Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
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Slash Collection

Test: Gibson Slash „Victoria“ Les Paul Standard Goldtop

(Bild: Dieter Stork)

Gibson und die britisch-US-amerikanische Gitarren-Ikone präsentieren stolz die Slash Collection, die die einflussreichsten Gibson-Modelle umfasst, die Slash während seiner Karriere benutzt hat.

Slash, der seit seiner Zeit bei Guns N’ Roses überwiegend Les Pauls spielt, war für den erneuten Erfolg dieses Gitarrenmodells verantwortlich und nicht unerheblich an der Wiederbelebung des US-Herstellers in den 80er-Jahren beteiligt. Seitdem besteht eine enge Zusammenarbeit, aus der unzählige Gibson- und Epiphone-Signature-Modelle hervorgingen bzw. sicherlich noch gehen werden.

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Und warum taufte er die neue Goldtop auf den Namen Victoria? Weil Slash erfahren hatte, dass eine gleichnamige Dame für den Ende der 90er begangenen Diebstahl seiner 1991er Goldtop und etlicher anderer Gitarren verantwortlich gewesen sein soll. Damit wäre das also auch geklärt.

By the way: Eine Reissue der gestohlenen Les Paul kam bereits als Slash Les Paul Goldtop 2008 mit Seymour-Duncan-Alnico-2-Pro-Humbuckern in 1000er-Auflage auf den Markt.

Zur Gibson Slash Collection zählen vier Les Paul Standard Bursts, zwei J-45-Akustikgitarren – jeweils in unterschiedlichen Finishes – und die hier vorgestellte Les Paul Standard Goldtop „Victoria“.

BEWÄHRTES

Wie bei diesem Gitarrentyp üblich, finden zwei Hälften Mahagoni für den Korpus, Ahorn für die gewölbte, cremefarben eingefasste Decke und ein einteiliger Mahagonihals mit indischem Palisandergriffbrett Verwendung, welches ebenfalls von cremefarbenem Binding umgeben ist. Zwar weist Gibson ausdrücklich darauf hin, dass man den Body nicht „weight reliefed“ hat, also weder Bohrungen noch Hohlkammern das Gewicht reduzieren, jedoch nimmt der recht großzügig bemessene Kabeltunnel, der vom PU-Schalter durchgehend bis zum E-Fach verläuft, einiges an Gewicht weg.

Handverdrahtet (Bild: Dieter Stork)

Ein Blick in die Fräsung des Hals-Pickups verrät auch, dass Gibson, anders als bei seinen Custom-Shop-Modellen, auf einen langen Halsfuß (long tenon) verzichtet. Immerhin orientiert man sich hinsichtlich der Deckenwölbung wieder mehr an traditioneller Formgebung. Das rautenförmige Blech, auf dem im E-Fach die Potis montiert wurden, ersetzt die Masseverbindungen der Regler untereinander und dient zugleich als Abschirmung nach vorne.

Ansonsten kommen Orange-Drop-Kondensatoren für die Tone-Potis zum Einsatz, und alles wurde handverlötet! Als Gurthalterungen dienen Security Locks, deren Gurtstücke neben etlichen weiteren Goodies zum Lieferumfang zählen. Nun ja, der dünne, etwas labbrige schwarze Gibson-Ledergurt kommt dann wohl eher aus der Budget-Schublade. Aber immerhin.

Abgerundete Inlay-Ecken (Bild: Dieter Stork)

Alle 22 Medium-Jumbo-Bünde und deren Binding-Übergänge hat man vorbildlich abgerichtet, verrundet und poliert. Ob von Hand oder per PLEK Machine ist dann auch egal, das Ergebnis zählt. Acryl-Trapez-Inlays – die mit den runden Ecken – und schwarze Sidedots erleichtern die Navigation. Die Kerben des weißen GraphTech-Sattels hätte man allerdings noch optimieren können, hier ist noch viel Luft nach unten. Der klassische Glockendeckel mit Slash-Signatur verschließt den Zugang zum Halsjustierstab. Eine Blanko-Version liegt bei.

Da geht noch was: Saitenlage am Sattel (Bild: Dieter Stork)

Kluson-style Gibson-Deluxe-Vintage-Keystone-Tuner, frontseitig zusätzlich von Kontermuttern gehalten, gestatten geschmeidiges, präzises Stimmen. Die Rückseite ziert das Markenzeichen des Protagonisten, das Skully-Emblem.

Als Steg und Saitenhalter kommen wie gewohnt Tune-o-matic und Stop Tailpiece zum Einsatz. Die Stegpfosten ruhen nicht direkt in Decke bzw. Korpus, sondern in Gewindeeinsätzen und lassen sich komfortabel per Inbusschlüssel justieren. Entsprechendes Werkzeug liegt bei. Obacht ist beim Saitenwechsel angesagt, denn die Reiter können herausfallen.

Die offenen Humbucker, eine Kooperation von Gibson und Slash, sind modifizierte Custom BurstBucker. Verwaltet werden sie per Dreiwegschalter und jeweils Volume und Tone. Bei Auslieferung ist das beiliegende cremefarbene Kunststoff-Pickguard weder montiert noch deren Schraubenlöcher gebohrt.

ZERSTÖRUNGSLUST?

Mitnichten! Das ist lediglich die Übersetzung von ‚Appetite For Destruction‘. Mit ihren exakt 3,9 Kilogramm und am Gurt bestens ausbalanciert liegt die neue Slash Signature 100 Gramm unter dem von vielen Usern propagierten Idealgewicht einer Les Paul Standard. Das 58er-C-Halsprofil, das meine Hand perfekt und komfortabel ausfüllt, hat Gibson sehr gut hinbekommen. Der klassische Halsfuß und der an dieser Stelle 54 mm dicke Body machen das Bespielen der höchsten Lagen nicht gerade einfach, aber das kennen Les-Paul-Spieler und können damit gut leben, und zwar seit fast 70 Jahren.

Ich würde mir jedoch von Gibson noch leichtgängigere Potis wünschen, obschon sich die vorliegenden schon leichter drehen lassen als die der vergangenen Jahre. Victoria spricht sehr direkt und akzentuiert an, reagiert präzise auf variablen Anschlag, zeigt schnelle lebendige Tonentfaltung sowie langsam und gleichförmig abklingendes Sustain. Alles prima, so soll es sein. Unverstärkt tönt sie kraftvoll, ausgewogen, warm und obertonreich.

Wie alle Gibson 57 Classic, BurstBucker (außer BurstBucker Pro) und Mini-Humbucker sind auch die Custom BurstBucker der neuen Slash Goldtop mit Alnico-2-Magneten bestückt. Dank ihrer höheren DC-Widerstandswerte liefern die Pickups erwartungsgemäß etwas mehr Output als die zum Vergleich herangezogenen BurstBucker 1 und 2 einer 2007er Historic R7 mit 7,42 bzw. 7,93 kOhm.

Sowohl der Hals- als auch der Steg-Custom-BurstBucker klingen am cleanen Amp insgesamt voluminöser und vollmundiger, etwas perlender und samtiger, dafür aber nicht ganz so spritzig und vital in den Höhen wie die jeweiligen (Standard-)BurstBucker. Etwaige Transparenz-Defizite kann ich nicht feststellen. Der Hals-PU kommt mit warmen aber differenzierten Bässen, bluesig schmatzenden Mitten, glockigen Höhen und beachtlichem Obertonpotenzial wunderbar ausgewogen daher, zeigt präzise Saitentrennung, reagiert feinfühlig auf Finger- und Plektrum-Anschlag und unterstützt damit Tonbildung. D. h. bei intensiver Attack können obere Mitten und Höhen mitunter auch beißen.

Der Steg-Humbucker dringt indes knackiger und klarer ans Ohr, was sich in strafferen, kompakteren Bässen, prägnanteren Mitten, seidig perlenden Höhen und breitem Obertonspektrum äußert. Auch hier kommt die präzise Dynamik des Custom Burst-Buckers ausdrucksstarkem, nuanciertem Spiel und der Klangformung zugute, das Ganze getragen von respektablem Sustain.

Selbiges setzt sich natürlich noch mehr in Szene, wenn der Amp in die Zerrabteilung wechselt. Leadsounds singen beinahe endlos, wenn man per gefühlvollem Fingervibrato einen stehenden Ton am Leben hält. Der Hals-Pickup liefert jetzt fette druckvolle Bassriffs, Powerchords und differenzierte mehrstimmige Akkorde. Die gleichen Klangqualitäten beweist der Kollege am Steg, gibt sich vielleicht nicht ganz so fett, dafür aber ebenso ausgewogen und transparent, punktet mit höherer Durchschlagskraft im Band-Gefüge und kann bei Bedarf auch aggressiv zupacken. Und das erinnert mich an das mal gefühlvolle, mal aggressive aber stets ausdrucksstarke Spiel des Saul Hudson alias Slash.

In die wunderbare Dynamik der Victoria Les Paul Standard fügen sich die gleichmäßig agierenden Volume- und Tone-Regler bestens ein. Während die Volume-Potis Distortionsounds präzise und mit akzeptablen Höhenverlusten von High Gain bis auf dezenten Crunch zurücknehmen, und sich mit noch dezenterem Anschlag Clean-Gefilde erreichen lassen, filtern die Tone-Potis zunächst eher nuanciert, im unteren Bereich dann aber wirkungsvoll die Höhen.

Slashs Markenzeichen (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

In Anbetracht der großen Menge an Gibson- und Epiphone-Signature-Les-Pauls (allein 23 von Gibson!), deren Releases bis in das Jahr 1990 zurückgehen, dürfte Slash der ungekrönte Marketing-König sein, vom Signature-Equipment diverser Pickup-, Effekt-, Amp- und Zubehörhersteller ganz zu schweigen. Die an Slashs 1991er-Goldtop angelehnte Les Paul Standard „Victoria“ macht klanglich und verarbeitungstechnisch einen tadellosen Eindruck. Dank Schwingfreude, ausgezeichneter Dynamik, 58er-Halsprofil und relativ geringem Gewicht bietet sie zudem gehobenen Spielkomfort.

Optimieren ließe sich lediglich die Saitenlage am Sattel, und gegen noch etwas leichtgängigere Potis wäre auch nichts einzuwenden. Bis auf die Custom Burst-Bucker, Orange-Drop-Kondensatoren, Security Locks, das leichtere Mahagoni und das Skull-Emblem ist sie mit der Gibson Standard 50s Goldtop identisch. Den echten Slash-Fan werden die ca. € 600 Preisunterschied jedoch kaum vom Kauf abhalten.

PLUS

● (vintage-geprägte) Sounds
● Dynamik & Sustain
● Qualität Hölzer & Hardware
● Spielbarkeit
● Verarbeitung

MINUS

● Abrichtung des Sattels (Saitenlage)

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2021)

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Das ist ja mal eine Ansage,eine Slash Gibson „Victoria“ Les Paul Goldtop für knapp unter 3.000,-€uro.Bei allen Gibson LP und SG Gitarren habe ich stets und ständig die große Sorge,daß mir bereits bei einem leichten Sturz aus dem Gitarrenständer die extrem empfindliche Kopfplatte wegknallt.Ein kapitaler Totalschaden,der einem Gibson Gitarristen kurzzeitig den Puls in die Höhe schnellen läßt.Ich verstehe deshalb absolut nicht,weshalb man bei Gibson/U.S.A. die höchst sensible Halsrückseite mit einem extra Streifen Holz verstärkt? Im Metallbau nennt man das fachmännisch „Gusset“.Ich besitze mehrere alte Gibson E.-Gitarren,die sich teilweise gut bespielen lassen.Abgesehen von den klebrigen,mit Nitrocellulose lackierten Hälsen,den oft scharfkantigen Bundenden und dem oft bleischweren Gesamtgewicht,klingen diese Gitarren trotzdem gut.Die Fa.Gibson ist halt eine Institution,hat etliche Höhen,aber auch Tiefen erlebt,und bis heute noch existiert.Die Abrichtung des Sattels bei der neuesten Gibson Slash LP hätte natürlich besser sein können.Ich bin mir jedoch nicht so ganz sicher,ob ich derzeit satte 2.870,-€uro für solch eine besagte Gibson Signature Les Paul ausgeben würde.Es gibt mittlerweile etliche andere gute Elektrische in dieser Preisklasse,da fällt mir die Entscheidung doch etwas leichter.Auf das kultige Prestige des Gibson Markenlabels gebe ich persönlich nicht mehr all zuviel,das ist schon längst überholt.Gut,daß es ernste Konkurrenten gibt.Alles reine Geschmackssache.

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  2. “Am Sattel geht noch was…”

    … Zum Glück!

    Gibson gehört zu den viel zu wenigen Herstellern, die genug Material am Sattel stehenlassen, damit die Technikerin / der Techniker da ein Setup machen kann, ohne erst bei der neuen Gitarre den Sattel wechseln zu müssen, weil das “factory setup” zuviel weggefeilt hat. Im ernst. Das gehört so, weil da noch wer bei muss.

    Beste Grüße

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