Produkt: Gitarre & Bass 10/2019 Digital
Gitarre & Bass 10/2019 Digital
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G&B Basics:

Der Unterschied zwischen Singlecoil und Humbucker

Der sogenannte Singlecoil ist ein Pickup mit einer Spule und er ist in den meisten Fällen so aufgebaut wie die hier beschriebenen Strat- und Tele-Pickups. Also ein paar tausend Drahtwindungen, gewickelt um sechs Dauermagnete. Aber auch der P-90, mit einer etwas anderen Magnetfeldführung, ist ein reinrassiger Einspuler mit allen Vor- und Nachteilen dieses Bautyps.

Zu Beginn der Übertragung steht das Permanent-Magnetfeld des Tonabnehmers, das die ferromagnetische Saite magnetisiert. Wird nun diese magnetisierte Saite in Schwingung versetzt, erzeugt sie ein magnetisches Wechselfeld, das wiederum eine elektrische Spannung in der Spule erzeugt, die als Nutzsignal weiter verstärkt wird.

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Es gibt aber nicht nur das erwünschte Magnetfeld der Saite, sondern auch andere Magnetfelder, wie beispielsweise die von Transformatoren erzeugten Störfelder im Bereich von 50 Hz und deren Oberwellen. Diese Magnetfelder machen exakt das Gleiche wie die schwingende Saite: Sie erzeugen ein magnetisches Wechselfeld und somit eine frequenzabhängige Spannung, die als gleichmäßiger tiefer Ton genauso weiterverstärkt wird wie das erwünschte Nutzsignal. Das ist dann der nervige „Brummton“, der uns manchmal den Spaß am Singlecoil verdirbt.

Seth Lover und Walter Fuller von Gibson entwickelten Mitte der 1950er-Jahre einen neuen Tonabnehmer-Typ, der dieses nervige Brummen eliminieren sollte. Basis für die Neuentwicklung war der seit 1946 von Gibson als Standard-Pickup verwendete P-90. Dieser hatte eine großflächige Spule mit 10.000 Windungen des Draht-Typs AWG 42 mit Plain-Enamel-Isolierung, die nur etwa halb so hoch war, wie die eines Strat- oder Tele-Pickups, dafür breiter und länger.

Gibson verteilte die 10.000 Windungen des P-90 auf zwei kleinere Spulen mit jeweils 5000 Windungen und konstruierte den neuen Pickup so, dass bei einer der beiden Spulen Nord und bei der anderen Süd nach oben zeigte. Zusätzlich wurden die beiden Spulen mit entgegengesetztem Wicklungssinn verdrahtet, sodass Nord und Linkswicklung zusammenfielen sowie Süd und Rechtswicklung. In der Praxis werden allerdings beide Spulen links herum gewickelt, nur dass bei einer Spule Drahtanfang und Drahtende vertauscht werden, um den Wicklungssinn zu ändern.

Wegen der unterschiedlichen magnetischen Ausrichtung der beiden Spulen induziert die schwingende Saite zwei gegenphasige Nutzsignale (um 180° gedreht). Werden nun auch die beiden Nutzsignale gegenphasig zusammengeschaltet (Rechtswicklung/Linkswicklung), so hebt sich die Phasenumkehr auf; oder anders erklärt: die Phase des Signals einer der beiden Spulen wird zweimal um 180° gedreht (einmal die Magnetrichtung, zum anderen die Wickelrichtung) und eine zweimalige 180°-Drehung bringt die Phase wieder in die 0°-Ausgangsposition, sodass die Nutzsignale der beiden Spulen addiert werden. Bis hierher ist das noch nichts Besonderes, denn man hätte auch gleich mit zwei gleichphasigen Spulen arbeiten können, um dieses Ergebnis zu erzielen.

Aber jetzt kommt der geniale Trick: Jedes äußere magnetische Wechselfeld (z. B. der Trafo des Amps), das eine Spannung in eine der beiden Spulen induziert, erzeugt automatisch die gleiche Spannung in der anderen Spule. Weil die beiden Spulen aber gegenphasig verkabelt sind (um 180° phasengedreht), heben sich diese (unerwünschten) Signale weitgehend auf. Gibson nennt diesen Tonabnehmer „Humbucking“ Pickup, hum = Brummen und buck = sich widersetzen.

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Produkt: Gitarre & Bass 9/2019 Digital
Gitarre & Bass 9/2019 Digital
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Kommentare zu diesem Artikel

  1. Es wäre noch interessant, wie sich beide Tonabnehmer im Klang unterscheiden und was es beim Spielen für Unterschiede macht. Das geht meines Erachtens nach nicht aus dem, eher technisch geprägten Artikel hervor.

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    1. Daumenregel wäre (ohne daß dies eine absolut geltende Regel darstellte):
      Humbucker – voller mit mehr Bass, tendenziell eher geeignet für Sounds mit mittlerer bis hoher Verzerrung (Blues, Rock, Metal)
      Single-Coil – klarer glasiger drahtiger, tendenziell eher geeignet für cleane Sounds und sehr moderate Verzerrung (Dire Straits, Pink Floyd)

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  2. Die Überschrift verspricht wesentlich mehr, als der Artikel dann hergibt. Von G&B würde ich erwarten, dann mindestens auch auf HB im SC-Format, stacked HB und da insbesondere die Unterschiede von Kinman-Spulen zu anderen stacked Modellen anhand deren Hersteller-Detailbeschreibungen – besser noch – nach Tests von G&B – herauszuarbeiten. Ferner, wie schon vorher kommentiert, die typischen Klangunterschiede untersucht darzulegen. Mit musikalischen Grüßen

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  3. Einfach das Video schauen, da sind die Unterschiede doch deutlich hörbar.
    Rock ‘n Roll!

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    1. Im Video werden die grundsätzlichen Unterschiede großer Humbucker vs. Single Coils gezeigt. Das ist gut so. Mir wären darüberhinaus aber die Unterschiede der verschiedenen Humbucker-Typen (s.o.) sowohl untereinander als auch im Vergleich zu normalen Single-Coils mindestens genauso wichtig, da Strat-Nachrüstungen häufig mit HB im Single-Coil-Format aus Platzgründen stattfinden. Auf meinen YT-Kanälen gittevarii und MrHKBlues gibt es div. Sounddemos, u.a. auch mit HB im SC-Format. Das Anhören wäre ein Teilaspekt. Die technische Erläuterung der unterschiedlichen HB im SC-Format wäre aber sicherlich für viele Leser darüberhinaus interessant und würde besser zu der verheißungsvollen Überschrift des Artikels passen. Mit musikalischen Grüßen. MrHKBlues

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  4. Ich bin sehr freudig überrascht , zu lesen , wie so ein Pickup aufgebaut ist !
    das Video ist sensationell !
    Ich denke , dass der Verstärker ( Röhre Twin Reverb z.B ) auch einen großen
    Einfluss auf den Sound hat , egal ob single coil oder Humbucker .
    Danke den Profis für die Recherche .

    Rainer

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  5. Auch ich finde, dass der Artikel zu den beiden unterschiedlichen Tonabnehmer-Systemen nicht das hält was zumindest ich mir vor dem
    Lesen davon versprochen habe. Die Technik ist zwar anschaulich dargestellt,
    aber für die Auswahl und Anwendung in unterschiedlichen Styles werden leider keine Hinweise gegeben. Warum Singlecoil nicht gleich Singlecoil ist, und auch bei Humbuckern produktionsbedingt unterschiedliche Sounds festzustellen sind. So klingt z. B. eine heute handelsübliche Stratocaster kaum so wie Fenders Werbeträger Hank Marvin mit dem von ihm geprägten Shadow-Sound. Da sind wohl hörbar technische Veränderungen vorgenommen worden, um abgesehen vom jeweiligen Verstärkertyp, ein anderes Hörergebnis zu erzeugen. Ein Humbucker z. B. Gretsch Electromatic klingt eben auch anders als andere Tonabnehmer gleicher Bauart. Dazu hätte ich mir auch ein paar Ausführungen gewünscht um das Thema umfassend zu behandeln.

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  6. “Was nicht brummt, klingt nicht !” sagte / schrieb mal einer….

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  7. Ja, ja. Da gibt es endlich mal eine gezielte Abhandlung über die spezifischen Unterschiede von HB und SC und schon sind sie alle da. Allen denen ihren persönlichen Wünschen nicht nachgekommen wurde. Kein auflisten von Gretsch bis Twin, keine Künstlerliste, wer was bevorzugt. (Nicht mal Hank Marvin, oh je).

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    1. Hallo, eine umfassendere Behandlung weiterer Unterschiede, und insbesondere der Vielfalt erhältlicher Humbucker auch im Single-Coil-Format, wäre bei der gewählten Überschrift mehr als sinnvoll. Dieser Hinweis ist ja primär für die Redaktion gedacht, hier noch einmal erheblich nachzulegen, was dem Thema gut zu Gesicht stehen würde. Es gibt so viele gute und auch umfangreiche G&B-Artikel (Danke !!!), da ist dieser Wunsch m.E. angebracht. Schön wäre es allerdings, wenn die Redaktion darauf auch reagieren würde :-))
      Mit musikalischen Grüßen
      MrHKBlues, in YT so auch zu finden, dort auch als gittevarii

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  8. Leute! Lest mal Lemme “Eelkrogitarren” oder googelt mal guitar-letter III von Ulf Schaedla. Da erübrigt sich dann jede technische Nachfrage. Gruß Michael

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    1. Hallo Michael – Dein Hinweis ist berechtigt und die genannten Quellen sind ein Muß für Leute, die sich mit Details wirklich intensiv beschäftigen wollen. G&B könnte den Artikel trotzdem verbessern, wenn dort die Unterschiede aus Sicht eines Fachmannes praktisch tiefergehend erläutert werden. Fände ich jedenfalls für die breitere Leserschaft gut. Ich selbst schöpfe aus den genannten und anderen Quellen, am meisten aber aus jahrzentelangen eigenen Erfahrungen, die durch nichts zu ersetzen sind. Gerade gestern habe ich eine Strat-Schaltung gebaut, wo ich 3 Mal andere Potiwerte nachgebessert habe, was in Theorie so nicht nachzulesen war, aber praktisch einen enormen Unterschied ausmachte, da sich die Potis in meiner – zugegeben sehr eigenen – Schaltung gegenseitig beeinflussen. Also Trial & Error bringt immer wieder was neues für das Ohr. Mit musikalischen Grüßen + keep Rockin’ Bluesin’ and stay healthy. MrHKBlues

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