Exklusiv-Interview:

Eddie Van Halen über Gitarren, Amps und Gear-Experimente

EVH_02
FOTO: KEVIN BALDES

Eddie Van Halen ist bei EVH nicht bloß der Namensgeber, wie bei diversen anderen Signature-Produkten, sondern vielmehr – nach dem Steve-Jobs-Modell – der unnachgiebige Patriarch, der glücklicherweise nicht locker lässt, bis alles zu 200% seinen sehr konkreten Vorstellungen entspricht. Bei Van Halens Genie und Erfahrungsschatz muss man dabei anscheinend auch schon mal über 160 verschiedene Pickup-Prototypen bauen lassen, bis schließlich etwas dabei ist, das auch genehm ist.

Ein umgänglicher Mr. Nice Guy zu sein, zählte noch nie zu seinen Ambitionen, aber die große EVH-Anhängerschaft dankt es ihm, denn die ausgereiften, stets vom Meister persönlich live getesteten Produkte sind gut bespielbar, einfach in der Handhabung, robust und vor allem tonal ausgewogen und vielseitig. Wie sollte es auch anders sein, wenn es für Eddie Van Halen gut genug ist? Ich habe mich Mitte April auf den Weg nach Los Angeles in das legendäre 5150 Studio gemacht, um etwas mehr über das Erfolgsgeheimnis der Instrumente und Verstärker des Eddie Van Halen zu erfahren.

Anzeige

Eddie, heute wollen wir mal nur über dein sehr eng mit dir verwachsenes Equipment sprechen. Am allerwichtigsten dabei sind natürlich deine Gitarren und deren Modifikationen: Wie kam es überhaupt dazu, dass du anfingst deine Instrumente zu „verfeinern“?

Eddie Van Halen: OK, du willst wissen, wie wir von damals nach heute gekommen sind. Oh, das kann jetzt ein bisschen dauern … (lacht) Der Grund, warum ich immer meine eigenen Sachen gebaut habe ist, dass ich nicht einfach in einen Laden gehen und kaufen konnte was ich suchte, weil sie es schlicht nicht hatten. Da gab es keine Gitarre im Stratocaster-Stil mit einem Humbucker, sodass ich erst mal selbst eine Gibson mit einer Fender verheiraten musste. Aber das Schrauben fing schon lange davor an. Meine allererste E-Gitarre hatte ich aus einem Elektronik-Zubehör-Laden. Ich mochte den Hals dieser speziellen Gitarre, aber es war eine 12-Saitige. Also nahm ich sechs Saiten runter, und sie funktionierte für mich.

Um meine erste richtige Gitarre zu bezahlen, trug ich Zeitungen aus, weil meine Familie nur wenig Geld hatte. Es dauerte 2- 3 Jahre, um genug für eine Les Paul zu sparen. Ich war ein großer Eric Clapton Fan zu seiner Bluesbreakers-Zeit, und ich hatte ein Bild von ihm, wie er eine Les Paul spielte. Ja, und irgendwann rief mich einer der lokalen Musikhändler an und sagte: „Wir haben eine Les Paul für dich!“. Für einen Musikladen in Pasadena war das eine Sensation, so eine echte Gibson Les Paul zu haben. Ich ging sie mir ansehen und dachte „Mist, es ist eine Goldtop!“ Zudem hatte sie keine Humbucker. Aber es war eben eine echte Les Paul, also nahm ich sie. Als erstes besorgte ich mir einen Meißel und einen Schraubenzieher und machte die Öffnung für die Pickups größer um einen Humbucker einzubauen.

Waren da ursprünglich P90 oder Mini-Humbucker drin?

Eddie Van Halen: P90. Ich mochte den Hals-P90, baute aber einen Humbucker in die Steg-Position. Danach begann ich mit Farben herumzumurksen, weil ich den Goldtop-Look wirklich nicht mochte – damals zumindest. Und ich habe damals eine tolle Gitarre ruiniert: 60er-Jahre-Goldtops sind heute viel wert. Aber, ich lackierte sie schwarz, ich lackierte sie weiß … ich kann mich nicht erinnern was aus der Gitarre geworden ist. Irgendwann kaufte ich mir dann eine Stratocaster und die Band hasste den Sound – zu dünn. Ich persönlich mochte das Brummen nicht. Darum meißelte ich wieder an der Gitarre herum und baute auch da einen Humbucker ein.

War das schon die Gitarre, die später zu deiner Frankenstein mutierte?

Eddie Van Halen: Nein, das war noch davor. Es war eine Original Fender Stratocaster. Das tat es auch erst mal, denn der Humbucker-Sound war OK, aber irgendwann mochte ich den Hals nicht mehr, und den Body eigentlich auch nicht: Ich weiß nicht mehr ob es Erle oder Esche war, keine Ahnung. Also fuhr ich zu Charvel’s Repair Shop, die Teile von Boogie-Bodies verkauften. Ich fragte „Was ist mit den Bodies da?“ Und er sagte, das wären „seconds“. Ich hatte keine Ahnung, was das bedeuten sollte. Ich dachte es wären die nächsten an der Reihe, um zu Gitarren zusammengebaut zu werden. In Wirklichkeit waren es natürlich ausrangierte Bodies mit Schönheitsfehlern, welche eigentlich für den Müll bestimmt waren. Ich fragte, was sie kosten, und so kaufte ich einen Body für $50 und einen Hals für $75 oder $80. Ich dachte, ok, ich baue mir jetzt einfach meine verdammte eigene E-Gitarre! Ich setzte die Teile zusammen, schraubte wieder einen Humbucker rein und sägte mein eigenes Pickguard aus einem Stück Plastik. Ich wusste nicht wirklich, wie die Verdrahtung funktionierte und so schloss ich nur den einen Humbucker und nur ein Poti an, aber es funktionierte und ich war zufrieden. Ja, so kam es zu meiner schwaz-weiß-gestreiften Gitarre.

EVH_01
FOTO: KEVIN BALDES

Wax & Whammy

Eddie Van Halen: Das nächste Problem war: Ich liebte das Vibrato, aber die Gitarre blieb nicht in Stimmung, was mich stundenlang beschäftigte. Irgendwann merkte ich, dass wenn die Saiten vom Sattel zu den Mechaniken angewinkelt abwärts gehen, die Saiten an der Kante des Sattels hängen bleiben und nicht zurückrutschen. Darum wickelte ich die Saiten vom Loch an den Achsen der Stimmmechaniken aus nach oben anstatt nach unten auf, außerdem bohrte ich in die Kopfplatte neue Löcher, um die Mechaniken zu versetzen, sodass die Saiten vom Vibrato über den Sattel zu den Mechaniken absolut gerade verliefen. Zusätzlich feilte ich die Kerben in meinem Messing-Sattel etwas breiter und ölte ihn. Das brachte schon mal eine große Verbesserung, da die Saiten nun weich über den Sattel vor- und zurückgleiten konnten.

Ich ging sogar so weit, dass ich beim Aufwickeln der Saiten diese gleichzeitig am Ball-End mitdrehte, damit sich die Saiten weniger in sich verdrehten. Die Kombination all dieser kleinen Dinge erlaubte mir, beim Spielen mit dem Vibratosystem komplett durchzudrehen, denn es hielt seine Stimmung! Einmal hatten wir einen Gig im Anaheim Stadium zusammen mit Black Sabbath, und Toto war eine der Vor-Bands an dem Tag. Mein Freund Steve Lukather stand während unseres Auftritts auf der Seitenbühne, und er sagte später zu mir: „Wie ist das möglich? Wieso verstimmt sich diese Gitarre nicht bei dem, was du da anstellst?“ Es war alles nur die Aufmerksamkeit für diverse Details. Eigentlich alles simple Sachen, worüber sonst aber vermutlich noch niemand nachgedacht hatte. Ich wusste, da muss es eine Möglichkeit geben.

Und du hast dir das wirklich alles selbst beigebracht, oder hattest du jemanden, der dir solche Sachen gezeigt hat?

Eddie Van Halen: Nein, denn wenn es mir jemand anderes gezeigt hätte, dann hätte er es ja vor mir gemacht. (lacht)

Stimmt auch wieder … (schäm 😉 )

Eddie Van Halen: Oder nicht? (lacht) Der letzte Schritt, den ich machte, als ich mir diese erste Gitarre baute war – und ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung wie ich auf diese Idee kam – dass ich den Humbucker wachste. Der Pickup hatte dieses hohe, unangenehme Quieken, diese Art von direktem Feedback, die man nicht haben will. Ich dachte, vielleicht kommt das von einer Vibration des Wicklungsdrahtes selbst. Also schmolz ich Wachs und hielt den Pickup rein. Ich schrottete viele Pickups weil ich zuerst zu lange wartete. Ich fand dann heraus, dass ein guter Zeitpunkt zum Rausholen war, wenn das Plastik der Pickups zu schmelzen begann. (lacht) Darum waren alle meine Pickups immer etwas kleiner als normal, weil sie von der Hitze schrumpften! (lacht) Aber es vertrieb das Feedback! Heute wachst jede Firma auf der Welt ihre Pickups. Das war es aber dann für viele Jahre, was Modifikationen anging. Irgendwann sprühte ich die Gitarre noch rot. Dann kam das Floyd-Rose-Vibrato. Ich brauchte es eigentlich nicht unbedingt, denn die Gitarre funktionierte gut, so wie ich sie eingestellt hatte.

Aber es war so, eine witzige Geschichte: Drei Jahre in Folge, immer wenn wir in Seattle spielten, kam ein Mann vorbei. Im ersten Jahr meinte einer von der Crew, da wäre jemand namens Floyd Rose der mir etwas zeigen wolle. Also kam er rein, und er hatte da dieses merkwürdige Ding, das so aussah wie eine Waffe. Er erklärte wie es funktionierte mit seinem Klemmsattel und er behauptete, es würde sich nicht verstimmen. Ich gab ihm eine andere Gitarre mit, auf der er es installieren sollte und er kam zurück. Die Schrauben des Klemmsattels waren winzig klein, aber man musste sie feste anziehen, um die Saiten festzuklemmen. Deshalb brachen manchmal die kleinen Schrauben, manchmal brachen die Klemmplatten, zudem waren die Saiten nach dem Festschrauben manchmal zu hoch, manchmal zu tief usw.

Aber das größte Problem war Folgendes: Wenn sich durch mein Rumspringen auf der Bühne der Hals leicht verschob, oder die Stimmung durch Temperaturschwankungen dahin war, musste ich jedes Mal den Klemmsattel losschrauben um die Gitarre nachzustimmen. Das nervte den Rest der Band ziemlich, und die Zuschauer natürlich auch. Also sagte ich: „Scheiß drauf, ich nehme wieder meine alte Gitarre!“ Im nächsten Jahr kam Floyd wieder vorbei und zeigte mir seine Verbesserungen, größere Schrauben usw. Fürs Studio war das Vibrato vielleicht zu gebrauchen, aber live war es weiterhin einfach zu lästig, ständig den Klemmsattel zu lösen um nachzustimmen.

Und dann hattest du selbst eine Idee …

Eddie Van Halen: Genau. Als Kind hatte ich etwas Geige gespielt und ab und zu spiele ich auch heute noch Cello, weil ich das Instrument sehr mag. Ich erinnerte mich, dass Geige und Cello am Saitenhalter Feinstimmer haben. Also sagte ich ihm, dass die Gitarre sich meistens nur etwas verstimmt, und dass Feinstimmer das Problem lösen könnten. So kam er im dritten Jahr stolz wieder und sagte: „Bitteschön!“ Ich meinte nur: „Oh no, you fucking Idiot!“ Was hatte er gemacht? Er hatte Fine-Tuner installiert, aber man brauchte einen Inbusschlüssel, um sie zu drehen! „Mann, ich meinte doch wie bei einer Geige oder einem Cello, hast du dir das nicht mal angeguckt?“ „Aber du wolltest doch Feinstimmer, und hier sind sie …“ „Ja aber jetzt habe ich ja insgesamt neun Schrauben zu bedienen, drei am Sattel und sechs am Vibrato, wo ich auch noch mit dem Inbus ran muss, das dauert ja noch länger als vorher!!!“

Als er dann verstanden hatte wie ich es meinte, ließ er es sich patentieren, ohne mir was davon zu sagen … na ja, so ist das. Wenn es das Floyd Rose nicht gegeben hätte, dann wäre ich beim Fender-Vibrato geblieben, denn ich wusste wie ich es zum Laufen kriege. Aber als die finale Version des Floyd Rose rauskam war die wirklich besser. Viel später, nachdem ich Floyd beim Design geholfen hatte, kam dann schließlich noch der D-Tuna, ein simples Gerät für das Floyd Rose, um mit einem Handgriff die E-Saite auf D runterstimmen zu können. Und das ist, wo wir heute sind.

Beim D-Tuna hast du dir aber das Patent sichern lassen?

Eddie Van Halen: Ja. Ich bin zwar nicht der Einzige, der da involviert war, aber ich besitze das Patent.

EVH
FOTO: KEVIN BALDES

Wolfgang Facts

Machen wir nun einen Zeitsprung zu deiner aktuellen Gitarre, der EVH Wolfgang, benannt nach deinem Sohn, der inzwischen schon seit zehn Jahren den Bass in eurer Band spielt. Auch wenn die Wolfgang völlig anders aussieht als deine langjährige Frankenstein, so finden sich in ihr doch sämtliche gerade besprochene Details und noch weitere Dinge wieder wie Strat-Mensur, unlackierter Hals und natürlich das aufliegende Floyd Rose. Wieso eigentlich aufliegend?

Eddie Van Halen: Warte, ich zeig dir was (er greift sich eine Gitarre). OK, wenn ich Sachen wie das hier spiele (Ed drückt das Tremolo runter, spielt ein Flageolet und lässt das Vibratosystem zurückkommen) denken die Leute, ich würde den Hebel hochziehen – ziemlich simpel. Andere Leute benutzen das Floyd Rose schwebend, sodass sie hochziehen können, aber ich kann so nicht spielen. Ich lege meine Hand auf dem Vibrato ab, und wenn ich es freischwebend hätte, würde es die ganze Zeit „iioeeoh“ machen. Außerdem mag ich es sowieso lieber, wenn alles fest verschraubt ist. Je mehr alles in einer festen Einheit verbunden ist, desto mehr Sustain und Resonanz bekommt man. Außerdem ist es sonst ja so, dass, wenn eine Saite reißt, die ganze Stimmung am Arsch ist …. Sorry, wie war die Frage? Ich hab’s vergessen.

Ähm, ich hab’s auch vergessen.

Eddie Van Halen: Hahaha!

Als du gerade sagtest, du magst es, wenn alles feste miteinander verbunden ist, ist mir eingefallen, dass ein weiteres kleines Detail sich ebenfalls in all deinen Gitarren wiederfindet: Du bist einer der Wenigen, die ihre Pickups mit Holzschrauben direkt in den Korpus schrauben …

Eddie Van Halen: Oh ja, das mache ich seit der black/white Gitarre. Zur einen Hälfte war es wegen meiner Dummheit und Unwissenheit, genauso wie mit der Elektronik. Ich hatte ja mein eigenes Pickguard gemacht, und es war mir zu umständlich mit der Schraube und der Feder usw, außerdem musste ich die Höhe nicht verstellen. Ich maß aus, wo ich den Pickup haben wollte und – boom – ich schraubte ihn fest. Danach erst stellte ich fest, dass es besser klingt, denn der Pickup ist Teil der Gitarre und wackelt nicht herum; genauso wie beim Vibrato. Es sind all diese kleinen Sachen, die oft übersehen werden, aber am Ende bewirken sie viel. Es ist wie bei einem Rennauto: Es kommt nicht darauf an, wie viel PS du hast, sondern wie man es kontrollieren kann, ob es gut ausbalanciert ist, oder natürlich, ob du ein guter Fahrer bist – all das kommt zusammen. Es ist immer mehr als nur eine Sache die zählt. Deshalb loten Matt (Bruck, Mitglied des „Wolfgang“ Design-Teams und Eddies Geschäftsmanager) und ich alles sorgfältig aus, was wir bei EVH machen.

Auf den ersten Blick sieht die EVH Wolfgang der früheren Peavey verblüffend ähnlich, bis auf eine kleine Veränderung an der Kopfplatte. Ich wette, ihr habt unter der Haube aber einiges geschraubt, oder?

Eddie Van Halen: Wir haben die Korpusform minimal verändert, und wie du schon sagst, hier an der Kopfplatte haben wir etwas ausgeschnitten, damit die Leute wissen, dass es keine Peavey ist. Ansonsten gibt es natürlich jede Menge Unterschiede. Zum einen die Pickups, wozu ich dir gleich noch eine kleine Geschichte erzählen kann. Außerdem haben wir Edelstahl-Bünde, was ein sehr wichtiges Upgrade ist, des Weiteren die Potis … (Ed steht auf und holt seine schwarze Stealth-Wolfgang aus dem Nebenraum) Dieses Poti haben wir extra für die letzte Tour anfertigen lassen und es ist nun in allen USA-Modellen verbaut. Guck mal, es ist extrem leichtgängig, und z.B. für ,Cathedral‘ brauche ich genau so ein leichtgängiges Poti.

Das Tone-Poti hingegen ist extra fest, andernfalls würde es sich zu leicht verstellen, wenn man aus Versehen drankommt. Ich kenne sonst keine Gitarre, die Potis mit verschiedenen Reibungseigenschaften hat. Außerdem hatten wir bei früheren Potis das Problem, dass sie irgendwann anfingen zu krachen. Deshalb sind wir froh, nun die Firmen BI Tech und Bourns gefunden zu haben, die uns diese Spezialanfertigungen bauen, für die sie sogar eine Million Drehungen garantieren. Und sie haben auf unserer letzten Tour großartig gehalten. Überhaupt machen wir bei allem zuerst den „Road-Test“, bevor wir etwas in die Gitarre implementieren.

Ich habe gesehen, dass ihr auf der Wolfgang USA Edelstahl-Bünde in Vintage-Größe habt, auf den anderen Gitarren normale Nickel-Bünde, allerdings im Jumbo-Format. Warum der Unterschied im Format?

Eddie Van Halen: Bei der Striped-Serie haben wir die Jumbos, weil sie näher am Original dran sind.

OK, aber bei der Standard und Special sind auch Jumbos drauf, meine ich.

(Matt Bruck, Eddies Business-Partner und Tech, antwortete auf diese Frage) Es ist so: Die Wolfgang USA repräsentiert genau die Instrumente, die Eddie selbst spielt, so wie die Black Stealth und seine neue weiße Relic, obwohl er auf der letzten Tour öfter auch ein normales Standard-Modell gespielt hat. Die größeren Bünde auf der Standard und Special kommen daher, weil sie noch mehr im Einklang mit den Wünschen der EVH-Zielgruppe sind.

Wie ist es bei den Pickups? Da gibt es auch einen Unterschied zwischen der USA-Serie und den anderen Gitarren, stimmt’s?

Eddie: Sie sind alle auf meine Ohren abgestimmt, d.h. sie klingen alle gleich. Die für die USA-Serie sind wie die Gitarre auch in den USA gefertigt, die anderen nicht

Matt: Es ist aber exakt die gleiche Formel: Es sind die gleichen Magnete, der gleiche Draht, die gleiche Anzahl an Wicklungen etc.

Eddie: Sie sind wirklich identisch, nur nicht hier gebaut. Als wir die PUs für die Wolfgang entwickelten, hatten wir zwei Firmen, die jeweils 40 Pickup-Paare für uns bauten. Wir mussten also mehr als 160 Pickups durchprobieren, aber kein einziger gefiel mir. Sie versuchten, das zu bauen, wonach wir fragten, aber es war nichts dabei. Und so sagte ich irgendwann: Wir sind doch hier bei Fender, ihr baut doch auch Strat- und Tele-Pickups, wieso machen wir die Humbucker nicht im Haus? Lasst uns probieren unseren eigenen Pickup zu machen. Und beim ersten Versuch – boom – es war ganz einfach. Der Unterschied war, dass ich dabei sein konnte, während wir mit den anderen Firmen übers Telefon kommunizieren mussten. Und man kann Sound nicht erklären. Ich denke, das ist der wichtigste Teil unserer Firma EVH, dass ich Teil des ganzen sein kann. Es klingt egoistisch, aber alles was wir tun, ist in erster Linie für mich und meine eigenen Vorstellungen. Die Ergebnisse meiner Experimente und Errungenschaften manifestieren sich in den Produkten, welche wir für alle Musiker verfügbar machen. So können auch sie von dem Entwicklungsprozess profitieren, welchen ich und das EVH-Team beim Versuch durchlaufen, uns stetig zu verbessern.

Vor Kurzem habt ihr auch eine Replik des Frankenstein-Humbuckers rausgebracht. Also ist es eine Replik des originalen PAF, der ursprünglich in deiner Gibson ES-335 verbaut war?

Eddie Van Halen: Genau. Mit dem Original ist es so: Ich picke die Saiten sehr hart, und da passiert es öfter, dass die hohe E-Saite am Pickup hängenbleibt, darum klebe ich mir Tape hierhin (zeigt auf ein paar Klebestreifen zwischen Steg-Humbucker und Korpus auf seiner Stealth). Beim Pickup der Frankenstein ist dadurch über die Jahre irgendetwas mit dem Wicklungsdraht passiert. Er ist nicht gerissen, aber irgendein merkwürdiges Phänomen hat den Pickup dadurch verändert und machte ihn im Sound einzigartig. Deshalb haben wir diesen „kaputten“ Pickup analysiert und darauf basierend diese Replik gebaut. Er klingt exakt so wie der in meiner Frankenstein.

 

Strings & Setup

Was deine Fans immer gerne wissen möchten ist, wie du persönlich deine Gitarre einstellst, welche Saitenstärke du spielst usw. Kannst du uns dazu ein paar Details verraten?

Eddie Van Halen: Ich spiele die EVH .009-.042er Saiten, manchmal aber auch deutlich dickere wie z.B. hier auf meiner D2H Gitarre (er zeigt auf eine Hardtail-Wolfgang an der Wand). Mein Setup ist sehr einfach, ich schraube die Saiten soweit runter bis es schnarrt und drehe dann ein bisschen zurück bis es nicht mehr schnarrt. Wer will schon so Gitarre spielen? (Eddie deutet eine idiotisch hohe Saitenlage an). Das Witzige ist: Anfängergitarren sind ja oft so mies eingestellt, dann tun die Finger weh und die Leute hören wieder auf zu spielen. Das ist dumm! Man kann jede Gitarre gut bespielbar machen.

Wie magst du die Halskrümmung?

Eddie Van Halen: Der Halsstab ist fast gerade. Beim Griffbrett mag ich einen flacheren Radius, denn wenn man bei einem runden Griffbrett die Saiten zieht, stirbt der Ton zu leicht ab.

Ist die Form der Hals-Rückseite eigentlich immer noch angelehnt an deine 80er-Jahre Kramer-5150- Gitarre?

Eddie Van Halen: Ah nein, diesmal haben wir nichts kopiert. Es ist mehr nach dem Gefühl meiner Hände entstanden. Der Hals ist relativ dünn und einfach komfortabel für mich; er ist sehr leicht zu spielen, egal ob man große oder kleine Hände hat.

Seit ein paar Jahren spielst du Ebenholzgriffbretter. Wie kam es dazu?

Eddie Van Halen: Ich habe keine Ahnung was mich trieb als ich sagte „Ich möchte Ebenholz ausprobieren“. Es war irgendwie wieder Zeit für was Neues. Ich hatte auch welche mit Palisander getestet; verschiedene Hölzer klingen eben auch anders, und fühlen sich anders an.

Ist hier diese Stealth deine aktuelle Lieblingsgitarre, oder ist es nun die weiße Relic?

Eddie Van Halen: Die weiße habe ich auf der letzten Tour (2015) hauptsächlich gespielt, aber ansonsten wechsle ich meist zwischen diesen beiden. Drüben in meinem Haus spiele ich ein 3-Tone-Sunburst-Modell.

EVH_03
FOTO: KEVIN BALDES

Amps & Sounds

Eddie, vielleicht haben wir noch kurz Zeit über deine Amps zu reden? Klar! Dann würde ich auch gerne noch mal bei den Anfängen nachhaken. Dein erster Main-Amp war dein sagenumwobener 68er Marshall Plexi. Ich habe es immer für einen Spinal-Tap-mäßigen Scherz gehalten, aber ist es wahr, dass du alle Knöpfe auf Vollgas gedreht hattest?

Eddie Van Halen: Yeah, es war und ist die einzige Einstellung, in der der Amp gut klingt. (lacht)

Cool!

Eddie Van Halen: Es war alles voll aufgedreht, und das war natürlich viel zu laut, um in Clubs zu spielen. Darum hatte ich dann irgendwann den Variac-Licht-Dimmer quasi als Leistungsbremse im Einsatz, und ich konnte damit nicht nur das Feedback und die Lautstärke kontrollieren, er schützte den Amp auch davor ständig abzurauchen. Denn wenn ich den Amp einfach so in die Steckdose steckte und alles aufdrehte, dann passierte spätestens nach drei, vier Songs irgendwas Schlimmes oder zumindest flog die Sicherung raus. (grinst) Sogar im Amp hatte ich ebenfalls alles, was man irgendwie drehen konnte, Bias etc., hochgedreht. (lacht) Ich hatte natürlich keine Ahnung davon, was ich da tat.

Andauernd bekam ich eine gewischt und flog durch den Raum. Zu dem Variac kam es dann so: Ich hatte also bereits meinen Plexi und sah eines Tages in einer Zeitungsannonce einen anderen, und ich dachte, den will ich auch noch haben. Denn dort wo ich wohnte, in Pasadena, war es der Wahnsinn, eine Les Paul und einen Marshall zu besitzen – niemand hatte so etwas. Als ich den neuen Plexi dann zu Hause hatte und ihn einschaltete, leuchtete die Lampe nur sehr schwach und es kam kein Ton raus. Ich war sauer, irgendjemand hat mein Geld genommen und mir Schrott angedreht. Ich ließ den Amp zufälligerweise an, und als ich nach drei Stunden wiederkam und ihn nochmal ausprobieren wollte, passierte etwas Interessantes. Ich hatte wie üblich alles voll aufgedreht, und der Amp funktionierte nun, und klang auch wie ein voll aufgedrehter Amp – bis auf die Tatsache, dass er sehr sehr leise war. Ich dachte, was zum Teufel ist los mit dem Teil? Ich guckte auf die Rückseite und sah erst dann, dass es ein europäisches Modell für 220 Volt war. Deshalb dauerte es mit unseren 110 Volt drei Stunden, bis die Röhren aufgeheizt waren.

Ich überlegte: Warte mal – wenn ich die Spannung bei meinem anderen Plexi runterregeln würde, dann klingt er vielleicht genauso wie immer, nur leiser. Ich probierte es zuerst mit einem Licht-Dimmer im Haus, aber es flog sofort die Sicherung raus. Schließlich fuhr ich zu einem Elektronik-Geschäft und frage nach einem „Industrie“-Licht-Dimmer. So kaufte ich ein Teil namens Variac, und ich konnte die Spannung beliebig zwischen 60 und 90 Volt einstellen. Wie gesagt, am Amp war alles voll aufgedreht, und abhängig von der Größe des Clubs benutzte ich den Variac als meinen Lautstärkeregler. Niemand hat damals verstanden, was ich da überhaupt machte, und das hatte auch sonst niemand so gemacht. Später kam dann Tom Scholz mit seinem Power-Soak raus, ich glaube sie hatten dann ein Teil zwischen Verstärker und Box gestöpselt, aber ich blieb bei meinem Variac. Der Plexi wurde übrigens nie modifiziert, er ist immer noch komplett original bis auf meine internen Schraubereien, die ich vermutlich nicht hätte machen sollen (lacht).

Anfang der 90er hast du dich dann entschieden, einen eigenen Amp bauen zu lassen, den ersten Peavey 5150. Wolltest du damals einen neuen Sound?

Eddie Van Halen: Ja, ich wollte einen High-Gain-Amp mit mehr Sustain und fetterem Sound. Ich wollte aber auch einen zuverlässigeren Amp, der nicht mehr abraucht.

Hast du dich damals klanglich noch am Plexi orientiert?

Eddie Van Halen: Ich weiß nicht: Ich wollte schon einen Wechsel. Ich wollte etwas jenseits des Plexi, und wollte außerdem etwas Eigenes. Na ja, eigentlich geht es bei mir andauernd um eine kontinuierliche Veränderung, um Entwicklung. Aber es hat sich gelohnt. Es ist sehr schwer, sich in einen 5150-III oder III-S einzustöpseln und einen schlechten Sound rauszubekommen. Das heißt, du bist schon fast am Ziel, indem du dich nur einstöpselst und das Poti aufdrehst.

Inwiefern habt ihr den Amp denn seit der Peavey-Ära noch weiterentwickelt?

Eddie Van Halen: Oh, sehr viel. Aber die größte Änderung vom Peavey zum EVH 5150-III ist, dass es nun ein echter Drei-Kanal-Amp ist. Beim neuen III-S („5150 III 100S“, „S“ für Stealth, Eddies aktueller Main-Amp) ist der dritte Kanal nun „heißer“ als beim III, wobei der zweite Kanal klanglich identisch mit dem dritten Kanal ist. Also wenn du zwischen Kanal 2 und 3 wechselst, hast du den gleichen Ton, aber fürs Solo hast du so viel mehr Sustain. Das kommt daher, dass sich beim III-S Kanal 2 und 3 die selben Röhren teilen, während sich beim III Kanal 1 und 2 die Röhren teilen. Viele mögen den 2. Kanal des III, aber ich möchte gerne „nahtlos“ spielen, sodass die Leute es nicht hören können, wenn ich den Kanal wechsle. Aber es ist je nach persönlicher Vorliebe, denn der Amp ist sehr vielseitig. Es gibt viele Country-Spieler die 5150-Amps spielen, aber auch die Heavy-Metal-Leute lieben ihn. Aber am wichtigsten ist, dass ich ihn liebe (lacht).

Eddie, vielen Dank für dieses Interview!

Vielen Dank auch.

Mehr über Van Halen und ihre Alben findest du hier.


https://www.musik-media-shop.de/gitarre-bass-6-2016-eddie-van-halen-ac-dc-kim-crimson-kenny-wayne-shepherd-pino-palladino-john-mayer?utm_source=gitarrebass_website&utm_medium=buttonlink&utm_campaign=MEGB1606_gitarre__bass_062016
Playalongs und Karaoke-Versionen von Van Halen-Stücken findest du in unserem Playalong-Shop!

van-halen-walk-on-the-wild-side

5 Kommentare zu “Eddie Van Halen über Gitarren, Amps und Gear-Experimente”
  1. Enrico Rip

    Es fällt Euch nichts Neues ein. Immer wieder Stories über die “alten Säcke”! Nichts gegen Eddie van Halen, er hatte seine Zeit. Aber warum zum Teufel schreibt Ihr nicht mal was über die neue Generation von “Supergitarristen” wie z.B. Steffen Schackinger oder Martin Miller???! Ihr solltet die “alten Säcke” unter Euren Autoren mal austauschen!
    Ich war mal Abonnent von G&B. Heute bin ich nur noch enttäuscht über soviel Retro. Ihr seid nicht mehr am Puls der Zeit! Vielleicht könntet Ihr mal Stellung dazu nehmen!? MfG Enrico

    Antworten
    • Heinz Rebellius

      Hallo Enrico,
      Dein Kommentar in allen Ehren, aber er ist nicht berechtigt. Eddie van Halen ist einer der ganz Großen, und er ist einer, der solch ein Feature absolut verdient hat. Das ist unsere Meinung, und deshalb haben wir dieses Feature auch gemacht. Wenn Dir das nicht gefällt – hast Du es gelesen? -, dann bitte einfach drüber hinweg lesen. Denn in unserem Bestreben, ein möglichst breites Abbild an Gitarren-Musik zu berücksichtigen, erwischen wir immer mal Themen, die nicht unbedingt jedem gefallen. Aber das bringt dieser Ansatz mit sich. Neben Van Halen featuren wir in der aktuellen Ausgabe Gitarristen wie Kenny Wayne Shepherd (Blues), Ellie und Joff von Wolf Alive (Brit-Rock/Pop), Massoud Godemann (Jazz), Jason Isbell (Americana) und Bassist Chuck Rainey (Legende). Letzterer dürfte vielleicht noch als “alter Sack” durchgehen, aber der Rest? Danke auch für die beiden Vorschläge, beides Super-Gitarristen ohne Frage. Und sie würden auch gut ins G&B-Programm passen, warum denn nicht? Das wären nicht die ersten Gitarristen dieser Art, über die wir schreiben würden, Jan Zehrfeld vom Panzerballett hat sogar selbst schon für uns eine Kolumnenreihe geschrieben. Also alles halb so wild, und deutlich weniger Retro, als das bei Dir angekommen ist.

      Antworten
  2. Roger S.

    Was soll der Unsinn von ” nichts Neues, nicht mehr am Puls der Zeit ” etc?
    Es gibt Musiker, die ein ganzes Leben lang (und darüber hinaus) interessant sind und bleiben. Es ist vorbildlich, dass sich G&B auch solchen Künstlern widmet.
    Wer ständig neuesten Trends nachjagt, ist vielleicht mit einem der Teenie-Blättchen, die es zu Hauf am Kiosk gibt, besser bedient…

    Antworten
  3. Volker Lohweg

    Ich kann mich nicht daran erinnern, dass G&B in den letzten Jahren ausschließlich ‘alte Säcke’ gebracht hätte, sondern immer einen Mix zwischen den arivierten und neuen Musikerinnen und Musikern. Klar, gibt es die junden ‘Wilden’ wie Joey Landreth, Josh Smith, Derek Trucks, die oben genannten, usw. usf. Aber viele der Musikerinnen und Musiker wäre ohne Bonny Raitt, Eric Clapton, Jimmy Page, Kossoff auch nichts geworden. Wäre Joe Bonamassa oder J.D. Simo ohne die drei großen ‘K’s heute so erfolgreich? Also, was ich sagen will, alles Neue baut auf etwas Vorhandenes auf. Deshalb gibt es keine ,alten Säcke’ á la Van Halen, sondern nur die, die bereits länger im Geschäft sind und die als Projektionsfläche für ‘Jüngere’ dienen können, aber natürlich nicht müssen.

    Antworten
Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: