Ibanez

Erfahre mehr über den Gitarren-Hersteller Ibanez, der heute sowohl Kultmarke als auch World-Player des Musik-Business ist.

Die Marke Ibanez kann nicht nur auf eine lange spannende Geschichte zurückblicken, eine extreme Modellvielfalt aufweisen, mit großartigen Endorsern wie Steve Vai, Joe Satriani, Paul Gilbert, George Benson, Pat Metheny oder Andy Timmons werben – Ibanez hat es in den vergangenen 50 Jahren ohne Frage geschafft, sowohl eine Kultmarke als auch ein World-Player des Musik-Business zu werden. Gitarre & Bass hat diese Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten sehr aufmerksam verfolgt. Mehr über Ibanez erfährst du übrigens auch in der Ibanez-Ausgabe.

 

Die Firmengeschichte von Ibanez

Timeline: Alle Ibanez Instrumente im Überblick 

Der Ibanez Custom Shop

 

 

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Die Firmengeschichte von Ibanez

In seiner 100-jährigen Geschichte ist für den japanischen Hersteller Hoshino Gakki der uramerikanische Tellerwäscher-Mythos tatsächlich Wirklichkeit geworden. Denn aus einem kleinen Buchladen entwickelte sich einer der größten und effektivsten Hersteller der Musikinstrumenten-Historie.

Ibanez Story Opener

Die Geschichte dieser Firma ist eine wechselvolle und interessante, die nicht nur von Erfolgen, sondern auch von Rückschlägen, aber vor allem von einem ungebrochenen Vertrauen in die Zukunft geprägt ist. Dabei ist der Begriff „Hersteller“ eigentlich irreführend, denn bis auf die Akustik-Gitarren-Fabrik Tama und eine zeitweilig betriebene, kleine Manufaktur in den USA hatte Hoshino nie eigene Produktionsstätten besessen, sieht man von den ersten Anfängen der Gitarrenproduktion in den 30er-Jahren ab.

Schon immer haben verschiedene Firmen wie Fujigen Gakki, Terada und Maxon, später auch Cort oder Samick in Korea und viele weitere im asiatischen Raum, Instrumente und elektronische Geräte im Auftrag der Firma Hoshino gefertigt, die sich selbst eher als innovative Handelsfirma versteht. Ein Konzept mit historischen Wurzeln, denn angefangen hat alles in einer Hafenstadt etwa 300 km südwestlich von Tokio, die bereits im Mittelalter als Handelszentrum bekannt war.

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Wann wurde Ibanez gegründet?

1908 gründete Matsujiro Hoshino in Nagoya zunächst einen Buchhandel, der später als Hoshino Gakki Co., LTD, Gitarren-Geschichte schreiben sollte. Bereits ein Jahr später wurde das Sortiment um Musikinstrumente erweitert, vor allem um Harmoniums und Orgeln für das Schulministerium, das bereits Kunde des Hoshino-Buchladens gewesen war. Eine frühe Sensation war die Eröffnung eines Orgel-Showrooms, einmalig zu dieser Zeit.

Um die Nachfrage nach Konzertgitarren befriedigen zu können, begann Hoshino Gakki 1921 mit dem Import von Instrumenten aus Europa und den USA, darunter ab 1929 auch Klassik- Gitarren des spanischen Hersteller Salvador Ibanez aus Valencia, denn nach einer Andres-Segovia-Tournee durch Japan boomte die spanische Konzert-Gitarre im Land der aufgehenden Sonne. Das Programm des noch jungen Großhandel-Unternehmens wurde ständig erweitert und schon in den 30er-Jahren bereicherten Mandolinen und Schlagzeuge aus Italien und Deutschland sowie Ludwig-Drums aus USA den japanischen Markt.

Yoshihiro, Jumpei und Masso Hoshino
Yoshihiro, Jumpei und Masso Hoshino 1962

Da ab etwa 1935 Salvador Ibanez die enorm gestiegene Nachfrage nach seinen Gitarren nicht mehr erfüllen konnte, entschloss sich Yoshitaro Hoshino, der mittlerweile zusammen mit seinen vier Söhnen die Geschicke von Hoshino Gakki Ten leitete, nun selbst Gitarren zu bauen und errichtete in der Nähe des Firmensitzes eine eigene Manufaktur mit ca. 30 Mitarbeitern.

Weil Hoshino sich nicht nur auf den Import konzentrierte, sondern in immer größerem Maße auch dem Export vor allem in andere asiatische Länder widmete, war die Nachfrage nach den neuen Ibanez- Gitarren groß. Richtig, auch die eigenen Gitarren hießen Ibanez – Hoshino wollte die Marken-Kontinuität wahren und strich einfach nur das Salvador aus dem bereits bekannten Markennamen. Bereits 1937 fertigte Hoshino mehr als 1000 Gitarren im Monat – eine gigantische Stückzahl für die damalige Zeit. Dann kam es hart für die erfolgreiche junge Firma.

1939 zerstörte ein Feuer die komplette Gitarrenfabrik und gerade, als man sich davon erholt und eine neue Produktion auf einem deutlich geringeren Level aufgebaut hatte, begann der zweite Weltkrieg, infolge dessen nicht nur alle vier Söhne des Unternehmers an die Front beordert wurden, sondern auch der gesamte Hoshino-Besitz im Bombenhagel völlig zerstört wurde. Dies geschah am 19. März 1944. Erst etwa ab 1950 nahm Hoshino Gakki langsam wieder den Großhandelsbetrieb auf – zusammen mit seinen Söhnen, die alle gesund aus dem Krieg wieder gekommen waren.

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Ibanez in den Sechzigern

1962 entschied Jumpei Hoshino, der jetzt die Firma leitete, dass wieder selbst Gitarren gebaut werden sollten. Man errichtete ein neues ca. 6000 qm großes Gebäude, in dem E-Gitarren und Verstärker hergestellt wurden, und nannte die neue Firma Tama Saisakusho, nach der Frau von Yoshitaro Hoshino. Ibanez war mittlerweile die Hauptmarke von Hoshino geworden, die aber auch noch viele Fremdmarken für asiatische und auch westliche Firmen baute. Ab 1966 entschloss man sich allerdings, in diesem Werk nur noch die Tama-Schlagzeuge herzustellen und die Gitarren von anderen Fabriken wie Fujigen Gakki oder Teisco bauen zu lassen.

Ab Anfang der 60er-Jahre begann die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Elger Company – eine der ersten Firmen, die asiatische Musikinstrumente in die USA importierte. Interessanterweise handelte es sich bei den ersten erfolgreichen Produkten auf dem amerikanischen Markt nicht um Gitarren, sondern um Plektren im Tortoise- Shell-Look. Fast zeitgleich startete auch die Zusammenarbeit mit dem deutschen Vertrieb Roland Meinl Musikinstrumente GmbH & Co.. Bis die Instrumente in den USA und Europa in die Läden kamen, dauerte es allerdings noch ein Weilchen.

Die ersten Ibanez-Gitarren enterten dann ab 1967 den amerikanischen Markt. Zunächst handelte es sich um recht futuristisch anmutende Eigenkreationen, die meist entfernte Ähnlichkeiten mit Fender-Gitarren aufwiesen, mit einer inflationären Anzahl von Knöpfen und Schaltern ausgestattet waren und noch kein Logo trugen.

Erst Ende der 60er-Jahre wurde der Markenname Ibanez wieder eingeführt – meist mit einem aufgenagelten Metall-Logo im Spaghetti-Stil auf der Kopfplatte verewigt. Kurze Zeit später konzentrierte man sich jedoch darauf, „cheap alternatives“ zu produzieren: günstige und möglichst ähnliche Kopien der großen US-Vorbilder von Gibson, Fender oder Rickenbacker. Die so genannte Pre-Lawsuit-Ära-brach an.

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Ibanez Pre Lawsuit

1970 wurden die ersten Kopien in den USA verkauft. Es handelte sich dabei um das Modell 2020 (eine an die Fender Stratocaster angelehnte Gitarre, jedoch mit zwei Singlecoil-Pickups in P-90-Form) und um das Bass- Modell 2030 – inspiriert vom großen kalifornischen Vorbild Fender Jazz Bass. Etwas später kamen die ersten Les-Paul-Kopien mit Schraubhals auf den Markt. Die Ibanez-Version der schwarzen Les Paul Custom avancierte später zum Bestseller und ist bis heute die weltweit am meisten verkaufte Gibson-Kopie. Ebenfalls neu im Programm waren Kopien der Ampeg-Dan-Armstrong- Acryl-Gitarren und -Bässe. Die Nachbauten von Ibanez und anderen japanischen Herstellern überschwemmten von nun an den westlichen Markt und machten den Herstellern in USA und Europa das Leben schwer.

Auch die großen Marken spürten den heißen, gelben Atem im Nacken, denn qualitativ schwächelten die Gitarren von Fender und Gibson Mitte der 70er-Jahre sowieso, währenddessen die wesentlich günstiger angebotenen Ibanez-Kopien nicht nur fast so wie die US-Originale aussahen, sondern sich mittlerweile qualitativ ebenfalls sehen und hören lassen konnten. 1972 besiegelten Hoshino und Elger und dessen Boss Harry Rosenbloom einen Partnerschaftsvertrag.

Ein Entschluss, der für den immensen Erfolg und Aufstieg der Marke Ibanez von ungeheurer Wichtigkeit war. Denn dank der Partner-Firma in den USA, die später sogar in Hoshino USA umbenannt wurde, war man stets am Puls der Zeit – was hieß, dass Hoshino direkt vor Ort war, wenn neue Musik-Trends und neue Musiker bekannt wurden. Ohne den ganz direkten Bezug zu diesen Marketing-Möglichkeiten und neuen Produkt-Ideen, die alleine durch die intensive Zusammenarbeit mit bekannten amerikanischen Musikern entstanden, würde Ibanez heute sicherlich ganz anders da stehen. Man stelle sich nur ein Ibanez- Programm ohne George Benson, Steve Vai und Joe Satriani vor – um nur ein paar wenige zu nennen …

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Ibanez Lawsuit Phase

Der große Erfolg der Kopien amerikanischer Gitarren führte schließlich zum viel zitierten Lawsuit, übersetzt: Rechtsstreit. Mitte der 70er-Jahre drohte der damalige Gibson-Mutterkonzern Norlin Harry Rosenbloom und Elger mit einer Klage. 1977 wurde das Verfahren eröffnet. Norlin wollte damit verhindern, dass Ibanez-Gitarren mit dem Gibson typischen „Open Book Headstock“ auf der NAMM-Musikmesse in Atlanta präsentiert werden konnten; als schützenswertes Markenzeichen mit dem höchsten Erkennungswert galt für Gibson-Gitarren also die Kopfplattenform. Jedoch war man sich bei Elger bereits vorher darüber im Klaren gewesen, dass sich die amerikanischen Hersteller nicht ewig die frechen Kopien aus Fernost würden gefallen lassen würden.

Jeff Hasselberger, seit 1973 maßgeblich für die Produktpolitik bei Elger verantwortlich, hatte daher schon früh mit Arbeiten an Ibanez-eigenen Designs begonnen. Die ersten Gitarren im komplett eigenen Outfit kamen als Vertreter der Artist- und Professional-Serie auf dem Markt und sind heute unter Sammlern hoch begehrt. Darunter übrigens auch schon eine Iceman, die zunächst noch unter dem Namen Artist angeboten wurde.

Weitere Modelle bekamen angesichts der drohenden Klage für die Messe in Atlanta auf die Schnelle eine neue Kopfplattenform verpasst, sodass eine Standschließung auf der NAMM-Show, das angestrebte Ziel des Gibson-Konzerns, nicht durchgesetzt werden konnte – denn es waren keine 1:1-Gibson-Kopien mehr zu sehen. Anfang 1978 einigten sich die beiden Parteien schließlich außergerichtlich und Ibanez verpflichtete sich, fortan keine Gibson-Kopien mehr herzustellen.

Für die Japaner und ihre amerikanische Partner- Firma sowie andere weltweite Partner wie z. B. die Firma Meinl in Deutschland war das zu diesem Zeitpunkt sowieso nur noch eine formalrechtliche Angelegenheit, denn der Weg hin zur eigenen Identität war bereits eingeschlagen, was sich später als einzig richtige und erfolgreiche Entscheidung erweisen sollte. Konsequenterweise gehörte von nun an auch das Kopieren der Modelle anderer Hersteller neben Gibson ebenfalls der Vergangenheit an.

Interessant ist auch, dass in dieser Dekade, genau 1972, die erste moderne deutsche Fachzeitschrift für Musiker vom ehemaligen Roadie Hans Riebesehl auf den Markt gebracht wurde: Riebes Fachblatt, zuerst kostenlos mit Sparschwein auf der Theke bei Musikfachgeschäften, später dann etwas professioneller mit einem Verkaufspreis von 1 DM, war ein Magazin für Musiker, handgemacht, aber sehr informativ und zukunftsweisend.

 

In dieser Zeitschrift tauchten dann auch die ersten Anzeigen für Ibanez- Gitarren in Deutschland auf, geschaltet von der Vertriebsfirma Roland Meinl aus Neustadt/Aisch, die bis heute den Hersteller betreut. Ganz Deutschland war über diese neue Marke erstaunt – vor allem über die Preise und die dafür gebotene Qualität. Trotzdem dauerte es noch eine ganze Zeit, bis die Gitaristen bei uns diese Instrumente ernstnahmen.

Es waren ja „nur“ japanische Instrumente und nicht vergleichbar mit Gibson oder Fender. Dachte man. Zum Glück für Ibanez waren Fender und Gibson zu dieser Zeit jedoch im Besitz von großen Konzernen und für die war die Qualität nicht so wichtig wie der Umsatz. Die Zeit war also reif für gute Alternativen und innerhalb kürzester Zeit eroberte Ibanez und in deren Sog einige andere japanische Firmen wie Aria, Morris, Tokai, Fernandes u. a. den Markt mit ihren preiswerten, aber handwerklich hochwertig gemachten Gitarren.

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Die goldenen Jahre von Ibanez

Die folgende Dekade der 80er-Jahre ist jedem Fan als „Golden Years of Ibanez“ ein Begriff. Befreit vom Kopierzwang sprudelten die Ibanez-Designer – allen voran der Japaner Fumio „Fritz“ Katoh – förmlich über vor Kreativität. Bereits 1977 erschien der erste Gesamtkatalog der neuen Artist-Serie, in dem keine einzige Kopie mehr enthalten war; im selben Jahr folgten die eigenen Performer-, Musician- und Iceman-Modelle, ebenfalls mit eigenem Prospekt. Viele der dort gezeigten Gitarren stehen heute ganz oben auf den „Most Wanted“-Listen der Sammler. Klugerweise hatte sich Ibanez jedoch nicht völlig von den klassischen Designs gelöst – Gitarristen sind nun mal tendenziell konservativ. Mit wenigen Ausnahmen waren Kreationen, die komplett von den altbekannten Formen wie Stratocaster, Telecaster, Les Paul, SG oder ES abwichen, kommerziell schon immer ein Reinfall.

Viele der neuen Ibanez-Modelle wie Roadster, Artist oder Performer orientierten sich daher doch noch mehr oder weniger an den Originalen von Gibson oder Fender. Und auch die frisch vorgestellte Musician-Serie mit Gitarren aus verschiedenen Edelhölzern mit durchgehendem Hals, Messing-Hardware und aktiver Klangregelung war offensichtlich von den damals erfolgreichen Instrumenten aus dem Hause Alembic und anderen Herstellern beeinflusst, die in den Achtzigern einen neuen Trend hin zu technisch aufwändigen Edel-Instrumenten geschaffen hatten.

Neben den Gitarren-Designs ersannen die Ibanez-Entwickler auch viele Innovationen im Detail wie z. B. das geschlitzte Gibraltar- Tailpiece für einfachen Saitenwechsel, den im Korpus unter dem Steg eingelassenen Sustain-Block oder die heute hoch gehandelten Sure-Grip-Potiknöpfe, deren griffige Gummiringe der Legende nach von einem Hersteller für Kondome geliefert wurden.

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Ibanez goes weired

Auch ein weiteres, heutzutage fast schon überstrapaziertes Erfolgsrezept wurde Mitte der 70er-Jahre von den Japanern und insbesondere von Hoshino USA erstmals für Ibanez angewandt: der Endorsement-Deal. Inspiriert durch den Elger-Mitarbeiter Jim Fisher, ein großer Grateful-Dead-Fan, nahmen Jeff Hasselberger und Roy Miyahara von Elger bereits 1974 Kontakt zu Bob Weir auf. Das Ergebnis war die Professional 2681 Bob Weir, das erste Ibanez-Signature-Modell überhaupt.

banez PS40 und PS120 Paul Stanley Signature
FOTO: Dieter Stork
banez PS40 und PS120 Paul Stanley Signature

Der Country-Gitarrist Randy Scruggs bekam ebenfalls sein Professional- Signature-Modell (2671). Auf der Basis der Iceman ließ sich Kiss-Gitarrist Paul Stanley von Fritz Katoh seine extravagante PS 10 auf den Leib schneidern. Und etwas später entstand das langlebigste Ibanez-Signature- Modell in Kooperation mit dem Jazz-Gitarristen George Benson. Ab Oktober 1977 ging die GB10 in Produktion – und ist seitdem ununterbrochen im Ibanez-Programm vertreten.

Der seit den „Golden Years“ ständig sprudelnde Kreativitätsschub im Ibanez-Entwickler- Team hatte jedoch eine bis heute fast sprichwörtlich unübersichtliche Modellpolitik zur Folge (wofür natürlich auch marktpolitische Gründe verantwortlich waren). Von den Modellen des 78er Katalogs sind heute neben der George Benson nur noch die Artist und die Iceman im Ibanez-Programm vertreten, und auch dabei handelt es sich entweder um gründlich überarbeitete Variationen oder aber Reissues der Klassiker, die nach mehr oder weniger langer Abwesenheit wieder in die Produktpalette aufgenommen wurden.

Ganze Modellserien wie etwa die Roadster, Concert, Blazer oder später die Pro Line hielten sich kaum länger als drei Jahre. Und auch etwas beständigere Serien wie etwa die Roadstar II bekamen jährlich ein komplettes Facelifting mit ständig neuen Modellvarianten verpasst. Da war es schwer, den Überblick zu bewahren.

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Ibanez in den Achtzigern

Die Popularität der Ibanez-Gitarren war während der frühen 80er-Jahre immer noch ungebrochen. Zu den Endorsern der ersten Stunde gesellten sich viele ebenso namhafte wie unterschiedliche Ibanez-User wie die Iron-Maiden-Gitarristen Dave Murray und Adrian Smith, Allan Holdsworth, Snowy White, John Scofield, Steve Lukather, Gary Moore, Joe Pass, Mike Rutherford, Pat Metheny, Sting, Mickey Moody, Lee Ritenour – einige davon auch mit einem eigenen Signature-Modell bedacht.

Viele unter ihnen spielten Ibanez sicher aus Überzeugung, einige wechselten jedoch mitunter auch recht schnell die Marke, wie der verpatzte Endorsement-Deal mit Steve Lukather zeigte. Seine Roadstar II RS1010SL war im Prinzip eine leicht modifizierte Version des Standard-Serienmodells RS1000.

Der Meister war jedoch nicht amüsiert und äußerte sich später in Interviews abfällig über sein Signature-Modell, das nach seinen Aussagen nur sehr wenig mit seinen ursprünglichen Vorgaben gemein hatte. Dies hat der Popularität dieser Gitarre langfristig jedoch nicht geschadet und heute zählt die RS1010SL zu den gesuchtesten Modellen aus der Roadstar II Serie.

Nun schlug auch die Stunde der Destroyer-Serie! Ganz im Stil der Gibson Explorer wurden auffällige „Zackenbarsche“ konstruiert, die so manche Hard-‘n‘-Heavy-Bühne bereichern konnten.

Explorer
FOTO: Box of Trix, Wikimedia Commons, Guitar Point, Ostrow Wielopolski, Heinz Rebellius
Eddie van Halen spielte sein erstes Album mit so einer Ibanez-Explorer-Kopie, der 2459 Destroyer ein. Er hatte seine Gitarre allerdings weiß umlackiert.

Mitte der 80er-Jahre standen die Zeichen auf Veränderung – sowohl für Ibanez als auch für alle anderen Gitarrenhersteller. Dem Thema Headless widmete man sich mit der AX-Serie, die in der Tat etwas kopflos daher kam und kein großes Aufsehen erregen konnte. Interessanterweise nimmt Hoshino diese Serie 1999 wieder ins Programm auf, nachdem sie in den 80ern nur zwei Jahre Bestand hatte.

MIDI war mittlerweile zum Zauberwort erklärt worden und Ibanez sprang mit der Entwicklung der X-ING MIDI Guitar auch auf diesen Zug auf, konnte damit jedoch nicht die Akzeptanz des japanischen Konkurrenten Roland erreichen, der das Guitarto-MIDI-Konzept wohl am musikalischsten und erfolgreichsten umsetzte. Doch inmitten dieser für die Gitarristenzunft eher dunklen Periode zeichnete sich ab Mitte der 80er langsam ein Silberstreif am Horizont ab …

Gerade noch hatte steriler Synth-Pop die Gitarre aus den vorderen Rängen der Hitparade verdrängt, da schlug der Stunde der Fön-Frisuren und Spandex- Höschen, die der Gitarre zum Glück wieder mehr Gehör verleihen konnten. Die „Hair Metal“-Ära war geboren und Metal- und Hardrock- Bands wie Winger, Poison, Mötley Crue u. v. a. standen am Zenit ihres Erfolges.

Klassische Gitarren-Designs waren allerdings völlig out, alle Welt schrie nach stromlinienförmigen Superstrats mit Floyd-Rose-Vibrato und HSS-Pickup-Konfiguration – möglichst in knallbunten Effektlackierungen.

Dominierend war damals der Hersteller Kramer, der den „Godfather of Shred“, Eddie van Halen, selbst unter Vertrag hatte, aber auch Firmen wie Charvel und Jackson stiegen wie Phönix aus der Asche auf. Wer in diesem Haifischbecken überleben wollte, musste zwangsläufig ebenfalls mit einer Heavy-Strat(r) aufwarten können, was bei den traditionellen Anbietern wie Gibson oder Fender teils recht kuriose Blüten trieb.

Ibanez reagierte zunächst mit verschlankten Versionen der Roadstar II und der 1985 vorgestellten Pro-Line-Serie. Doch den Coup schlechthin landeten die Japaner kurze Zeit später, als es ihnen gelang, den von allen Herstellern heiß umworbenen Steve Vai unter Vertrag zu nehmen. 1986 veröffentlichte der bei Van Halen rausgeworfene Sänger David Lee Roth mit dem ehemaligen Frank-Zappa-Gitarristen an seiner Seite sein erstes Solo Album ‚Eat ‘Em and Smile‘ – und katapultierte Steve Vai mit seinem atemberaubenden Können auf den Shredder-Olymp.

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Auf der NAMM-Show im Sommer 1987 in Chicago präsentierte Vai selbst dann einem sprachlosen Publikum das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Ibanez: die JEM-E-Gitarre. Das Konzept der JEM war nicht völlig neu, trieb das Superstrat-Prinzip jedoch auf die Spitze mit ihren weit ausladenden Cutaways, dem extrem schlanken Hals, einem unterfrästen Floyd-Rose-Licensed-Vibratosystem und einer HSH-Pickup-Bestückung. Weitere optische Gimmicks wie „Monkey Grip“ und „Lions Claw“ machten die JEM zu einem fast bizarr anmutendem Gesamtkunstwerk – eigentlich viel zu extravagant, um die ständig wechselnden Modeströmungen auf dem Gitarrenmarkt zu überleben.

Doch der Mut, den Vai und Hoshino USA mit dieser Produkt- Philosophie bewiesen, hat sich gelohnt, denn die JEM ist seitdem mit stetigem Erfolg im Ibanez-Programm vertreten – ebenso wie die auf der JEM basierende RGSerie. Diese Gitarren sorgten Ende der Achtziger- Jahre dafür, dass Ibanez im Bereich der Superstrats eine dominierende Vormachtstellung einnehmen konnte, eine Pole- Position, die die Firma bis heute innehat. Diese Gitarren läuteten gleichzeitig die zweite große Zäsur nach dem Lawsuit in der langen Ibanez-Geschichte ein, denn seitdem bedient der Hersteller vor allem die Musikern aus der „Hard and Heavy“-Fraktion mit schnellen Shred-Werkzeugen.

Der anhaltende Erfolg des Herstellers fußt bis heute weitgehend auf dem Design der JEM, das sich in zahlreichen Varianten wiederfindet: Signature-Serien wie die für Paul Gilbert (PGM) oder John Petrucci (JPM), die Edelgitarren aus dem USA Custom Shop und der J.Custom-Serie sowie die später für den NuMetal stilprägenden Siebensaiter wie die UV777 oder die K-7 Korn-Signature- Modelle. Doch nicht nur die vielen Weiterentwicklungen der Zugpferde JEM und RG zeigen, dass sich die Japaner keineswegs auf ihren Lorbeeren ausgeruht haben.

1988 konnte sich Ibanez mit Joe Satriani einen weiteren dicken Fisch aus dem Pool der Supergitarristen angeln. Auf Basis des Radius-Modells entstand nach zweijähriger Entwicklungsarbeit die JS, die seitdem ebenfalls in verschiedenen Varianten ständig in den Katalogen vertreten ist und – auch dank ihres immer kreativen und fleißigen Endorsers – zu den Verkaufsrennern zählt.

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Ibanez in den Neunzigern

Zu Beginn der 90er-Jahre wurden kostengünstigere Produktionsstandorte in Korea unter Vertrag genommen. 1991 erschien die dort produzierte EX-Serie, die ebenfalls auf dem RG-Design beruhte. Die Namensgebung (EX stand für „Experimental“) war zunächst eine Vorsichtsmaßnahme, um den ausgezeichneten Ruf der RG-Serie nicht zu beschädigen. Nachdem die Qualität der koreanischen Gitarren wenig später auf überzeugendem Niveau angelangt war, wurden seit 1994 auch dort RG und weitere Serien produziert.

Mit Reb Beach und vor allem Paul Gilbert, dessen PGM300 1992 erschient, wurden zwei weitere wichtige Gitarristen zu bekennenden Ibanez-Playern. Die Verbindung mit Paul Gilbert erwies sich als besonders fruchtbar, hat sie doch bis heute eine ganze Reihe interessanter Signature- Modelle herausgebracht. Gilbert hat darüber hinaus als echter Ibanez-Fan immer wieder auf ältere Modelle des Herstellers aufmerksam gemacht, auch aus der Kopier- Phase, und so dazu beigetragen, dass diese Marke ein Sammlerthema wurde.

Und auch Steve Vai hatte nachgelegt. Nachdem von 1987 bis 1990 nicht weniger als sieben verschiedene JEM-Modelle geschaffen worden waren, sollte es nun eine Saite mehr sein – fertig war die Universe-Serie mit bisher insgesamt fünf verschiedenen siebensaiten Modellen auf JEM- bzw. RG-Basis. Aufgrund des großen Erfolgs der Ibanez Superstrats im Heavy-Rock-Genre sorgten sich die Hoshino-Verantwortlichen, die wie immer nahe am Puls des Geschehens waren, um das Image der Marke bei den eher traditionell eingestellten Country-, Rock- und Blues-Gitarristen, die weiterhin die großen amerikanischen Marken favorisierten.

Ergebnis der Diskussionen war die unter einem eigenen Namen 1991 auf den Markt geworfenen Starfield-Serien, deutlich in Richtung Fender orientierte Gitarren, die zum großen Teil in den USA gebaut und mit hochwertigen Komponenten wie Seymour-Duncan-Pickups und Wilkinson-Hardware bestückt waren.

Doch der Markt akzeptierte diese interessante Richtung, in die Hoshino sich wagte, leider nicht besonders gut. So erschien 1992 der erste und einzige Starfield- Katalog und bereits 1994 verkündete Hoshino das Ende dieser jungen Marke und konzentrierte sich nun vollends und ohne Umwege auf den Namen Ibanez.

Mit einer bunten Modellvielfalt wollte man 1996 den Talman-Verkauf ankurbeln. (Quelle: vintaxe.com)

Die Talman-Serie, die im Anschluss an die Starfield-Periode vorgestellt wurde, kann als legitime Nachfolgerin von Starfield angesehen werden, wenn sie auch nicht so facettenreich war. Sie war aber weniger bei den Traditionalisten, dafür aufgrund ihres „schrägen“ Äußeren um so mehr bei den Neuen Wilden der Rock- und Popmusik angesagt – bis hin zum Signature-Modell für Noodles, dem Offspring-Gitarristen (2003). Interessanterweise gab es aber im Lager der Traditionalisten, die Gibson-typische Gitarren bevorzugten, kaum Ablehnung gegenüber Ibanez.

Hier hatte Hoshino neben den Dauerbrennern der Artist- und AS-Serie in den Neunzigern auch weitere schlagende Instrumente in den Ring geworfen wie z. B. die AF-Jazz-Gitarren.

1997 erschien mit der J.Custom-Serie eine limitierte Anzahl teurer, in Japan hergestellter Gitarren, die individuell von verschiedenen Künstlern gestaltet worden waren. Analog dazu gab es aus der amerikanischen Ibanez-Produktion die USA-Custom-Graphics-Serie – exklusive, bemalte Einzelstücke auf RG-Basis.

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Ibanez heute

Produktionsstätten in China ermöglichten neue Serien, die hervorragende Preis/ Leistungsverhältnisse boten. Insbesondere die 2002 vorgestellte Artcore-Instrumente brachten frischen Wind die angestaubte Semiakustik- und Vollresonanz-Szene. Ein Jahr später nahm die Retro-orientierte Jet- King-Serie Fahrt auf, die auch immer noch Bestandteil des heutigen Ibanez-Katalogs ist. Viele Neu- und Weiterentwicklungen waren auch in den folgenden Jahren charakteristisch für die ständig wechselnde Ibanez-Angebotspalette.

Komplette Serien wie die Talman oder auch diverse Reissues von Klassikern wie der Blazer kamen und gingen. Innovationen wie das Zero-Point-Trem oder die jüngst vorgestellte Montage-Hybrid-Gitarre zeugen nach wie vor vom Ideenreichtum der Hoshino-Entwickler. Auch heute noch hat Hoshino Gakki wie vor 100 Jahren seinen Firmensitz in Nagoya; dort in der Zentrale laufen die Fäden zusammen, Research & Development, Vertrieb, Export und Import werden von dort aus koordiniert.

In Nagoya befindet sich auch die eigene Tama-Drum-Fabrik, Hoshino Gakki Manufacturing. Seit 50 Jahren ist die Gitarrenbau-Firma Fujigen Partner von Hoshino und in den Fabriken dieses Herstellers werden auch heute noch die japanischen Ibanez E-Gitarren gefertigt.

Hoshino Gakki setzt auf allen Ebenen auf Kontinuität und Verlässlichkeit, was sicherlich etwas damit zu tun hat, dass man immer noch ein Familienbetrieb ist. Präsident der Firma ist der heute 75-jährige Yoshihiro Hoshino, ein Enkel des Firmengründers. Irgendwie hat Ibanez – oder sagen wir besser: Hoshino – im Verlaufe seiner eigenen langen Geschichte stets den Puls der Zeit getroffen, ist dem Geschmack der Musiker gefolgt und hat ihn geprägt.

Von den ersten erfolgreichen Kopien über die eigenen Modelle der 70er und 80er-Jahre bis heute, wo Ibanez bei neuen Musikrichtungen wie NuRock die Nase weit vorne hat, über die unzähligen Endorser Modelle und die vielen Entwicklungen, die gemacht wurden, muss gesagt werden, dass Ibanez heute eine feste, nicht mehr weg zu denkende Größe der internationalen Musikszene geworden ist.

Vom Anfänger bis zum professionellen Musiker mit den allerhöchsten Ansprüchen, vom Death-Metaller bis zum Jazz-Musiker, High-Tech-Jünger oder Vintage-Liebhaber – Ibanez bietet für jede Kragenweite das passende Instrument auf einem hohen Qualitätsniveau. Und darauf wird man sich auch in Zukunft verlassen können.

Autor: Oliver Berhorst 

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Welche Instrumente gibt es von Ibanez?

Ibanez E-Gitarren

  • ab 1957 – 1968

eigene Designs wie Rhythm-, Bizarre- und andere Serien.

  • ab ca. 1968

Kopien von Mosrite-, Burns-, Ampeg/Dan Armstrong-, Fender-, Gibson- und Rickenbacker-Modellen.

  • 1973/74

Mit dem Gitarrenmodell 2405 Custom Agent begann Ibanez wieder, eigene Designs vorzustellen.

Artwood-Serie

  • 1975

Artist-Serie, mit eigenem Kopfplatten-Design

Iceman-Serie

  • 1976

Bob Weir Professional-Modell

Randy-Scruggs Professional-Modell

2670 Artist Doubleneck Rex-Bouge-Style

  • 1977

Gibraltar-Brücke

George Benson GB10

Challenger- und Silver-Series

  • 1978

Musician-Serie

Concert-Serie

Studio-Serie

FA-Serie

Performer-Serie

Paul Stanley PS-Modelle

  • 1979

Artist Autograph-Serie (Bob Weir Modell, George Benson Modell, Paul Stanley Modell)

Artist Semiakustik-Serie

Roadster-Serie

Ibanez Doublenecks AR1200, ST1200

  • 1980

Blazer-Serie

Destroyer II-Serie

  • 1981

Joe-Pass-Modell

Lee-Ritenour-Modell

  • 1982

Semi & Full Acoustic-Serie

  • 1983

AM-Serie

X-Serie

Roadstar-Serie

Stagemaster-Serie

Phil Collen DT555-Modell

  • 1984

Steve Lukather RS1010SLModell

Roadstar II-Serie

XV-Serie

  • 1985

Axstar-Serie

Allan Holdsworth AH-Modelle

Pro Line-Serie

  • 1986

Hard-Rocker-, Power-Rocker- und Edge-Trem-Systeme

X-ING MIDI Guitar IMG2010

Roadstar Standard- und Deluxe-Serie

  • 1987

Maxxas-Serie

IBZ USA Pickups von DiMarzio

S-Serie

R-Serie

P-Serie

Steve Vai JEM-Modelle

Vinnie Moore-Modelle

RG-Serie

Power 540-Serie

Radius-Serie

Turbot-Serie

  • 1988

EX-Serie

JEM Floral Pattern

Vinnie Moore VMIS-Modell

  • 1990

Joe Satriani JS-Modelle

American Master Serie

Steve Vai Universe-Modelle (7-Saiter)

  • 1991

Frank Gambale FGM-Modelle

Reb Beach Voyager RBM2-Modell

U.S.A. Custom Exotic Wood-Serie, Gitarren mit exotischen Hölzern

U.S.A. Custom Graphic-Serie, Gitarren mit künstlerischen Body-Motiven

U.S.A. Custom Metal-Serie

  • 1992

Paul Gilbert PGM-Modelle

Artstar-Serie

RG-Serie

Starfield-Serie

  • 1993

Talman-Serie

RV-Serie

  • 1994

Ghostrider-Serie

Silver Cadet-Serie

Talman-Serie

U.S.A. Custom USRG-Serie

RX-Serie

  • 1995

Paul Gilbert PGM30WH-Modell

JPM-Serie

Bob Weir Professional-Reissue

  • 1996

Pat Metheny PM-Modelle

John Petrucci JPM-Modelle

Stagestar-Serie

  • 1997

J-Custom-Serie

Pat Metheny PM20NT

Neue Blazer-Serie

SC-Serie

Ergodyne-Serie

  • 1998

GRX-Serie

GAX-Serie

Prestige-Serie

  • 1999

AX-Serie

Neue Axstar-Serie

  • 2000

Y2k-Serie

GSA-Serie

SA-Serie

  • 2001

XL Scale Serie

John Scofield JSM100-Modell

Korn-Modell

  • 2002

Artcore-Serie

  • 2003

Jet-King-Serie

Noodles Signature Modell NDM1

Mike Mushok MMM1

SZ-Serie

  • 2004

Steve Vai Signature Modell Euphoria, Elektroakustik-Gitarre

Mike Mushok Signature Modell MMM1

AK85DVS, Hollowbody-E-Gitarre

Prestige SZ1220TKF

  • 2005

JEM77B RMR Masterpiece

Prestige RGA121-NTF

S520EX, Bariton-Gitarre

  • 2006
  1. R. Giger Signature Serie

Talman Pop Art, Elektroakustik-Gitarre

ARC300DVS

ARX300-CRS

MTM1 BR

  • 2007

Matt Bachand Signature Modell MBM1-BK

MFM2-LRD Signature Gitarre

2670RE Twin Neck Reissue

JEM20th Masterpiece

Xiphos XPT700 RCM

  • 2008

Jet King JTK3

S670FM

SZR520 TGB

Xiphos XPT707FX

GCM

  • 2009

AF105SM Jazz-Gitarre

DTT700

JEM7EAFX

  • 2010

UV77RE

RGD2120Z

RGD320

XP300

S420

  • 2011

RG870Z

FRM100

ARZ400

  • 2012

RG1XXV

JCRG12

MTM10

JCS12FM

  • 2013

AT10P

NDM3

RG550

DT520

  • 2014

Iron Label RGIT20FE & RGIT27FE

AS200 Prestige

Prestige FR6UC-BKF

Prestige S5521Q-NGB

Roadcore RC330T/RC365H

RGIX28FEQM Iron Label

EKM100 Eric Krasno

KIKO10P

Chris Miller Signature CMM1-IV

  • 2015

JSM10-VYS

Andy Timmons Signature AT10RP

PGM80P-NT

FR365-TFB

Premium JEM77P-BFP

AM205-AV

SS300 & SJ300

RC1320-DBS Prestige

  • 2016

Universe UV77PSN, WFR, SVR

ASV10A-TCL/AMV10A-TCL

Iron Label RGAIX6FM & RGDIX7MPB

PS40 & PS120 Paul Stanley Signature

  • 2017

Iron Label FRIX6FEAH, RGIR37BE & RGIR38BFE

AFC155-JBB / AFC151-SRR

GB40THII

AM200

  • 2018

Prestige AZ2204/AZ2402

Prestige RG652FMMSF-DPB

Stoneman FTM33

Martin Miller MM1 / Tom Quayle

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Ibanez Effektgeräte

  • Frühe 70er

Fuzz Machine, WahWah-, Distortion-, Treble Booster-Effekte

JetLyzer JL70

  • 1972

Die ersten Ibanez-Pedal-Effekte werden gebaut, MXR-Kopien

  • 1974

Artist Tone Machine

Artist Fuzz/Wah/Volume

Blubber Cry Baby Wah

Double Sound Fuzz/Wah/Sustain

Renometer EQ

  • 1977

AD230 19″-Analog-Delay. Jerry Garcia und Bob Weir (Grateful Dead) waren begeistert.

Von Maxon für Hoshino gebaut: Ibanez TS808, er eröffnet eine Serie von Effekten gleichen Designs, wie z. B. dem CS505 Chorus, dem FL301 Flanger oder dem GE601 Graphic EQ

  • 1979

UE700 Multieffekt

Top-Ten-Serie

AD300 Analog-Delay

  • 1980

UE400 und UE405 Multieffekte

  • 1981

9er-Serie inkl. TS-9

  • 1982

DM1000, das damals günstigste Digital-Delay mit Endlos-Wiederholung

AD202, das letzte Analog-Delay

  • 1983

HD1000, der Volks-Harmonizer

UE300, UE303B und UE305 Multieffekte

  • 1984

DM500 und 2000

HD1500, programmierbar Harmonizer

DMD2000, programmierbares Digital-Delay

  • 1985

DUE300 und DUE400 Multieffekte

DDL, Erstes Digital Delay als Bodenpedal

  • 1986

SDR1000 Studiohall

Master-Serie, z. B. MTL Metal Screamer

Personal Studio Rack-Serie (9.5“)

  • 1987

Power-Serie inkl. TS10

  • 1988

DCP-Serie (Digitale Pedale)

EC-Serie (Shark Distortion, Elephant Compressor, Canary Chorus, Parot Box Amp Simulator)

  • 1990

PUE5/B Boden-Multieffekt für Gitarre und Bass

  • 1991

Sound Tank-Serie, inkl. TS5

PUE5 Tube Multieffekt

  • 1992

PT3/B Powertrio-Multieffekte für Gitarre und Bass

RP50 Rock & Play, Digital Phrase Sampler

  • 1993

TS9 Reissue erster Multieffekt für Akustikgitarre

  • 1994

EC50, Speaker & Amp Simulator

  • 1995

TK999 Tube King, Röhren-Bodeneffekt

  • 1996

Sound Tank EM5 Echo Machine

  • 2000

Tone-Lok-Serie, z. B. AW7 Tubescreamer

  • 2004

TS9DX Tubescreamer

WD7 Weeping

Demon, WahWah-Pedal

  • 2005

Reissue der 9er-Serie inkl. TS-9

  • 2008

MIMX 30, Modeling-Combo

Jemini Steve Vai, Doppel-Verzerrer-Pedal

Tube King TK999HT Röhren-Verzerrer

  • 2009

Tube Screamer TS808HWB (Handwired) Reissue

  • 2010

WH10 V2 WahWah Pedal

Tube King TK999OD

  • 2011

JD9 Jet Driver

BB9 Bottom Booster

  • 2012

SD-9M Sonic Distortion Mod

TS-9 30th Anniversary

  • 2013

Echo Shifter

  • 2014

TS808DX Tube Screamer

  • 2015

Mini Tubescreamer

  • 2016

Mini FX Series Super Metal, Chorus & Analog Delay

  • 2017

OD850 Reissue

 

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Ibanez Akustikgitarren

  • 1965

Frühe Ibanez-Akustikgitarren

  • 1974

Tama-Akustikgitarren

Artist-Serie Acoustics

Andorra-Serie

Granada-Serie

  • 1976

Vintage-Serie

  • 1977

Tama TC-, TG- und TW-Serie

Classic-Serie

  • 1978

FA-Serie

Floral Deluxe-Serie

Arched Back Dreadnoughts

Maple Dreadnoughts

Scalloped Braced Dreadnoughts

Jumbo-Serie

Vintage Deluxe-Serie

Old Timer-Serie

  • 1979

Artwood-Serie

Champion-Serie

Marcel Dadi-Modell MD10

  • 1980

Handcrafted Artwood-Serie

Ragtime-Serie

  • 1983

AE Acoustic-Serie

Naturalwood-Serie

  • 1984

Lonestar-Serie

  • 1984

Lonestar Electric-Serie

  • 1987

Performance-Serie

  • 1989

G- und GA-Serie

  • 1992

Acoustic Thinline-Serie

Nomad-Serie

PF Professional-Serie

  • 1994

Charleston-Serie

Tulsa-Serie

  • 1996

Wieder im Programm: Artwood-Serie

  • 1998

V-Serie

  • 2000

Daytripper-Serie

Talman-Serie

  • 2001

MASA-Serie

  • 2004

AEL2012VV, 12string Akustikgitarre

AW120-12CERDV, 12string Akustikgitarre

  • 2005

AW-85-RLG

  • 2006

EP9-RRB, Steve Vai

Signature Akustikgitarre

EW20WNE NT, Akustikgitarre

  • 2009

AEG20E-TG Akustikgitarre

Montage Hybrid-Serie

  • 2010

A300E-TCS/A300E-VV

JSA10-BK

  • 2011

AC240-OPN

AW250ECE-RTB

  • 2012

JSA5-BK

  • 2013

Artwood 3060

  • 2014

AVD1 & AVN1

AEW2014LTD

AVNK14

AEW-21VK/-22CD/-23MV

  • 2015

AVN2

AELBT1-NT

AEL108MD & AEL108TD

  • 2106

Artwood Vintage Thermo Aged

AELFF10

  • 2018

AE205JR

AE510-NT/AE800-AS

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Ibanez Bässe

  • 1957 – 1968

Eigene Designs

  • Ab 1968

Kopien der erfolgreichen Fender-, Gibson- und Rickenbacker-Modelle

  • 1974

Artist Bass-Serie

  • 1977

Challenger Bass-Serie

  • 1978

Musician Bass-Serie

  • 1979

Roadster Bass-Serie

Studio Bass-Serie

  • 1980

Blazer Bass-Serie

Destroyer II Bass-Serie

  • 1983

Roadstar Bass-Serie

  • 1984

Roadstar II Standard- und Deluxe Bass-Serie

X-Serie

  • 1985

Axstar Bass-Serie

  • 1986

Pro Line Bass-Serie

  • 1987

Soundgear-Serie

  • 1988

Road Bass

  • 1989

EX Bass-Serie

  • 1990

S Bass-Serie

  • 1991

Accucast Bass-Bridge

Affirma AF105

American Master Bass-Serie

TR-Serie

  • 1992

CTB-Serie

  • 1994

Iceman Bass-Serie

Z Silver Cadet Bass-Serie

  • 1995

ATK-Serie

  • 1997

Ergodyne-Serie

J-Custom Bass-Serie

  • 1998

EDC-Serie

  • 1999

BTB-Serie

GSR-Serie

Gary Willis GWB1

Verdine White VWB1

Doug Wimbish DWB1

  • 2001

EDA-Serie

Fieldy-Modell

  • 2002

Soundgear ’X’Treme-Serie

  • 2003

RKB Bass-Serie

GRX Bass-Serie

  • 2004

Artcore AGB140, Semiacoustic-Bass

Roadgear RD605, Fünfsaiter Bass

  • 2005

Roadgear RD600

AEB10E, Akustik-Bass

BTB 1205E, Fünfsaiter-Bass

RD905FM, Fünfsaiter-Bass

SR1005EFM, Fünfsaiter-Bass

  • 2006

BTB556MP-NTF, Sechssaiter-Bass

Gary Willis Signature Bass

  • 2007

SRX 400 E-Bass

  • 2008

BTB675-NTF, Fünfsaiter-Bass

JTKB200 Bass

PRB1-BWF Bass

  • 2009

ARTB100 Bässe

EWB20WNE-NT, Akustik-Bass

  • 2010

Ibanez BTB 700/705

SR300

  • 2011

SR1205-VNF

  • 2012

Grooveline G104-DE

  • 2013

SR4006E Prestige

  • 2014

SR1800 Premium

ATK800 Premium

  • 2015

BTB685SC

2609B Black Eagle Bass

SRFF805 & SRFF806

BTB1605 Premium

Talman

SRC6

  • 2017

TMB600NT

SRH500

SR30TH4 & SR30TH5P

SR305E RBM

BTB 745 & BTB 1805 Premium

  • 2018

SRMS806

SR2605

 

Mehr zur Thema Ibanez Instrumente findest du in unserer Ibanez Sonderausgabe!

Aus Gitarre & Bass – Das Ibanez Sonderheft (2009)

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Der Ibanez Custom Shop

Nachdem die E-Gitarrenentwicklung das tiefe Tal durchschritten hatte, das Synthie-Pop und Art-Rock in den 80er-Jahren zu verantworten hatten, stieg Ibanez mit völlig neu konzipierten, schrillen und innovativen Rockgitarren wie der Phönix aus der Asche auf und hievte sich damit an die Spitze der damaligen Rock-Gitarren-Produktion.

Heft-Sammlung

Man hatte einfach das Konzept Super-Strat wohl am besten auf den Punkt gebracht, dank des tatkräftigen wie intelligenten Inputs von Steve Vai & Co. Dass die Qualität der Ibanez-Gitarren mit denen der amerikanischen Marken mithalten konnte, war den meisten Musikern da schon klar. Doch jetzt gesellte sich zu dieser besagten Qualität noch die große Innovationsfreudigkeit und das Gespür für das richtige Design, was insgesamt ein verdammt starkes Paket ergab, an dem sich alle anderen Hersteller damals die Zähne ausbissen. Kein anderer war in diesem Genre so erfolgreich wie eben Ibanez mit seinen JEM- und RG-Serien.

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Made in USA

Ende der Achtziger begann Ibanez dann auch in den USA Gitarren zu bauen. Hierzu wurden Bodies und Hälse von Japan aus nach Bensalem/Pennsylvania zum Firmensitz von Hoshino USA geschickt, wo unter der Leitung von Mace Bailey und mit einer bescheidenen Ausstattung an Maschinen die ersten Made-in-USA-Gitarren fertig gestellt wurden, die den Namen Ibanez trugen.

Die Abteilung, die sich bald sehr aktiv zeigen sollte, wurde Hoshino-intern als H&S Guitars bezeichnet, „the heart & soul of the Ibanez Custom Shop“. Neben Mace Bailey, der z. B. den Prototypen der JEM-Gitarre für Steve Vai baute, arbeitete auch Rich Lasner, der die Maxxas-Serie designed hat, und der sehr lange für Hoshino tätig gewesene findige Fritz Katoh eine Zeit lang bei H&S Guitars.

Natürlich war diese Abteilung von Hoshino dann auch die erste Anlaufstelle für die Musik-Stars, die von Hoshino aquiriert wurden oder die sich von selbst meldeten, weil sie Interesse an dieser neuen, starken Marke bekundeten. Obwohl man anfangs mit den von Hoshino Japan gelieferten und bei Fujigen gefertigten Parts auf existierende Ibanez-Designs festgelegt war, hinderte das die H&S-Mitarbeiter nicht, innerhalb dieser Vorgaben eigene Ideen umzusetzen. Die erste dort entwickelte Gitarre war 1988 die 540 Pro Custom, gefolgt von 540S Saber, 540P Power und der 540R Radius, aus der sich später die Joe-Satriani-Instrumente entwickeln sollten. Die Produktpalette wurde ständig größer, und bald entwickelte sich aus der Pro-Custom- die USA-Custom-Serie, deren Modelle in vielen Spezifikationen individuell zu ordern waren.

Die offiziell als erste komplett von Hand in Amerika gebauten Ibanez-Gitarren waren die der American-Master-Serie, die Mitte 1989 auf den Markt kamen. Diese waren nicht in Bensalem bei H&S Guitars, sondern von dem Gitarrenbauer Roger Gresco in Kalifornien hergestellt worden. Es gab zwei Modelle: die deckend lackierte MA2, sowie die MA3 mit einer Ahorndecke und transparenter Lackierung. Beiden war die innovative Halsbefestigung gemeinsam, bei der Hals regelrecht in den Korpus eingelegt wurde und wie eine Neck-thru-Konstruktion wirkte.

Allerdings konnte Gresco in seiner Werkstatt längst nicht so viel produzieren, wie es Nachfragen gab, und außerdem ließ die Qualität der Lackierungen zu wünschen übrig, weil im Gegensatz zu Japan in Kalifornien strenge Umweltbestimmungen bestimmte Lackierarbeiten unmöglich machten oder zumindest erschwerten.

Die USA-Custom- und American-Master Modelle waren bislang nur für amerikanische Kunden erhältlich gewesen, aber schon bald war der Custom Shop auch für weltweit eingehende Bestellungen bereit. Weiterhin wurden die einzelnen Parts aus Japan geliefert und die Gitarre in USA fertig gebaut.

Allerdings waren die Holzteile in einem eher halbfertigen Zustand, nicht lackiert und der Body hatte nur eine Humbucker-Fräsung für den Steg-Tonabnehmer – alle anderen Fräsungen, die Bestückung mit Hardware und Elektronik und nicht zuletzt die Lackierungen wurden dann von H&S Guitars in Bensalem nach Kundenwunsch erledigt. Außerdem konnte aus vielen Optionen für den Hals die passenden ausgewählt werden: Griffbrettmaterial, Einlagen, Einfassung und normale oder reversed Kopfplatte.

Aufsehen erregte die USA Custom-Graphic-Serie (UCGR), die mehrere Künstler und Künstlerinnen gestaltet hatten, darunter die Malerin und Tattoo-Artistin Pamelina, die später noch unzählige Gitarren des Fender-Custom-Shops verschönern sollte. Die Prototypen und angeblich der erste Teil der Serie waren handbemalt, die Serien-Gitarren mit einer entsprechend aussehenden Folie beklebt und überlackiert. Mehr als 40 verschiedene, abgefahrene Designs wurden angeboten. Im Jahr 1991 wurde dann die spektakuläre UCMD-Metal-Design-Gitarren vorgestellt, deren Bodies mit einem dünnen Textil bezogen und dann überlackiert worden waren.

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Kalifornien

Zu diesem Zeitpunkt wirkte H&S Guitars schon nicht mehr von Bensalem, sondern war bereits mit Sack und Pack an die Westküste gezogen. Gleichzeitig wurde H&S in zwei Bereiche aufgeteilt, die auch räumlich getrennt arbeiteten. Einer war nur für die Betreuung der stündlich zahlreicher werdenden Ibanez-Endorser da und siedelte sich in der Case Avenue in North Hollywood an, der andere fertigte mit insgesamt 12 bis 15 Mitarbeitern weiterhin die USA-Custom-Gitarren für die Normalsterblichen an – 10 Blocks weiter nördlich.

Hier entstand mit der Exotic-Wood-Reihe (UCEW) eine weitere spektakuläre Ibanez-Gitarren-Serie, made in USA, für die man zumindest teilweise Hölzer aus Kalifornien bezog – von Tak Hosono, eine der Gründerfirmen von ESP.

Custom_1991_UCGR10_Ice_World_Dan_Lawrence_1
FOTO: Oliver Pfänder, Archiv
1991: UCGR10 Ice World Dan Lawrence 1

1990 kamen nur Bodies und 1992 auch die Hälse zu den UCEW-Serien von dort. Zwischen der ersten (1990/91) und der zweiten Exotic-Serie (1992) gibt es einige Unterschiede: Bei der ersten Serie konnte man unter verschiedenen Deckenhölzern und TonabnehmerBestückungen auswählen sowie einen Hals seiner Wahl bestellen. Die Decke war dabei fast so dick wie der Korpus.

Ab 1992 gab es nur noch zwei Optionen: wahlweise geflammtes oder gewölktes Ahorn für die nun deutlich dünnere Decke sowie eine Auswahl aus vier vorgegebenen Farben. Alles weitere war festgelegt, inklusive des Halstyps (Vogelaugenahorn mit Palisandergriffbrett), der Tonabnehmer-Bestückung (DiMarzio HSH) und der Vibrato-Einheit (Lo-Pro Edge in cosmo black).

Eine weitere neue Serie wurde American Master genannt; sie brachte erstmals Ibanez-USA-Gitarren und -Bässe mit durchgehendem Hals, deren Holz-Parts von der kalifornischen Firma Wildwood stammten. Und dann – man schrieb das Jahr 1992 – rief Hoshino das neue Label Starfield ins Leben, um dessen Umsetzung sich ebenfalls H&S kümmerte.

Im Ibanez-Endorser-Custom-Shop in der Case Avenue arbeiten hauptsächlich zwei Gitarrenbauer, Michael Lipe und Mace Bailey, sowie der für die Artist Relations zuständige Chris Kelly. Hier wurden nur Instrumente für die Ibanez-Spieler gebaut, keins davon ging in den normalen Handel oder an gewöhnliche Musiker. In diesem Custom Shop bauten die Gitarrenbauer die Instrumente komplett aus dem Rohholz, verwendeten also keine vorgefertigten Teile.

Außerdem waren sie für die Wartung und eventuelle Modifikation der Künstler-Gitarren zuständig. Nebenbei sollten sie auch noch R&D, also die Entwicklung neuer Design-Ideen, leisten. So entwickelten und bauten sie etliche Prototypen für neue Ibanez-Serien, auch für die junge Marke Starfield.

Es wurde von jedem Gitarrenbauer erwartet, dass er mindestens fünf Custom-Gitarren pro Monat baute, was bei all den zusätzlichen Aufgaben schnell in Stress ausarten konnte. Beide Ibanez-Custom-Shops in Kalifornien waren selbstständige, unabhängige Betriebe. H&S-Guitars wurde von Hoshino USA bezahlt, während der Endorser-Shop bei Hoshino Japan in Lohn stand. Es wird auch berichtet, dass H&S einmal die Räumlichkeiten des Endorser-Shops in der Case Ave. für spezielle Lackierarbeiten mietete, weil die Gitarrenbauer dort mehr Erfahrung im Lackieren hatten.

Chris Kelly, der Artist-Relation-Mann, stellte den Kontakt zu den Musikern her und versuchte sie an Ibanez zu binden. Die Endorser wurden in drei Kategorien eingeteilt: Die AEndorser bekamen drei bis vier Gitarren jährlich in jeder beliebigen Form und Ausstattung, solange die Ibanez-Kopfplattenform gewahrt blieb.

Die B-Endorser konnten sich über zwei Gitarren pro Jahr freuen und hatten ebenfalls bis auf die Kopfplatte die freie Wahl. Die C-Endorser bekamen pro Jahr eine bereits fertige Gitarre aus dem Lager, bei der lediglich Wünsche bezüglich der Pickup-Bestückung geäußert werden durften.

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The End

Doch sowohl Starfield als auch die Superstrats made in USA gerieten mit dem Aufkommen von Grunge und dem Retro-orientierten Gitarrengeschmack in eine Krise, die dazu führte, dass H&S Guitars um 1994 herum geschlossen wurde. Lediglich der für die Ibanez-Endorser zuständige Shop blieb am Leben und existiert heute noch, allerdings in einer kleineren Werkstatt in North Hollywood.

Doch zur gleichen Zeit vermeldete Hoshino USA in Bensalem eine erneute Zusammenarbeit mit einem amerikanischen Hersteller – Dave Bunker mit seiner Firma PBC, in Coopersburg/Pennsylvania ansässig, baute für Hoshino nun die USRG-Serie, deren Instrumente mit einem innovativen, sogenannten Tension-free-Halssystem ausgestattet waren, bei dem die Saitenspannung komplett vom Stahlstab übernommen wird, damit der Hals frei resonieren kann.

PBC baute die Gitarren von Grund auf selbst, nur die Pickups und die Hardware wurde angeliefert. Etwa drei Jahre lang, von 1993 bis 1996, dauerte die Zusammenarbeit. Die USRG-Serie erschien in drei verschiedenen Ausstattungsvarianten und mehrere tausend Gitarren (!) sind so entstanden – sowie auch die ersten Bässe der ATK-Serie, die ebenfalls mit diesem speziellen Hals ausgestattet waren.

Die Gitarren der USRG-Serie sind denn auch die letzten der in USA gebauten Ibanez-Gitarren gewesen. Genau wie ihre Vorläufer genießen auch sie in der Ibanez-Szene einen ausgezeichneten Ruf.

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Big in Japan

Ab 1997 trat dann der japanische J.-Custom-Shop auf den Plan und stellte seine Serien vor – ebenfalls hochklassige Gitarren in limitierten Stückzahlen und besonderen Ausführungen, die vor allem auf die Kundschaft in Japan ausgerichtet waren. Kaum mehr als eine Handvoll Modelle des J-Custom-Shop kamen bisher in den westlichen Handel, sehr zum Bedauern vieler Ibanez-Fans. Im Internet kursierte sogar eine öffentliche Petition, mit der man Hoshino Gakki überzeugen möchte, wieder einen Ibanez Custom Shop USA zu installieren. Solange Hoshino dieser Petition noch kein Gehör schenkt, muss sich der geneigte Ibanez-Fan weiterhin auf dem Second-Hand-Markt nach einer USA-Custom-Gitarre umschauen.

J-Custom
FOTO: Oliver Pfänder, Archiv
Born in Japan: J. Custom ART-1 von 1997

Dank Internet ist der klare Standortnachteil, den in diesem Fall wir Europäer haben, nicht mehr so groß wie vor ein paar Jahren – aber es ist schon so, dass mit Abstand die meisten US-Customs natürlich in USA angeboten werden. Wobei die Preise hier bei uns, wenn denn mal eine der Amerikanerinnen hier auftaucht, tendenziell günstiger sind als in den Staaten. Je nach Modell und Zustand wird man zwischen € 600 und € 1000 inkl. Originalkoffer zahlen müssen.

In den USA wird man nur selten eine unter $ 800 (Plus Zoll und Fracht) bekommen. Die günstigsten sind wohl die UCMD Metal-Design-Modelle, die UCGR Graphics liegen bereits im Bereich von $ 800 bis $ 1100, wobei man hier sehr große Unterschiede je nach verwendetem GraphikMotiv und Konstruktion (Einlagen, Pickups, Hardware etc.) vorfindet.

Es gibt einige sehr gefragte Grafiken wie z. B. „Cosmic Swirl“, aber auch reichlich eher normale Finishes, die keinen Fan mehr in Wallung versetzen. Beliebter sind da die USRG-Modelle mit ihrem „tension free neck“. Sie bringen locker vierstellige Summen von $ 1100 bis $ 1400, während die seltenen American Masters sogar höher als $ 1500 gehandelt werden.

Auf die Frage, welche der US-Custom-Serien am besten sind, antwortete mir Oliver Pfänder, ein Ibanez-Sammler, der mir dankenswerterweise mehr als eine Handvoll Infos zu den US-Custom-Modellen zusteckte: „Man muss ganz klar sagen, dass die UCGR Graphic- und die frühen 1990/1991er UCEW Exotic-Wood-Serien in Sachen Verarbeitung nicht auf einem Niveau mit den hochwertigen Ibanez-Serienmodellen jener Zeit à la RG770 oder JEM lagen.

Insbesondere die Holz-Parts, die aus Japan gekommen waren, passten oftmals nicht perfekt zueinander. Z. B. waren die Halstaschen recht großzügig gefräst. Ganz anders sieht’s bei den späteren UCEW Exotic Woods von 1992 aus. Das waren komplett in USA handgemachte Kleinseriengitarren von Hosono Guitarworks und kommen daher wie aus einem Guss, die – um beim obigen Beispiel zu bleiben – keinerlei Spiel in der Halstasche aufweisen, sanft und händisch verrundete Halsübergänge haben und durch eine exquisite Holzauswahl überzeugen.

Eine ähnlich hohe Qualität erreichten auch die USRGs aus dem Hause Bunker Guitars mit ihrem tension free neck – nur hat Dave Bunker bei einigen Lackierungen etwas Pech gehabt, deren Pigmente sich im Lauf der Zeit stark verfärben, z. B. transparent purple, das im Lauf der Jahre gern in Richtung capuccino brown abdriftet.

Den heiligen Gral in Sachen Verarbeitung und Exklusivität sollen jedoch die allerersten American-Master-Modelle aus der Werkstatt von Roger Gresco darstellen, allerdings fehlt mir da die Erfahrung und ich bin bei solchen Grals-Mythen von Natur auch immer etwas skeptisch. Nur weil es davon wenige Exemplare gibt, heißt das noch lange nicht, dass die auch automatisch sehr gut sind.“

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Tabelle: Ibanez Standard-Modelle

Alle USA-Custom-Gitarren hatten die lange Mensur (648 mm) und die Bundanzahl (24) gemeinsam, ebenso die Tatsache, dass kein Schlagbrett verwendet wurde. Die Pickups saßen meist direkt im Holz und die Elektronik wurde in rückwärtige Fräsungen installiert. Bis auf die USRG-Serie konnten alle Instrumente nach Wunsch konfiguriert werden, was Holzauszahl, Hardware- und Pickup-Ausstattung sowie verschiedene Hals-Optionen wie Griffbrettmaterial, Einlagen, Einfassung und „reversed“ Kopfplatte.

Die hier in der Tabelle aufgeführten Beispiele stellen die Standard-Modelle der jeweiligen Serien dar – so wie sie z. B. in die Läden ausgeliefert worden sind, wenn diese keine individuellen Kundenbestellungen vorliegen hatten.

Mit Klick auf das Bild vergrößerst du die Tabelle.

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Autor: Heinz Rebellius

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