„Hier spielt niemand mit Click-Tracks, niemand folgt einem bestimmten Muster, keiner macht irgendetwas von diesem Bullshit.“
(Bild: Ross Halfin)
Wie steht es mit Gitarren?
Oh, ich habe mir eine neue Fender Jaguar für das Album zugelegt. So eine hatte ich noch nie, ohne dass ich weiß, warum. Denn: Das ist ein ziemlich cooles Teil, das direkt von Fender kam – vom Custom Shop. Ich habe sie ausgepackt, eingestöpselt und war begeistert: „Was für ein geiler Sound.“ Also habe ich sie auf etlichen Songs des neuen Albums eingesetzt, weil sie so gut klingt.
Aber sie steht doch eher für atmosphärische Sounds und wird selten für straighten Rock’n’Roll verwendet, oder?
Stimmt schon, aber ich habe da trotzdem ein paar starke Rock’n’Roll-Nummern herausgekitzelt. Außerdem habe ich mir eine ’64er Rickenbacker zugelegt – eine Rose Morris. Das war der Typ, der sie nach England exportiert und dort F-Löcher reingeschnitten hat. Von Townshend gibt es ein berühmtes Foto mit seiner Rose Morris, das auch für ein Albumcover verwendet wurde. Jetzt habe ich ebenfalls eine davon. Die Teile sind ziemlich selten und haben einen umwerfenden Klang.
Und für die akustischen Stücke?
Da habe ich zu meiner J-200 gegriffen. Ich habe insgesamt drei. Für gewöhnlich benutze ich eigentlich die Martins. Ich besitze einige davon – darunter eine Quad O, ein paar D-28s und etliche Dreadnoughts. Bei diesem Album habe ich zum allerersten Mal eine J-200 verwendet, und die Teile klingen super.
Demnach bist du immer noch ein leidenschaftlicher Sammler?
Das ist ein Prozess, der nie endet. Wenn man Gitarren liebt, will man immer mehr davon. Das ist einfach so. Mein bester Freund, Charlie von der Band Blackberry Smoke, tickt genau wie ich. Deshalb haben wir beschlossen, die Welt allein dadurch zu retten, indem wir immer mehr Gitarren erwerben. (lacht) Das ist unsere Mission: Die Umsatzzahlen von Gitarren anzukurbeln und die Musik am Leben zu halten. (lacht)
Er schickt mir jedes Mal ein Foto, wenn er sich etwas Neues gekauft hat. Und ich antworte dann: „Mann, wir können uns glücklich schätzen, dass wir all diese tollen Gitarren erwerben – wer würde das sonst tun?“ Und er: „Ich weiß. Für dieses Teil habe ich richtig geblutet, aber ich musste es haben.“ Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint. Wir haben da lediglich ein bisschen Spaß – aber es geht um Gitarren und nichts anderes.
Ihr spielt in diesem Sommer nur eine Show in Deutschland am 5. Juli in Rastatt. Warum macht ihr euch so rar oder kommt da noch mehr?
Es ist so, dass wir eine komplette Tour gebucht haben, die dann in Auftritten im Vorprogramm von Guns N’ Roses in den USA gipfelt – also quasi zum Finale. Und weil das nur einen gewissen Rahmen für Asien, Australien und Europa zulässt, müssen wir uns mehr einschränken als uns lieb ist. Wir treten ja nicht einmal in London, Amsterdam oder Paris auf, sondern schlagen kurz irgendwo auf und reisen gleich weiter. Aber ich denke, dass wir bald zurückkommen. Vielleicht sogar noch vor Jahresende.
Da die Crowes gerade so aktiv sind: Was bedeutet das für deine Solo-Aktivitäten? Hast du aktuell irgendetwas in der Pipeline?
Ja, ich habe vor ein paar Jahren ein Album mit Peter Buck von R.E.M. gemacht. Und das ist auf Spotify zu hören. Es firmiert unter dem Projektnamen Silverlites. Und ich hätte da auch gerne eine Tournee unternommen. Leider hat sich Peter mit dem Sänger zerstritten und deshalb lassen wir das Material ruhen, was schade ist. Ich hoffe, dass es noch auf Vinyl erscheint.
Übrigens haben Peter und ich noch ein weiteres Album gemacht – mit Barrett Martin von den Screaming Trees und Erika Wennerstrom von einer Band namens The Heartless Bastards. Da sind wir gerade fertig geworden – ich weiß aber noch nicht, wann es erscheint. Wahrscheinlich später im Jahr.
Angeblich hast du auch Songs mit Izzy Stradlin geschrieben – was ist daraus geworden?
Stimmt, wir haben ein paar Sachen aufgenommen. Und er schreibt wirklich viel – ständig und überall. Die Geschichte, wie wir da zusammengekommen sind, ist ziemlich abenteuerlich: Chris hat ihn zufällig in Chicago getroffen – während ich schon länger versucht hatte, ihn irgendwie zu erreichen und mal wieder ins Gespräch zu kommen. Das haben wir schon länger nicht mehr getan, aber ich hatte eine falsche Nummer, die nicht funktioniert hat. Deshalb habe ich sogar Duff angerufen, doch auch er hatte nur diese eine, unter der niemand zu erreichen ist.
Doch dann sind sich Izzy und Chris in einem Restaurant in Chicago begegnet – weil wir an dem Abend dort gespielt haben. Da saß Izzy plötzlich direkt neben ihm, was schon irre ist. Sie haben geredet und Izzy hat ihm seine Nummer gegeben, damit Chris sie an mich weiterleitet. Also habe ich mich bei ihm gemeldet und wir haben uns im Topanga Canyon in LA getroffen, wo ich ein Haus und er eine neue Freundin hat. (lacht) Das klingt alles unglaublich, oder? Jedenfalls ist er vorbeigekommen und wir haben ein bisschen gejammt und geschrieben. Es war cool. Ein großer Spaß.
Das heißt?
Gute Frage – auf die ich keine Antwort habe. Ich fürchte, wir müssten noch etwas mehr Arbeit und Zeit investieren, damit dabei etwas Gutes entsteht. Aber hey: Warum nicht? Irgendwann werde ich wieder Luft dafür haben.
Du bist jetzt 42 Jahre in dieser Band, ihr habt euch mehrfach getrennt und doch immer wieder zusammengefunden. Verstehen dein Bruder und du mittlerweile, was ihr an den Crowes habt?
Ich hoffe es. Ich meine, wir haben aufgehört, uns wegen jeder Kleinigkeit zu streiten und dem jeweils anderen irgendwelche Vorschriften machen zu wollen. Das ist gut, weil es uns beide glücklicher macht – sehr sogar. Wir kommen heute besser miteinander klar als je zuvor. Wir sind zufrieden mit dem, was wir tun und haben immer noch das Gefühl, uns weiterzuentwickeln und ein neues, größeres Publikum zu erreichen. Das ist alles, was zählt – und was uns wichtig ist. ●
(erschienen in Gitarre & Bass 04/2026)