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Die Klangwelten von Jimmy Page und John Paul Jones

„Na klar, Jimmy Page spielt eine tief gehängte Les Paul und eine Doubleneck“, tönt laut des Volkes Meinung am örtlichen Gitarristen-Stammtisch. „Und ‘ne schwarze Danelectro“, erklingt es vom Nebentisch! Und? Das war’s? Von wegen!

Kaum einer der bekannten, großen Gitarristen hat ein derart umfangreiches und schwer zu überschauendes Equipment verwendet wie Led Zeppelins Jimmy Page, der bekanntlich zu den zehn einflussreichsten Rock-Gitarristen aller Zeiten gezählt wird. So ist es denn auch kein Wunder, dass dieser Artikel nun zum vierten Mal überarbeitet wurde, denn immer wieder tröpfelten neue Informationen unserer informellen Informanten rein; Informationen, die größtenteils widersprüchlich waren und quergecheckt werden mussten. Und nicht gerade vereinfacht wurde des Journalisten Arbeit durch das schier ausufernde Equipment von E-Bassist und Multiinstrumentalist John Paul Jones, der seinem Gitarristenkollegen in nichts nachsteht, was den Einsatz und die Anhäufung musikdienlichen Instrumentariums angeht.

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Jimmy Page hat nicht nur die Entwicklungen mitgemacht, denen man automatisch ausgesetzt war, wenn man zusammen mit der Rock-Musik und dem entsprechenden Equipment den Kinderschuhen entwächst, sondern bewies zumindest in den ersten zwanzig Jahren seines Bühnendaseins stets Innovations- und Experimentierfreudigkeit, verknüpft mit dem Hang zu spektakulären Bühnenaktionen, die mit einem umfangreichen Instrumentarium umgesetzt wurde. Ähnlich verhält es sich mit John Paul Jones, der weit mehr als nur der Bassist dieser Super-Group Led Zeppelin war und ist. Um in aller Ausführlichkeit auf das verwendete Equipment der beiden Musiker in ihren Karrieren einzugehen, reicht mein Platz nicht aus, aber im Folgenden geben wir einen Überblick über die wichtigsten Instrumente, Verstärker und Effekte, und wir haben diese den jeweiligen Phasen der musikalischen Entwicklung zugeordnet.

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Pages Gitarren

• PRE-YARDBIRDS: Jimmy Pages (* 1944) erste richtig spielbare E-Gitarre war eine Grazioso, eine Strat-Kopie, 1957 in der damaligen Tschechoslowakei gebaut, schon bald gefolgt von einer Fender Stratocaster, die wahrscheinlich 1957 gebaut wurde und von Page bei Neil Christian und The Crusaders gespielt wurde.

Als die Geschäfte als Studiogitarrist besser liefen, leistete er sich eine Gibson Les Paul Custom, eine Black Beauty von 1960 mit drei Humbuckern und Bigsby und der Seriennummer 06130. Page hatte sie 1962 für 185 GBP (ca. € 264) gekauft und live bei Led Zeppelin von 1970 bis 1971 gespielt, bis sie ihm auf dem Londoner Flughafen Heathrow gestohlen wurde. Sie ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Doch wie gut, dass es den Gibson Custom Shop gibt, denn der bringt als eins seiner vielen neuen Produkte eben eine Replik dieser Gitarre auf den Markt, und natürlich kann davon ausgegangen werden, dass Jimmy Page selbst auch das ein oder andere Ebenbild seiner gestohlenen Les Paul überreicht wurde.

Offiziell wurde die Jimmy Page Les Paul Custom w/Bigsby auf der NAMM 2008 vorgestellt. Überhaupt hat sich der Gibson Custom Shop nicht lumpen lassen, um Jimmy Page und die Gitarristenwelt mit Signature-Modellen zu beglücken. So gibt es nicht nur die Jimmy Page Signature Les Paul, die seiner Number Two nachempfunden wurde, sondern im aktuellen Programm befinden sich neben der oben erwähnten brandneuen Les Paul 82 Custom auch eine Jimmy Page Custom Authentic Les Paul und eine Jimmy Page Signature EDS-1275 Doppelhals-Gitarre. Da haben Led-Zeppelin-Coverbands die Qual der Wahl – das nötige Kleingeld vorausgesetzt.

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• THE YARDBIRDS: 1966 war Jimmy Page zwei Monate lang Bassist der Yardbirds und spielte in der Zeit einen Epiphone Rivoli Bass von 1960, bis Chris Deja das Tieftönen und diesen Rivoli-E-Bass übernahm. Eine Vox Phantom XII von 1967 wurde nur im Studio benutzt. Wichtiger war da die Fender Telecaster von 1959, ein Geschenk von Jeff Beck im Jahr 1966 – was Page nicht daran hinderte, den Originallack (Olympic White), auf den bereits vier große Kreise gemalt waren, Ende 1966 abzuschleifen und den Korpus neu zu bemalen. 1976 wurde die Tele in einer braunen Farbe lackiert und ein Parsons-White-Stringbender installiert. Die Gitarre war 1977 kurzzeitig mit einem One-piece-maple-neck bestückt.

Bereits als Yardbird spielte Page die Danelectro 3021 von 1960, eine der Gitarren, mit denen Jimmy oft assoziiert wird (wohl weil sich alle wunderten, dass der Rock-Gitarrengott sich herab ließ, ein solches Billig-Instrument zu verwenden). Immerhin spielte Page diese Gitarre, die aus den besten Teilen zweier Danos zusammengebaut und für einen professionellen Einsatz mit einer Leo-Quan-BadassBrücke und neuen Mechaniken modifiziert worden war, nicht nur 1967 und 1978 bei den Yardbirds, sondern auch bei Led Zeppelin und in der Zeit danach – meist in einem so genannten modalen Tuning (B, A, D, G, A, D), das Page in einem Interview einmal als Sitar-Tuning bezeichnete.

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• Led Zeppelin: Die 1959 Gibson Les Paul Standard in cherry sunburst bezeichnete Page, liebevoll als Number One (#1). Sie wurde erstmals auf ,Led Zeppelin II‘ eingesetzt. Das Halsprofil wurde von einem der Vorbesitzer unsymmetrisch geschliffen, was Page sehr gut gefiel. Aufgrund der Modifikationen am Hals ist die Seriennummer nicht mehr erkennbar, sodass es auch sein kann, dass Number One eine 1958er Les Paul ist. Goldene, nachgerüstete Grover-Mechaniken stehen im Kontrast zur ansonsten vernickelten Hardware. Der originale PAF an der Brücke wurde später durch einen von Seymour Duncan gewickelten Humbucker mit höherem Output ersetzt. Anstelle der Original- wurden Push/Pull-Potis montiert, die die Humbucker in Singlecoil-Betrieb schalten.

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Die legendäre Paula #1

Seine zweite 1959 Gibson Les Paul Standard in cherry sunburst, Seriennummer 91702, hat Page 1969 für 500 GBP vom späteren Eagles-Gitarrist Joe Walsh gekauft. Diese Les Paul, die dann auch als Number Two (#2) bezeichnet wurde, ist nahezu identisch mit #1. Sie bekam die gleichen Modifikationen wie #1 und 1980 zusätzlich zwei Knopfschalter unter das Pickguard installiert, mit denen man die Pickups seriell bzw. parallel und out of phase schalten konnte. Außerdem wurde die Brücke rund gefeilt, damit Page gezielter mit dem Geigenbogen hantieren konnte.

Die ,Stairway To Heaven‘-Gitarre – eine Gibson EDS-1275 Doubleneck mit Seriennummer 911117 – stammt von 1968 und wurde erstmals 1971 benutzt. Übrigens: Bei der Studioversion von ,Stairway To Heaven‘ kam eine andere 12-string (s. u.) zum Einsatz. In eine weitere Gibson Les Paul Standard, die von 1973 stammt und cherry red lackiert ist, wurden zwei Seymour-Duncan-Humbucker montiert. Page ließ sich zudem nach der ersten Led-Zeppelin-Phase einen Parsons-White-Stringbender einbauen, obwohl der seiner Meinung nach den Sound dieser Gitarre verschlechterte. Was ihn aber nicht hinderte, sie 2007 beim Reunion-Konzert einzusetzen. Ebenso (nur) hier gesehen wurde eine naturfarbene Gibson ES-5 Archtop.

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Gibson EDS-1275 Doubleneck

Öfter wurde auch eine 1964 Fender Stratocaster in lake placid blue gespielt, z. B. 1980 auf der European-Tour, auf der auch eine blonde 1966 Fender Telecaster zum Einsatz kam. Die 1965 Fender XII wurde nur im Studio eingesetzt, hat dafür aber mit dem Titel ,Stairway To Heaven‘ Rock-Geschichte geschrieben. Jimmy Page war bekannt dafür, dass er im Studio die Gitarren, die er gerade nicht benutzte, immer vor die Boxen seiner Verstärker-Anlage stellte, damit sie die dort abgestrahlten Frequenzen in sich aufsaugen können. Freigeschwungene Instrumente klingen immer besser, und Page verwendete diese Methode, um seinen Gitarren in dieser Hinsicht auf die Sprünge zu helfen.

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Telecaster von 1966

Folgende Instrumente hat Jimmy Page während dieser Zeit nur punktuell benutzt: 1956 Gretsch Chet Atkins 6120, Alembic Serie I Bass, Fender Precision Bass, Vega 5-String Banjo, Fender 800 Pedal Steel. 1979 wurde Page auch einmal mit einer 1977 Gibson RD Artist gesehen, auf dem legendären Festival in Knebworth, und in dem Soundtrack zu „Death Wish II“ hat er 1982 eine Gibson ES-5 Switchmaster in tobacco sunburst, also eine Vollresonanzgitarre, gespielt.

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Gibson Les Paul Jimmy Page Signature

Akustisch liebte es Page ebenfalls exquisit, wobei er sich seine erste gute A-Gitarre, eine Gibson J-200 in sunburst für die Produktion von ,Led Zeppelin I‘ von Big Jim Sullivan ausleihen musste. Eine Harmony Sovereign H-1260 spielte Page für bahnbrechende Alben wie ,Led Zeppelin III‘, ,Untitled‘ und in Live-Shows zwischen 1970 und 1972. Die Gretsch Cutaway 12-string wurde live 1970 und im Studio bei ,Led Zeppelin III‘ gespielt, eine brasilianische Giannini Craviola wurde zwischen 1970 und 1972 live und im Studio eingesetzt. Pages Haupt-Akustik-Gitarre ist sicherlich eine 1971er Martin D-28, die er damals neu kaufte. Sie ist mit einem Barcus-Berry-Abnahmesystem ausgestattet. Yamaha baute Jimmy Page auch einmal ein Signature-Instrument, eine feine Acoustic, die z. B. in Deutschland 1998 auf der Bühne zu sehen war. Eine 1920 Gibson A-2 Mandoline setze Page 1977 live für den Song ,The Battle Of Evermore‘ ein.

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Martin D28

• POST-LED-ZEPPELIN: Grundsätzlich hatte Jimmy Page sein Gitarren-Equipment bis zum Ende der ersten Led-Zeppelin-Ära „zusammen“. Tauchten nun andere Instrumente auf, waren sie nur Ergänzungen zu seinen Hauptgitarren. Wie z. B. die KET Custom, eine moderne, typische 80er-Jahre-Gitarre, die nie auf der Bühne, dafür aber in dem Video zu ,Wasting My Time‘ eingesetzt wurde. Oder eine Paul Reed Smith McCarty. Eine 1959 Fender Telecaster Custom wurde von Page 1984 gespielt; sie hat kein Pickguard mehr, dafür aber einen Parsons/White Stringbender.

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Die Gibson Les Paul Classic Premium Plus Goldtop ist mit dem The Cat-System der Firma Transperformance, einem automatischen Stimm-Mechanismus, ausgerüstet, und ermöglicht Page blitzschnelles Umstimmen in andere Tunings auf Knopfdruck. Das Abspeichern von 200 verschiedenen Tunings war möglich. Ebenfalls mit dem Transperformance-System ausgestattet war die weinrote Gibson Les Paul Standard. Aufgrund seines Rückenleidens ist Page kaum noch in der Lage, die durch dieses System sehr schwer gewordenen Gitarren live zu spielen. Da zudem das Transperformance-System nicht alle beliebigen Saitenstärken verarbeiten kann, was bei tief klingenden Tunings Probleme bereitet, testet Jimmy Page zur Zeit Alternativen, unter anderem auch das deutsche Powertune-System von Tronical.

Eine willkommene Ergänzung seines Instrumentariums war die Gibson Jimmy Page Les Paul Custom Shop, die 1991 von Roger Giffin im West Coast Custom Shop gebaut wurde, um Number One zu ersetzen. Das Griffbrett hat einen Compound Radius, natürlich sind die Mechaniken vergoldet (wie beim Vorbild) und die Potis in Push/Pull-Versionen ausgeführt. Anstelle der Seriennummer ist schlicht ein „J Page“ in die Rückseite der Kopfplatte eingestanzt. 1999 sah man Page auch mit der Jerry Jones Longhorn Doubleneck, einer Danelectro-Kopie von 1993 mit einem normalen und einem Bariton-Hals.

Vereinzelt setzte Jimmy Page auch mal eine 1963 Gibson SG Junior, die Gibson ES-5 Switchmaster und eine Gibson Cromwell Electric Archtop ein. Das akustische Instrumentarium wurde in den Jahren nach Led Zeppelin deutlich erweitert. Hier eine Auswahl der wichtigsten Instrumente: Washburn EA20-12 12- String (mit B-Band-Pickup), mehrere Ovation Elite-Gitarren (darunter eine Doubleneck) und eine Manson TripleneckGitarre mit 12-string, 6-string und Mandolinen-Hals, die von dem englischen Gitarrenbauer 1995 für Page gebaut wurde.

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Kurzwaren

Page spielt Herco-Flex-75-Plektren und lässt seine E-Gitarren mit Ernie-Ball-Super-Slinky- (.009 – .042) und seine Akustik-Gitarren mit Ernie-Ball-Earthwood-Saiten bespannen.

Jimmy’s Amps

Bei den Yardbirds kamen Vox AC30 Topboost- und Fender Dual Showman-Amps mit 2×15“-Boxen zum Einsatz. ,Led Zeppelin I‘ wurde komplett mit der 58er Fender Telecaster und einem Supro 1690T Coronado eingespielt. Dieselbe Kombination verwendete Page auch in späteren Jahren immer mal wieder. Der Supro war leicht modifiziert: ein zusätzlicher Gain-Boost und eine 1×12“- statt der originalen 2×10“-Bestückung waren die Veränderungen. Dann kam ein 1965 Fender Super Reverb mit 2×10“-Bestückung hinzu. Andere Quellen sagen, der Amp wäre mit einem 12“-Speaker ausgestattet gewesen und Page hätte zusätzlich eine 2×12“-Box benutzt. Der Super Reverb wurde bei den ersten Led-Zeppelin-Gigs 1968 und 1969 eingesetzt.

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Pages alter Supro-Amp fürs Studio

Weitere Amps waren ein 1967er Arbiter Power One Hundred, ein 1966er Hiwatt Custom 50 (der Haupt-Amp der 1970er Tournee), dann ein Hiwatt Custom 100 DR118 (der live 1970 und 1971 gespielt wurde) und ein Univox UX-1501, der auf der US-Tour 1972 eingesetzt wurde, zusammen mit gigantischen 6×12“-Boxen derselben Firma. Überhaupt schien man durchaus flexibel zu sein und passte sich manchmal den Produkten an, die in den Ländern, durch die die Tournee führte, produziert wurden. So gibt es einige Mitschnitte einer Deutschland-Tour, in denen die komplette Backline von Echolette kam. Ein anderes Video zeigt eine Backline schicker Rickenbacker-Amps. Und das alles klang dann trotzdem auch nach Page!

Aber unsere Verstärkerliste geht noch weiter:

  • Orange Matamp, 200 Watt Top, von 1971 bis 1973 eingesetzt. Zwei dieser Tops mitsamt zwei Boxen wurden zur Verstärkung des Theremins eingesetzt.
  • Marshall SLP-1959 Tops – wurden 1985 modifziert, um die Leistung von 100 auf knapp 200 Watt zu steigern, u. a. mit KT-88 Endröhren. Page spielte 4×12“-Marshall-Boxen mit 30 Watt Celestion-Lautsprechern.
  • Fender Tone-Master – seit 1995 live von Jimmy Page benutzt, und zwar auf Empfehlung von Joe Perry (Aerosmith). Die ToneMaster-Anlage besteht aus einem 100-WattTop und 4×12“-Boxen mit Celestion Vintage 30 Lautsprechern.
  • Vox AC30 TB – zwei Stück wurden zusammen mit den beiden Fender Tonemaster-Stacks eingesetzt. + Petersburg 100 Watt Tops, die Page Mitte der Neunziger in Deutschland entdeckte und gleich fünf Stück vom deutschen Vertrieb für sich orderte. Die von G&B-Mitarbeiter Ralf Reichen entwickelten RöhrenTops liefern Page auch heute noch das Rhythmus-Brett. Sein Setup beim ReunionKonzert Ende des letzten Jahres bestand eben aus zwei Petersburg-Amps, zwei Marshall-SLP-Tops sowie je zwei Orange-Tops, jeweils in Kombination mit einer 4×12“-Box.

Die Effekte

Als Yardbird entdeckte Page den Sola Sound Tonebender MkII, den er von Roger Mayer überarbeiten ließ, um den Output anzuheben und die Mitten mehr zu boosten. Page hat den Tonebender bis 1971 benutzt, wurde aber etwa ab Mitte 1969 auch mit dem Nachfolge-Modell Tonebender MkIII gesehen, der einen zusätzlichen Ton-Regler besaß. Außerdem spielte er ein Vox Wah-Pedal – ebenfalls von Roger Mayer modifiziert und erstmals 1966 eingesetzt.

Ein Maestro Echoplex EP-3 ist das vielleicht wichtigste Effektgerät in Pages Setup, ist auch heute noch in Betrieb und fast immer an. Es wurde von Pete Cornish modifziert (einstellbare Eingangslautstärke, Bypass-Schalter und Effekt-Inserts).

Weitere Effekte waren:

  • ein Univox UD-50 Uni-Drive wurde 1971 verwendet.
  • ein Eventide H949 Harmonizer war hauptsächlich für Pages Noise-Solo von 1977 bis 1979 in Betrieb gewesen.
  • MXR M-101 Phase 90 + MXR Blue Box + ein Theremin wurde ab 1969 live eingesetzt.
  • Gizmotron, ein elektromagnetisch arbeitendes Gerät, das streicherähnliche Sounds produzierte. Es wurde nur im Studio bei zwei oder drei Songs verwendet.
  • ein Boss SD-1 Super Overdrive und
  • ein Boss CE-2 Chorus wurden in den Tagen von The Firm gesehen.

Page benutzte bereits ab den 70er-Jahren ein aufwändiges Effekte-Verwaltungssystem, das ihm der englische Techniker Pete Cornish auf den schmächtigen Leib geschneidert hatte. Vorrangiges Ziel war es, die Sound-Verluste durch lange Kabelwege und den Einsatz von Effektgeräten zu verhindern, sowie ein leicht zu bedienendes System zu entwickeln. So wurden zwischen die Effekte jeweils ein Vorverstärker integriert, der die einzelnen Geräte elektrisch voneinander isolierte und das Signal stabilisierte. Zwei zusätzliche Effektwege ermöglichten die Hinzufügung weiterer Effekte, wenn dem Meister danach war. Jeder Effekt und jeder Preamp hatte sein eigenes, stabilisiertes Netzteil.

Das Maestro Echoplex wurde mit Send/Return-Schleifen modifiziert und bekam vier elektronisch komplett voneinander isolierte Ausgänge zu den Bühnen-Verstärkern, die mit je einem Line-Driver ergänzt wurden, um die Verluste durch die sehr langen Bühnenkabel (4x 16 Meter!) aufzufangen. 1993 gönnte sich Jimmy ein neues Pete-Cornish-System, was er auch gleich zum Anlass nahm, seine Effekte-Kollektion neu zu überdenken und andere Kombinationen in das System zu integrieren: Roger Mayer Voodoo Fuzz (wurde 1996 durch den Kanal-Umschalter für die Fender Tonemaster Amps ausgewechselt), MXR Phase 90, Yamaha CH- 10 MkII Chorus, Boss CE-2 Chorus, Jen Cry Baby Wah, Digitech Whammy WH-1 plus Cornish Linear Booster. Alle Effekte besitzen neben eigenen Netzteilen einen eigenen An/Aus-Schalter. Das Signal läuft dann in das Echoplex EP-3 und – wie gehabt – über vier einzelne LineDriver zu den Amps.

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JPJ Basses

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„Mein Bass ist ein Schwein!“ Das sagte jedenfalls John Paul Jones (* 1946) über seinen ersten Bass, ein Solidbody-Instrument von Dallas mit einem Hals wie ein Baum. Es sollte nicht lange dauern, bis sich JPJ einen etwas besseren Bass leisten konnte – und das war der Anfang einer der eindrucksvollsten Bass-Ansammlungen, die die Bühnen der Welt bisher gesehen haben.

  • Der Fender Jazz Bass, sunburst, nicht modifiziert, war von 1968 bis 1977 Jones’ Hauptbass. Er ist ein 1961er Baujahr und wurde von John Paul 1962 neu gekauft. Real Vintage!
  • Fender Telecaster Bass, Baujahr 1951, komplett entlackt, von 1971 bis 1975 live eingesetzt.
  • Fender Fretless Precision, Baujahr 1970, sunburst, maple neck, von 1972 bis 1977 für ,In My Time of Dying‘ gespielt.
  • Fender Bass V, Baujahr 1967, sunburst. JPJ war einer der wenigen, die diesen Bass professionell einsetzten, und zwar live 1973.
  • Hagstrom H8 8-String, Baujahr 1968, 1973 gelegentlich live und im Studio benutzt
  • Gibson EB-1 Bass, Baujahr 1953, zu sehen auf dem Cover und zu hören auf der LP ,Led Zeppelin III‘.
  • Alembic 4- & 8-String – wie Kollege John Enwistle von The Who wechselte damals auch JPJ von passiven Fender- zu aktiven Edel-Bässen von Alembic. Die Vier- und Achtsaiter wurden von April 1977 bis 1988 gespielt.
  • ein Arco Electric Upright Bass wurde 1975 im Akustik-Set eingesetzt.
  • Später sah man JPJ auch mit einem Framus Triumph Bass, ebenfalls ein Electric-Upright.
  • Mittlerweile bilden die Manson-Bässe, die Hugh Manson seit etwa zwei Jahrzehnten für JPJ baut, den Mittelpunkt seines Instrumentariums. Das sind vor allem zwei 12-saitige Exemplare (ein blauer und ein naturfarbener Sechssaiter mit Oktavsaiten), die Stereo-Ausgänge haben und von B bis C gestimmt sind. Dazu gibt es noch einen Zehnsaiter, von E bis C gestimmt, und einen Achtsaiter in Normalstimmung, mit jeweils Oktavsaiten. Die Manson-Parade wird mit zwei 4-Saitern (sunburst bzw. natural) und einer hellblauen Kopie eines Fender Precision Bass mit Jazz-Bass-Halsmaßen weitergeführt, während er im Reunion-Konzert aber auch einen richtigen Fender Precision aus den 70er Jahren zur Hand nahm.

Manson-Bässe

Jones Amps

John Paul Jones erster Verstärker war ein kleiner Combo mit einem 10“-Lautsprecher, der nichts als merkwürdige Geräusche produzierte. Der wurde von einem alten Fernseher ersetzt, diesen Apparaten, wo unten in einem Schrank ein großer Lautsprecher installiert war. JPJ montierte oben anstelle des Bildschirms einen zweiten Lautsprecher. Eine heillos überlastete Vox T-60-Anlage spielte JPJ bei Jet Harris und Tony Meehan, um dann schon bald auf amerikanische Ware umzusteigen, die er in Amerika auf einer Tournee im Jahr 1969 kennenlernte: Acoustic! Bis 1977 war der Acoustic 360 mit den aktiven 361er Boxen seine Haupt-Anlage und wurde dann von Gallien-Krueger-Amps (GMT 600B) und Cervin-Vega-Boxen abgelöst.

Auch im Verlauf seiner Karriere bleibt JPJ bei amerikanischer Bass-Verstärkung, diesmal in Form der kalifornischen Marke SWR, seit wenigen Jahren im Besitz des Fender-Konzerns. Im einzelnen kommen SWR SM 900 Topteile und Goliath- (4×10“)- und Big-Ben-Boxen (1×18“) desselben Herstellers zum Einsatz. Die meisten seiner Manson-Bässe sind stereophon ausgelegt – dabei wird dann der Hals-Pickup auf die o. g. SWR-Anlage und der Steg-Pickup auf ein aggressiver klingendes Fender Tonemaster-Stack geleitet.

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Akustisch

In den akustischen Parts der Led-Zeppelin-Shows zeigte JPJ ganz besonders sein Talent als Multi-Instrumentalist. Hier kamen über die Zeit diverse Instrumente zum Einsatz, vor allem vielsaitige: So z. B. Mandolinen von Martin (1970/1971), Framus (Strato-Melodie, 1971), Fender (1972) und Harmony (Florentine, 1975) und eine 12-string Ovation.

Den Vogel schoss jedoch die Manson Tripleneck ab, die wie Jimmy Pages Instrument mit einem 12-saitigen, einem 6-saitigen und einem Mandolinen-Hals bestückt, und die JPJ seit 1977 spielt. Der Name Manson wurde für John Paul Jones in den beiden letzten Jahrzehnten immer wichtiger. Gut, dass es zwei Mansons gibt, die zudem Brüder sind und offensichtlich ihr Handwerk verstehen. Hugh hat sich eigentlich auf die Herstellung elektrischer und Andy auf die akustischer Instrumente spezialisiert, wobei es auch Job-Sharing gibt. Die elektrische Tripleneck-Mandoline von JPJ ist von Andy, die viersaitige Mandoline mit EMG- und Piezo-Pickup dagegen von Hugh gebaut. Die Reihe der Manson-Instrumente ließe sich fast unendlich fortsetzen; so gibt es im JPJ-Arsenal noch eine Bass Mandoline (Hugh), eine achtsaitige Akustik-Gitarre (Andy), eine weitere Mandoline (Andy), eine elektrische Mandola (Hugh) und das vielleicht spektakulärste Saiteninstrument in dieser Aufzählung – eine Bass Pedal Steelguitar (Hugh)!

Mit den Keyboards, die Jones exzessiv einsetzte, wollen wir uns hier nicht näher beschäftigen. Nur so viel: Es sind praktisch alle Klassiker dabei gewesen, die die Keyboard-Geschichte hergibt, von Herstellern wie Arp, Fender, Hohner, Farfisa, Moog, Yamaha, Steinway, Korg, Hammond und natürlich Mellotron. Heute arbeitet Jones intensiv mit der Hard- und Software Kyma von Symbolic Sound, einem Sound-Design-und -Synthese-System.

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