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Solo Basics: Softly, as in a Morning Sunrise – Teil 3, John Scofield

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Dass John Scofield, ein Großmeister der modernen Jazz-Gitarre, mit seinen mittlerweile 74 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen zählt, ist in einem YouTube-Video zu sehen, das im Januar während des viertägigen, von George Benson veranstalteten Gitarren-Camps ‚Breezin’ With The Stars’ in Phoenix aufgenommen wurde.

Da stand John mit Steve Lukather und Al Di Meola auf der Bühne, und die drei spielten den Miles-Davis-Klassiker ‚All Blues’. Nach der Vorstellung des Themas soliert zunächst John Scofield, und seine drei Chorusse enthalten die berühmte Mischung aus Blues-Licks, klassischem BeBop-Vokabular und Scos Diminished-Trademark-Licks.

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Den Tenor der unzähligen Kommentare auf das Video gibt einer ziemlich treffend wieder: „Scofield schooled them both.” Das liegt sicher auch daran, dass er die legendären Großmeister der Jazz-Improvisation, den Altsaxophonisten und BeBop-Pionier Charlie Parker und den Tenorsaxophonisten John Coltrane, intensiv studiert hat.

1976 war er noch mit der Billy Cobham/George Duke Band Jazz-Rock auf großen Bühnen. Am 4. November 1977 wurde im Münchner Jazz-Club Domicile das Album ‚Live’ für das deutsche Label Enja aufgenommen. Mit von der Partie waren der Pianist Richie Beirach, der Kontrabassist George Mraz und der Schlagzeuger Joe LaBarbera.

Uns interessiert hier natürlich die 15-minütige Version des Quartetts von ‚Softly, as in a morning sunrise’. Johns Solo erstreckt sich über sieben Chorusse. Er spielte wohl damals noch seine Gibson ES-335 über einen Ampeg B-12-Portaflex Bass-Combo, dessen kleine Endstufe ins Clipping gefahren wurde und so den Gitarrenton leicht anzerrte.

Beispiel 1 zeigt den dritten Chorus des Gitarren-Solos akribisch notiert, mit Fingersätzen für die linke Hand und der so wichtigen Legato-Technik. An markanten Stellen wurde auch das verwendete Tonmaterial analysiert. Die oben schon angesprochenen BeBop-Roots sind fast durchweg hörbar, poppen aber bei dem Zitat aus Charlie Parkers Klassiker ‚Donna Lee’ besonders deutlich auf. Über Dm7b5/G7b9 hören wir öfter G-Alteriert. Die in D-Harmonisch Moll 5 gehaltene Phrase in Takt 21/22 kann ihr Charlie-Parker-Gen kaum verbergen.

John Coltranes energetische, 1961 entstandene Live-Version von ‚Softly, as in a morning sunrise’ (‚Live At The Village Vanguard’) hat John Scofield mit Sicherheit intensiv gehört. Beispiel 2 zeigt zwei A-Teile und einen B-Teil aus dem legendären Sopransaxophon-Solo. Überträgt man Coltranes Legato-Spiel auf die Gitarre, klingt das sofort nach Scofield. Die C-Melodisch-Moll-Linie in Takt 12-14 ist nur mit kräftigen Überstreckungen spielbar.

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2026)

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