Souveräner Sprung in die Moderne

Im Aufwind: Heritage Guitars H-150 Standard II im Test

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(Bild: Dieter Stork)

In good old Kalamazoo/Michigan, früher Heimstatt der Gibson-Produktion, werden immer noch Gitarren gebaut. Heute fertigt dort eine Firma, die das kulturelle Erbe im Namen trägt und sich dementsprechend der traditionellen Fertigung verschrieben hat. Aber auch für Heritage bleibt die Zeit nicht stehen.

Gibson verlagerte seine Produktion ab 1975 nach und nach in neu erbaute Fabrikhallen nach Nashville, Tennessee. 1984 war dann endgültig Schluss in Kalamazoo. Ehemalige Gibson-Mitarbeiter, nicht bereit, den Umzug in den Süden mitzumachen, gründeten daraufhin 1985 Heritage Guitars, um in ihrer angestammten Heimat weiterhin Instrumente in traditioneller Bauweise herzustellen und nutzten dafür auch die alten Räumlichkeiten, Werkzeuge und Maschinen.

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2016 verkauften die alten Inhaber Heritage Guitars an die PlazaCorp Realty Advisors Inc., eine Immobilienentwicklungsgesellschaft, die das Grundstück, auf dem sich die Fabrik befindet, erworben hatte. 2017 ging PlazaCorp eine Partnerschaft mit dem in Singapur ansässigen Tech-Startup BandLab Technologies ein, inzwischen der Mehrheitseigner, um das Marketing und den Vertrieb der Marke weltweit neu zu gestalten. Darüber hinaus schloss man sich mit dem Rolling Stone Magazine zusammen (BandLab-Beteiligung am RSM: 49 %), um im Fabrikkomplex einen Veranstaltungsort für Live-Konzerte, ein Geschäft für Musikinstrumente, ein Aufnahmestudio und auch Proberäume zu etablieren.

ALTES BEWAHREN – NEUES ZULASSEN

Das Modell H-150 ist ein altehrwürdiger Standard der Heritage-Produktion, eher sogar die Flaggschiff-Electric des Herstellers und schon seit Ende der 80er-Jahre im Programm. Aber inzwischen hat sich einiges gedreht bei Heritage, und auch die Produktion wurde neu aufgestellt, etwa mit modernen CNC-Fräsen. Unübersehbar ist die H-150 der Gibson Les Paul Standard nachempfunden.

Um Plagiatsvorwürfen aus dem Weg zu gehen, wurden am Design allerdings schon am Anfang einige Veränderungen vorgenommen. Besonders augenfällig, und für alle Heritage-Modelle angewandt, ist die Formgebung der konisch und recht lang gestalteten Kopfplatte. Das Korpusformat der Single-Cut-Modelle hingegen blieb weitgehend identisch, auch wenn das Cutaway-Horn etwas kürzer und runder gestaltet wurde.

Einteiliger Mahagoni-Body mit Weight Relief und Ahorndecke (Bild: Dieter Stork)

Die aktuell vorgelegte Version der H-150 aus der Standard II Collection vom (ehemaligen?) Siegelbewahrer des traditionell geerdeten Gitarrenbaus macht nun einen überraschenden Schritt in die Neuzeit, denn sie verfügt nicht nur über einen Boden aus Mahagoni mit Weight Relief zur Gewichtsentlastung (für Gibson Les Pauls bereits in den 80er Jahren eingeführt!), sondern darüber hinaus auch noch auf die Schaltoption für einen Wechsel von Serien- auf Parallelschaltung der Pickups!

Aber der Reihe nach: Der immer noch einteiligen, hier aber mit Hohlkammern versehenen Mahagonibasis wurde eine leicht gewölbte Decke aus dezent gemasertem Riegelahorn aufgesetzt, eingefasst von einem cremefarbenen Binding. Am Halsansatz ist der Body rund 5 cm dick, amtliche Brettstärke einer Les Paul also.

Griffiger Hals mit 60s C-Profil und Palisandergriffbrett (Bild: Dieter Stork)

Der eingeleimte Hals aus einteiligem Mahagoni mit angenehm gerundetem 60s C-Profil trägt ein gebundenes Griffbrett aus Palisander von 12″-Radius, dessen 22 Jescar Medium Jumbo-Bünde nach alter Art sorgfältig an die Binding Nibs angepasst eingesetzt wurden. Die Bundenden sind also für ein weiches Greifgefühl abgedeckt. Trapez-Inlays markieren die Lagen.

Die abgewinkelte Kopfplatte mit überarbeitetem „Heritage”-Logo auf schwarzem Grund ist mit hauseigenen Tunern im Grover-Stil ausgestattet. Zwischen dem Sattel aus Knochen und einer Tune-O-Matic-Bridge mit Stopbar schwingen die Saiten in einer Mensurlänge von 62,8 cm.

Klangstarke Heritage Custom Shop 225 Standard Humbucker (Bild: Dieter Stork)

Elektrik: Heritage Custom Shop 225 Standard Humbucker mit Alnico-5-Magneten, im eigenen Haus entworfen und gewickelt, auf Butyrat-Spulen, hergestellt aus 42 AWG-Plain Enamel Lackdraht für die Halsposition und 43 AWG-Poly-Draht für die Stegposition. Die Positionierung der Schalt- und Regelmechanik entspricht dem Standard bei Single-Cut-Gitarren: Dreiwege-Pickup-Wahlschalter auf der Schulter oben vorn; individuelle Volume- und Tone-Regler in bekannter Konfiguration unten hinten. Durch die Push/Pull-Funktion der Tone-Regler ist ein Wechsel von Serien- auf Parallelschaltung möglich.

Auch wenn heute bei Heritage CNC-Fräsen für die groben Arbeiten eingesetzt werden, lässt die Verarbeitung der H-150 doch immer noch viel sorgfältig ausgeführte Handarbeit erkennen. Versiegelt ist das Instrument zudem rundum tadellos, hochglänzend mit Nitro-Lack. Geliefert wird es in einem angemessenen Premium Standard Case.

Handling und Sounds auf Seite 2

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