AC DC

ACDC stehen für: Erdiger Power-Rock. Ohrenbetäubende Lautstärke. Monströse Tourneen und Songs, die jeder mitsingen kann. Vier Komponenten, mit denen AC/DC zu einer der größten Bands der Welt geworden sind, und sich auch 2011 ungebrochener Popularität erfreuen.

Ähnlich wie alle großen Rock-Bands wie die Stones, die Scorpions oder Aerosmith verfügen auch AC/DC über ein mittlerweile riesiges Arsenal an Live-Equipment, darunter nahezu unzählige Marshall-Amps und -Boxen.

Das Equipment befindet sich in unterschiedlichen Lagerbeständen in Australien, England und den USA. Aus dem engeren Umfeld der Band konnte ich erfahren, dass bei Live-Tourneen das Equipment der Musiker je nach Kontinent variieren kann, zumal live stets zahlreiche Verstärker und Boxen im Einsatz sind.

Malcolm Young könnte man zweifelsohne als das Rückgrat der Band bezeichnen (und so sieht es auch sein jüngerer Bruder Angus). Nach der Gründung der Band Anfang der Siebziger entschied er sich bewusst für ein bis heute gültiges und erfolgreiches Konzept: Er spielt die Rhythmus-Gitarre und sein Bruder die Lead-Parts und die Soli.

Im Gegensatz zu seinem Bruder sieht man Malcolm Young meist beinahe bewegungslos im Hintergrund, obwohl seine Gitarrenriffs das felsenfeste Fundament der Band bilden. Vermutlich entspricht diese Rolle seinem persönlichen Charakter, denn angeblich war er nie neidisch auf die extrovertierte Bühnenshow seines Bruders.

Bis heute erfüllt Malcolm Young selbstbewusst und unbeirrbar seine Rolle des Riff-Gebers. Und dafür gebührt ihm der Respekt der gesamten Gitarrenwelt bis hin zu den schnellsten Finger-Virtuosen.

Der ACDC-Klassiker Back In Black

Dieses Datum hat sich AC/DC-Fans bis heute ins Hirn gebrannt: In der Nacht des 19. Februars 1980 starb Bon Scott in London. Auf dem Rücksitz eines Autos im Alkoholrausch eingeschlafen, erstickte der Sänger an seinem Erbrochenem. Kein schöner Tod, und vor allen Dingen ein sehr früher mit gerade mal 33 Jahren.

Bon Scott hatte schon länger auf der Überholspur gelebt – und leider in dieser Nacht vergessen von ihr wieder runterzukommen. Die australische Rock-Band war zu jenem Zeitpunkt international gerade am Durchstarten. AC/DC, das bedeutete bluesiger und straighter Hardrock, angeführt von Schuluniformträger & Gitarrist Angus Young und natürlich dem charismatischen Sänger Bon Scott.

Mit ihrem (in Europa offiziellen) fünften Album ,Highway To Hell‘ konnte die Band in die englischen Top 10 vordringen, und in den USA zum ersten Mal überhaupt in den Charts landen, das gleich auf Rang 17. Auch wenn sich der AC/DC-Sound auf diesem Longplayer kaum gewandelt hatte, wirkten Stücke wie ,Touch Too Much‘, ,Shot Down In Flames‘ und natürlich der Titel-Song im Vergleich zu den Vorgänger-Alben ,Let There Be Rock‘ und ,Powerage‘ eingängiger und Hit-tauglicher – weniger Blues und Rock & Roll und mehr Melodie war das Motto.

Aber nun saß der Schock von Scotts Tod tief: Der Mann erschien unersetzbar. Doch die Apathie währte nicht lange, und die Brüder Angus und Malcolm Young (g), Phil Rudd (dr) und Cliff Williams (b) suchten rasch nach einem Nachfolger. Zu den aussichtsreichsten Kandidaten gehörten u. a. die australischen Musiker Stevie Wright (Easybeats) und Alan Fryer, außerdem der Engländer Gary Holton (Heavy Metal Kids). Und auch der Schweizer Marc Storace von der damals neuen und angesagten Hardrock-Band Krokus war im Gespräch. Das Rennen machte allerdings Brian Johnson von der Glam-Rock-Truppe Geordie aus Newcastle, England.

Bon Scott selbst hatte Johnson – und das ist mittlerweile verbrieft – in den 1970ern einmal live erlebt, war beeindruckt von ihm und berichtete AC/DC von diesem außergewöhnlichen Shouter. Und für Angus stand fest: „Wenn Bon ihn mochte, wussten wir das er gut war, denn Bon mochte nicht gerade besonders viele Leute.“ Nach einer gemeinsamen Session, bei der Johnson den AC/DC-Klassiker ,Whole Lotta Rosie‘ und ,Nutbush City Limits‘ von Ike & Tina Turner singen musste, war denn auch schnell alles klar.

Im April und Mai 1980 wurde ,Back In Black‘ in den Compass Point Studios in Nassau/Bahamas aufgenommen, und am 25. Juli veröffentlicht – fünf Monate nach Scotts Tod. Die Platte mit dem schwarzen Cover und der erhabenen Schrift schlug ein wie eine Bombe. Gleich das Intro mit den Glocken-Schlä- gen und das schleppend-schwere Riff von ,Hells Bells‘ faszinieren heute noch.

Brian Johnson bewegte sich im Gegensatz zu Scott bei dieser wie in anderen Nummern in hohen Stimmlagen und klang etwas gepresster. Ähnlich waren sich beide Sänger durch ihren Blues-Anteil in der Stimme. Genial ist der anschließende Midtempo-Rocker ,Shoot To Thrill‘ mit seinem Intro-Aufbau, dem einfachen aber effektiven Gitarren-Solo und einem spannenden Mittelac/dc: Back In Black dieses Stück zeigt alles, was AC/DC ausmacht.

Beide Nummern zählen bis heute zu den absoluten Live-Krachern, genauso wie der funky Titel-Track und ,You Shook Me All Night Long‘, der Hit des Albums. Und es gab noch weitere packende Nummern: das treibende ,Given The Dog A Bone‘, ,Let Me Put My Love Into You‘ mit seinem cleveren und eher getragenen Moll-Riff, und schließlich die Hymne für alle Rock-Fans, ,Rock And Roll Ain’t Noise Pollution‘. AC/DC setzten auf ,Back In Black‘ konsequent den melodischeren Weg fort, der mit ,Highway To Hell‘ eingeschlagen wurde. Beeindruckend ist, wie eng die Riff-Gitarren von Angus und seinem Bruder Malcolm Young miteinander verzahnt sind. Die Aufteilung ist recht einfach: Angus spielt meist eine Oktave höher ein Riff, Malcolm legt die Akkorde drunter. Dies funktioniert auch deshalb so gut, weil Malcolms Sound fast clean, also unverzerrt ist. Angus’ Sound wirkt hingegen voller, allerdings kommt auch er ohne übermäßige Verzerrung aus. Beide Gitarristen erzeugen den Druck durch aufgerissene Röhren-Amps, deren Endstufen in die Sättigung gehen und so eine natürliche

Kompression erzeugen, die bei Gitarristen so beliebt ist. Angus Young spielte damals (wie heute) die Gibson SG; hauptsächlich hat er zwei Modelle von 1964 und ’68 im Einsatz. Bezogen sind seine Gitarren mit Saiten-Sätzen in den Stärken von .009 bis .042; Angus benutzt Fender-Extra-Heavy-Picks, zupft aber auch mit den Fingern. Im ACDC-Studio setzt er 100- Watt-Marshall-Tops (u. a. den Marshall JTM 45 Plexi) ein, dazu 4×12″-Cabinets.

Rhythmus-Bruder Malcolm ist bekannt für seine 1963er Gretsch Jet Firebird. Hals- und Mittel-Pickup wurden entfernt, so dass er nur noch den Filter-Tron-Humbucker in der Steg-Position benutzt. Auf Live-Fotos jener Zeit ist er auch mit einer fetten Gretsch-White-Falcon-Semiacoustic zu sehen. Malcolm spielt dicke Saiten (.012 bis .056, mit umwickelter G-Saite) und ebenfalls Fender-Extra-Heavy-Plektren. Im Studio setzte er 100-Watt-Marshalls-Tops (u. a. das Modell Super Bass) mit 4×12″-Boxen ein. Bassist Cliff Williams sieht man auf alten Fotos mit einem Music-Man-Bass, und der drückende Bass-Sound auf ,Back In Black‘ legt nahe, dass er auch damals im Studio dieses Instrument benutzt haben könnte.

Apropos Sound: Die Tricks von Produzent John „Mutt“ Lange, der auch bei ,Highway To Hell‘ bereits dabei war, sorgten für die Klangtiefe und Direktheit von ,Back In Black‘. Laut Malcolm nahm Lange, wenn er den Raum-Hall nicht mochte, die Instrumente zunächst sehr trocken auf. Später, in einem anderen Studio, schickte er die Gitarren und die Drums über eine P.A. und nahm diesen „Raum-Sound“ noch einmal auf. Beim Endmix fügte er diese Aufnahmen zu den ursprünglichen Spuren hinzu, um dem Ganzen etwas mehr Räumlichkeit zu verleihen. Bis heute wirkt ,Back In Black‘ frisch – und zählt zu den kommerziell erfolgreichsten AC/DC-Werken.

Egal, in welcher Form – ,Back In Black‘ ist auch nach 25 Jahren ein absolutes Muss für jeden Rock-Fan!

Autor: Arnd Müller

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