Produkt: Mr. Crowley – Ozzy Osbourne
Mr. Crowley – Ozzy Osbourne
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1970: Ein Jahr prägt die Rockmusik

Das Jahr 1970 ist wohl eines der wichtigsten in der Rockmusik-Historie, mit gleich vier Meilensteinen, allesamt von englischen Bands: ‚Led Zeppelin III‘,Deep Purple ‚In Rock‘, Black Sabbath ‚Paranoid‘ und Free ‚Fire And Water‘. Wir blicken auf die Geschichte dieser vier Alben zurück.

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LED ZEPPELIN III

(Bild: Atlantic / Warner)

Led Zeppelin gelten bis heute als Inbegriff der perfekten Rockband. Ihre einzigartige Mischung aus Blues, Rock, Rhythm’n’Blues, Country, Folk und Ethno-Einflüssen basierte auf den außergewöhnlichen Fähigkeiten aller vier Bandmitglieder. Mit ‚Led Zeppelin III‘ befand sich die Gruppe im Jahr 1970 auf ihrem kreativen Höhepunkt, auch wenn sich andiesem Album zunächst die Geister schieden. Im Jahr der Veröffentlichung bemängelten Kritiker vor allem die stärkere Hinwendung von Gitarrist Jimmy Page zu akustischen Instru­menten und folkigen Spielweisen.

Ein Irrtum, behauptet Bassist John Paul Jones:

„Alle unsere Alben wurden auf die exakt gleiche Weise gemacht: Was gut war, kam drauf, was nichts taugte, wurde wieder verworfen. Die Presse warf uns vor, auf ‚Led Zeppelin III‘ zu extrem mit akustischen Instrumenten zu experimentieren. Kompletter Unfug! Schon auf unserem Debüt gab es zwei Akustiknummern, doch keiner nahm Notiz von ihnen. Wir fragten bei den Journalisten nach: ‚Was meint ihr? Was soll sich denn bei uns geändert haben? Das Problem ist doch eure Stigmatisierung: Heavy Rock‘. Die Presse steckte uns ungefragt in eine Schublade und wunderte sich, als diese plötzlich nicht passte. Der Fehler lag bei ihnen, sie hatten ein­fach nicht richtig zugehört.“

Kollege und Gitarrenikone Jeff Beck ging sogar noch einen Schritt weiter. Ein Jahr nach Veröffentlichung der Scheibe urteilte er über Page:

„Jimmys Fähigkeiten als Akustikgitar­rist sind geradezu erschreckend groß­artig. Sein Spiel auf ‚Led Zeppelin II‘ hat mich dagegen nicht sonderlich beeindruckt. Ich finde, er sollte viel mehr Akustikgitarre spielen.“

Beck meinte Nummern wie ‚Bron-Y-Aur Stomp‘, ‚Friends‘ oder ‚Hats Off To (Roy) Harper‘ mit ungewöhnlicher Slide-Arbeit, dazu die melancholische Stimmung in ‚Tangerine‘ und ‚That´s The Way‘ oder das auf einer englischen Volksweise basierende ‚Gallows Pole‘ mit seinem überaus dynami­schen Arrangement.

Das größte Problem von ‚Led Zeppelin III‘ war also ein anderes, nämlich die überdimensionale Konkurrenz aus dem eigenen Lager: ‚Led Zeppelin II‘ hatte den Singlehit ‚Whole Lotta Love‘, ‚Led Zeppelin IV‘ mit ‚Stairway To Heaven‘ den Klassiker schlechthin.

‚Led Zeppelin III‘ besaß dagegen „nur“ ‚Immigrant Song‘, aber auch der zeigt die grandiosen Leistungen aller vier Beteiligten: Sänger Robert Plant gibt der Nummer mit seiner charismatischen Stimme die faszinierende Schärfe, Gitarrist Jimmy Page schießt mit seinem Marshall SLP 1959, der auf KT88-Röhren umgerüstet war und anstatt der ursprünglichen 100 Watt satte 200 Watt leistete, ein nervös-magisches Riffs aus der Hüfte, Schlagzeuger John „Bonzo“ Bonham erweist sich abermals nicht nur als einer der lautesten Drummer seiner Zeit, sondern im Zusammenspiel mit dem genialen Bassisten John Paul Jones auch als einer der ideenreichsten Musiker seiner Zunft. Das Timing der Band ist auf dieser Aufnahme exzellent, ihre Kreativität kannte 1970 kaum Grenzen.

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DEEP PURPLE: IN ROCK

(Bild: EMI)

Für viele Fachleute ist Deep Purples ‚In Rock‘ der Prototyp des Hardrock-Klassikers und ein erster entscheidender Schritt hin zum Heavy Metal, wie ihn Black Sabbath später perfektionieren sollten. Bereits im Titel des Albums und mit richtungsweisenden Songs wie ‚Speed King‘ oder ‚Child In Time‘ artikulierten Ian Gillan, Ritchie Blackmore, Roger Glover, Ian Paice und Jon Lord, worum es ihnen ging.

Passend dazu auch der legendäre Satz des exzentrischen Blackmore: „Ich spiele jedem anderen Gitarristen den Arsch ab.“ Doch die Geschichte der Band ist auch die stürmischer Auseinandersetzungen und wechselnder Formationen, tiefer Krisen und vor allem permanenter Streitigkeiten zwischen Blackmore und seinen Widersachern Lord und Gillan. Mehrmals wechselte die Besetzung, mal musste Gillan dran glauben, dann wiederum verließ Blackmore von sich aus die Gruppe.

Jon Lord wiegelte dennoch immer ab: „Man neigt schnell dazu, die Vergangenheit allzu undifferenziert zu sehen. Man denkt immer: Unsere sogenannte ‚Mark II‘-Besetzung war die Zeit mit dem großen Stress. Aber das stimmt nur teilweise. Die Jahre 1970 und 1971 waren eine großartige Epoche, sehr produktiv, spaßig und aufregend. Später wurde es leider unerfreulich.“

Frontmann Gillan stimmt dieser Einschätzung nur teilweise zu: „Die Streitigkeiten waren für uns ziemlich hinderlich, denn dadurch konnte die Band oftmals nicht das Beste aus sich herauszuholen. Und natürlich war es für alle eine Herausforderung, mit Ritchie zu spielen. Das Problem für mich: Ich singe einfach besser, wenn ich entspannt bin. Doch auf der Bühne war es manchmal extrem stressig, da niemand so recht wusste, wie Ritchie aufgelegt war. Für die Aufnahmen von ‚In Rock‘ waren wir insgesamt drei Monate im Studio, und jeden Tag musste man sich fragen, ob er gute oder schlechte Laune hat. Es war schwierig, den ganzen Tag über Kompromisse machen zu müssen. Abends geht man frustriert nach Hause, nervt seine Frau und schimpft mit den Kindern.“

Dennoch führte die Eigenwilligkeit ihres schwierigen Gitarristen zu weiteren legendären Momenten: Ein Jahr nach ‚In Rock‘ erfand Blackmore mit ‚Smoke On The Water‘ das berühmteste Gitarrenriff der Musikgeschichte. Sein Sound war kraftvoll und filigran zugleich, sein Equipment – bestehend aus einer weißen Fender Stratocaster und einem 200 Watt starken Marshall Major mit dem Spitznamen „Pig“ – klassisch britisch.

Für Schlagzeuger Ian Paice allerdings gehören die Kontroversen sogar zum Erfolgsrezept der Band: „Ein Musiker braucht immer das Recht, auch Dinge in Frage stellen zu dürfen. Nicht jede Idee, die jemand hat, ist auch gleich eine tolle Idee. Wenn die Situation so ist, dass nur die Ideen einer einzigen Person akzeptiert werden, bleibt kein Platz mehr für andere. Unsere großen Alben aus den Siebzigerjahren, egal ob ‚In Rock‘, ‚Fireball‘ oder ‚Made In Japan‘, basieren allesamt auf den Ideen sämtlicher Bandmitglieder, und nicht nur auf denen einer einzigen Person.“

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BLACK SABBATH: PARANOID

(Bild: BMG)

Neben Deep Purple und Led Zeppelin gehören Black Sabbath zu den wichtigsten Rockbands der Geschichte. Im Juni 1970 erfand die Gruppe sogar ein neues Genre: Ihr zweites Album ‚Paranoid‘ gilt als die Geburtsstunde des Heavy Metal, der Titeltrack als Bindeglied zwischen revolutionärem Underground und massenkompatibler Popkultur. Es sind das Klagen in der Stimme von Sänger Ozzy Osbourne und die tonnenschweren Hooks von Riff-Meister Tony Iommi, die hier zu einem der magischsten Momente der Musikgeschichte verschmelzen.

Veröffentlicht wurde ‚Paranoid‘ im September 1970. Das Album katapultierte Black Sabbath in nahezu sämtliche Pop-Charts der westlichen Hemisphäre. Dabei war es zwar durchaus als schwermetallisches Statement geplant, der Titeltrack hingegen entsprang einem seltenen Glücksfall, einem genialen Geistesblitz, einer Laune der Kreativität.

„Unsere Produzenten Rodger Bain und Tom Allom eröffneten uns unmittelbar vor dem Ende der Studiosession, dass eigentlich noch ein Stück fürs Album fehle“, erinnerte sich später Schlagzeuger Bill Ward an die Tage in den Londoner Regent-Sound- und Island-Studios. „Wir hatten allerdings bereits alle unsere Ideen abgeliefert, mehr gab es nicht.“

Doch die Zeit drängte und Bain und Allom blieben hartnäckig. Kurzentschlossen schickten sie die vier Musiker Osbourne, Iommi, Geezer Butler und Bill Ward zum Mittagessen in einen Pub auf der gegenüberliegenden Straßenseite, verbunden mit einem konkreten Auftrag. Butler: „Rodger sagte: ‚Macht mal eine kurze Mittagspause und denkt über neue Songideen nach. Anschließend starten wir dann ein paar Versuche.‘ Wir saßen also in diesem Pub, diskutierten diverse Möglichkeiten und überlegten uns Alternativen, falls nichts Brauchbares dabei herauskommt. Noch vor dem Ende des Essens meinte Tony: Es gibt da ein Riff, das mir seit Tagen nicht aus dem Kopf geht. Ich werde es im Studio schon mal ausprobieren.“

Als Osbourne, Butler und Ward nach einer halben Stunde ihrem Gitarristen folgten, stand das Fundament von ‚Paranoid‘ bereits.

„Tony hatte das Eröffnungs-Riff vollständig ausgearbeitet, auch Strophe und Rhythmus waren schon vorbereitet, und Geezer schrieb den berühmt geworden Text dazu. Es dauerte keine zwanzig Minuten, da war ‚Paranoid‘ im Kasten“, staunt Ward noch heute. „Am nächsten Tag machte Tony noch ein paar Gitarren-Overdubs und fertig war die Laube.“

Zwanzig Minuten, die nicht nur den Albumtitel – aus dem geplanten ‚War Pigs‘ wurde ‚Paranoid‘ – sondern das komplette Leben der vier Musiker veränderten. Zumal auch die anderen Nummern der Scheibe Publikum wie Presse gleichermaßen faszinierten. Das böse ‚War Pigs‘ war ein frontaler Angriff gegen das Militär und seine menschenverachtenden Methoden, das melancholische ‚Iron Man‘ und das stilistisch zweigeteilte ‚Hand Of Doom‘ eine weitere Steilvorlage für den Namen einer neuen Musikrichtung: Doom Metal.

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FREE: FIRE AND WATER

(Bild: Universal)

Nur gut fünf Jahre existierte die englische Bluesrock-Formation Free, abgelöst durch die kaum weniger erfolgreichen Bad Company. Doch der Einfluss von Free reicht bis in die Gegenwart hinein.

Die Gruppe verfügte über zwei absolute Ausnahmetalente: Sänger Paul Rodgers, ein Mann von kleiner Statur aber gigantischer Stimme, und Gitarrist Paul Kossoff, ein überaus sensibler Musiker, der mit einer abgewetzten Gibson Les Paul, einem alten Marshall JTM 45 und einer selbstgebauten 4x12er-Box startete, bevor er sich einen 100 Watt starken Marshall-Stack leisten konnte. Später spielte Kossoff das, was er ‚The Enterprise‘ nannte: Eine 57er-Les-Paul-Sunburst, dazu zwei Boxen mit jeweils acht 12“-Celestion-Speakern und zwei Marshall-Super-Lead-Tops.

Auf ihrem dritten Album ‚Fire And Water‘ explodierten die Talente der Band. Sechs Monate lang hatten Rodgers, Kossoff, Drummer Simon Kirke und Bassist Andy Fraser im Frühjahr 1970 in London an der Scheibe gearbeitet. Die Singleauskopplung ‚All Right Now‘ ließ ab Sommer dann alle Dämme brechen.

„Der Song entstand aus der Notwendigkeit heraus, unser bis dato ziemlich langsames Repertoire um eine schnellere Nummer zu erweitern“, erklärte später Schlagzeuger Kirke. „Wir spielten einen Gig in Durham und mussten erleben, dass der Applaus bereits abebbte, noch bevor ich hinter meinem Drum-Kit hervorklettern konnte. Als wir in der Garderobe saßen, war allen klar, dass wir eine richtige Rocknummer brauchen. Wie aus heiterem Himmel sang Andy plötzlich den Text und die Melodie von ‚All Right Now‘. Zehn Minuten später war die Nummer fertig.“

Der Song avancierte nicht nur zum erfolgreichsten Hit der Band, sondern gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Rocknummern aller Zeiten. Aber auch glänzende Tracks wie ‚Heavy Load‘, ‚Oh I Wept‘ oder das erstklassige ‚Mr. Big‘ (spätere Inspirationsquelle der gleichnamigen Band von Paul Gilbert und Billy Sheehan) waren grandiose Bluesrock-Tracks.

Bis heute begeistert Kossoffs Spiel Fans und Kollegen rund um den Globus. Kein Geringerer als Joe Bonamassa outet sich regelmäßig als riesiger Fan des Gitarristen. Kossoff konzentrierte sich nach dem Ende von Free auf seine Solokarriere.

Nach seinem Debüt 1973, an dem auch die Free-Kollegen Rodgers, Kirk und Fraser beteiligt waren, stellte er eine feste Band zusammen und nahm mit ihr zwei weitere Alben auf. Doch der labile Musiker war bereits in den frühen 70ern schwer drogenabhängig, einer der Gründe für das Scheitern von Free und die nur mäßige öffentliche Präsenz seiner eigenen Band.

1975 konnte er nach einer heftigen Herzattacke erst in letzter Sekunde reanimiert werden. Am 19. März 1976 starb er auf einer Amerikatournee während eines Fluges von New York nach Los Angeles an den Folgen eines weiteren schweren, von harten Drogen verursachten Infarkts.

(Die Noten können durch Anklicken vergrößert werden)

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2020)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Schade,um so manchen damaligen Gitarren Virtuosen,der heute noch leben könnte um etliche Gitarrenparts einzuspielen,wäre er nicht der exzessiven Sucht verfallen um letztlich qualvoll daran zu sterben.
    Aber dieser total bescheuerte Alkohol-und Drogensumpf ist leider so alt wie die Welt.
    Schön,daß es da die Möglichkeit gibt,auch uralte Aufnahmen dieser „Helden“ digital zu bearbeiten.
    So bleibt uns allen die virtuose Gitarrenwelt der Ausnahmemusiker in steter Erinnerung.
    Prima Sache.

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  2. Genau diese “Vier” gehörten in meiner Prägezeit Anfang der 70er zum täglicher Musikkonsum und die LP’s wurden auch gleich auf das neue Tonbandgerät was zu Weihnachten 69 unterm Baum lag, magnetisiert. Mein Musikgeschmack ist auch irgendwie da stehen geblieben.

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