Reden, rumsitzen und rauchen

AC/DC: Angus Young & Brian Johnson im Interview

ACDC auf Tour

Als wir Gitarrist Angus Young und Sänger Brian Johnson im Jahr 2011 zum Interview trafen, waren die beiden bester Laune. Wobei von einem klassischen Interview keine Rede sein kann. Die beiden Altmeister, die standesgemäß in einer plüschigen 2000-Pfund-Suite im Londoner Nobelhotel The Connaught residieren, spielen sich vielmehr die verbalen Bälle zu, wie es ihnen beliebt. Da reicht ein Stichwort, und schon verfallen die kleinen bleichen Herren (Angus ist 1,55 Meter, Brian 1,65 Meter) in endlose Ausführungen, die mit viel Lachen und heftigem Tee- & Nikotinkonsum einhergehen, nicht immer ganz ernsthaft sind, aber sich doch bemühen, die geballten Mythen über sich und ihre Band einzudämmen.

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Einfach, weil diese zum Teil so absurd sind, dass sie im klaffenden Gegensatz zur fast schon erschreckend unspektakulären Realität stehen. Denn bei allem Erfolg und trotz ausgefallener Hobbys: Angus und Brian sind der Inbegriff von Bodenständigkeit und Normalität. Eben Rockstars, die mit beiden Beinen im Leben stehen und allein deshalb immer weiter machen, weil sie gar nicht anders können – nicht aber, weil es ihnen um noch mehr Geld und Ruhm ginge.

Wobei Angus zwar Musiker und Showman ist, aber eben nicht der große Redner wie Brian, gegen dessen raue, kehlige Stimme er auch schlichtweg keine Chance hat. Und sich über weite Strecken merklich zurückhält – weil die Ausführungen seines Frontmans ohnehin nicht zu toppen sind.

Was eure neue DVD ,Live At River Plate‘ betrifft, scheint Argentinien die perfekte Wahl gewesen zu sein: 200.000 enthusiastische Fans an drei Abenden. Was ist das für ein Gefühl, diese Bilder zu sehen?

Brian: Ich denke, das lässt sich nicht in Worte fassen. Die Zuschauer waren einfach fantastisch. Eine wunderbare Atmosphäre. Was jetzt nicht heißt, dass es woanders schlechter wäre. Aber wir haben ja schon eine ganze Weile nicht mehr in Südamerika gespielt – und die Leute waren einfach bereit für uns. Das ist charmant untertrieben: Der ganze Innenraum war ein einziger Mosh-Pit …

Angus: Ja, Mann! Einfach unglaublich. Es war ein richtiges Meer aus Menschen…

Mal ehrlich: Wie konzentriert man sich da auf seinen Vortrag? Ist man nicht erschlagen von der eigenen Monstrosität?

Brian: Es war unglaublich schwer, sich da zu konzentrieren. Einfach, weil es so ein faszinierender Anblick war.

Angus: Aber das gehört zum Job. Also zu dem, was du tust. Und ich konzentriere mich immer auf das, was ich gerade spiele. Es heißt zwar ständig: „Hast du dies oder das gesehen?“ Doch ich kann nur sagen: „Das einzige, was ich gesehen habe, waren meine Schuhe.“ (lacht) Denn mein Kopf geht ja ständig auf und ab. Und ich schaue immer nur auf meine Füße.

Brian: Das sind einfach besondere Momente. Ich meine, du spürst diese Atmosphäre bevor du überhaupt auf die Bühne gehst. Einfach, weil da etwas in der Luft ist. Wie eine Spannung, die man geradezu greifen kann.

Wie bereitet ihr euch auf einen solchen Gig vor? Wie sieht euer Warm-up aus?

Angus: Willst du das wirklich wissen?

Wieso? Habt ihr so ein ausgefallenes Ritual?

Angus: (lacht) Ja! Nämlich die Drei „R“: Reden, rumsitzen und rauchen. Wir schließen uns einfach eine halbe Stunde vor der Show in unsere Garderobe ein, blödeln ein bisschen rum, rauchen eine letzte Zigarette und haben Spaß. Das ist alles. Also wir spielen uns nicht groß warm, wir machen keine Soundchecks – wir gehen da raus und machen unser Ding. Eben, wie wir es immer tun.

Brian: Wir reagieren quasi auf Knopfdruck.

Angus: Ja, wir sind wie Maschinen, die ihr Programm runterspulen. Mit dem Unterschied, dass wir natürlich sehr wohl etwas dabei empfinden. Also zumindest ich. Und das ist eine tiefe innere Zufriedenheit. Ein tolles Gefühl.

Brian: Ich sage dir mal was zum Thema Warm-Singen: Ich war schon oft auf den Konzerten von Freunden, und da kommt es immer wieder vor, dass der Sänger eine Garderobe für sich alleine hat. Scheiße Mann, wozu braucht der die? Für wen hält der sich? Ich meine, der ist doch auch nur Teil der Band. Mehr nicht. Und ich sitze dann da, unterhalte mich mit meinen Freunden und höre, wie der Typ irgendwelche Aufwärmübungen macht – und das stundenlang.

Das ist doch ein Witz. Will der Opern singen? Darüber lache ich mich jedes Mal tot, und die Jungs lieben mich dafür. Denn bei AC/DC ist es so: Wir sitzen alle zusammen in der Umkleide, und dann kommt jemand vorbei und sagt: „15 Minuten, Jungs. 15 Minuten.“ Das ist wie in der Muppet Show. Ich gehe kurz auf die Toilette oder in den Duschraum und brülle einmal „Ieeeyo!“. Dann gehe ich wieder zu den anderen und sage: „Alles prima, es funktioniert.“ Und das war‘s. (lacht) Mehr muss auch gar nicht sein.

Ich meine, ich bin kein außergewöhnlicher Sänger. Sondern nur einer, der mit Leidenschaft singt. Und die ist wahrscheinlich größer als meine Stimme. Was ich verstehe und akzeptiere. Ich weiß, dass ich nur ein Teil der Band bin, und nicht mehr. Ich bin wie eine weitere Gitarre – aber mit Vokal-Schwingungen. (lacht)

Aber eine Tour wie zu ,Black Ice‘ bedarf doch bestimmt intensiver Rehearsals, oder?

Angus: In der Tat! Und sei es nur, weil wir kein Risiko eingehen wollten. Schon gar nicht, wenn wir – wie im Vorfeld dieser Tour – ein paar Jahre nicht mehr live gespielt haben. Da musst du einfach mehrere Wochen am Stück hart arbeiten, um wieder tight zu sein. Ich meine, nicht dass irgendeiner von uns den alten Kram vergessen hätte, aber das Zusammenspiel muss halt reibungslos funktionieren. Es muss wie ein Uhrwerk sein, bei dem jeder Schlag sitzt. Und daran haben wir gefeilt. Eben in einer Art Bootcamp.

Brian: Mit Malcolm als Oberaufseher …

Angus: Ja, er lässt so lange proben, bis alles sitzt. Bis dir der Kram aus den Ohren rauskommt. (lacht)

Live wirst du wohl auf ewig deine 64er SG einsetzen. Wie kommt’s?

Angus: Weil ich damit am besten klarkomme. Also: Das ist die Gitarre, auf der ich Zeit Lebens gespielt habe, und mit der ich mich einfach wohl fühle. Deshalb werde ich daran auch nichts ändern. Ich habe mein Set-up, und damit komme ich prima klar. Ich brauche nichts anderes. Und wenn möglich, verwende ich immer eine Gitarre – mein Lieblingsteil. Natürlich habe ich noch ein paar Ausweichmodelle, die absolut identisch sind, aber ich versuche so wenig wie möglich zu variieren.

Was auch bedeutet, dass du dein Signature-Modell, die Gibson Angus Young SG mit dem Maestro-Vibrato, gar nicht selbst spielst?

Angus: (lacht) Warum sollte ich? Ich habe ja auch noch das Original von 1967 oder ‘68, nach dem diese Signature gebaut wurde, also dem es nachempfunden ist. Und das ist ja nicht mal meine Hauptgitarre: Meistens spiele ich ja meine schwarze 64er. (Eine weitere Angus-Signature-SG bezieht sich auf dieses 64er-Modell mit dem kleinen Pickguard, hat allerdings blitzförmige Griffbretteinlagen und keine Trapeze-Inlays wie Angus’ Original; d. Red.)

Also ist das Ganze nur ein Marketing-Gimmick?

Angus: Nein, ich denke es stillt eine gewisse Nachfrage. Denn es gibt ja viele Leute, die so klingen wollen, wie ich. Was ich als nettes Kompliment erachte. Ich meine, ich möchte nicht, dass sie mich exakt kopieren, aber ich gebe ihnen zumindest etwas, das sie in diese Richtung führt. Das meinem Sound nahe kommt. Was sie dann daraus machen, ist ihre Sache. Aber die Angus SG ist nett. Es ist ein wirklich schönes Teil geworden.

Da du gerade dabei bist, mit Mythen aufzuräumen: Verwendest du wirklich keine Pedale – weder live noch im Studio? Und basiert dein Solo-Sound ausschließlich auf dem Lautstärkeregler deiner Gitarre oder schaltest du auf einen lauteren Kanal bzw. Amp?

Angus: Nein, das ist nur der Lautstärkeregler an der Gitarre und nichts anderes. Ich brauche keinen doppelten Boden.

Brian: Du bekommst, was du siehst …

Angus: Ich arbeite immer nur mit dem Regler und nichts anderem. Und ich habe auch keine Pedale oder Effekte. Ich gehe direkt in den Marshall und übersteuere ihn einfach. Sprich: Ich drehe ihn bis zum Anschlag auf. Kann sein, dass das sehr old-school-mäßig ist, aber so habe ich es nun mal gelernt, und so mag ich es. Deshalb werde ich daran auch nichts ändern.

Das klingt sehr puristisch und festgefahren.

Angus: Wir sind ja auch schon seit 38 Jahren dabei – also wir sind richtige Oldtimer. Und denen bringt man so schnell nichts mehr bei. Genauso wenig wie den Stones oder Who. Die machen auch nur ihr Ding, und allen gefällt’s. Oder nimm die großen alten Rock-Jungs wie Little Richard, Chuck Berry oder B.B. King: Die erfinden sich auch nicht mehr neu, sondern sie versuchen, ihr Ding durchzuziehen und dabei auf einem konstanten Qualitäts-Level zu bleiben. Das würde ich auch als mein Ziel ausgeben.

Wobei du ohnehin stark von alten Bluesern geprägt bist, oder?

Angus: Das ist es, womit ich aufgewachsen bin – mit Blues und frühem Rock & Roll. Deswegen finde ich es auch immer lustig, wenn man mich als Heavy-Metal- oder Hardrock-Gitarristen bezeichnet. Ich meine, ich spiele einfach nur Blues. Zwar elektrifiziert und laut, aber doch sehr bodenständig und ohne großen technischen Schnickschnack.

Was auch bei deiner Bühnen-Show deutlich wird, wenn du den berühmten Duck Walk von Chuck Berry imitierst.

Angus: Richtig! Und ich bin froh, dass er mich deswegen noch nicht verklagt hat! (lacht)

Hast du ihn mal getroffen bzw. habt ihr darüber gesprochen?

Angus: Vor ein paar Jahren. Er fühlte sich echt geschmeichelt. Ich meine, ich glaube nicht, dass er wusste, wer ich bin, und wahrscheinlich hat er auch noch nie eine Show von uns gesehen. Aber er fand es toll, dass ich ein Fan von ihm bin. Und ich denke, er hat mir seinen Segen gegeben. Zumindest hoffe ich das … (lacht)

Brian: Warte ab, irgendwann stehen seine Anwälte vor deiner Tür – dann darfst du für 38 Jahre Tantiemen nachzahlen.

Angus: Das wäre schlimm. (lacht)

Und wie viel Sex, Drugs & Rock ‘n’ Roll ist bei AC/DC noch im Spiel?

Angus: Wie war das? Wovon redest du? (lacht)

Brian: Die Zeiten sind vorbei. Ich meine, schau uns an: Wir sind erwachsene Männer wir haben Familien und Kinder, und wir haben über die Jahre so viele Leute erlebt, die sich in diesem ganzen Mist verloren haben. Das wird uns nicht passieren – weil wir es besser wissen. Wir gönnen uns höchstens Mal ein kaltes Bier und ein paar dreckige Witze.

Aber sonst? Alles ganz brav. Und wenn da irgendwelche jungen Dinger sind, die uns die blanken Brüste entgegenstrecken, dann ist das natürlich nett – aber nichts, was wir noch nie gesehen hätten und uns schlaflose Nächte bereitet. Da beschäftigen mich meine Kreuzworträtsel schon viel mehr. (lacht)

Es gab auch kritische Stimmen zur letzten Tour, etwa was die Setliste betrifft, die jeden Abend exakt dieselbe war – und sogar zu einer Fan-Petition geführt hat. Wie geht ihr damit um?

Brian: Das soll Angus beantworten. (lacht)

Angus: Das hängt damit zusammen, dass wir überall touren. Und wir haben auch mal was geändert – nur scheinbar nicht genug für die Hardcore-Fans. Wobei du Folgendes bedenken musst: Diese Leute hätten es am liebsten, wenn wir jede Nacht ein komplett anderes Set spielen würden. Was unmöglich ist, wenn wir zum Beispiel an Orten auftreten, wo wir schon lange nicht mehr waren. Da wollen die Zuschauer dieselbe Show erleben, wie jemand in Deutschland oder Frankreich. Und sie haben auch das Recht darauf. Du kannst dich da nicht hinstellen und nur Songs von irgendeinem Album spielen, aber keine Hits.

Angus Young mit Gitarre

Brian: Denn es gibt viele Leute, die einige Sachen noch nie gehört haben. Die zum ersten Mal da sind. Angus: Wir hatten diesmal Generationen von Zuschauern, die uns noch nie zuvor gesehen haben. Und denen versuchst du halt eine Art Einführung zu geben – eben wofür wir stehen. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, die zu bedienen, die uns seit Jahren für genau diese Songs kennen. Da ist es unmöglich, auf die Bühne zu gehen und zu sagen: „OK, wir spielen kein ,A Whole Lotta Rosie‘, kein ,Hells Bells‘, sondern einfach ein paar alte Stücke, die wir mögen. (lacht)

Jetzt wart ihr fast 20 Monate nonstop unterwegs. Wie verarbeitet ihr das mental? Wie kriegt ihr den Übergang vom Tour-Wahnsinn zum beschaulichen Familienleben hin?

Brian: Das ist wirklich hart. Ich erinnere mich noch, wie wir uns nach der letzten Show am Flughafen verabschiedet haben. Jeder ist in irgendein Auto gestiegen oder in unterschiedliche Richtungen geflogen. Was ein absolut surreales Gefühl war – als ob das nie passiert wäre. Genau wie die Tatsache, dass du plötzlich nichts mehr mit Organisieren oder mit dem Treffen von irgendwelchen Leuten zu tun hast.

Ich saß im Flugzeug, kam zu Hause an, und lief zwei Wochen lang rum wie Falschgeld – weil ich nicht wusste, was ich mit mir anfangen sollte. Es ist unglaublich schwer, zu einem normalen Leben zurückzukehren. Besonders für mich, weil ich sehr aktiv bin. Insofern war das sehr merkwürdig als wir durch waren – es war ein bittersüßes Gefühl. Und ich dachte mir: „Verdammt noch mal. Ich hätte nichts gegen ein paar weitere Termine.“

Angus: Trotzdem musst du eine klare Linie ziehen und sagen: „An dem Punkt hören wir auf.“ Sonst bewegst du dich im Kreis.

Und wie steht es mit einem neuen Album? Arbeitet ihr schon wieder an Songs oder gönnt ihr euch erst Mal eine Pause?

Angus: Momentan konzentriere ich mich auf diese DVD. Aber Malcolm und ich schreiben ständig. Einfach, weil das unser Ding ist. Ich setze mich in mein kleines Heim-Studio und arbeite an Ideen. Malcolm macht dasselbe. Und das ist einfach Teil unseres Lebens. Damit hören wir nie auf.

Brian: Und ich höre sie zuerst. (lacht) Ich habe exklusiven Zugang zu den neuen Songs. Also nicht nur ich. Aber ich bin einer davon.

Wie steht ihr zu der weit verbreiteten Meinung, AC/DC würden seit 38 Jahren immer dasselbe Album machen?

Brian: Das ist einfach, was wir tun. Und warum sollten wir uns in Gefilde wagen, in denen wir uns nicht auskennen? Nein, wir machen unser Ding und fertig. Ich meine, diese Kritik kommt doch von Leuten, die immer nach dem neuesten Sound suchen. Die hip sein wollen und gerne von sich behaupten: „Ich habe eine neue Band entdeckt, und die ist fantastisch. Auf die stehe ich momentan total.“ Und das ist das Schlüsselwort: „Momentan“!

ACDC on Tour

Denn das sind musikalische Zigeuner, die von einer Band zur nächsten ziehen. Je nachdem, was gerade angesagt ist. Und wenn du mich fragst, haben die kein bisschen Loyalität gegenüber irgendwem. Also: Sollen sie sich doch ins Knie ficken. (lacht) Ich möchte nicht im selben Auto sitzen, wie sie. Erst recht nicht, wenn sie die Kontrolle übers Radio haben.

Wie kommt es, dass AC/DC eine der letzten Bands der Welt ist, die ihre Musik nicht digital über iTunes vermarktet?

Brian: Zunächst einmal ist digitale Musik schon eine wichtige Sache für uns, und iTunes ganz besonders. Denn das ist ja ein regelrechtes Monster geworden – in der Art von „1984“, von Big Brother und George Orwell. Nach dem Motto: Ich sage dir, was du hören darfst. Und wenn du dann mit so etwas wie der Paul Butterfield Blues Band ankommst, heißt es: „Das haben wir nicht, weil keiner danach fragt – außer dir.“ – „Aber kann ich es runterladen?“ – „Nicht bis wir dir sagen, dass du es kannst, was ungefähr nächstes Jahr sein wird.“ Als es noch den kleinen Plattenladen an der Ecke gab, hat man dir gesagt: „Wir bestellen das! Kein Problem!“

Aber jetzt gibt es keinen individuellen Service mehr. Und wir sind die einzige Band der Welt, die noch nicht bei iTunes unterschrieben hat. Worauf ich weder stolz bin, noch schäme ich mich dafür. Für mich ist es einfach nur wichtig, dass unsere Fans die Kontrolle behalten – und sie ein richtiges, physikalisches Album kaufen können, statt eines Downloads, was ja die aktuelle Entwicklung ist. Und für mich nur Sinn macht, wenn ein Album richtig scheiße ist, und es vollkommen ausreicht, sich da zwei Stücke rauszupicken und die zu brennen.

Aber meistens geht es einer Band ja darum, ein vollständiges Album abzuliefern. Angus: Ich meine, keiner schreibt freiwillig schlechte Songs – aber manchmal erweisen sie sich im Nachhinein halt als solche. Das kann passieren. Aber wir glauben, dass die Leute in unserem Fall ein komplettes Album hören sollten. Und deshalb ist es auch das Günstigste, das überhaupt erhältlich ist. Es hat 15 Songs und wird in den USA für 11,90 Dollar angeboten – was in etwa 8 Euro entspricht. Von daher ist es billiger als iTunes. Und das sollen die erst mal unterbieten.

Zitat von Brian Johnson von ACDC

Ich sage hier nichts Böses über iTunes, aber sie sind ein verfluchtes Monster geworden, und das macht mir Angst. Ganz abgesehen davon, dass es toll ist, unabhängig zu sein und einfach sagen zu können: „Fickt euch!“ Es ist immer gut, den großen Jungs den Mittelfinger zu zeigen. Nach dem Motto: „Ihr könnt uns gar nichts.“

Und warum verweigert ihr euch der Zusammenstellung einer „Best Of“ ? Das ist im heutigen Musikgeschäft doch gang und gäbe.

Brian: Weil wir noch nicht tot sind! Wenn wir irgendwann unter der Erde liegen, ist uns das egal. Dann interessiert uns das einen Scheiß. Und ihr könntet sogar meinen verfickten linken Fuß haben. Eben, weil ich ihn nicht vermissen würde. (lacht) Aber ansonsten sind diese „Best Ofs“ ein sicheres Indiz dafür, dass du dich verkaufst. Dass du dir deine Seele für ein bisschen Kohle nehmen lässt. Denn mal ganz ehrlich: Der Fan hat diese Stücke doch schon. Insofern wäre es reine Profitmacherei.

Angus: Ja, es geht ums Geld. Mehr nicht. Und wir haben immer versucht, uns den Respekt der Fans zu bewahren, indem wir uns aus den Medien raushalten und einfach unser Ding durchziehen.

Brian: Ich meine, ich kann überall hingehen und kein Mensch weiß, wer ich bin – bis ich meine Mütze aufsetze. (lacht) Das mag ich. Es macht mich glücklich. Denn wenn ich in den Pub gehe, bin ich nur einer von den Jungs. Gott sei Dank!

Um zum Schluss zu kommen: Wie denkt ihr über Celine Dions Version von ,You Shook Me All Night Long‘ , die sie allabendlich in Las Vegas schmettert?

Brian: Celine Dion kommt in eine Bar, und der Typ hinterm Tresen sagt: „Hey Celine, warum so ein Gesicht?“ (lacht) Weil man das davon bekommt! Hast du gehört, wie sie das singt?

Angus: Nein, ist es gut?

Brian: Schrecklich! Es wurde zum schlechtesten Cover des letzten Jahres gewählt – Celine Dion mit ,Shook Me All Night Long‘.

Von wem würdest du den Song lieber hören?

Brian: Puhhh gute Frage. Wahrscheinlich von Freddie Mercury – wenn das noch ginge. Der dieses Jahr seinen 20. Todestag begeht.

Angus: Im Ernst? Scheiße, wie die Zeit vergeht …

Habt ihr ihn je persönlich kennen gelernt?

Brian: Ja, einmal. Das war 1973 als ich noch bei Geordie gesungen habe. Da hatten wir einen Termin in den Hilversum Studios in Holland – für irgendeine schreckliche TV-Sendung. Und Queen waren auch da. Sie waren gerade auf dem Sprung, diese richtig große Band zu werden. Was für eine lustige Situation gesorgt hat: Sie wurden in einem Porsche abgeholt – und zwar jedes einzelne Bandmitglied in seinem eigenen. Während auf uns ein klappriger, alter Bus wartete.

Angus: Der kleine, feine Unterschied.

Brian: Ja, und sie hatten Pelzmäntel an und den ganzen Scheiß.

Angus: Während du Löcher in den Jeans hattest?

Brian: Riesige Löcher. Wir wurden damals von der Sekretärin der Plattenfirma begleitet – aber nur, weil sie einen freien Tag hatte, und scheinbar nichts Besseres mit sich anzufangen wusste. Es war wirklich übel. Und ich weiß noch, wie Freddie Mercury nach dem Auftritt in die Garderobe kam. Er war stinksauer, weil das Publikum im Studio sehr reserviert war. Er meinte: „Die hassen uns da draußen, die hassen uns wirklich.“ Wo ich mir dann dachte: „Komisch, uns fanden sie eigentlich ganz gut.“ Aber egal. Das war das erste und einzige Mal, dass ich ihm persönlich begegnet bin. Aber ich meine, seine Stimme und was er in seiner Karriere erreicht hat, sprechen wirklich für sich. Er war ein richtiger Opernsänger – und ein unglaublicher Performer.

Besser als Brian Johnson?

Brian: Ein bisschen … (lacht)

 

Aus Gitarre & Bass 07/2011

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