Epiphone

Bereits im Mai 1957 wurde Epiphone vom damaligen Gibson-Eigner CMI (Chicago Musical Instruments) inklusive des kompletten Inventars und der Namensrechte für 20.000 US-Dollar übernommen. Abgesehen davon, dass Epiphone vom Beginn der 30er bis in die 50er Jahre ohnehin stets der ärgste Gibson-Konkurrent war, interessierten CMI zunächst in erster Linie die exzellenten Kontrabässe dieses Herstellers, die in Musikerkreisen einen guten Ruf genossen.

Konkurrierte mit Gibson L5 um die Gunst der Jazzer: Epiphone Zenith, hier von 1939

 

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Der Rest dürfte bekannt sein: Ende der 60er sanken die Verkaufszahlen auf Grund japanischer Importe dramatisch, 1969 übernahm der Bier-Hersteller ECL aus Ecuador die Firma und man entschloss sich, die Epiphone-Produktion nach Japan umzusiedeln. Bereits 1970 standen die ersten neuen Instrumente in den US-Läden, wo sie noch eine ganze Weile als Ladenhüter ihr Dasein fristeten. Unter neuer Leitung startete 1984 die Produktion in Korea, aus der kontinuierlich steigende Umsätze resultierten.

Die aktuelle Epiphone-Range bildet eine umfangreiche Palette diverser Klassiker aus dem Gibson-Programm, sowie eigene E-Bässe, Akustikgitarren, Signature-Modelle, Verstärker und Zubehör, aber auch spezielle Kreationen wie z. B. die Extreme-Serie oder die Flamecat- und Alleycat-Gitarren. Die Les Paul Collection von Epiphone setzt sich aus den Serien Special II, Studio, Standard, Classic und Custom zusammen. Die Les Paul Special II ist in drei Varianten mit flachem Korpus, verschraubtem Hals und zwei offenen Humbuckern als preisgünstigste Les Paul erhältlich.

Paul mit Epiphone Casino
Paul mit Epiphone Casino

Drei Studio-Modelle kommen mit verleimtem Hals und gewölbter Korpusdecke, eine davon im matt-schwarzen Gothic-Outfit. Insgesamt neun Standard-Modelle in den verschiedensten Lackierungen zählen zu dieser Range, darunter zwei Flame-Tops und eine 56er Gold-Top-Reissue mit P-90-Singlecoil-Tonabnehmern. Unter den Classics findet man zwei aufwändige Flame Tops, eine mit Birds-Eye-Decke und ein 7-String-Modell.

Top-of-the-Line sind die Custom-Modelle mit goldener Hardware, von denen es Alpine-White-, Ebony- (schwarz, auch als lefthand), Flame-Top- und Ebony-Versionen mit drei Humbuckern gibt. Die komfortablen Solid Guitars findet man in der SG Collection. Für den Einsteiger empfehlen sich SG Special in Ebony und Cherry, die SG G-310 in Ebony, wahlweise als Rechts- und Linkshand-Version, alle vier mit verschraubtem Hals. Allein sechs Modelle gibt es von der auf der Gibson SG Standard basierenden SG 400: Cherry, Cherry Lefthand, Deluxe Flame Top, Gibson Specs Cherry, eine mit Korina-NaturBody und eine im Gothic-Look. Zwei SG 400 Custom kommen mit je drei Humbuckern und goldener Hardware in den Farben Antique Ivory und Ebony. Die legendäre Doppelhals G-1275 Custom krönt die SG-Serie.

Kommen wir zur Designer Collection: Hier finden wir Modelle wie die 1963 Firebird VII in Rot mit drei Mini-Humbuckern, Maestro-Vibrato und goldener Hardware, Flying V in Ebony und die Gothic-Variante mit offenen Humbuckern, je eine Flying V 1958 Korina Replica in Korina Natur und Ebony mit goldener Hardware. Letztere ist auch als 7-String erhältlich.

Von der Explorer gibt es zwei 1958 Korina Replicas in Natur bzw. Ebony mit goldener Hardware, sowie ein Gothic-Modell in mattem Schwarz. Auch in der Jazz Collection Thinline finden wir sowohl einige alte Bekannte von Gibson als auch Epiphone-Originale: Die völlig hohle Casino mit P-90-Einspulern in Natur-Lackierung, die Riviera mit Mini-Humbuckern in Cherry und die Sheraton II mit großen Humbuckern in den Farben Natur, Vintage Sunburst und Ebony sowie einem Lefthand-Modell.

Epiphone Les Paul

Ebenfalls in drei Farben, nämlich in Ebony, Cherry und Vintage Sunburst kommt die ES-335-Version, Dot genannt. Aktuell hinzu gekommen sind die Dot Flame Top Deluxe-Modelle mit schönen in Natur oder Vintage-Sunburst lackierten Riegelahorn-Decken. Zwei interessante Gitarren sind Alleycat und Flamecat mit bis auf einen Holzklotz von 10×10 cm unter dem Steg völlig hohlem Cutaway-Body. Letztere besitzt eine auffällige Flame-Lackierung, Bigsby-style-Vibrato und zwei Mini-Humbucker. Die Alleycat verfügt über einen Mini-Humbucker in der Halsposition und einen Standard-Humbucker am Steg.

Im Gegensatz dazu deckt die Jazz Collection Full Body die klassische Hollowbody-Abteilung ab. Zum Angebot zählen die Zephyr Regent (ES-165 Style, 1 Humbucker) in Vintage Sunburst, die Zephyr Blues Deluxe (ES-5 Style) in Natur und Vintage Sunburst mit drei P-90-Pickups, Emperor II Joe Pass (16″ Body) auch als Lefthand in Natur und Vintage Sunburst, Emperor Regent (17″ Body) mit einem und die Broadway (L-5 Style) mit zwei Standard-Humbuckern jeweils in Antique Sunburst und Natur. Die ES-295 Replica in Metallic Gold mit Bigsby-style-Vibrato und zwei Mini-Humbuckern komplettiert die Jazz Collection.

Auch Epiphone hat eine recht ansehnliche Sammlung von Signature Modellen aufzuweisen. Einige davon sind bzw. waren auch im Gibson-Programm zu finden. Zwei „echte“ Epiphone-Reissues werden sogar in den USA hergestellt: Die John Lee Hooker Sheraton 1964, das Topmodell der Serie, ist jeweils in den Farben Antique Natural oder Vintage Sunburst mit Frequensator- oder Stop-Bar-Tailpiece und zwei Mini-Humbuckern erhältlich. Die John Lennon Casino gibt es als 1965er Version in Vintage Sunburst oder mit abgeschliffenem Lack (Stripped Natural) als „Revolution“-Version.

Epi Björn Gelotte
Dieter Stork
Epiphone Björn Gelotte

Die Noel Gallagher Supernova, eine aufgemotzte Dot, wird mit Metallic-Light-Blue-Lackierung (der Trikotfarbe von Manchester City!) oder Union-Jack-Grafik angeboten. Beide kommen mit Parallelogramm-Bundmarkierungen. B.B. Kings Lucille (ES-355-style) entspricht der Gibson-Version, Slashs Les Paul Standard mit Snake-Emblem auf der Decke wurde kurzzeitig auch vom Gibson Custom Shop angeboten.

Relativ neu ist Popa Chubbys Flying V, ein 1958er Korina-Modell mit zwei P-90-Pickups. Ace Frehleys Les Paul Custom mit Blitz-Inlays und drei Humbuckern, John Lennons J-160-E-Akustikgitarre und Chet Atkins’ SST-Standard- und Classic-CEC-Modelle findet man nach wie vor auch im Gibson-Programm. Jack Casadys Les Paul Signature-Bass ist ein Relikt aus den frühen 70ern, damals weniger erfolgreich.

Last but not least: Neil Diamonds SQ-180-Akustik-Gitarre in Black Metallic mit parallelogrammförmiger Schlagplatte. In der Extreme Series hat man Gitarrenklassikern moderne, freche Outfits verpasst und die Elektrik mit neuen, „heißeren“ Humbuckern und „Smooth-Tone“-Potis aufgemotzt. SG- und Les-Paul-Modelle erhielten eine neue Kopfplattenform (E-Dovewing), letztere verschiedene Crackle-Lackierungen.

Die Designs von Explorer, Flying V und Firebird wurden modifiziert. Die Basher (LP Special II) gibt es, wie auch die Bully (SG Special), in den Lackierungen Just Black, Blood Stain und Bruise Purple. Die matt-schwarze Pierced SG trägt sogar zwei durch die Kopfplatte gezogene Ringe und ein ausgefrästes großes X im Korpus. In den Crackle-Lackierungen Black/White, Green-, Red- und Blue/Yellow kommt die Nuclear (Les Paul Standard). Jeweils in den Metallic-Farben Black, Light Blue und Red sind Demon (Flying V), Slasher (Firebird) und Beast (Explorer) erhältlich. Während die drei letzten mit geschlossenen Humbuckern ausgestattet wurden, besitzen die anderen freiliegende Spulen.

Gibson & Epiphone Thunderbird

Neun Instrumente umfasst die Bass Collection, darunter zwei Acoustics (in Klammern steht jeweils die Anzahl der Pickups). Kopien der Gibson-Klassiker sind die SG-Style EB-3 (2 Tonabnehmer) und EB-0 (1), der bundlose EB-1 mit Solid-Violin-Body (1), der Thunderbird IV (2) und der Explorer Korina, von dessen Original es nur einen einzigen Prototypen aus den späten 50ern gibt. Der Viola Bass mit zwei Mini-Humbuckern erinnert stark an den Beatle-Bass von Höfner.

Als Einziger ist der Les Paul Special (2) in zwei Lackierungen erhältlich, nämlich Heritage Cherry und Vintage Sunburst. El Capitan und El Segundo sind naturfarbene Akustikbässe mit Piezo-Systemen. Schade ist, dass Epiphone in seiner Acoustic Collection unter den Historic Models nur ein einziges Original-Epiphone-Reissue-Modell führt, und zwar die Texan, eine Round-Shoulder-Dreadnought, lieferbar in den Farben Vintage Sunburst und Natural. Ansonsten gehören zu dieser Serie Gibson-Kopien der J-200 Jumbo, der Hummingbird und der Dove, die beiden letztgenannten sind Dreadnoughts mit massiven Fichtendecken.

Epi
Epiphone EJ-160e – Akustikklang mit Magnet-Pickup

In der Advanced-Jumbo-Serie findet man die Round-Shoulder-Dreadnoughts AJ-15 (Natural, Vintage Sunburst und Natural Lefthand), AJ-18S und AJ-28S (jeweils massive Decke, Natural, Vintage Sunburst). Die kleine L-00 und die AJ-45S sind Replikate von Gibsons L-00 bzw. J-45 und kommen mit massiven Decken in Vintage Sunburst. Die Modelle AJ-15 und AJ-18S sind auch als 12-Strings in Natural-Lackierung erhältlich. In der Standard-Serie gibt es die Super Jumbos SJ-15 (Natural, Ebony) und SJ-18S (massive Decke, Natural, Vintage Sunburst). Die PR-100 und PR-350 sind Gitarren in der klassischen Dreadnought-Form.

In der Electric-Acoustic Collection findet man einige mit aktiven Pickup-Systemen bestückte Modelle aus der Acoustic-Reihe, wie AJ-15E, AJ-18SCE (S = Solid Top, C = Cutaway), SJ-18SCE und die J-200 mit Cutaway. Die AJ-40TLC mit Thinline Cutaway Body gibt’s in den Lackierungen Ebony, Natural und Vintage Sunburst. In den gleichen Farben ist auch das kleine Jumbo-Modell PR-5E mit Florentine-Cutaway erhältlich.

Selbstverständlich führt Epiphone auch eine Bluegrass Collection. Hier gibt es die beiden A-Style-Mandolinen MM-20 und MM-30 in den Farben Ebony und Antique Sunburst, letztere mit massiver Fichtendecke, sowie das F-Style-Modell MM-50 mit Ahornkorpus und massiver Fichtendecke. Neu ist die Mandobird, eine 4-saitige E-Mandoline im Mini-Firebird-Design mit Body und verschraubtem Hals aus Nato sowie einem Singlecoil-Pickup. MB-250 ist ein 5-String Banjo, TB-75 ein 4-String Tenorbanjo. Eine Roundneck Dobro mit Mahagoni-Korpus komplettiert die Bluegrass-Reihe.

Epiphone Les Paul Standard von The Edge
Julien's Auctions
Epiphone Les Paul Standard von The Edge

Unter den E-Gitarrenverstärkern findet man elf verschiedene Combos von 1 Watt mit 3″-Speaker (Studio-Mini-Amp) bis zu 2×50 Watt mit zwei 12″-Lautsprechern, Stereo-Chorus und Hall (Regent 250). Verstärkung für akustische Gitarren bieten die drei Acoustic-Amps Acoustic Regent 30 (30 Watt/4×5″-Speakers), 220 (2×20 Watt/ 1×8″/2×5″-Speakers) und 230 (2×30 Watt/ 1×10″/4×5″-Speakers). Vier Bass-Combos mit Leistungen von 10, 15, 25 und 50 Watt komplettieren die Amp-Reihe.

Abschließend noch eine Anmerkung zum Zubehör: Neben Koffern und Gigbags für alle Gitarren und Bässe, zählen auch die Bigbsy-ähnlichen kurzen und langen Vibrotone-Vibratos in Chrom und Gold, Nylongurte, ein Kopfhörer-Übungs-Amp (Ear Plug) und ein Fußschalter für die entsprechend ausgestatteten Verstärker zum Epiphone-Programm.

geschrieben von Michael Dommers (erschienen in Gitarre & Bass Special 2002: Die Gibson-Ausgabe)

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