Steve Lukather

Steve Lukather führte lange Zeit ein Doppelleben. Auf der einen Seite war er der Gitarrist der erfolgreichen Band Toto und zeigt auch heute noch auf seinen Soloplatten, was für ein kreativer Musiker er ist. Auf der anderen Seite war er lange und für unzählige Auftraggeber der optimale Sideman, der Dienstleister, der seine Jobs genauso kreativ und treffsicher erfüllte, wie man es von ihm erwartete.

Diese Vielseitigkeit prädestiniert Luke natürlich für diese Workshop-Reihe, genau wie die Tatsache, dass er selbst nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er wie kaum ein anderer in der Lage ist, die Spielstile seiner Kollegen zu adaptieren und nachzuahmen. Dadurch hat er für jede Gelegenheit den richtigen Sound parat und bleibt dabei dennoch immer unverwechselbar er selbst: Steve Lukather.

Rückblick

Die Fähigkeit, traumwandlerisch alle Stile bedienen zu können und in die Haut anderer zu schlüpfen hat er sich schon in den Anfangsjahren seiner Gitarristenkarriere angeeignet. Denn als der 1957 in Los Angeles geborene Lukather im Alter von sieben Jahren zum ersten Mal eine Gitarre in die Hand nahm, war er, wie so viele in dieser Zeit, auf das Transkribieren von Aufnahmen und autodidaktisches Lernen angewiesen. So waren es seinerzeit die Beatles, die Steve Lukather am meisten beeindruckten und deren Gitarrenpassagen er sich draufschaffte. Er war ein großer Fan von George Harrison und bezeichnet ihn heute noch als einen seiner größten Einflüsse. Doch richtete Luke damals noch nicht seine ganze Konzentration auf die Gitarre, sondern lernte parallel Schlagzeug und Keyboards. Auf letzterem komponiert er übrigens noch heute einen Großteil seiner Songs.

Erst mit 16 Jahren nahm Lukather zum ersten Mal Gitarrenunterricht und sah sich so nach neun Jahren Rock-Gitarre mit den Gesetzen des Jazz konfrontiert. Damit legte er den Grundstein für seinen bis heute so außergewöhnlichen Stil. Denn Jimmy Wyble, sein damaliger Lehrer, ergänzte seinen ausgeprägten Rock-’n’-Roll-Approach um das Wissen von Skalen, Akkorden, Griffpatterns und Arpeggios.steve-lukather-2

Ein weiterer Grund für Lukathers atemberaubende Fähigkeiten als Gitarrist liegt sicherlich auch in seiner Sozialisation. Denn wer hat schon das Privileg, mit heute ebenso namhaften Musikern wie Michael Landau oder den Porcaro-Brüdern aufgewachsen zu sein, ja sogar in einer Schul-Band mit ihnen zusammengespielt zu haben? An Lukes Highschool gab es eine ganze Blase hervorragender Instrumentalisten, aus denen teilweise später auch die Band Toto entstand. Vorher hatten Jeff Porcaro, David Paich, Bobby Kimball, David Hungate und Steve Porcaro des Öfteren auf Sessions zusammengespielt und fanden im Jahr 1976, dass es an der Zeit für eine eigene Band war.

Über den weiteren Verlauf von Lukathers Karriere ist – auch in diesem Magazin – sehr viel geschrieben worden und soll hier aus Platzgründen nicht wiederholt werden.

Fakt ist, dass Luke seit seinem 19. Lebensjahr ein ununterbrochen beschäftigter und stets auch sehr erfolgreicher Gitarrist ist. Nicht nur waren die Aufnahmen seiner Bands Toto und später Los Lobotomys immer wieder eine Demonstration geschmackvoller, virtuoser Gitarrenkunst mit Pop-Appeal, sondern auch die lange Liste seiner Aktivitäten als Sideman spricht eine deutliche Sprache: Michael Jackson, Richard Marx, Joe Cocker, Elton John, Barbara Streisand und und und. Nicht zu vergessen: Udo Jürgens! Hervorzuheben sind in Lukathers Arbeit als Mietmusiker sicherlich die Jahrhundert-Platte ,Thriller‘ von Michael Jackson, zu der er nicht nur die Gitarre, sondern auch den Bass beisteuerte und zum anderen Derek Sherinians (Ex-Dream-Theater-Keyboarder) Solo-Album ,Inertia‘ von 2001, das Lukather selbst als die beste Aufnahme seiner Karriere bezeichnete.

Einflüsse von Steve Lukather

Steve Lukathers Einflüsse sind schnell zusammengefasst: alle …! Im Ernst, Luke ist ein sehr offener Mensch und Musiker, der sich in vielen Stilen zu Hause fühlt. Auf seine Helden angesprochen nennt er immer als ersten Jeff Beck, mit dem er schon die ein oder andere Bühne und Studiokabine teilen durfte. Die erst danach zu nennenden sind die vielzitierten Heroen der 60er: Jimi Hendrix, Eric Clapton, Jimmy Page, Ritchie Blackmore, Larry Carlton. Des Weiteren sind natürlich seine bereits genannten frühen Einflüsse essentiell für sein heutiges Gitarrenspiel: George Harrison – in dessen Bendings in ‚I Saw Her Standing There‘ er sich vom Fleck weg verliebte – und sein Lehrer Jimmy Wyble, von dem Lukather seine schon vorhandenen Fähigkeiten ordnen und um theoretisches KnowHow vervollständigen ließ.

Ein weiteres stilprägendes Merkmal dürfte aber auch die Wechselhaftigkeit seiner Arbeitsplätze gewesen sein. Lukather hat sich oft ins kalte Wasser neuer Anforderungen geworfen und musste so – egal ob durchkomponierter, gitarristisch-anspruchsvoller Rock, traditioneller Blues oder kommerzielle Pop-Aufnahmen – immer wieder in den verschiedensten Genres auf hochprofessionellem Niveau Leistung abliefern. Das prägt!

Der Stil von Steve Lukather

Warum hat Steve Lukather eigentlich nie ein Rock-GitarrenUnterrichtsbuch geschrieben? Sowohl technisch gesehen, wie auch musiktheoretisch hat er alles drauf, was man als Gitarrist braucht und ist demnach jemand, bei dem man sich viel abgucken kann. Plus: Er besitzt ein beneidenswertes Rhythmusgefühl.

Zunächst zur technischen Seite: Steve Lukather ist ein sehr genauer Spieler, der immer weiß, was er tut und – so hat es den Anschein – nichts zufällig geschehen lässt. Dies ermöglichen ihm seine enormen spielerischen Fähigkeiten, die er sympathischerweise nie zum Selbstzweck einsetzt. Seine Bendings sind punktgenau, überlegt platziert, und wenn er will, kann er ohne Weiteres High-Speed-Alternate-Picking-Licks und kurze Sweepings einstreuen, wobei er immer die Melodieführung im Hinterkopf zu behalten scheint. Diese unterstützt er immer wieder mit einem geschmackvollen, meist recht weiten Vibrato.

Doch das alles wäre nichts ohne seinen Umgang mit dem Tonmaterial. Wie auch später noch in den Transkriptionen zu erkennen, ist Lukather auch auf diesem Gebiet sehr vielseitig: Pentatoniken, Tonleitern, Arpeggios … nichts Neues, nichts Besonderes, aber das Spannende bei Steve Lukather ist, dass all diese „Tools“ zu einer Sprache zusammengeflossen sind. An den wenigsten Stellen kann man eindeutig sagen, ob er gerade in einer Pentatonik einer Tonleiter oder einem seiner Licks denkt. Auffälligerweise spielt die Blues-Tonleiter in seinen Improvisationen kaum eine Rolle, vielmehr sind es die Art und Weise der Linienführung innerhalb der Tonleitern und Pentatoniken und sein kontrastreicher Einsatz von Arpeggio-Substituten, die seine Soli so facettenreich wirken lassen.

Sound & Equipment

Die alte Floskel stimmt: Der Ton kommt aus den Fingern. Lukather selbst erzählte einmal, dass er über Jeff Becks Setup gespielt habe und trotzdem noch wie er selbst klang. Es bringt also nichts, sich Lukes Effekte anzuschaffen oder die eigenen so einzustellen, dass man nach Luke klingt. Man wird aller Voraussicht nach nie wirklich so klingen wie er. Trotzdem hier eine Annäherung:

Was Steve Lukathers Bühnen- oder Recording-Werkzeug betrifft, so gilt er als einer der ersten, die Rack-Multieffektgeräte eingesetzt und salonfähig gemacht haben. In vorangegangenen Ausgaben (vor allem 06/2007) wurde Lukathers Setup des Öfteren en detail erklärt. Es ist recht kompliziert aufgebaut, aber um einen ähnlichen Sound wie den seinen hinzubekommen, braucht man gar nicht so viel aufwendige Technik. Am besten nimmt man sich eine Gitarre, die der Lukather-Signature von Music Man ähnlich ist, also eine mit leichtem Strat-Touch, aber etwas dickerem Sound und einen Marshall- oder Mesa/Boogie-Amp (einen mit nicht allzu kratziger, aber fetter Verzerrung).

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Zwei Bier nach der Arbeit: Steve Lukather und Derek Sherinian

In diesen sollte man die Effektgeräte am besten einschleifen. In der Kette darf ein Delay nicht fehlen, das Lukather oft auf das Tempo des jeweiligen Songs einstellt. Bei schnellen Stücken wählt er die Viertel, bei langsameren die Achtel als Anhaltspunkt und stellt das Feedback, also die Wiederholungsrate, so ein, dass die Echos dezent bleiben und nach ca. drei Wiederholungen ausgeklungen sind. Für viele Stücke kann man auch noch gut einen Chorus gebrauchen, der je nach Song sehr dezent, aber auch äußerst vordergründig eingestellt werden muss.

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