Die Perlen des Gebrauchtmarkts

Kleinanzeigen Heroes: Cort TRG-1 & Ibanez SZ320

Anzeige

Günstige Arbeitstiere, unterschätzte Underdogs, übersehene Youngtimer und vergessene Exoten: In den „Kleinanzeigen Heroes“ stellen wir euch die Geheimtipps des Gebrauchtmarkts vor, die einen maximalen „Bang for the buck“ liefern.

Anzeige


Mit zwei Humbuckern, Bigsby und Tune-o-matic, ebenfalls hohl: TRG-2. (Bild: Cort)

Cort TRG-1

Lange bevor „Influencer” eine Berufsbezeichnung war, setzte Cor-Tek auf große Namen, um seine Marke aufzuwerten. Eine der spannendsten – und heute fast vergessenen − Kooperationen war die mit dem amerikanischen Gitarrenbauer Jim Triggs.

Doch vor allem US-Musiker folgten dem Lockruf aus Korea: Larry Coryell, Joe Beck, Matt „Guitar” Murphy, Billy Cox, Hiram Bullock und einige andere ließen sich Signature-Modelle bauen – oft mit hoher Qualität zu moderaten Preisen. Und eben auch Jim Triggs, der im Übrigen nicht der einzige Gitarrenbauer war, der mit Cor-Tek zusammenarbeitete; auch die Schweizer Claudia und Claudio Pagelli lieferten damals Designs nach Korea.

TRIGGS – WER?

Vor einigen Jahren stieß ich in einem Gitarrenladen zufällig auf eine Cort TRG-1. Die Gitarre gefiel mir außerordentlich gut, aber der Name Jim Triggs sagte mir zunächst nichts, ich verortete ihn eher als mir unbekannten amerikanischen Jazz-Gitarristen. Doch dann erfuhr ich, dass Triggs sich erst als Hersteller exquisiter Mandolinen einen Namen gemacht hatte und 1986 von Gibson verpflichtet worden war.

Die Dritte im Bunde: TRG-Chamber (Bild: Cort)

Im Custom Shop in Nashville betreute er vor allem die Produktion von Arch-Top-Gitarren und Mandolinen und war in seinen sechs Jahren unter dem Gibson-Banner auch als Leiter des Custom Shops und der Artist-Relations-Abteilung aktiv. 1992 gründete er dann mit seinem Sohn Ryan in Lawrence, Kansas, seine eigene Firma. Inspiriert von Legenden wie John D’Angelico, Elmer Stromberg und Lloyd Loar, zählen seine handgefertigten Einzelstücke heute zu den begehrtesten Archtops weltweit.

CORT TRIGGS-SERIE

Kein Wunder also, dass Cort damals auf eine Zusammenarbeit mit Triggs setzte, mit dem Ergebnis, dass zwischen 1998 und 2004 eine unter dem Cort-Label von Jim Triggs designte Serie mit drei Modellen erschien:

  • TRG-1: 16″-Hollowbody mit laminiertem Korpus in 4,6 cm Stärke, zwei „Teardrop”-F-Löchern, einem Hals-Humbucker von Mighty Mite, Aufsatzsteg, 24,75″-Mensur – eine moderne Jazzgitarre.
  • TRG-2: 16″-Hollowbody in 4,6 cm Stärke, mit Fichtendecke, zwei „Teardrop”-F-Löchern, zwei Mighty-Mite-Humbuckern, Lizenz-Bigsby, Tune-o-matic-Style Steg, 24,75″-Mensur – ein frecher Seitenblick auf Gretsch.
  • TRG-Chamber: Halbmassives Modell mit Rickenbacker-inspirierter Korpusform, einem „Teardrop”-F-Loch, 24,75″-Mensur – ein scheuer Versuch in Richtung Thinline Tele, mit meiner Ansicht nach einem weniger gelungenen Design.

Gefertigt wurden die Gitarren zunächst in Korea, später bis zur Einstellung der Serie in 2004 in Indonesien.

MEINE TRG-1

Jazz-Box mit Stil: Cort TRG-1 (Bild: Rebellius)

Die TRG-1 aus dem oben erwähnten Erstkontakt habe ich damals nicht gekauft, weil sie in einem merkwürdigen Türkisgrün lackiert gewesen war. Doch neulich lief mir unerwarteterweise bei Jochen Imhof von Sign Guitars in Aachen eine in Amber-Orange lackierte TRG-1 über den Weg, die ich dann sofort kaufte. Das Design der TRG-1 ist im besten Sinne des Wortes eigenartig, Jim Triggs hatte hier ganze Arbeit geleistet.

Klanglich überzeugt die Gitarre mit einem offenen, leichtfüßigen Ton – jazzig, bluesig bis avantgardistisch, aber nie muffig, nie langweilig. Der Hals liegt angenehm in der Hand, die Verarbeitung ist makellos. Insgesamt ist die TRG-1 ist ein echter Hingucker und ein richtig gutes Instrument, das selbstbewusst auch neben dem höherpreisigen Mainstream bestehen kann.

INFOS & PREISE

Alle drei TRG-Modelle sind nur selten auf Verkaufsplattformen zu finden – ein Hinweis auf die begrenzte Produktionsmenge. Die Preise liegen meist zwischen 300 und 400 Euro, was angesichts von Verarbeitung, Spielgefühl und Design eine mehr als faire Ansage ist. Ein echter Geheimtipp für Liebhaber besonderer und gleichzeitig bezahlbarer Gitarren!


(Bild: Ibanez)

Ibanez SZ320

Auch bei der meist so kalkuliert aufgestellten Marke Ibanez gab es immer wieder einmal Modelle, die im Schatten von anderen standen. Neulich lief mir solch ein Mauerblümchen über den Weg − die SZ320, wobei „Mauerblümchen” es nicht ganz trifft, denn die SZ320 ist alles andere als ein zart besaitetes Pflänzchen …

Aber − die Ibanez SZ320 ist ein absolut unterschätztes Modell, ein Kaltblüter, der neben den Rennpferden der RG-, S- und SA-Serien ein recht bescheidenes Dasein fristete. Denn diese SZ320 ist vor allem eins: keine Shred-Maschine! Wenn es eines Gegenentwurfs zu den „schnellen” Erfolgsmodellen gebraucht hätte, dann ist das die SZ320, mit Features wie diesen:

  • Mahagoni-Korpus mit gewölbter Ahorn-Decke in einer satten Stärke von 47 mm
  • eingeleimter, dreiteiliger Mahagoni-/Ahorn-/Mahagoni-Hals mit Palisander-Griffbrett inkl. Binding, fettem Profil und 22 Medium-Jumbo-Bünden
  • kein Vibratosystem, sondern eine massive Gibraltar-III-Brücke mit Saitenverlauf durch den Korpus
  • mit SZ1 und SZ2 zwei Ibanez Humbucker (ab 2005 Duncan-designed Ibanez Humbucker)
  • Regler: 2x Volume, 1x Master-Tone, 3-Wege-Toggle

Dank dieser Features fühlt sich die SZ320 wie eine Schwester der Les Paul an, wobei die Mensur von rund 25″ und das Double-Cutaway-Design auch einen Hauch PRS versprüht. Und genauso bodenständig spielt sich diese Gitarre auch – ein kräftiges C-Halsprofil, ein 12″-Griffbrettradius, eine Volute am Übergang zur Kopfplatte, die Bestückung mit zwei Ibanez-Humbuckern und eben diese wirklich massive Einteiler-Brücke sprechen eher den soliden Hard-Rocker, den riffrockenden Metaller und sicher auch den Blueser an, aber nie und nimmer den Shredder − bekanntlich Ibanez’ Hauptklientel.

SOUND

Die SZ320 klingt denn auch tatsächlich so, wie sie aussieht: kraftvoll, satt und durchsetzungsstark. Das Zusammenspiel der traditionellen Materialien wie Mahagoni und Ahorn sorgt für warme Mitten, gepaart mit einer guten Definition und Klarheit, was auch durch die im Vergleich zur Les Paul etwas längere Mensur unterstützt wird. Das hilft gerade bei viel Verzerrung und Down-Tunings der Durchsetzung im Band-Getümmel und arbeitet einem indifferenten Klangbild entgegen.

Mit der SZ-Serie reagierte Ibanez zwar gewohnt zielstrebig auf den damaligen Metal-Trend der frühen 2000er-Jahre, der eben viel Verzerrung und Down-Tuning forderte – allerdings waren sie in diesem Sektor nicht die Einzigen! Hersteller wie ESP/LTD, Schecter, B.C. Rich, Dean und einige andere richteten damals ihre Modellpalette und ihr Image komplett nach diesen erfolgreichen Hard-Rock- und Metal-Strömungen aus, während Ibanez nach wie vor und bis heute erfolgreich auf allen musikalischen Hochzeiten tanzt.

Das SZ-Line-Up im Ibanez Katalog 2005 (Bild: Ibanez)

Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, warum die SZ-Serie unter dem Radar fliegt. Als Folge davon bekommt sie heute immerhin einen Auftritt als günstig zu bekommende Kleinanzeigen-Heldin mit großen inneren Werten.

PREISE

Diese SZ320 blieb bis etwa 2006 im Programm, wurde für ein Jahr von der SZ 320EX abgelöst, bevor die etwas stromlinienförmige SZR-Reihe auf den Plan kam. Parallel zur SZ320 gab es zudem mit der SZ320MH noch ein Voll-Mahagoni-Modell ohne Ahorndecke. Erhältliche Farben waren anfangs Black, Metallic Black und Brown Sunburst, ab 2005 kam dann noch Gold dazu.

Eine schwarze SZ320 hat 2004 im Laden rund 550 Euro gekostet, inflationsbereinigt wären das heute etwa 836 Euro. Die hier vorgestellte wechselte ihren Besitzer für schmale 250 Euro, und dass dieser Preis keine Seltenheit ist, bestätigt eine kurze Recherche auf den üblichen Portalen. Wer also eine bodenständige, ehrliche, unaufgeregte und zuverlässige Gitarre im Niemandsland zwischen Les Paul und PRS sucht, der ist mit einer Ibanez SZ320 richtig gut bedient!


(erschienen in Gitarre & Bass 08/2026)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.