Sommernachtstraum

Test: Eastman FullerTone Offset ’62

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(Bild: Dieter Stork)

„Unser Ziel war einfach: Wir wollten nach den Sternen greifen und eine Gitarre bauen, die zu gut ist, um wahr zu sein – zu gut, um sie aus der Hand zu legen.“ Holla: Well roared, Lion! (William Shakespeare ‚Ein Sommernachtstraum‘), also: Gut gebrüllt, Löwe! Schauen wir doch einmal, ob Eastman dieses bescheidene Versprechen halten kann.

Mit der FullerTone-Serie beeindruckt Eastman im Segment der Schraubhalsgitarren durch frische Designs. Designs, die traditionell Bewährtes mit bester Spielbereitschaft, hoher Funktionalität und souveränen Klangeigenschaften in Einklang bringen wollen, und das zu erschwinglichen Preisen. Eastman hat das FullerTone-Konzept aktuell um die neue Offset ’62 ergänzt, erhältlich in den Farben Dakota Red und Gold.

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ZÄHNE ZEIGEN!

Das zum Test vorliegende FullerTone-Offset-’62-Modell ist eine in China vom eingespielten Eastman-Team in eigenen Werkstätten mit etwas anderen Materialien seriell hergestellte und damit natürlich auch preisgünstigere Variante der Offset ’62 vom vor zwei Jahren auf der NAMM Show vorgestellten D’Ambrosio-Modell. Das Letztere gab es in exklusiver Einzelfertigung vom US-Master Luthier Otto D’Ambrosio.

Gemeinsam mit dem YouTuber Paul Davids hat Eastman daran gearbeitet, das Offset ’62-Konzept im Sinne allgemein gültiger Praxistauglichkeit weiterzuentwickeln. Dazu gehört die Verlegung des Kippschalters auf das Korpushorn vorn oben, die Anpassung der Unterarmkontur für verbesserten Spielkomfort und die Verlagerung des Lautstärkereglers näher an den Steg-Pickup für erleichterten Zugriff.

Zu den Details: Für den Korpus kam hitzebehandeltes Black Limba (aka Korina, afrikanisches Tropenholz, leichtgewichtig) zum Einsatz. Auch der einteilige, mit dem von Master Luthier Otto D’Ambrosio entwickelten FullerTone 2 Bolt Long Tenon Neck Joint (Zwei-Schrauben-System) am Korpus befestigte Hals aus Ahorn wurde „geröstet“. Er ist mit einem Griffbrett aus Palisander von 12“ Radius kombiniert und beherbergt 24 sauber kantenrund abgefaste, mittelstarke Bünde (Jescar FW47104-P) und Dots aus Perlmutt an den üblichen Stellen zur Lagenkennung.

Der leicht abgewinkelte Kopf mit Konturschnitt und Firmen-Logo auf der Frontseite ist mit Vintage-Style-Mechaniken in Sechserreihe ausgestattet. Von deren Wickelzylindern aus werden die Saiten mit geradem Zug auf den schmalen Sattel aus Knochen geführt. Über eine Nut ist davor auch der Zugriff auf den eingelegten Zweiwege-Halsstab möglich. Am Korpus laufen die Saiten über eine TOM Bridge zum Göldo DG-Tremolo (TDG1JM).

Zwei auf den Korpus geschraubte Tonerider-Soapbar-Humbucker mit Custom-Goldfoil-Cover lassen sich ganz konventionell allein oder zusammen mit einem Dreiwege-Kippschalter anwählen. Verwaltet werden sie von einem generellen Volume-Regler und zwei individuellen Tone-Reglern. Die Elektrik komplett machen hochwertige Komponenten wie Orange-Drop-Kondensatoren und 500 kOhm CTS-Potis. Regler und Elektronik sind auf ein großflächiges Silver-Anodized-Aluminum-Pickguard montiert.

Die Gitarre kam perfekt spielbereit eingestellt zum Test und ist in jeder Hinsicht hochwertig verarbeitet. Ein gut gepolstertes Softcase gehört zum Lieferumfang.

KÄFIG AUF!

Womit die Eastman FullerTone Offset ’62 sofort beeindruckt, das ist ihre elegante Haptik und in jeder Hinsicht angenehme Leichtigkeit der Handhabung. Auf dem Knie gespielt positioniert sie sich für ein Instrument mit 24 Bünden ausgesprochen nahbar. Meint, ihr Hals ragt wegen entsprechend gesetzter Korpustaille nicht allzu weit heraus und das Griffbrett ist auch im unteren Bereich leicht zu bespielen.

Stehend gespielt nimmt die Offset ’62 ebenfalls eine sehr komfortable und bestens ausbalancierte Position ein. Allerdings gilt es, das Halsprofil auf seine eigenen Befindlichkeiten hin abzuprüfen. Bei guter Breite ist es rundlich kräftig ausgebaut und passt damit vielleicht nicht in jede Hand. Wem dieses Profil aber liegt, der kommt voll auf seine Kosten.

FullerTone 2 Bolt Long Tenon Neck Joint (Bild: Dieter Stork)

Der Griff geschmeidig, Stützfunktion und Operationsradius optimal – da geht spontan viel und das mit angenehmer Mühelosigkeit selbst in höheren Lagen. Dank tief eingerichteter Saitenlage lassen sich alle spieltechnischen Manieren locker umsetzen. Schließlich: Der Mix aus fenderesker Mensur (648 mm) und gibsonalem Griffbrettradius (12“) funktioniert einfach perfekt.

Soweit so gut, aber es wird noch besser, denn die Kombination aus Black-Limba-Korpus mit kraftvollem Ahornhals, beides hitzebehandelt, setzt sehr schöne Schwing- und Klangeigenschaften frei. Was akustisch mit offenem Tonverhalten, guter Ansprache und feiner Transparenz überzeugt, sollte also beste Grundlagen für die elektrische Übersetzung schaffen.

Am Verstärker kommen die genannten Vorzüge denn auch voll zur Geltung. Die speziellen Tonerider Pickups (im Vergleich zum Humbucker-Standard als Soapbar-Modelle etwas schmaler und länglicher gestaltet) vermitteln ein originelles Tonbild.

Der Hals-Pickup, wegen der 24 Bünde etwas mehr nach hinten in den Korpus hinein versetzt – also nicht unter der zweiten Flageolett-Oktave der schwingenden Saite platziert, wie etwa bei einer Les Paul oder auch beim Hals-Pickup der Strat – gibt ein entsprechend helleres Klangbild heraus.

(Bild: Dieter Stork)

Kleiner Exkurs dazu: Als Gibson Ende 1959 den Halstonabnehmer der Les Paul Special wegen der eher schwachen Halsverbindung der Double-Cutaway-Konstruktion, mithin häufig Ursache für strukturelle Defekte, etwas weiter nach hinten in den Korpus hinein versetzte, war das eine durchaus umstrittene Maßnahme: „They ruined the neck pickup tone“ war zu lesen. Die Position des Hals-Tonabnehmers wurde traditionell durch die Mensur und das 22-Bund-Layout bestimmt.

Der Tonabnehmer ist dabei unterhalb der zweiten Oberton-Oktave der Saiten platziert, eine Abnahmeposition, die tatsächlich für die charakteristisch dicke, warme und holzige Klangübertragung des Hals-P-90 verantwortlich ist. Bis heute gibt es deshalb trotz der etwas fragilen Hals-Korpusverbindung Fans der älteren, nur wenige Monate produzierten und deshalb seltenen 1959er LP Specials mit der „richtigen“ Pickup-Positionierung.

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