Top of the Line!

Test: Airbourne by Maybach 1 CHW Artist PP

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(Bild: Dieter Stork)

Bereits auf dem Mannheimer Guitar Summit 2025 stellte Maybach unter dem Label Airbourne erste Prototypen seiner Metal-Gitarren vor. Nachdem man bislang primär mit vintage-orientierten Modellen beachtliche Erfolge erzielen konnte, war ein paralleles Lineup für den zeitgemäßen, beinharten und temporeichen Einsatz eigentlich nur eine Frage der Zeit.

Eigens für die neue Modellreihe hat Maybach am tschechischen Fertigungsstandort den Custom Shop erweitert, der auch schon in der Vergangenheit für spezielle Aufgaben zuständig war. Verwendet werden dort ausschließlich allerbestes Tonholz, hochwertige Hardware, Amber-Pickups, Edelstahlbünde und bewährte amerikanische E-Komponenten. Und das zum Lieferumfang zählende Maybach Deluxe Case ist auch nicht zu verachten.

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Die Hölzer (in Private Stock Qualität) bezieht Maybach übrigens vom selben Lieferanten wie populäre amerikanische und deutsche Edelgitarrenbauer. „Lefties” bietet Maybach ebenso wie Fixed-Bridge-Modelle zum gleichen Preis an, 7-Strings sind in Vorbereitung.

Spitze Hörner, schlanker Hals

Die Korpusbasis bilden zwei 30 mm dicke Hälften Okoumé, auch Gabun genannt. Das leichte afrikanische Laubholz findet zunehmend im Instrumentenbau Verwendung. Zwar ist es nicht mit Mahagoni verwandt, diesem aber zumindest optisch ähnlich.

Die 16 mm dicke, intensiv geflammte Ahorndecke (Qualität 5A), vom Mittelplateau zu den Rändern in einer Hohlkehle auslaufend, präsentiert sich als echter Eyecatcher, und wird vom Fake-Binding und hochglänzend polierten transparenten Purple-Poly-Finish vorzüglich in Szene gesetzt.

Den stimmigen Gegenpol bildet das nicht weniger kontrastreich geflammte Furnier der Kopfplattenfront. Die Oberflächen von Body, Deckenbinding, Halsrücken sowie Zargen und Rückseite der Kopfplatte hat man seidenmatt lackiert (Semi Satin).

Eine zuverlässig packende Rohrklinkenbuchse mündet im sauber und präzise gefrästen E-Fach, welches, wie auch die Federkammer, innen mit anthrazitfarbenem (Graphit-?)Lack überzogen wurde. Während der Kunststoffdeckel des E-Fachs Oberkante bündig abschließt, liegt der der Federkammer auf. Da hier eine reine Humbucker-Schaltung ohne Coil Splits vorliegt, muss der Lack auch nicht als Abschirmung dienen.

Die mit beeindruckender Präzision gefräste Halstasche hält den 5A-geflammten Ahornhals zuverlässig in Position. Vier einzelne M5-Senkkopfinbusschrauben und im Halsfuß eingelassene Gewindehülsen garantieren nicht nur hohe Stabilität, sondern die saubere Fräsung auch beste Schwingungsübertragung. 24 Extra-Jumbo-Edelstahlbünde verteilen sich auf dem Ebenholzspielfeld, allesamt geplekt und inklusive der gerundeten Kanten sorgfältig poliert.

Derweil beschränken sich Lagenmarkierungen auf weiße Sidedots. Ein Gotoh-Klemmsattel führt die Saiten zu den geschmeidig und präzise arbeitenden Maybach Locking Tunern, deren Klemmvorrichtungen mittels Thumbwheels bedient werden. Ein Kragen, der außerhalb der Reichweite der Greifhand platziert wurde, stabilisiert die kritischste Zone am Übergang zur rückwärtig geneigten Kopfplatte. Den Zugang zum Halsstab verschließt eine Aluplatte mit „Airbourne by Maybach”-Logo.

Kopfplattenrückseite mit Volute und Locking Tuner (Bild: Dieter Stork)

Am anderen Saitenende beschäftigt die Airbourne 1 Artist ein Gotoh 1996T FR-Style-Vibrato, dessen freischwebende Basis ein Stück weit in die Decke eingelassen wurde. Das Drehmoment des steckbaren, in einer Kunststoffmanschette lagernden Hebels lässt sich über eine seitliche Madenschraube justieren. Hier wackelt also nichts, und mechanische Geräusche bleiben außen vor.

Höhenjustierbar direkt mit dem Body verschraubt, kommen speziell für die Airbourne entwickelte HyperNova-Humbucker vom deutschen Hersteller Amber zum Einsatz, die mit Keramikmagneten und sechs Torx-Polschrauben pro Spule bestückt wurden. Verwaltet werden sie per CRL-Dreiwegschalter, CTS-Master-Volume- und -Tone-Reglern.

Elegantes Workhorse

Das schicke Design bietet zugleich auch die Vorzüge gelungener Ergonomie. So entpuppt sich die Deckenwölbung als komfortable Auflage für den rechten Unterarm. Der für einen Schraubhals recht fließende Halsübergang gewährt der Greifhand barrierefreies Spiel bis in die höchsten Lagen, und der semi-satinierte glatte Halsrücken könnte dank seines schlanken Profils und der vorbildlich gerundeten Kanten der fetten Jumbobünde die Basis für neue Shred-Rekorde liefern.

Zudem sorgt der rückseitige Ergo-Cut des Bodys für hohen Tragekomfort und angenehmen Körperkontakt. Sowohl am Gurt als auch auf dem Bein zeigt die Airbourne beste Balance, und trotz seiner schlanken Statur lässt sich der Hals vorzüglich bespielen. In Kooperation mit dem Klemmsattel arbeitet das Gotoh-Vibrato absolut stimmstabil und verkraftet selbst heftigste Up- und Down-Bendings.

Schon beim unverstärkten Akkordanschlag punktet die Airbourne 1 mit kraftvollem, perfekt ausgewogenem Klangbild, das von sattem definiertem Fundament, straffen Mitten, seidigen Höhen und breitem Obertonspektrum geprägt ist. Dabei schwingt sie intensiv bis in jede Korpus- und Kopfplattenecke und zeigt dabei beeindruckendes, kontinuierlich abklingendes Sustain. Ihre direkte, spontane und artikulierte Ansprache kommt ebenso dynamischem und facettenreichem Spiel zugute wie ihre blitzschnelle Tonentfaltung.

Auf dieser Gitarre muss ich mich nicht lange einspielen, wenngleich die Anordnung bzw. Ausrichtung von Volume-Regler und Schalter für mein Empfinden nicht ganz optimal gelöst wurde. Ran an den Amp! Ja, jetzt kommt der Dommers schon wieder mit seinen Cleansounds?! Wen interessieren bei einer derart heißen Axt sowas überhaupt, Cleansounds?!

Aber hallo, diese hier dringen dermaßen lecker ans Ohr und machen die Airbourne 1 erst so richtig vielseitig. Da drückt vollmundig, breit und warm der Halspickup klare, leicht schmatzige Klänge mit definiertem Bass (ohne Wummern!) aus den Speakern und zeigt dabei eine Ausgewogenheit, Dynamik und Transparenz, dass selbst Jazzpuristen hellhörig werden dürften.

An Balance und Klarheit steht dem der Stegkollege in nichts nach und glänzt mit klaren, straffen Bässen, stringenten Mitten, glasklaren aber keineswegs übermäßig bissigen Höhen und lässt insgesamt sogar eine gewisse Wärme erkennen.

Erwartungsgemäß kommt die Kombi beider Humbucker wunderbar glockig, spritzig und lebendig daher. Unabhängig von der Konstellation geizt die Airbourne 1 nicht mit Obertönen. So lassen sich ihr sogar Flageoletts über dem dritten Bund entlocken.

Liebe Zerrgemeinde, mit beinahe prophetischen Fähigkeiten hat Maybach euer Flehen bereits vorab erhört, und so liefern die Amber-HyperNova-Pickups Overdrive- und High-Gain-Sounds vom Feinsten: Satter Druck am Amp ohne undifferenzierte oder gar störende Tieffrequenzen, selbst im High-Gain-Betrieb enorme Durchsetzungskraft im Band-Kontext durch kraftvolle Mitten, präzise und dynamische Artikulation dank geschmackvoll abgestimmter Höhen, das alles unterstützt vom stabilen Sustain der Gitarre.

Das angenehm schlanke Halsprofil, die perfekt gerundeten Edelstahlbünde, der stressfreie Zugang zu den höchsten Lagen und nicht zuletzt die flinke Ansprache und sehr gute Dynamik machen die Airbourne 1 zu einem schnellen, zuverlässigen Workhorse. Während das Volumepoti über seinen gesamten Regelbereich kontinuierlich und präzise arbeitet, entfaltet der Tonregler seine eigentliche Wirkung quasi erst auf der Zielgeraden.

E-Fach (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Nach bislang überwiegend traditionellen Gitarrenmodellen, mit denen Maybach den Markt ordentlich aufgemischt hat, möchte sich der Hersteller mit seiner neuen Airbourne-Linie in der Rock- und Metalszene Gehör verschaffen. So gesehen legt er mit der Airbourne 1 Artist schonmal einen vielversprechenden Start hin. Die überaus ansprechend designte Gitarre entpuppt sich als klanglich höchst flexibel und legt sich keineswegs auf das angedachte Musikgenre fest.

Nachdem mich der aufgerufene Preis für die im tschechischen Maybach Custom Shop gefertigte Gitarre zunächst irritiert hat, muss ich am Ende feststellen, dass ich diesen angesichts extrem gestiegener Kosten für 5A Hölzer, für High-End-Hardware und -Pickups sowie für Entwicklung und Herstellung absolut nachvollziehen kann, vor allem wenn ich die Preise mit denen etablierter Edelhersteller im In- und Ausland vergleiche.

Unsere Protagonistin lässt keinerlei Wünsche offen, punktet mit exzellenten Resonanzeigenschaften, bester Bespielbarkeit, breitem Klangangebot und vorbildlicher Verarbeitung bis ins kleinste Detail. Kurz, für die gebotene Qualität halte ich den Preis für absolut angemessen.

Plus

  • Clean-, Crunch und High-Gain-Sounds
  • Ansprache, Dynamik & Sustain
  • Qualität Hardware & Pickups
  • Schwingungs- und optische Qualitäten der Hölzer
  • Design
  • Spielbarkeit
  • Verarbeitung
  • Preis/Leistung

Übersicht

Fabrikat Airbourne by Maybach
Modell 1 CHW Artist PP
Typ Solidbody E-Gitarre
Herkunftsland Tschechien
Mechaniken Maybach Locking, gekapselt, 18:1
Hals Flame Maple, verschraubt
Sattel Gotoh Locking
Griffbrett Ebenholz, Perloid Sidedots
Radius 14″
Halsform C, oval, schlank
Halsbreite Sattel 42,95 mm; XII. 53,46 mm
Halsdicke I. 19,80 mm; V. 20,15 mm; XII. 20,73 mm
Bünde 24, Extra-Jumbo (2,75 x 1,50 mm), Edelstahl
Mensur 648 mm
Korpus Okoumé (Gabun); Decke: 5A Flame Maple (16 mm, gewölbt), Fake Binding
Oberflächen Decke/Kopfplatten-Front: Purple High Gloss, Polyurethan transparent; Korpus/Hals/Kopfplatten-Rückseite: Natural Semi Satin
Tonabnehmer 2x Amber HyperNova Humbucker (Hals 7,67 k; Steg 13,23 k), Keramikmagnete
Bedienfeld Master-Volume, Master-Tone (CTS), 1x Dreiweg-Pickup-Schalter (CRL)
Steg Gotoh 1996T Locking Vibrato (FR Style)
Hardware verchromt
Gewicht 3,37 kg
Lefthand-Option ja, ohne Aufpreis
Internet maybach-guitars.de
Zubehör Maybach Deluxe Case, 2 Justierschlüssel, Vibratohebel
Preis (UVP) € 4590

(erschienen in Gitarre & Bass 10/2026)

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