalistischer, nationalsozialistischer, rassistischer oder zumindest ausgeprägter starker patriotischer Einstellung dominiert zu werden, was verstärkt auf einige Zeitungsartikel und Äußerungen einzelner Musiker sowie der in den 1990er-Jahren aus Teilen der Szene hervorgegangenen NSBM-Strömung (National Socialist Black Metal) zurückgeht. Von Außenstehenden wird die Szene überwiegend aufgrund krimineller Akte, die von Mitgliedern der Szene verübt wurden, wahrgenommen.

Heute gibt es Black Metal Bands auf dem gesamten Globus und der anfänglich noch sehr elitäre und primitive Stil hat sich deutlich erweitert. Hier wären Bands wie Cradle Of Filth oder Dimmu Borgir zu nennen, die zusätzlich zu den bereits beschriebenen musikalischen Vorgaben Elemente des Symphonic Metals sowie des Shock-Rocks übernahmen und sich der kommerziellen Verwertung ihrer Musik deutlich stärker öffneten als es bei ihren Vorgängern der Fall war.

Mittlerweile ist mit dem Post-Black-Metal eine Richtung entstanden, die musikalisch zwar weiterhin auf Purismus und Monotonie setzt, textlich jedoch keine Berührungspunkte mehr mit dem Satanismus hat und dadurch ebenfalls von den “Traditionalisten” kritisiert wird (Wolves In The Throne Room).

Bands wie Satyricon haben ebenfalls eine große Wandlung hinter sich gebracht. Letztere wechselten im Laufe der Zeit vom klassischen Black Metal zum sogenannten Black ‘N’ Roll, bei dem die Stücke deutlich poppiger ausfallen und einen starken Rock-Touch ausweisen. Emperor dagegen drifteten dagegen Richtung Extreme- bzw. Progressive-Metal ab.

FOTO: Wolves In The Throne Room

Death Metal

FOTO: tonito292

Der Death Metal ist eine der extremsten Subgenres des Metals und ist gleichzeitig überraschend vielseitig. Zu seinen Markenzeichen gehören stark verzerrte und herunter gestimmte Gitarren, die mit Techniken wie Palm Muting und Tremolo Picking gespielt werden. Die Vocals sind in den meisten Fällen sogenannte “Growls” (tiefer, gutturaler Gesang).

Die Stücke sind meist im Moll oder atonal und dissonant, was eine längere “Gewöhnungszeit” an die Musik mit sich bringt. Auch sind abrupte Wechsel des Tempos oder der Tonlage sowie chromatische Chord-Progressions ein gängiges Stilmittel.

FOTO: Chuck Schuldiner von Death gilt als einer der Pioniere des Death Metals

Inhaltlich handelt die Musik oft von an Splatter-Filme angelehnte Gewaltphantasien, Gore, Okkultism, Mythologie, Philosophie oder gar Science Fiction. Im Gegensatz zum Black Metal, bei dem viel Wert auf Ideologie und den zur Musik passenden Lebensstil (Satanismus) gelegt wird, handelt es sich bei den Death-Metal-Lyrics eher um bewusste Überspitzungen.

So gibt “Corpsegrinder”, der Sänger von Cannibal Corpse, einer der bekanntesten Vertreter dieser Zunft, selbst an, er sei ein absolut friedlicher Mensch. Die Texte seien niemals ernst gemeint und sollten stets mit einem Augenzwinkern interpretiert werden. Tabubruch spielt dabei eine große Rolle.

Entwickelt hat sich der Death Metal aus dem Thrash sowie dem frühen Black Metal – wichtige Pioniere waren Venom, Celtic Frost, Slayer oder Kreator. Zu den Begründern der Richtung zählen überwiegend amerikanische Bands wie Possessed, Death, Obituary, Autopsy oder Morbid Angel. In den späten 80ern sowie frühen 90ern wuchs die Popularität des Genres rasant an und führte zu einer wahren Goldgräberstimmung bei Labels wie Combat, Earache oder Roadrunner, die so ziemlich alles mit dem Label “Death Metal” unter Vertrag nahmen.

FOTO: Morbid Angel

Seit dieser Zeit hat sich auch das Genre enorm vergrößert und in Sub-Genres unterteilt. So gingen Richtungen wie der Melodic Death Metal (At The Gates, In Flames, Dark Tranquility), Technical Death Metal (Obscura, Cynic, Gorguts, Nile), Brutal Death Metal (Suffocation, Dying Fetus, Cryptopsy) oder Deathcore (Job For A Cowboy, All Shall Perish, Suicide Silence) daraus hervor.

FOTO: Mitch Lucker von Suicide Silence. Credit: Stuart Sevastos

Metal Family Tree – Die Evolution der Metal-Musik

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