Frank Zappa

1940 – 1960 Entdeckungen

Frank Vincent Zappa Jr. wird am 21. Dezember 1940 in Baltimore, Maryland, geboren, wächst aber in Lancaster auf, einem Provinznest, mitten in der kalifornischen Mojave-Wüste. Frank ist ein Außenseiter, der sich den Respekt seiner Mitschüler über Musik erarbeitet. Bereits mit 14 beschäftigt er sich mit den Werken des französischen Komponisten Edgar Varèse, die ihn sein Leben lang begleiten und Grundstein für seinen eklektischen Musikgeschmack werden.

„Mir war es egal, ob ich Lightnin’ Slim hörte, die Jewels, Strawinsky oder Varèse. Für mich ist das alles einfach nur gute Musik“, wird er später sagen. Frank spielt Schlagzeug in einer Schul-Band und wechselt mit 16 zur Gitarre. Angeblich kauft er von seinem nicht ganz so mit Talent gesegneten Bruder Bobby eine erste Archtop-Gitarre – für 1,50 Dollar. Frank beschäftigt sich intensiv mit Harmonie- und Kompositionslehre, beginnt Partituren für Orchester zu schreiben und setzt sich eingehender mit modernen Komponisten der EMusik auseinander: Varèse, Strawinsky und Stockhausen.

Frank Zappa in Schwarzweiß

1960 – 1969 Frühwerk

Mit 18 gründet Frank seine erste Band The Blackouts, aus denen dann The Omens hervorgehen. Aus jener Zeit gibt es Fotos, die ihn mit einer Fender Telecaster zeigen (mehr unter www.angelfire.com/freak2/arfz/equipment). Parallel lernt er Vibraphon und Klavier. Doch seine Kompositionen im Bereich der Zwölfton-Musik führen ins Leere und sind aus kommerzieller Sicht völlige Flopps. Er jobbt als Bar-Pianist und schreibt Filmmusiken für Low-Budget-Streifen wie den Western „Run Home Show“, an den er sich später mit den Worten erinnert: „Absolute Scheiße. Aber immerhin sind ein paar lustige Stellen drin.“

Inzwischen ist Zappa von Zuhause ausgezogen und muss seinen Lebensunterhalt selbst finanzieren. Mit erstaunlicher Kreativität: Er führt in Steve Allens Fernseh-Show ein „Fahrradkonzert“ auf, zupft an Speichen und bläst auf dem Lenker. Von den ersten Geldern seiner Auftragswerke richtet er sich sein „Studio Z“ in Cucamonga ein, das die Polizei allerdings schon wenig später wegen „lauter Beischlafgeräusche und sexueller Perversionen“ schließt. Zappa atmet ein paar Tage gesiebte Luft im Polizeigewahrsam und erhält die Bewährungsauflage sich „keiner unverheirateten Frau unter 21“ zu nähern. Zappa: „Ein perverses Urteil!“ Frank zieht um, nach Los Angeles.

Jene „Beischlafgeräusche“ veröffentlicht er übrigens ein paar Jahre später im Song ,Help, I’m A Rock‘ seines Debüt-Albums ,Freak Out!‘, eingespielt mit den Mothers Of Invention – übrigens das erste Doppelalbum des Musik-Biz. Die „Mütter“ waren aus den „Soul Giants“ hervorgegangen und nannten sich nun „Mothers“ als Abkürzung für „Motherfuckers“ – also besonders heiße Musiker.

Auf den ersten beiden Alben ist Frank – längst ununmstrittene Urmutter – unter anderem mit einer Gibson ES-5 Switchmaster und einer Les Paul Gold Top zu hören. In L.A. erreichen die Shows der Band längst Kultstatus – natürlich im Underground. Die Songs von Frank & den Mothers sind eine Gegenreaktion auf die braven DooWop-Bands, auf den Blues und R&B der 50er Jahre. Ihre Parodien gängiger Hits sind gefürchtet, ihr Auftreten provozierend, ihre Spielkultur faszinierend. Journalistin Loraine Alterman schreibt 1966 in der Detroit Free Press: „Ihre Haare und Bärte sind schmutzig. Sie riechen schlecht. Im Vergleich zu den Mothers of Invention sehen andere Bands wie Sonntagsschüler aus.“

1968 entsteht mit dem Album ,We’re Only In It For The Money‘ ein erster Meilenstein. Die Songs sind bizarr, skurril, ausgeflippt und zum Teil urkomisch. Unverhoffte Akkord- und Tempo-Wechsel, garniert mit Telefonschnipseln, Geräuschcollagen und Hörspieleinlagen. Dazu immer wieder Bezugspunkte zur zeitgenössischen Klassik: Im Outro des Songs ,Absolutely Free‘ demonstriert Zappa seine Affinität zur Zwölftonmusik – ein Tribut an den Komponisten Arnold Schönberg. Das Album gilt als Zappas erstes kleines Meisterwerk.

Vielleicht liegt der ausgeprägte Eklektizismus Zappas am eigenen kulturellen Erbe mit sizilianischen, griechischen, arabischen und französischen Wurzeln. Der Endzwanziger liebt bulgarische Volksmusik genauso wie Duke Ellington und Count Basie, schätzt mongolischen Obertongesang und ist ein begeisterter Sammler von Film- und Fernsehmusik. Auf der Basis dieser Inspirationen schafft er wirklich innovative Sounds, ungewöhnliche Arrangements, entwickelt eigene Kompositionsprinzipien und inszeniert mit dem ihm eigenen Humor daraus Stücke voll beißendem Spott, vor dem niemand sicher sein darf. Schon gar nicht der Politiker, Fernsehprediger, Spießbürger, Gesundheitsfanatiker, Moralapostel oder der viel zitierte „American Way Of Life“. Auch nicht Journalisten.

In einem Interview mit dem US-Damenmagazin „Hustler“ erklärt er: „Ich schleiche nicht um den heißen Brei herum, ich sage genau was los ist. Es gibt eine Menge Journalisten, die mit dem Thema Sex nichts anfangen können … Sie sind verklemmt. Sie kneifen nicht genug Pussies.“ (Liebe Kinder! Bitte keine Tiere quälen! D. Red. 🙂

Frank Zappa
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1970 – 1987 Time To Rock

1971 erfüllt sich Zappa den Wunsch nach einem eigenen Film: ,200 Motels‘ dokumentiert das Leben der Band „on tour“ – übrigens mit Beatle Ringo Starr und The-Who-Drummer Keith Moon als Gästen. Im Soundtrack geht Zappa förmlich auf, zu dem er mit dem „Royal Philharmonic Orchestra“ arbeiten darf. 1973 folgt das Album ,Over-Nite Sensation‘. Hinsichtlich Kreativität, Witz, Zusammenspiel und Loyalität war die damalige Formation vielleicht sogar die beste, der Zappa je vorgestanden hat. Die Konstellation erwies sich als gesunde Mischung aus band-dienlichen Musikern und hervorragenden Solisten, wie Ian Underwood (Saxofon, Klarinette, Flöte), Ruth Underwood (Vibraphon, Marimba, Percussion), Tom Fowler (Bass) und George Duke (Keyboards), um ein paar Namen zu nennen.

Zappa selbst gibt auf dem Album eine glänzende Vorstellung in Sachen Gitarrenspiel. Exemplarisch erwähnt seien an dieser Stelle nur die geschmackvoll cleanen Fills des Openers ,Camarillo Brillo‘ und die energiegeladenen Leads im WahWah-Sound von ,Dirty Love‘. Die Live-Performance dieser Phase dokumentiert ,Roxy & Elsewhere – Live‘ (1974). In den 70er Jahren ist Frank Zappa immer wieder mit verschiedenen Gibson SGs mit Mahagoni-Body zu sehen gewesen. In Sachen Verstärkung gehören Marshall, Carvin und Orange zu seinen bevorzugten Top-Teilen.

An Effekten benutzt er für zusätzliche Verzerrung den heute kultigen „Big Muff“ von Electro-Harmonix, daneben den geheimnisvollen „EWE“ – Electro Wagnerian Emancipator – den er von Bob Easton gebaut bekommt. Ein Gerät, das alle 12 Noten einer chromatischen Skala reproduziert während der Musiker entscheidet, welche er davon nutzt – um dann parallel dazu auf der Gitarre zu spielen. Zappa beschrieb das Prinzip und Effekt zwar als praktikabel, den Sound jedoch als „unattraktiv“. Was vermutlich für viele den Reiz seiner Kompositionen ausmacht, ist vor allem Zappas unorthodoxer Umgang mit dem, was er „Archetypical American Musical Icons“ bezeichnet. Soll heißen: Er verwendet typische musikalische Strukturen, Zitate und Arrangements, um sie dann humorvoll zu verwursten. Aber bitte nicht falsch verstehen: Die Resultate sind trotzdem von einer unglaublichen Ernsthaftigkeit geprägt.

Frank Zappa ist zudem Perfektionist. Das spüren besonders seine Musiker, die sich im Studio und auf der Bühne die Klinke in die Hand geben. Ab 1976 erscheinen Platten nur noch unter Zappas alleinigem Namen – also ohne den Zusatz „& The Mothers“. Ab dieser Zeit kristallisiert sich dann auch allmählich eine wachsende Crew an Musikern heraus, die ihn in den nachfolgenden Jahren begleiten wird. Dazu zählen Gitarristen wie Ike Willis, Warren Cuccurrullo, Johnny Guitar Watson, Adrian Belew, Steve Vai und Mike Keneally. An den Keyboards standen u. a. Eddie Jobson, Tommy Mars, Peter Wolf, Bobby Martin und Alan Zavod. Am Bass betätigten sich Scott Thunes (mehr über ihn im Workshop „Bass Masterclass“ dieser Ausgabe), Arthur Barrow, Patrick O’Hearn, und zu Zappas Bands gehörten Schlagzeuger wie Chester Thompson, Terri Bozzio und Vinnie Colaiuta, um nur einige zu nennen.

Zappa selbst nimmt sich in der Phase von Alben wie ,One Size Fits All‘ (1975) und ,Zoot Alures‘ (1976) zunehmend Zeit für ausladende Soli und raumgreifende Improvisationen. Stücke wie ,Inca Road‘ oder das sehr spontan und nach Proberaum klingende ,Friendly Little Finger‘ können hier als Beispiele dienen. Vielleicht ist dies sogar eine der interessantesten Phasen, was Zappas Gitarrenspiel betrifft. Technisch gereift und versiert, mit einem ausgeprägten Verständnis zwischen Komposition und Improvisation, mit fulminanter Energie, dosierter Dynamik und einem eigenständigen Sound. Dazu Zappas unglaublich lässige Präsenz. Unnachahmlich. In dieser Phase greift er verstärkt zu einer naturfarbenen Stratocaster, die mit DiMarzio Tonabnehmern modifiziert wurde. Daneben spielt er auch jene legendäre Strat, die Jimi Hendrix 1968 beim Miami Pop Festivals auf der Bühne abgefackelt hatte. Zappa ließ das Instrument restaurieren, verpasste ihm einen neuen Hals, Verkabelung, Schlagbrett und Tonabnehmer.

Frank-Zappa

1979 – 1985 Pop vs. HiTech-Rock

Das prüde Amerika empfindet Frank Zappa zunehmend als untragbare Provokation. Das „PMRC“ (Parents Music Resource Center), das sich für eine Zensur in der Musik einsetzt, läuft Sturm gegen Zappas offen obszöne Texte. Der wiederum wehrt sich gegen den Versuch der Einflussnahme auf seine Kunst. Er beschwert sich sogar bei US-Präsident Reagan und nimmt an Kongress-Debatten zu dieser Frage teil. Seine musikalische Antwort ist eindeutig: Auf dem Album ,Sheik Yerbouti‘ (1979) folgen noch drastischere Texte wie ,Broken Hearts Are For Assholes‘, ,Baby Snakes‘ oder das kommerziell äußerst erfolgreiche ,Bobby Brown‘. Das Album läutet gleichzeitig Zappas nächste Epoche ein: eine Phase mit einer ausgeprägten Melodik, die seine Songs auf einmal selbst für ein Publikum attraktiv machen, das den früheren, eher sperrigen Werken nicht sonderlich aufgeschlossen war.

Mit ,Joe’s Garage Act 1, 2 & 3‘ (alle ebenfalls 1979 erschienen) und Songs wie ,Catholic Girls‘, ,Crew Slut‘ und ,A Token Of My Extreme‘ zeigt sich Zappa geradezu moderat mainstreamig. Sein Gitarrenspiel steht mehr und mehr im Kontext des Songs. So klingt Frank, wenn er sich Pop, Funk und Disco zuwendet! Das natürlich stets mit einem Augenzwinkern. Zappas Gitarrensoli werden also kürzer und sind dem Song untergeordnet, statt ihm vorzustehen. Improvisationen finden erst im zweiten und dritten Teil des Garagen-Werkes statt. Auffällig hier, dass er für sein Rhythmus-Spiel zunehmend cleane Sounds einsetzt.

Neben seinen Strats kommt in dieser Phase eine für ihn handgefertigte Solidbody-Gitarre im SG-Stil zum Einsatz, die mit DiMarzio-Tonabnehmern bestückt ist und über einen zusätzlichen 23. Bund verfügt. Daneben spielt er eine Les Paul Custom Sunburst, die ebenfalls mit DiMarzios bestückt ist – jene Gitarre, die er auf dem Cover von ,Shut Up ’N Play Yer Guitar‘ in den Händen hält.

Mit der Gründung seines Labels „Barkin Pumpkin“, dem dazugehörigen Vertrieb und Merchandising-Unternehmen „Barfko-Will“ und dem Video-Geschäft „Honker Home Videos“ vollzieht Zappa 1981 einen großen Schritt in die Unabhängigkeit. Er besitzt nun die vollständige Kontrolle über seine künstlerische Arbeit und begegnet Fans und Industrie mit ungewöhnlichen Aktionen. Er kauft zum Beispiel kursierende Zappa-Live-Bootlegs und bringt sie anschließend selbst heraus (,Beat The Boots‘).

In den folgenden Jahren baut sich Zappa ein Geschäftsimperium auf, mit dem er in vielen Bereichen äußerst erfolgreich ist. Auch wenn er das selbst nicht so sieht, weil seine Definition von Erfolg eine ganz andere ist. Es klingt schon etwas resigniert, wenn er mit 40 resümiert: „Ich habe mich in eine Sackgasse begeben und musikalische Fragen beantwortet, die normale Menschen niemals stellen.“ Parallel überfällt Zappa eine heftige Arbeitswut, manifestiert mit radikalen Experimenten in seinem High-Tech-Heim-Studio, der „Utility Muffin Research Kitchen“. Als Konsequenz spielt er nun mit ständig wechselnden Musikern. Er selbst übernimmt dabei mehr und mehr die Rolle des unumschränkten Diktators und Dirigenten, der auch abseits des Rampenlichts hohe Erwartungen an seine Musiker hat.

In einem Interview mit David Sheff für den „Playboy“ meint er einmal zum Thema Musik, Drogen und Gegenkultur: „Um daran beteiligt zu sein, muss man die ganze Drogenkiste mitmachen. Man muss Erfahrung, (Experience) haben, im Sinne von Jimi Hendrix. Aber alle Leute mit Erfahrungen, die ich kannte, entwickelten sich zu Zombies.“ Und über seine Band sagt er: „Wenn ich jemand beim Kiffen erwischt hätte, wäre er rausgeflogen.“ Mit seiner strikt ablehenden Haltung, auch gegenüber vermeintlich weichen Drogen, erntet Zappa in den Reihen der eigenen Fans oft Unverständnis.

Mit Beginn der 80er Jahre hat Frank Zappa eine Gruppe technisch hoch versierter Individualisten um sich geschart. Das wird er auf den folgenden Alben auch demonstrieren. Allein die Besetzungsliste der Gitarristen von ,Shut Up ’n Play Your Guitar‘ ist mit Ike Willis, Warren Cucurrullo und Steve Vai hochkarätig. Der Titel des Albums ist Programm. ,Shut Up …‘ ist ein Standardwerk für Gitarristen. Zappa demonstriert hier – abgesehen von Sounds, Stilistik und Songwriting, erneut die ganze handwerkliche Bandbreite seines Gitarrenspiels. Ausufernde Soli oder „Luftskulpturen“ wie er sie nennt, sind keine Seltenheit. Ein netter Service für die Fans: Zappa erwähnt im Booklet akribisch die von ihm verwendeten Gitarren: Seine Custom SG, die Les Paul, die Strat mit DiMarzioPickups und eine Acoustic Black Widow mit EMG-Tonabnehmern.

In dieser Phase schreibt er seinen Musikern zum Teil sogar maßgeschneiderte Stücke, die Charakter und Stärken seines Solisten unterstreichen. Man denke in diesem Zusammenhang an Steve Vai und ,Stevie’s Spanking‘ („… his name ist Stevie Vai and he’s a busy guy“). Oder an den Song ,Ya Hozna‘ vom Album ,Them Or Us‘, bei dem Zappas Lieblingsschüler zeigen darf, was er drauf hat. „Bei Zappa war ich das Werkzeug des Komponisten“, sagt Vai später. „Meine Aufgabe bestand darin, bestimmte Sachen zu spielen, die er hören wollte. Aber am meisten genoss ich die Momente, in denen ich nichts zu tun hatte und einfach dastehen und ihm zuhören konnte. In seinen Sachen war immer Kontinuität und Entwicklung. Und er spielte mit einer ungeheuren Konzentration.“

Zappa-Fan Vai hatte den Job als Gitarrist in seiner Traum-Band übrigens dadurch bekommen, dass er dem Meister komplette Transkriptionen seiner (also Zappas) Soli vorlegte – und auch vorspielte. Herr Z. soll überzeugt gewesen sein.

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1987 – 1993 Spätwerk

Musikalisch überlässt Zappa das Gitarrenspiel immer öfter seinen Musikern. Er stellt eine „schleichende Entfremdung“ zur Gitarre fest. „Immer, wenn eine Tour vorbei ist, stelle ich die Gitarre in die Ecke und rühre sie nicht eher als unbedingt nötig an.“ Zappa freundet sich mit dem Synclavier an und beschäftigt sich wieder stärker mit klassischen Kompositionen. In dieser Phase schreibt er ,Jazz From Hell‘, mit dem er 1987 einen Grammy in der Kategorie „Best Rock-Instrumental“ erhält. Diese Phase in Zappas Schaffen ist übrigens vom deutschen Henning Lohner in der Dokumentation „Peefeeyatko“ festgehalten.

Zappas Stellenwert in der modernen Klassik wird erstmals durch die Bearbeitung und Interpretation von Pierre Boulez deutlich, wie durch Kompositionsaufträge namhafter Formationen, vom Kronos Ensemble bis zum Aspen Wind Quartett. Zappa fühlt sich bestätigt in seiner ablehnenden Haltung zur strikten Trennung von U- und E-Musik (also von „Unterhaltender“ und „Ernster“ Musik).

Er besteht auch darauf, nicht Künstler, sondern „Entertainer“ zu sein. „Ich hatte nie die Absicht Rock-Musik zu schreiben“, wird Zappa im August 1993 gegenüber dem „Pulse“ Magazin sagen. „Ich wollte immer Musik komponieren, die Gehalt hat und in Konzerthallen aufgeführt wird. Aber ich wusste auch, dass niemand meine Musik spielen würde. Also dachte ich mir, um jemals etwas von mir zu Gehör zu bringen, muss ich eine Band gründen und Rock spielen.“ Der amerikanische Journalist Steve Lake nimmt diese Selbstdefinition zum Anlass, Zappa als „Komponist mit Tarnkappe“ zu bezeichnen.

Mit dem Album ,Guitar‘ beschließt Zappa 1988 das Touren einzuschränken. Zunehmender Stress, Dissonanzen in der Band und finanzielle Aspekte bringen ihn zu dieser Entscheidung. Er knüpft Kontakte nach Osteuropa und freundet sich bei einem Prag-Besuch mit dem frisch gebackenen Präsidenten Tschechiens – und bekennenden „Mothers“- Fan – Vaclav Havel an, der ihn später sogar zum Botschafter für Handel, Kultur und Tourismus des Landes ernennt, was im amerikanischen Außenministerium für sichtliches Unbehangen sorgt.

Parallel sorgt Zappa mal wieder mit seinem unerschütterlichen Humor für Aufsehen. Er gibt vor, für das Amt des amerikanischen Präsidenten zu kandidieren. Gegenüber dem Magazin „Musikexpress“ sagt er im Interview: „Die USA stecken tief in der Scheiße, dank solcher Flaschen wie Reagan und Versager wie Bush. Ich habe mir das gut überlegt. Mehr Scheiße kann ein Präsident Zappa auch nicht bauen.“

1991 diagnostizieren Ärzte Prostata-Krebs. Zappa intensiviert die Arbeiten in seiner „Utility Muffin Research Kitchen“, bereitet weitere Veröffentlichungen vor (u. a. ,You Can’t Do This On Stage Anymore Vol. 4 – 6‘, 1991 & ’92), regelt seine geschäftlichen Angelegenheiten, und schafft in einem letzten Kraftakt eine Vielzahl an Rock- und Klassik-Platten.

Am 19. Februar 1992 wird Zappa mit dem „Los Angeles Music Award“ für sein Lebenswerk geehrt. Höhepunkt der letzten Schaffensphase ist die Inszenierung von ,The Yellow Shark‘ mit dem Ensemble Modern, das ein letztes Mal seine Auseinandersetzung mit der klassischen Musik des 20. Jahrhunderts und Komponisten wie Varèse, Strawinsky, Schönberg, Webern, Cage, Boulez, Ligeti und dem amerikanischen Ausnahmekünstler Charles Ives zeigt. Als Frank Zappa bei der Uraufführung seines Werkes in Frankfurt im September 1992 das Dirigentenpult geschwächt verlassen muss, ist er bereits vom Krebs gezeichnet.

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Er stirbt am 4. Dezember 1993 in seinem Haus in Laurel Canyon, Kalifornien, kurz vor seinem 53. Geburtstag. Frank Zappa hinterlässt der Nachwelt einen gewaltigen künstlerischen Katalog. Nicht weniger als 60 veröffentlichte Longplayer sind bis heute erhältlich, dazu kommt ein weiterer, bisher nicht einzuschätzender Nachlass, über den seine Witwe Gail zwischenzeitlich mit dem „Zappa Family Trust“ (mehr unter www.zappa.com) einen Vertrag mit der Plattenfirma Rykodisc abgeschlossen hat, die die Exklusivrechte an Zappas Werken, als auch zukünftig geborgene Schätze dann vermarkten wird.