Das Modell Masquerader der 70er-Jahre gehörte mit seinen ausladenden Hörnern zu den markanten englischen Designs der frühen Produktionsphase von Shergold. Für die aktuelle Neuinterpretation wurden unter anderem die üppigen Dimensionen des Originals zu einem handlicheren Korpus verschlankt und die Elektrik nach aktuellen Maßstäben standardisiert.
Hinter dem Re-Design der seit 2017 wieder erhältlichen Shergold-Modelle steht kein Geringerer als der renommierte englische Gitarren-Designer Patrick James Eggle. Mit modernen Interpretationen der vor allen Dingen bei englischen Bands der 70er- und 80er-Jahre (Genesis, New Order, Joy Division) beliebten Electrics zeigt Shergold Guitars, was heute auch im unteren Preisbereich so alles möglich ist.
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BASICS
Die in China und Indonesien gefertigten Shergold-Instrumente werden vor der Auslieferung im UK nochmals sorgfältig auf Spielbereitschaft geprüft und eingestellt. Zum Testmodell ist zu lesen: „Die Shergold Masquerader verkörpert das Wesen des britischen Rock ’n’ Roll. Diese moderne Neuinterpretation der legendären britischen Gitarre verweist dezent auf ihr Erbe aus den 1970er-Jahren, schlägt dann aber rasch eine ganz eigene Richtung ein.“
Das trifft es ganz gut, auch wenn die Masquerader von den drei bisher herausgebrachten Modellversionen noch am ehesten mit dem Original vergleichbar ist – zumindest, was das Body-Shaping angeht.
Aktualisierter Body mit Konturen an den richtigen Stellen. (Bild: Dieter Stork)
Die Details: Für den massiven Korpus der Masquerader (Maskenträger) von knapp 4,5 cm Brettstärke setzte man Solid Poplar, also Pappelholz, ein. Body-Konturen finden wir für die Armauflage vorne hinten und zur stressfreien Anlage am Boden oben. Hilfreich überdies auch der Kehlschnitt im Bereich der Halsaufnahme.
Der mit einer vierfachen Schraubverbindung auf den Body montierte Hals aus Solid Canadian Roasted Maple ist mit einem Griffbrett aus Laurel (Lorbeer) von 12“ Radius ausgestattet, in dem 22 Hard-Nickel-Medium-Jumbo-Bünde erfreulich sorgfältig angepasste Abfasung an die sauber entgrateten Griffbrettkanten zeigen. Zur Griffbrettmarkierung wurden Streifen horizontal zwischen die Bünde eingelegt.
Die parallel herausgeführte Kopfplatte mit Shergold Logo auf schwarzer Front ist mit Locking-Mechaniken bestückt, deren gestaffelt hohen Wickelzylinder für ausreichenden Andruck der Saiten auf den Sattel aus Kunststoff (Synthetic Bone) sorgen. Zugriff auf den eingelegten 2-Wege-Halsstab gibt es ebenfalls vom Kopf her.
Am Korpus werden die Saiten über eine String-thru-Body-Fixed-Bridge mit einzeln in Höhe und Länge verstellbaren Saitenreitern geführt. Lob gibt es für die dank versenkter Madenschrauben angenehm glatte Oberfläche der Brücke.
Elektrik: Die elektrische Ausstattung der Masquerader ist auf klangliche Beweglichkeit ausgelegt und besteht aus einem Mix von Soapbar-P-90 und Humbucker ohne Kappe. Beide Pickups verfügen über AlNiCo5-Magnete. Kontrolle lässt sich über generelle Volume- und Tone-Regler ausüben; angewählt werden die Tonabnehmer konventionell per 3-Wege-Kippschalter.
Der Blick ins recht großzügig gefräste und mit abschirmendem Lack ausgepinselte Elektrofach zeigt schlichte Komponenten, inklusive Mini-Pots. Zu erwähnen bleiben noch das recht großzügig gestaltete, dreilagige Pickguard und gut große Gurtpins.
Der Korpus wurde makellos hochglänzend in Quartz White lackiert, der Hals samtig matt versiegelt. Der Gitarre können wir eine rundum stimmige Verarbeitung in achtbar hochklassigem Industriestandard testieren.
BUTTER BEI DIE FISCHE
Kein leeres Versprechen: Die Masquerader von Shergold kam tatsächlich sauber eingestellt, mit schnarrfrei tief eingerichteter Saitenlage zum Test. Nur etwas Finetuning noch, und schon kann es losgehen.
Canadian Roasted Maple Neck mit Lorbeergriffbrett und sauberer Bundierung. (Bild: Dieter Stork)
Und erstaunlich gut geht es los, denn der Hals greift sich mit seiner kraftvoll, aber nicht zu stark ausgebauten D-Form, bei 42 mm-Sattelbreite und samtiger Versiegelung, einfach erfreulich gut. Besonders erwähnenswert ist dabei die zuvor schon angemerkte weiche Abrundung der Griffbrettkanten. Dazu gesellt sich auf den ersten Anschlag hin dann auch noch ein offenes, bestens ausgeglichenes Akkordbild, das mit Vitalität und Schwingfreude zu überzeugen vermag.
Die mehr als ordentlichen akustischen Eigenschaften der Gitarre werden von der auf Flexibilität hin ausgerichteten Elektrik dann auch angemessen umgesetzt.
Der P-90 in Halsposition kommt zunächst mit sauber aufgelösten, kernig frischen Sounds in Stellung. Klangfarbliche Abstimmung, stimmliche Separation, harmonische Geschlossenheit – alles gut! Der Soapbar vermittelt Akkorde mit Transparenz und bester Präsenz.
In der Abteilung Clean erweist sich dieser Pickup als erfreulich kompetent, überzeugt mit trockenen, eher schlanken Bässen, griffigen Mitten und glasig perlenden Höhen. In höheren Gangarten lässt er sich aber auch nicht lumpen und zeigt, was geht: mit einem gewissen Growl bei knochig abfedernden Powerchords und perkussiv markanten Linien, die wie Perlen auf Schnur gezogen wirken.
Wir wechseln auf den Humbucker am Steg und hören zunächst eng gefasste und kompakt eingebundene Akkorde. Neben knackig-holzigen Bässen und nicht zu stark komprimierten Mitten bieten diese auch noch richtig ordentliche Höhen. Damit lässt sich bei klar eingestelltem Verstärker akzentuierte rhythmische Arbeit locker austanzen.
Der Output ist leicht angehoben, was im Zerrkanal für ordentlich Boost sorgt. Straff und „straight into the face“ federt der Ton ab, lässt sich sensibel und dynamisch mit dem Anschlag steuern und steht lang und fest. Ein Sound mit guter Obertonfarbe, der so gut wie nichts vermissen lässt. Auch Effektgeräte lassen sich mit diesem Humbucker bestens anfahren.
Gut klingender und flexibel einsetzbarer Pickup-Mix aus P-90 und Humbucker. (Bild: Dieter Stork)
Erfreulich auch der Mix aus beiden Pickups in Schaltstellung Mitte. Die Kehligkeit, das Glas im Ton ist nochmals stärker ausgeprägt, was uns aber schön frisch abrollende und mit Silberglanz überzogene Sounds an die Hand gibt.
Sehr schön bei leicht schmutzigem Crunch, aber auch charaktervoll speziell in gehobenen Gain-Einstellungen. Und ja, wie beim P-90 allein ist auch die Kombination mit dem Humbucker nicht ganz ohne Nebengeräusche zu haben. Damit kann man aber leben, denn dafür bekommt man Charakter, und die Entstehung guter Musik hat das auch noch nie verhindert.
Gibt es denn wirklich nichts Abträgliches zu finden? Nun, eine Kleinigkeit gibt es dann doch: Die verbauten kleinen Potentiometer sind mit ihrem Wirkungsgrad natürlich nicht optimal. Vor allem der Volume-Regler nimmt beim Zurückdrehen sofort Höhen heraus, wodurch die Vitalität stark nachlässt. So what? Wer ohnehin immer mit Volllast fährt, hat damit kein Problem. Ansonsten ist es eine leichte Übung, das nachzubessern.
RESÜMEE
Die Maske kann getrost abgelegt werden, denn dahinter verbirgt sich ein für seine Preisklasse erstaunlich tüchtiges Instrument. Patrick Eggle hebt das runderneuerte Shergold-Masquerader-Design auf ein aktuelles Niveau mit rundum tadellosen Handhabungseigenschaften und sonorer Leistungsfähigkeit.
String-thru-Body Fixed Bridge mit beweglichen Einzelreitern. (Bild: Dieter Stork)
Der angemessen kraftvoll gestaltete Hals aus geröstetem Ahorn mit sauberer Bundierung und Top-Saitenlage, dazu überaus griffig samtweich versiegelt, bietet kaum zu überbietenden Spielkomfort. Für flexible Klanggestaltung und erstaunlich hochwertige Sounds, die sich in allen Schaltstellungen und Betriebsarten bewähren, sorgt der Pickup-Mix aus Soapbar-P-90 und Humbucker.
Kurz: Die Shergold Masquerader Standard SM11 ist ein stimmig konstruiertes und sauber gefertigtes Instrument, das sich gut anfühlt, perfekten Griffbrettzugang bietet und mit mehr als achtbaren elektrischen Sounds auftritt. Junge, junge: da guckst du, was im Preisbereich um die 500 € heute so alles möglich ist. Top!