Video Workshop - Folge 6

Ukulele Lernen! Akkord-Licks, Special Effects und die Chord Melody

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Willkommen zur 6. Folge Let’s Play Ukulele! Heute geht es in erster Linie um die linke Hand, es stehen nämlich viele neue Akkorde auf dem Programm. Es soll um Akkord-Licks, Special Effects und den Song-Klassiker Amazing Grace als Chord-Melody-Version gehen. In dieser Folge habe ich wieder aus Platzgründen auf die normale Notation verzichtet und mich auf die rhythmische Tabulatur beschränkt.

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Akkord-Licks

Typische “Oldschool”-Akkord-Licks bzw. Akkordfolgen lassen sich gut anhand von Intros und Endings erklären. In Beispiel 1 siehst du ein typisches Intro in der Tonart G-Dur. Die Akkorde bestehen größtenteils aus Dreiklängen und deren Erweiterungen mit Ausnahme des Septakkords G7. Markant im Klang sind bei diesem Intro die beiden übermäßigen Dreiklänge Gaug und Daug sowie der chromatische Tonverlauf auf der C-Saite in den ersten zwei Takten, der durch die Akkord-Kombination zustande kommt. Wen es wundert: G6 hat die gleichen Töne wie Em – genauer gesagt wie Em7 – und ist somit ein Akkordsynonym. Ob du mit deiner rechten Hand das notierte Fingerpicking spielst oder beispielsweise nur mit dem Daumen anschlägst, bleibt dir frei überlassen; unser Fokus liegt diesmal auf der linken Hand.

Das angejazzte Ending in Beispiel 2 kannst du relativ unproblematisch an das Ende eines Songs mit der Tonart C-Dur anfügen. Wie du siehst, enthalten die sechs Takte eine Vermischung von Drei- und Vierklängen, teils mit Alteration (G7b9) und Erweiterung (D9, Dm9). Die beiden verminderten Akkord-Voicings im dritten Takt fungieren als Substitut für den G7b9-Akkord. Sie lassen sich in Abständen einer kleinen Terz über das Griffbrett verschieben, ohne dass sich die Akkordbezeichnung oder der Griff verändern. Ihre Struktur ist symmetrisch! Die darauf folgenden Double-Stops auf zwei Saiten sind quasi eine Turnaround-Figur auf C-Dur basierend. Was die Schlaghand angeht, bist du bei diesem Ending wieder völlig frei. So kannst du neben einem normalen Strumming beispielsweise auch in den ersten zwei Takten abwechselnd mit Daumen und Fingernägeln anschlagen. Ebenso muss das Staccato nicht zwingend kurz gespielt werden. Konzentriere dich mehr auf die linke Hand.

Special Effects

… mit Artificial Harmonics (Obertönen). Es gibt eine ganze Reihe verschiedener Arten von Harmonics, und demnach auch unterschiedliche Wege, wie man diese hohen Obertöne erzeugen kann. Artificial Harmonics sind “künstlich” erzeugte Obertöne, die durch das enge Zusammenspiel von rechter und linker Hand entstehen. Sie lassen sich unter anderem geschmackvoll und musikalisch als finaler Schluss-Effekt einsetzen, indem man sie über den letzten Akkord im Song anwendet. Du lässt also den Schluss-Akkord liegen – dazu nehmen wir exemplarisch den Leersaiten-Akkord C-Dur, während deine rechte Hand das Abbild dieses Akkords eine Oktave (12 Halbtöne) höher mit Obertönen nachspielt. Dein rechter Zeigefinger berührt dabei in gestreckter Position die Saite direkt über dem Bundstab. Der Daumen der gleichen Hand schlägt nun die Saite nach unten hin an und im selben Moment bewegt sich der gestreckte Finger wieder von der Saite weg, damit diese frei schwingen kann. Das Entscheidende dabei ist, den richtigen Zeitpunkt zwischen Daumenanschlag und dem Wegbewegen des Fingers zu finden. Wenn du alles richtig machst, sollte der hohe Oberton klar zu hören sein. Ein gewisser Abstand zwischen den beiden Fingern erleichtert dir die Sache.

In Beispiel 3 kannst du an den Karos erkennen, dass der C-Dur mit Artificial Harmonics umspielt wird. Spiele die einzelnen Töne der Reihe nach durch. Je länger sie nachklingen, umso schöner ist der harmonische Klang bzw. der gewünschte Effekt. Der Akkord hat eine sehr einfache Struktur, dadurch ist auch die Figur der rechten Hand nicht so schwer. Mit Ausnahme der A-Saite liegen alle Harmonics auf dem 12. Bund. Benutze am besten Akkordfolgen, um diese Technik zu trainieren. Als simples Beispiel können dir die vier Akkorde C, G, Am und F aus den letzten Folgen dienen. Passe dann die rechte Hand den jeweiligen Akkordstrukturen an.

Die Chord Melody

Die hellklingende, kleine Ukulele nimmt man oft als reines Begleitinstrument wahr, über das folglich Schlagrhythmen mit Akkorden gespielt werden. Einzelne Melodien sind auch hin und wieder zu hören, allerdings ohne Begleitung wenig sinnvoll. Die Chord Melody vereint nun beides in einer Hand – Akkorde und Melodien. Somit kommt man klanglich der Piano-Spielweise näher, die Akkord- und Melodiespiel standardmäßig kombiniert. Was hier mit zwei Händen gespielt wird, muss auf der Ukulele komplett mit der linken Hand umgesetzt werden. Das Ergebnis ist dann ein volles, orchestrales Klangbild.

Mit dem zeitlosen Song-Klassiker Amazing Grace möchte ich dir in Beispiel 4 einen Einblick in die Chord-Melody-Spielweise geben. Diese Kurzversion enthält eine Reihe unterschiedlicher Akkorde, deren höchster Ton überwiegend die Melodiestimme ist. Je nach Größe deiner Ukulele, kann es in höheren Griffbrettlagen recht eng zugehen. Bis hin zur Mitte und auch gegen Ende kannst du das Timing des Songs sehr frei interpretieren. Generell möchte ich dir bei der rechten Hand wieder viel Freiheit lassen. Finde deine eigene Technik, deinen eigenen Anschlag! Setze aber die linke Hand, also die Akkorde, weitestgehend wie notiert um. Lass dabei die Akkorde möglichst lange nachklingen. Die Grundversion dieses Klassikers kommt alleine mit der Tonika C-Dur, der Subdominante F-Dur und der Dominante G-Dur aus. Ich habe unser Beispiel mit ein paar weiteren Substitut-Akkorden aufgefüllt und teilweise mit Verzierungen (Hammer-ons etc.) versehen.

Ein Merkmal der Schlussfigur in den letzten drei Takten ist der gleichmäßige, chromatische Tonverlauf auf der C-Saite. Viel Spaß beim spielen!

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