Zu seinem neuen Album ,Lighthouse‘

Rock ‘n’ Roll Lighthouse: Duff McKagan im Interview

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(Bild: Charles Peterson)

Seit der Guns-N‘-Roses-Reunion scheint der Bassist mit Punkrock-Vergangenheit pausenlos durch die Welt zu touren. Daneben hat er in den letzten zwei Jahren Songs für Ozzy Osbournes ,Patient No. 9‘ und Iggy Pops ,Every Loser‘ eingespielt. In der Zwischenzeit verkündete Bob Dylan in einem Interview im Wall Street Journal, dass ,Chip Away‘ (von Duffs Zweitwerk ,Tenderness‘) ihn beeindruckt habe. Im Oktober erschien mit ,Lighthouse‘ eine neue Platte – mit wirklich großartiger und spannender Musik, die eine tiefe Melancholie und Akustik-Strumming mit Rock-‘n‘-Roll-Energie befeuerte. Wie geht so was?

Hallo Duff, wo bist du gerade?

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In Lexington, Kentucky. Das ist bekannt für sein großes Pferderennen, das Kentucky Derby. Ich bin gerade auf Tour mit Guns N‘ Roses.

1993 hast du dein erstes Soloalbum ,Believe In Me‘ rausgebracht. Hast du irgendetwas Neues gelernt in den letzten 30 Jahren was Songwriting und Rock‘n‘Roll-Feel betrifft?

Das hoffe ich doch. (lacht) Vor 30 Jahren war ich noch am Trinken und nahm Drogen. Das mache ich nicht mehr. Als ich diese Platte aufnahm, hatte ich 15 Jahre Erfahrung. Und jetzt sind es nochmal 29 Jahre mehr, die ich verbracht habe mit Spielen und im Besonderen mit der Akustikgitarre, genauso mit Songwriting/Singen und dem Hören von sehr viel Musik. Aufnehmen ist immer noch dasselbe für mich. Du baust ein Mikro auf und gibst dein verdammt Bestes.

Was hat dich zu deinen neuen Songs inspiriert?

Ich hatte vor Covid schon einige Songs fertig. Als es dann losging, habe ich jeden Tag aufgenommen. Erst dachte ich, es würde zwei Wochen dauern, dann vier Wochen, dann acht. Dann kam die Isolation, und man sah den politischen Auswirkungen auf der ganzen Welt zu – das alles beeinflusste mich. Mein Zuhause ist ein schöner Ort. Und zwischen mir und meiner Frau, unsere Kinder sind schon aus dem Haus, wurde unsere Beziehung noch stärker, eben durch Covid. Dabei sahen wir zu, wie die Welt zur Hölle ging, zumindest ein bisschen. Die Stücke bekamen eine andere Form wie ,I Saw God On 10th St.‘, es gibt auch politische Songs. Als Weltenbummler, der ich seit den 80er-Jahren bin, versuche ich, Sprachen zu lernen, damit ich wenigstens etwas von dem verstehen kann, was vor sich geht. Ich liebe Bücher und habe viel über verschiedene Kulturen gelesen, denn das interessiert mich. Und dann zu diesen Orten hinzufahren ist toll. Die letzten 35 Jahre haben unterschiedliche Kulturen mein Songwriting beeinflusst.

Was kannst du mir über den Aufnahmeprozess sagen?

Ich habe mein eigenes Studio in Seattle. Ein schönes kleines Studio mit guten Vibes aus den 50ern. Der alte Besitzer wollte es nur an Musiker verkaufen. Er bot es zu einem guten Preis an, was für Seattle ungewöhnlich ist. Es schien eine gute Sache zu sein, und ich kaufte das Studio. Der Aufnahmeprozess lief folgendermaßen ab: Wir brachten Mikrofone, ein Board, Preamps und solche Sachen in den Raum. Dann brachte ich meine Sachen mit, mit denen ich seit fast 40 Jahren aufnehme. Ich tauschte sie nie gegen neuere Sachen aus, denn mein altes Equipment klang immer besser. Ich habe mit Produzent Martin Feveyear zusammengearbeitet, er ist der Beste. Meistens haben nur er und ich die Sachen aufgenommen. Auf dem Album sind zehn Stücke, aber wir haben insgesamt 60 Songs aufgenommen, also wird da noch sehr viel mehr kommen. Auf ,Lighthouse‘ sind die ersten zehn, die textmäßig gut zusammenpassen und eine Geschichte erzählen.

Konzentriert bei der Arbeit: Duff mit Fender Jazz Bass (Bild: Charles Peterson)

Hast du alle Instrumente eingespielt?

Das meiste, was du hörst, ist von mir, aber ich hatte auch einige lokale Musiker dabei, wie Tim Dijulio, der viele Lead-Gitarren gespielt hat. Er ist unglaublich gut, so ein Mick-Ronson-artiger Spielertyp, in Richtung Faces. In Seattle ist er unser aller Lieblingsgitarrist, wie eben auch von Mike McCready (Pearl Jam, Anm. d. Red.). Hoffentlich bekommt Tim irgendwann etwas mehr Aufmerksamkeit.

Du hast auch Drums gespielt, oder?

Ja, aber das meiste wurde von Jamie Douglas eingespielt. Er ist der Schlagzeuger von Shooter Jennings. Doch er hatte Covid und konnte zuerst nicht kommen. Also haben wir das so gemacht, dass ich ihm neun Demos schickte und als es ihm besser ging, flog er her und nahm die Songs innerhalb einer Woche auf. Das haben wir dreimal gemacht. Jerry Cantrell kam noch rein und spielte Gitarre zu ,I Just Don‘t Know‘ und sang auch im Background mit. Es scheint so, als wären eine Menge Leute im Studio gewesen, aber es war mehr so eine zufällige Sache. Es gibt mit ,Hope‘ eine ältere Nummer, die ich 1996 mit Abe Laboriel Jr. an den Drums und Slash an der Gitarre aufgenommen habe. Während der Pandemie habe ich die Master-Bänder zurückbekommen, und wegen der Lyrics passte der Song gut zum Rest.

Und Slash musste wohl unbedingt mit dabei sein, oder?

Ich mochte das Stück so sehr, egal ob mit oder ohne Slash. Er hat so eine wunderbare Melodie gespielt und konnte sich nicht daran erinnern, dass sie von ihm ist, als ich es ihm vorspielte. Das Stück entstand in einer sehr düsteren Periode seines Lebens, 1996. Aber dieser Song zeigt, wie gut Slash ist. Er kann so etwas spielen und erinnert sich noch nicht mal daran.

Fotos aus dem Studio zeigen dich mit einer schwarzen Akustikgitarre und einem Fender Jazz Bass. Waren das deine Hauptinstrumente?

Meinen Jazz Bass benutzte ich so ziemlich auf allen Stücken. Ich habe seit vier Jahren keine Saiten gewechselt, und im Studio scheint er immer besser zu klingen. Während Covid kaufte ich online einen 1966er Hagström-Bass, den ich auch eingesetzt habe. Hast du solche Instrumente schon mal gesehen? Das ist ein Shortscale, was mir nicht bewusst war beim Kauf. Aber er klingt so cool. Als Bass-Amp setzte ich einen Fender Bassman 800 ein. Dann waren da noch einige verschiedene E-Gitarren und Acoustics. Meistens habe ich eine Burny Les Paul über ein Marshall-Halfstack oder einen Crate-Amp gespielt (weitere Infos siehe unten).


BASS, VERSTÄRKER & EFFEKTE

    • Fender Jazz Bass, 1966er Hagström-Bass, Custom Fender Precision Bass, Fender-Bassman-Amps (Röhre und Transistor) & -Boxen, Orange AD200B, SansAmp PSA-1

GITARRE & VERSTÄRKER

    • 1980er Guild Jumbo Acoustic, Burny Les Paul, Gibson Les Paul Custom, Marshall-JCM800-Hot-Rod-Amp, Oahu Tonemaster Vintage-Amp & -Cabinet

Wir sprachen gerade über die Gäste auf dem Album. In der Reprise zu ,Lighthouse‘ hört man Iggy Pop, nur anderthalb Minuten lang, die aber ziemlich intensiv geraten sind. Er spricht lediglich und klingt wie ein Geschichtenerzähler, mit diesem geradezu kratzigen wie düsteren Timbre. Er scheint für dich generell jemand Besonderes zu sein. Du hast etwas zu Iggys letztem Album ,Every Loser‘ beigetragen und warst mit ihm auf Tour.

Für mich ist da Iggy, da ist Lemmy und da ist Prince. Und Iggy ist der einzige, der noch am Leben ist. Ohne ihn würde ich nicht diese Art von Rock‘n‘Roll spielen. Nie im Leben! Ich half bei seinem Album, ich probte mit ihm und wir spielten insgesamt fünf Shows. Wir mussten vorher die Setlist zusammenstellen, und ich sagte zu allem einfach nur OK. Dann bot ich ihm an, bei ,Lighthouse‘ mitzumachen. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie das passierte. Ich erinnere mich an den Moment, wie ich die Aufnahme von ihm bekam – er spricht meinen Text, Wahnsinn! Wir bildeten die Musik drumherum. Ich meine Iggys Stimme, das ist die Stimme von Gott!

Seit 2015 wieder vereint: Duff, Axl und Slash (Bild: Universal Music)

Als ich den neuen Guns-N‘-Roses-Song ,Perhaps‘ hörte, musste ich an dein neues Album denken. Denn ,Perhaps‘ transportiert einen ähnlichen Mix aus Singer/Songwriter-Ansatz und Rock-Energie. Vielleicht etwas ungewöhnlich für Guns N‘ Roses.

Ich mag ,Perhaps‘ und die Lyrics von Axl, wenn er singt: „Vielleicht lag ich falsch.“ Für jemand wie ihn bedeutet das schon viel, so etwas zu sagen. Hast du das Video gesehen?

Ja.

Wir sehen aus wie eine zufriedene Band, die hart arbeitet. Wir stehen enger zusammen denn je und spielen wirklich richtig gut. Es ist großartig zu sehen, dass Axl jede Nacht so eine gute Zeit hat. Ich denke ,Perhaps‘ ist ein wundervoller, kleiner Song.

Können wir ein neues Guns-N‘-Roses-Album erwarten?

Vielleicht?!


(erschienen in Gitarre & Bass 01/2024)

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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Cooles Feature. Danke dafür. Eine Kleinigkeit noch am Rande. Seine beiden Solo Ausflüge mit Duff McKagan’s LOADED sind auch super. Die machen auch heute noch, nach X Jahren, sehr viel Spaß und seine Begleitmusiker darauf sind auch Top-Leute. Toller Rock ‘n’Roll / Hard Rock mit leichten Punk Einschlag. Dazu gibt’s ne erdige Produktion “on top”. Somit stellen “Sick” und “The Taking” die in letzter Zeit veröffentlichten GNR Songs (Füller) mit Leichtigkeit in den Schatten. Viel Spaß beim reinhören und entdecken.

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  2. Der Song „Perhaps“ von Axl Rose gesungen,klingt teilweise fast schon wie die Stimme von David Bowie (R.I.P.). Duff MacKagan ist ja sowieso ein alter Hase,der weiß,wie gute Songs funktionieren.Und Ozzy Osbourne‘s „Patient No.9“ ist für mich der absolute Hammer Song,den ich immer wieder sehr gerne höre.Daß Duff MacKagan diesen Songtitel einspielte,war mir bisher noch nicht bekannt,deshalb absoluten Respekt für dieses großartige Werk!

    Kompliment auch an Slash,von dem ich noch ein uraltes Werbeplakat mit der Abbildung seiner knallroten B.C.Rich Mockingbird besitze,als er für Marshall Amps warb,die er auch live on Stage gerne einsetzte. Dieses Marshall Reklameposter ist mittlerweile extrem selten geworden,ich bekam es damals in den frühen 1990er-Jahren von meinem Berliner Gitarrenhändler geschenkt,und habe es gut verwahrt,damit es nicht beschädigt wird. Bei Gelegenheit werde ich es mal Rahmen lassen und an die Wand hängen.

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    1. Interessant, das mal die Verwendung einer Burny Ley Paul dokumentiert wird. Das ist eine Marke von drei Gitarrenbrands, die es doch nicht über all die Jahre aus dem Geheimtipp-Staus heraus geschafft haben, in die vorderen Reihen zu rutschen (die beiden andern Marken sind Tokai und Greco) – sind eigentlich weitere bekannte Musiker bekannt, die Instrumente dieser Marken nutzen? Oder genutzt haben? Mir ist da nur SRV bekannt, der eine Tokai Strat als back-up Modell genutzt haben soll…

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      1. Interessant zu beobachten,daß bis heute so manche(r) Gitarrist/-in den Kauf einer E.-Gitarre davon abhängig macht,welcher bekannte Endorser ein ganz bestimmtes Gitarrenmodell („Signature-Serie“) bewirbt.,-bzw. bespielt.

        Ich frage mich doch ernsthaft,worin besteht der gravierende Unterschied zwischen einer (teuren) XY-Signature Gitarre,und einem gleichermaßen mit selbigen Hardwareteilen und Hölzern bestückten XY-Gitarrenmodell,jedoch ohne Limited Vermerk und Signature Special Etikett?

        Ist es vordergründig die infantile Naivität erwachsener Leute,die anscheinend wirklich noch daran festhalten,daß nur sehr speziell als limitierte Signature Gitarren deklarierte,vom jeweiligen Hersteller zum weitaus höheren Preis angebotene Instrumente wirklich etwas taugen?

        Ein Phänomen,das die Gitarrenfabrikanten mit ihren mitunter sehr schlau inszenierten Werbeaktionen bis dato immer noch marketingstrategisch erfolgreich umsetzen. Es gibt wahrscheinlich stets auch zukünftig Leute,die sich von diesen besagten Produkten blenden lassen.

        Und bezüglich der (zweifelsfrei sehr gut klingenden!) Tokai und Greco „Pseudo-Label“ Elektrischen aus Japan,-ist,-und war es faktisch absolut niemals relevant,ob diese wahrhaft großartigen Gitarrenmodelle jemals von einem berühmten Musiker beworben wurden,-oder eben nicht. Greco Strats beispielsweise,wurden damals schon Mitte der 1970er-Jahre teilweise von Kanda Shokai im japanischen Matsumoku und in Nagoya/Nagano kurioserweise im Auftrag von Fender U.S.A. gefertigt. Greco Stratocaster Modelle der 500er-Serie aus dieser Epoche, sind heute aufgrund ihrer damalig sehr hohen Verarbeitungsqualität und ihrer top Klangeigenschaften unter Sammlern enorm gefragt.

        Bei Greco gab es übrigens kein einziges limitiertes Signature Guitar Exemplar zu kaufen. Wer gegenwärtig noch eine Greco im Originalzustand besitzt,wird sie ganz sicher nie verkaufen wollen.

        Eigentlich sind Namen,wie Greco,Burny,El Maya,Tokai,Kawai und Stagg (Japan Aera) dato lediglich (leider!) nur den Insidern bekannt,die diese „Pseudo-Markenlabel“ sehr schätzen.
        Wobei aber auch die hochwertigen „Starfield/made by Ibanez“ Gitarren Serienmodelle aus den frühen 1990er-Jahrgängen,die zu dieser Zeit bei Fujigen-Gakki,(der Edelschmiede in Japan) schon eher bekannt sind.

        Die heutige große Auswahl an unterschiedlichsten Gitarren-Markenlabels verwirrt vermutlich so manchen Neu-Einsteiger oder Profi-Gitarristen dermaßen,daß er hier die Qual der Wahl hat.

        Mir persönlich ist es letztlich völlig egal,ob eine gut klingende Gitarre nun von einem weltberühmten Musiker aktiv beworben wurde,oder nicht. Entscheidend ist für mich die Verarbeitung,die Haptik,das Gewicht,der Preis,die Optik,die verwendeten Hölzer,die wertige Hardware,und der Klang einer Gitarre,-dies ist es doch,was zählt!

        In diesem Sinne…

        Rock on!

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