Angus Young Gear

Gibson SG: Das Equipment & die Gitarren von Angus Young

Angus Young ist einer der ältesten Schuljungen im Rock-Business. Wir beschäftigen uns hier vor allem mit den Gitarren von Angus Young! 

Angus Young in frühen Jahren

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Er verwendet natürlich seit jeher eine Gibson SG. Vermutlich stammt seine Hauptgitarre von Ende der Sechzigerjahre. Hundertprozentig genau lässt sich das nicht sagen, da die Angaben in Interviews und von Band-Technikern zu diesem Thema zu widersprüchlich erscheinen.

Mir scheint es wahrscheinlich, dass die Lieblings-SG von Angus Young aus dem Jahr 1968 oder 1969 stammt. Ich kenne solche Gitarren, die meist eine auffallende Gemeinsamkeit haben: einen sehr schlanken und sich nach unten stark verdickenden Hals. Aufgrund der geringen Körpergröße von Angus war diese Gitarre für ihn wie geschaffen: Leicht, schmaler Hals und durch den dünnen Mahagoni-Korpus mit einem knackigeren und schlankeren Ton ausgestattet als etwa eine Les Paul Standard oder Custom.

Die Sattelbreite solcher Gitarren liegt nicht selten bei nur 39 oder 40 Millimetern. Die Pickups sind, ähnlich wie bei einer Fender Stratocaster, mit dem Schlagbrett und nicht in den für Gibson sonst typischen Pickup-Rähmchen verschraubt. Geht man davon aus, das Angus’ Hauptgitarre noch original ist, kommt diese SG mit sogenannten T-Top-Gibson-Humbuckern. Vermutlich ein wichtiger Bestandteil seines Tons, denn diese T-Tops unterscheiden sich in einigen Punkten von den sogenannten PAFs oder Patent-Number-Pickups.

Freilich trugen die T-Tops unter der Bodenplatte auch einen Patent-Number-Aufkleber, aber Draht und Spulenkörper waren anders als bei den Vorgängern, die ab etwa 1961 nach den PAFs gefertigt wurden. Der Name T-Top rührt von einem T-Zeichen her, das in eine der beiden schwarzen Pickupspulen-Körper geprägt wurde.

Gibson SG vom Angus Young

Sie wurden von der zweiten Hälfte der Sechziger- bis Mitte der Siebzigerjahre in alle Gibson-Humbucker-Gitarren eingebaut und sie sind heute ähnlich begehrt wie die PAFs (und noch sind sie recht günstig). Alle T-Tops haben einen sehr konstanten Gleichstrom-Widerstand von etwa 7,5 kOhm (obwohl ich schon welche gesehen habe, die nur 7,2 oder gar 8 kOhm hatten) und Alnico-V-Magnete. Sie erzeugen einen eher straffen und hellen Humbucker-Ton, der oft länger clean bleibt als man es etwa von einem echten PAF oder dessen Repliken kennt.

Etwas unverständlich ist daher die Tatsache, dass der Gibson Angus Young-Signature-Pickup viel kräftiger ausgelegt wurde. Auch wenn um die Ausstattung von Youngs Gitarre nicht so viel Aufhebens gemacht wird wie um die einer Vintage Les Paul Standard, habe ich nur selten eine Gibson gehört, die wirklich nahe am Angus-YoungTon war. Vor allem neuere SGs klingen zumindest im Original-Zustand kräftiger, heller und meist weicher. Will man es so authentisch wie möglich, kommt manvermutlich an der Anschaffung eines alten Gibson-T-Top-Sets nicht vorbei.

Diese Pickups haben einen sehr eigenen und sehr guten Ton. Soweit ich weiß, bietet nur Lindy Fralin eine offizielle Replik dieser Pickups an, gehört habe ich diese allerdings noch nicht. Vor etwa zwei Jahren besuchte mich ein Gitarrist mit einer originalen 1968er SG, wenn man so will, einer Art „Angus-Young-Modell“ und testete damit bei mir einen 1965er Marshall JTM45 über eine 1967er Marshall-4×12-„Pinstripe“-Box, die mit 25- Watt Celestion Greenbacks bestückt war.

Diese Kombination erinnerte tatsächlich sehr an Angus Young, denn der Ton war unglaublich schlank, mittig und punchig. Meine zum Vergleich angeschlossene Les Paul Standard klang dagegen dunkler, fetter und daher auch „langsamer“. Der schnelle Antritt und der typische Young-Attack fehlten mit der Les Paul völlig. Womit wir auch schon bei der Auseinandersetzung mit Angus’ Verstärker-Ausrüstung wären.

Seit der Veröffentlichung des ‚Ballbreaker‘- Albums von 1995, das nach einer längeren Studio-Pause entstanden war und von Rick Rubin produziert wurde, gab es Diskussionen über die Ausrüstung von Angus Young. Denn hier und da erwähnte er damals in Interviews, dass er dieses Album mit einer 1964er SG sowie einem Marshall JTM 45 eingespielt habe.

Tatsächlich unterscheidet sich sein Ton auf diesem Album deutlich von dem auf vorangegangenen Veröffentlichungen. Der Sound war weicher, etwas bluesiger und nicht mehr ganz so hart und rockig. Mag sein, dass dies auch an seiner neuen Ausrüstung lag. Man kann jedoch davon ausgehen, dass Rick Rubin auf diesem Album auch seinen typischen Kompressor- oder Limiter-Sound ins Spiel brachte. Auf den frühen Werken der Band sollen dagegen außer auf der Stereo-Summe keinerlei Kompressoren Verwendung gefunden haben. Vermutlich war das Klangergebnis eine Mischung aus mehreren Veränderungen gleichzeitig.

Gibson SG Angus Young

Während nun manche Fans die Ballbreaker-Sounds über alles lieben, kam dieser bei anderen Anhängern weniger gut an. Wichtig ist allerdings dabei die Tatsache, dass man offenbar das, was man als typischen Angus-Young-Sound bezeichnen könnte, mit einem leistungsschwachen JTM45 nicht besonders gut hinbekommt. Vermutlich verwendete Young auf früheren und späteren Alben Plexi- 100-Watt-Marshalls mit EL34-Röhren für Riffs und Rhythmus und 50-WattModelle für Soli, die stets etwas mittiger, dunkler und komprimierter klingen.

Er äußerte sich dazu in einem Interview wie folgt: „Ich verwende hauptsächlich alte 100-Watt-Marshalls, die ich irgendwann gebraucht in Australien gekauft habe. Sie haben noch nicht diese Preamp-Geschichten, die heute so üblich sind. Das interessierte mich nicht. Ich mag die alten und puren Sounds. Und das ist auch schon alles.“

Vermutlich meinte Angus damit Plexi-Marshalls aus den Jahren 1968 bis etwa 1971. Später sah man die Band auch mit 2203/JCM800-Amps. Letztere schienen aber lediglich für bestimmte TV-Shows oder Events angemietet. Man kann davon ausgehen, dass Angus Berge von alten Marshalls besitzt, darunter Modelle in allen möglichen Variationen bezüglich der Anodenspannung und der Ausgangsübertrager.

Angus Young besitzt auch alte JTMs, es ist aber fraglich, ob er wirklich damit spielt. Für Soli scheint er auch live gerne alte JMP-Modelle mit 50 Watt einzusetzen. Zwischenzeitlich kamen auch Wizard-Topteile, die von seinem Amp-Techniker gebaut wurden, zum Einsatz. Eines ist aber immer gleich an seinem Ton: Er ist pur und unverfälscht. Gitarre-Kabel-Amp, das war’s (Live natürlich mit Sender Anm. d. Red).

Ähnlich diffus sind auch die Angaben über die von Angus Young verwendeten Lautsprecher. Die Bezeichnung „Greenback“ beschreibt den genauen Typus nur unzureichend. Vermutlich sind es jedoch 25-Watt-Modelle, neu oder alt, je nachdem. Diese Lautsprecher sind jedenfalls ein geeigneter Weg, möchte man dem Sound des kleinen Mannes mit dem Schulranzen nacheifern. Hat man nicht das Glück, wie die Young-Brüder ausschließlich in großen Hallen zu spielen, empfiehlt sich ein guter Power-Soak, denn man muss seinen Marshall schon ein wenig aufdrehen, um den AC/DC-Ton zu bekommen.

„Preamp-Geschichten“, wie Young sie nannte, scheinen weniger geeignet. Und 4×12-Boxen sind natürlich Pflicht! Im Gegensatz zu seinem Bruder verwendet Angus dünne Saiten, meist .009er oder .010er Sätze (Ernie Ball Slinkies), damit ihm beim Solo-Spiel die Bendings entsprechend gelingen. Und all denen, die die letzte AC/DC-Tour verpasst haben, kann ich eine Bonner Cover-Band namens Dirty Deeds ans Herz legen. Diese Jungs haben den Sound wirklich drauf und konnten dies auch schon bei einer Rockpalast-Aufzeichnung eindrucksvoll unter Beweis stellen. Die Deeds bekommen das wirklich authentisch hin, und all das in Club-Lautstärke. Respekt! Und vielleicht kann man nach dem Konzert auch noch mit den Gitarristen über den einzigartigen Sound der Young-Brüder fachsimpeln…

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Gut recherchiert, vor allem in Sachen Pick-Ups! Meine SG hat die legendären T-Tops,
    ein irrer Sound mit Mahagoni-Korpus, Bj. 1967…mit schmalem, schnell + flüssig zu
    spielendem Hals, gravierter Lyra etc. Musikalische Grüße v. Rudi

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  2. Sehr schön; ein wichtiges Element fehlt aber: Der Schaffer Compressor/Booster/Sender. Damit bekommt man den fetten Ton. Wiederauferstanden dank eines fanatischen Fans als Schaffer Replica , sowohl in größerem, originalen Gehäuse wie jetzt auch als Pedal, siehe http://www.solodallas.com und viele youtube-soundbeispiele dazu!
    VG Bernd

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