Produkt: Jimi Hendrix Story
Jimi Hendrix Story
Jimi Hendrix in Gitarre & Bass - das große Story-Special auf über 50 Seiten!
A change is gonna come

Hometraining: André Waldenmaier über Pickup-Tausch

(Bild: André Waldenmaier)

Die schnellste und weitreichendste Tuning-Maßnahme in Sachen Klangoptimierung ist zweifelsohne das Austauschen der ab Werk verbauten Tonabnehmer, welche nicht selten von bescheidener Qualität sind. Kein Wunder, dass der Markt für Austauschtonabnehmer boomt und die angebotene Vielfalt den Laien fast erschlägt. Dennoch ist es erst einmal nicht verkehrt, mit der Einstellung der bisherigen Tonabnehmer seines Instruments etwas zu experimentieren. Auch die Peripherie – wie Potis und Anschlusskabel zwischen Gitarre und Amp – ist es wert, näher betrachtet zu werden.

Je näher Tonabnehmer in Richtung Saiten hochgeschraubt werden, um so lauter und oftmals auch fetter klingen sie. Werden sie dagegen weiter von den Saiten weggedreht, wird der Sound oft dünner und höhenreicher. Die Idealstellung liegt für einem Humbucker an der Stegposition bei ca. 2,5 mm Abstand zwischen Saitenunterkante und Polepiece-Oberseite, bei auf dem höchsten Bund heruntergedrückten Saiten; bei Singlecoils nehmen wir ca. 3,5 mm, beim Halspickup ca. 4,5 mm. Einfach mal ausprobieren! Erlaubt ist, was gefällt!

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Im Gegensatz zu üblichen Strat-Pickups können bei Humbuckern die Polepieces in der Höhe verstellt werden. Dreht man die sechs Schrauben deutlich weiter aus dem Pickup heraus, also näher an die Saiten heran, ändert sich der Sound merklich. In der Regel wird er höhenreicher und transparenter.

Meist sind Humbucker mit einer Blechkappe versehen. Das hat nicht nur optische Gründe, sondern soll auch Brumm-Einstreuungen vermindern. Nun ist es aber so, dass die meisten Metalle in der Nähe einer Pickup-Spule den Sound stark beeinflussen, da u.a. das Magnetfeld verändert wird. Insbesondere preiswerte Kappen aus Messing und solche mit verchromter Oberfläche sind hier zu nennen. Entfernt man diese, wird der Pickup gleich offener, höhenreicher und transparenter klingen.

Wer sich zutraut, die Kappe abzulöten und vom Pickup zu entfernen, könnte das ausprobieren. Da moderne Pickups in der Regel gewachst sind, ist es für diese Arbeit notwendig, den Pickup soweit zu erwärmen, dass das Wachs vor Abnahme der Kappe weich (nicht flüssig) wird, um Beschädigungen zu vermeiden.

Da übliche Gitarren-Pickups über eine hohe Impedanz verfügen, bilden sie mit den Potis, dem Gitarrenkabel und der Eingangsimpedanz des angeschlossenen Verstärkers ein zusammenhängendes System. Wird hier ein Teil verändert, hat das deutliche Auswirkungen auf den Sound.

Oftmals unterschätzt und nicht weiter beachtet wird z.B. das Kabel zwischen Gitarre und Amp. Ein gutes Kabel mit geringen Kapazitäten kann bemerkenswerte Verbesserungen bringen und den Klang höhenreicher und transparenter machen. Einfach einmal einen Vergleich machen. Sehr gute Kabel sind z.B. das Klotz Titanium, auch Cordial, Sommer und etliche andere Anbieter sind hier vertreten.

Ein andere, sehr preisgünstige Modifikation betrifft das Volume-Poti und dessen Einsatzbereich. Aus unerfindlichen Gründen hält z.B. Gibson auch heute noch bei vielen (nicht allen) Modellreihen an 300kOhm-Volume-Potis fest.

In den späteren 1970er-Jahren versuchten sie, ihre damals (aufgrund der Verwendung neuer Magnetmaterialien) zu höhenreich klingenden Pickups zu zähmen. Heute klingen Gibsons Tonabnehmer jedoch eigentlich sehr ausgewogen, und das oft vermisste Maß an Höhen, Transparenz und Durchsetzungsfähigkeit könnte bereits mit dem simplen Austausch der Volume-Potis mit gängigen 500kOhm-Varianten behoben sein.

Bei vielen Gitarren stellt man auch fest, dass der Sound bei Reduzierung der Lautstärke sofort an Höhen verliert und damit unbrauchbar wird. Im Internet macht die amerikanische Bezeichnung „Treble-Bleed“ die Runde, früher sprach man von einem kleinen „Netzwerk“ oder schlicht von einem Kondensator. Dieses Bauteil wird einfach an das Volume-Poti angeschlossen, und zwar an dessen linken (Eingang) und mittleren (Ausgang) Anschluss. Je nach Wert verhindert das Teil den Höhenverlust beim Zurückdrehen der Laustärke, behält die Bass-Anteile bei oder senkt diese ab.

Das alles reduziert bei Betätigung des Volume-Potis die Lautstärke am Instrument und damit den Grad der Verzerrung im Verstärker. Als Kondensator-Werte eignen sich folgende Varianten, wobei die Kombinationen ohne Widerstand die Bässe absenken, mit Widerstand diese beibehalten werden; Werte zum individuellen Experimentieren können gerne +/- 30% abweichen.

• Nur Kondensator (mit Bass-Absenkung) 470pF

• Kondensator mit Widerstand (weitgehend neutral): 1.000pF + 182kOhm (Allroundwert, funktioniert mit den meisten Pickups immer gut)

• Kondensator & Widerstand (Alternativwert für Singlecoil: 680pF + 220kOhm)

• Kondensator & Widerstand (Alternativwert für Humbucker): 1.000pF + 220kOhm

(Bild: André Waldenmaier) (Bild: André Waldenmaier)

Oftmals wird im Internet intensiv diskutiert, wie drastisch besonders teure Tonkondensatoren den Sound verbessern können. Hier kann ich jedoch nur zur Besonnenheit raten. Tonkondensatoren an voll aufgedrehten Tonreglern, also in dem Zustand, den die meisten Musiker benutzen, beeinflussen den Klang wirklich nur in einem sehr geringen Umfang. Man muss schon sehr genau hinhören, um Veränderungen oder Verbesserungen wahrnehmen zu können. Damit kann man auf jeden Fall Fine-Tuning betreiben, aber nicht das Große und Ganze auf den Kopf stellen.

In diesem Zusammenhang sei noch das sogenannte 50s-Wiring erwähnt. Bei diesem wird die Zuleitung des Signals zum Ton-Poti anstelle vom üblichen, linken Anschluss des Volume-Potis kommend, an den mittleren Anschluss des Volume-Potis umgelötet. Die Wechselwirkung zwischen Volume- und Ton-Poti hat hier manchmal eine positive Auswirkung, insbesondere bei ausgangsschwachen, eher Vintage-orientierten Pickup-Typen.

Sollten all diese Experimente nicht zu dem gewünschten Ergebnis geführt haben, kann man sich dann auch mal Gedanken über bessere Tonabnehmer machen. Unzählige Hersteller bieten jeweils zahlreiche Varianten an und überschlagen sich mit ihren Werbeaussagen. Hier das richtige Korn im Weizenfeld zu finden, ist gar nicht so einfach. Deshalb ist es wichtig zu wissen, wo die Reise hingehen soll.

Aber Achtung! Die Frage „Welches ist die beste Pickup-Kombination?“ ist in keinem Fall eindeutig zu beantworten. Denn niemand kennt den anderen, niemand weiß, wie und was man spielt und finanzielle Möglichkeiten werden auch nicht berücksichtigt, wenn man diese Frage in einem Forum stellt. So kann es schon mal sein, dass man bei 50 Antworten 49 verschiedene Empfehlungen erhält, von denen jede für sich betrachtet OK sein mag, aber eben nicht unbedingt zum Fragesteller passen muss.

Mein Tipp daher: Musik hören, Sounds heraushören und schauen, welche Art von Instrument und welche Art von Pickups auf den jeweiligen Aufnahmen von den Musikern gespielt wurden. Dank Internet findet man heute viele „Geheimnisse“ bekannter Musikern heraus und kann sich inspirieren lassen.

Ein zweiter Tipp betrifft Musiker, die man persönlich kennt. Deren Instrumente kann man im Idealfall einmal in die Hand nehmen, spielen und hören – oder man kennt sie bereits von Auftritten, die man selbst besucht hatte. Weiterhin kommen tatsächlich auch noch echte Musikgeschäfte mit gutem Fachpersonal oder die Hersteller von Tonabnehmern in Betracht. Diese hören dem Kunden gut zu und können treffsichere Tipps geben. Der Rest ist dann Vertrauenssache. Ausprobieren!

Noch ein paar Tipps …

• Es macht erfahrungsgemäß wenig Sinn, Instrumente, die ein bestimmtes Klangspektrum rein physikalisch nicht bieten, mit gegenteilig klingenden Pickups ausgleichen zu wollen. Beispiel: Ein ohne Verstärker gespieltes Instrument ist besonders stark in den Mitten, aber schwach in den Höhen. Hier einen Pickup zu wählen, der viel Höhen, aber wenig Mitten überträgt, wird die –Eigenschaften des Instruments nicht unterstützen, da die guten Frequenzen des Instruments ausgeblendet und die eher mäßigen Bereiche extra betont werden.

• Technische Daten helfen bei der Auswahl der Pickups nur bedingt. Angaben wie kOhm haben nur sehr wenig Aussagekraft. Denn der Widerstand ergibt sich durch den Durchmesser des Wickeldrahtes und der Anzahl der Wicklungen. Dazu kommen die Eigenschaften des Magneten und erst das Zusammenspiel aller Komponenten macht den Sound.

Erhöht man beispielsweise die Zahl der Wicklungen, wird der Widerstand höher, Mitten nehmen zu, Bässe und Höhen treten in den Hintergrund. Würde man aber einen dünneren Wickeldraht nehmen, steigt der Widerstand ebenfalls: Aber: Der Sound wird maßgeblich durch die Anzahl der Wicklungen bestimmt und nicht durch den Widerstand. Und genau diese Zahl kann durch den Widerstand nicht abgeleitet werden. D.h., mit einem dünneren Draht und weniger Wicklungen könnte ein höherer Wert des Widerstands dennoch mehr Höhen, mehr Bässe und weniger Mitten bedeuten.

Weiterhin sind die Angaben wie „Alnico-5-Magnet“ sehr schwammig – das hat die Aussagekraft von „PKW“. Gut, man weiß wenigstens, dass kein Leiterwagen gemeint ist, aber besser wäre es in „Sportwagen“, „Limousine“ oder „SUV“ zu unterteilen. Die Magnethersteller liefern z.B. mehrere Dutzend verschiedene Magnettypen, die alle in das grobe Raster „Alnico-5“ fallen – und die Klangunterschiede im Pickup sind beträchtlich! Besser ist es also, die Beschreibungen des Klangverhaltens zu lesen und Hörbeispiele zu vergleichen.

• Vorsicht vor besonders dynamischen Pickups. Das sind meist die Vintage-Typen, welche besonders schwach gewickelt sind. Diese Typen bilden sehr exakt das ab, was der Spieler auf dem Instrument veranstaltet und sind daher für versierte Gitarristen oftmals eine hervorragende Wahl, für weniger Geübte oder Anfänger aber auch oft eine Plage.

• Hardrock-, Metal- und tief gestimmte Gitarren mit zunehmend dicken Saitenstärken lassen häufig Defizite in der schnellen Tonansprache erkennen. Bedingt durch die Masseträgheit der locker gespannten, dicken und damit schweren Saiten, hat es der Ton nicht leicht, dem schnellen Spiel zu folgen. Für diese Anforderungen haben sich Pickups mit besonders schneller Tonansprache gut bewährt. Fast immer verfügen diese Typen über einen sogenannten Keramik-Magnet, eine höhere Zahl an Wicklungen und bieten eine hohe Ausgangslautstärke ohne matschig zu werden. Auch aktive Pickups mit eingebautem Preamp und Batterieanschluss haben sich für diesen Einsatzzweck gut bewährt.

• Moderne Verstärker (mit Kanalumschaltung) vertragen auch besonders ausgangsstarke Pickups sehr gut. Einkanalige Vintage-Verstärker oder solche, die nach diesem Prinzip aufgebaut sind und häufig mit vorgeschalteten Effekt-Pedalen betrieben werden, harmonieren sehr oft eher mit schwächeren, Vintage-orientierten Pickups besser, als mit leistungsstarken Pendants.


>>> Step-by-Step-Ratgeber zum Thema Tonabnehmer tauschen <<<

 

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Danke für diesen sinnvollen, praxisgerechten Artikel, André. Mit einigen Jahrzehnten (okay, Jahrfünfte wären doppelt soviel) Profi-Erfahrung kann ich das alles komplett bestätigen. Danke auch für die “Warnung” vor dynamischen Pickups für die Hobby-Riege, das führt bei den Damen und Herren gern zu dicken Kullertränen. Andererseits kann unsereins so kaum gebrauchte hochwertige Teile günstig in der Bucht und dergleichen abstauben.

    Beste Grüße,
    pass auf Dich auf und bleib gesund!

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  2. Wie wär’s es mit einem Impedanzwandler nach Lemme. Bin selber Physiker und Musiker. Der Mann weiss wovon er spricht. Habe alle meine Gitarren umgebaut. Keine Kabelabhängikeit mehr und genau die Resonanzxrequenz, die möchte. ZB. SH2 und SH4 genau im Klangbereich der neuen Gibson HB. Meine uralte Ibanez Talman wie eine 70er Start. Auch mal bei elektronikinfo.de gucken oder guitarletters. Habe Induktivität und Kapazität der Pickups selbst ausgemesse , das hilft enorm. Da spart man viel Geld.

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