Bass The Worlds!

Test der Harley Benton MV-4JB Plus BassTheWorld

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(Bild: Dieter Stork)

Gregor Fris ist mit seinem „Bass The World”-Kanal immer noch DER Bass-Influencer aus deutschen Landen. Schon mit mehreren Firmen hat er für Sondereditionen kooperiert, und ein Sandberg-Signature-Modell gibt es auch, das wir 2022 im Test hatten. Um seine Ideen zugänglicher, sprich günstiger zu machen, hat er einen Partner gesucht, mit dem er unter die 1.000-Euro-Grenze gehen kann.

Gefunden hat er ihn in Harley Benton, der Thomann-Hausmarke. Basis ist der MV-4JB, aber wer sich ob des Preisunterschieds jetzt die Augen reibt: Laut Gregor ist an dem Bass so gut wie nichts mehr typisch Harley Benton.

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Alle Komponenten wie Bünde, Hölzer, etc. wurden gegen hochwertigere ausgetauscht. Zum Test bekam ich gleich zwei davon – werde ich die Zwillinge auseinanderhalten können?

ZWEI BÄSSE

Beide Korpusse sind in ihrer Form und ihren eher milden Shapings so identisch, wie ich das erwarten würde. Einen Unterschied kann ich dennoch ausmachen: Bei einem Bass sehe ich in einem bestimmten Winkel betrachtet auf der Rückseite eine Leimnaht im Body – so fein, dass sie normalerweise wahrscheinlich nicht mal auffällt.

Insgesamt ist die Lackierung in Burgundy Mist perfekt ausgeführt, mit sehr feinkörnigem, silbrigen Sparkle. Unter dieser Lackierung steckt mittelgewichtige amerikanische Erle. Der Hals lässt dagegen seine Hölzer sehen und ist einer der Aufhänger dieses Signature-Modells.

Gerösteter/karamellisierter/torrefizierter kanadischer Ahorn mit auffallender Riegelung kommt hier zum Einsatz. Beide Bässe haben eine unterschiedliche, aber gute Maserung vorzuweisen, sind aber ein gutes Stück von dem weg, was als Produktfoto im Webshop zu sehen ist.

Der Skunkstripe ist aus Roseacer, einem Holz, das man im Botaniklexikon vergeblich sucht. Auch hier wird Ahorn geröstet und für mehr Kontrast vermutlich eingefärbt. Der Skunk-Streifen verschließt bekanntlich die Fräsung, die man braucht, um einen Stahlstab von hinten einzusetzen.

Das wäre hier eigentlich nicht nötig, da ein Griffbrett aus Palisander aufgeleimt ist. Auch hier zeigt die Natur wieder Unterschiede. Der eine Bass hat eine dezente, gleichmäßige Maserung im Holz, während der andere wirkt, als hätte das insgesamt etwas hellere Holz einen leichten milchigen Schleier. Beides für mich völlig akzeptabel, sie wirken nur beide ziemlich trocken, etwas Öl täte sicher gut.

Weiße Pearloid-Block-Inlays geben Orientierung und schicke Optik zwischen den 20 Bundstäbchen. Blocks und Binding gehören doch irgendwie zusammen, oder? Also gibt es auch hier eine saubere Einfassung samt fluoreszierenden Dots, die auch nicht-leuchtend bestens sichtbar sind.

Ein sauber gekerbter Sattel markiert den Übergang zur ebenfalls in Burgundy Mist lackierten Kopfplatte. Für ausreichenden Druck sorgt bei den hohen drei Saiten ein Niederhalter à la Sandberg.

Bei Mechaniken und Brücke kommt beste Gotoh-Hardware zum Einsatz. An der Kopfplatte sind das GB11, mit knapp 80 Gramm je Tuner relativ leichte Ausführungen mit einer feinen Übersetzung von 1:20, die gewohnt sahnig laufen. Die Brücke ist die 203B, die den Ur-Blechwinkel mit dickerer Grundplatte und komplett aus Messing gefertigt modernisiert.

Gab es bis hier schon einiges, was sich Gregor für seinen Signature-Bass speziell ausgesucht hat, kommen wir nun zum Herzstück. Als Tonabnehmer sind die JB61 BassTheWorld Edition verbaut, die Gregor mit Andreas Kloppmann zusammen entwickelt hat.

(Bild: Dieter Stork)

Basierend auf dem regulären Set, das den Sound der Früh-Sechziger-Jazz-Bässe einfangen soll, kommt es mit einem Stegpickup mit mehr Wicklungen, der lackiert ist statt gewachst. Ein ordentliches Upgrade, das kann ich jetzt schon sagen.

Anschließend an ein dreischichtig weiß/schwarz/weißes Schlagbrett sitzen auf der verchromten Control Plate drei CTS-Potis, zweimal Lautstärke, einmal Ton. Die großen Potiknöpfe sehen aus, als hätte jemand die schwarzen Striche von Hand gezogen, alle haben dazu leichte Farbspuren an den Bohrungen für die Madenschrauben.

Gut ablesbar sind sie jedenfalls, und angesichts der vielen leicht unterschiedlichen Weiß-Schattierungen muss ich sagen, dass das ein harmonisches Gesamtbild gibt – das habe ich auch schon anders erlebt. Die Buchse macht für die Dauer des Tests keine Probleme, wirkt aber gerade gegen die Potis doch etwas einfach.

EIN SOUND

Die Werkseinstellung ist bei beiden sehr gut, wenn auch nicht identisch: Die Saitenlage ist beim einen minimal höher als beim anderen. Beide sind aber ohne Weiteres auf äußerst komfortable Bespielbarkeit justierbar.

Die Brücke hat Spiel bis zur Briefmarke und darunter, dann stehen die Madenschrauben allerdings ordentlich raus, was je nach Spielweise unangenehm werden kann. Das Speichenrädchen für den Zweiwege-Stahlstab arbeitet sauber, mit dem mitgelieferten Werkzeug kann ich mir die Bässe entspannt nach meinem persönlichen Geschmack einrichten.

Im Trockentest geben sich beide wieder annähernd identisch, nur das C im 5. Bund auf der G-Saite kippt beim einen recht schnell in Obertöne, wo der andere gleichmäßig durch die Lagen geht.

Apropos: Auch die höchsten Lagen sind dank des abgerundeten Halsfußes gut erreichbar. Am Gurt wollen beide Bässe beherrschbar in die Waagerechte – normales Handling und noch nicht das, was für mich unter kopflastig fällt. Das leicht unterschiedliche Gewicht von 4,2 zu 4,4 Kilo macht sich in der Balance kaum bemerkbar, tragbar sind sie definitiv beide.

Jetzt aber an den Amp mit den beiden! Wow, das hat Autorität! Muss ich die Bässe jetzt mit „Sie, Herr MV-4JB Plus BTW” ansprechen? Die Kloppmanns leisten da ganze Arbeit. Sie beeindrucken nicht vordergründig mit Lautstärke, sondern mit einem sehr breiten, sehr gut abgeschmeckten Klangbild.

Klingt, wenig überraschend, nach Jazz Bass, aber mit mehr von allem. Vor allem der heißere (da dann doch!) Stegpickup liefert auch solo noch gutes Fundament, mit ordentlichem Knurren und je nach Spielweise Höhen, die eher luftig oder bissig sein können.

Passt in Leistung und Charakter perfekt zum Kollegen am Hals, der auch alleine überzeugen kann und rockig abliefert. Arbeiten beide voll, sind eventuelle Einstreuungen weg, und der Ton groß, dynamisch, präsent.

Die klare Höhenlage gibt Slap, Tap, Akkordspiel und Plektrum einen willkommenen Extra-Kick, ohne aufdringlich zu sein. Sollte das im Bandkontext doch zu viel sein, bietet die gut abgestimmte Höhenblende genug Möglichkeiten, das einzufangen und in gedecktere Bereiche zu lenken.

Ganz kurz, bevor sie ganz zugedreht ist, macht sie einen vertretbaren Sprung, hat vorher aber noch den obligatorischen Jaco-Sound abgeliefert, und auch die Volume-Potis bieten erfreulich viele Misch-Möglichkeiten. Angenehm überrascht noch die saubere Wiedergabe der tiefen Saiten in den hohen Lagen und das insgesamt überdurchschnittliche Sustain.

Kanadisch und karamellisiert: Die Riegelahorn-hälse beider Bässe zeigen eine natürliche Varianz – einmal dezent-gleichmäßig, einmal heller mit milchigem Schleier. (Bild: Dieter Stork)

RESÜMEE

Ungewöhnlich, mal einen Vergleichstest mit zwei Exemplaren eines Modells machen zu können. Genauso ungewöhnlich wie der BassTheWorld-Signature-Bass im Harley-Benton-Sortiment ist.

Unabhängig vom Markennamen ist das ein gutes Instrument aus gutem Material mit hochwertiger Hardware und vor allem einem Tonabnehmer-Set, das den Sound auf ein deutlich höheres Level hebt. Schwachpunkte konnte ich keine ausmachen, die im Netz teilweise angesprochenen Bundenden und die Abrichtung allgemein ließen bei beiden Testbässen keine Wünsche offen.

Die Optik ist Geschmackssache (mir gefällt’s!), ansonsten kann ich nur sagen: Ein richtig guter J-Style-Bass, der nach mehr klingt, als er kostet.

Dass der Bass am Ende nicht nur unter 1.000 Euro, sondern unter 800 Euro gelandet ist, haben wir Gregor zu verdanken, der den Preis aktiv gedrückt hat, damit er trotz der HB-untypischen Premium-Features halbwegs bezahlbar bleibt. Einen wesentlich günstigeren kleinen Bruder gibt es auch schon, der „große” MV-4JB Plus BassTheWorld sollte pünktlich zu Weihnachten wieder verfügbar sein.

(Bild: Dieter Stork)

Plus

  • Optik
  • Bespielbarkeit
  • Verarbeitung
  • Gotoh-Mechaniken und -Brücke
  • Kloppmann-Pickups!
  • Balance
  • D’Addario-Saiten
  • Werkseinstellung

Minus

  • Potiknöpfe und Buchse könnten wertiger sein

Übersicht

Fabrikat Harley Benton
Modell MV4-JB Plus BassTheWorld
Typ viersaitiger Schraubhals-E-Bass
Herkunftsland China
Hardware chrom, Gotoh-Tuner, Gotoh-Brücke
Hals Ahorn, geröstet
Griffbrett Palisander
Halsbreite Sattel 38 mm, XII. 56,6 mm
Bünde 20
Mensur 34 Zoll
Korpus Erle
Oberflächen Korpus hochglänzend, Hals matt
Tonabnehmer Kloppmann BassTheWorld Set
Elektronik passiv
Bedienfeld Volume, Volume, Tone
Saitenabstände Steg ca. 19 mm
Gewicht ca. 4,2 kg / 4,4 kg
Lefthand-Option nein
Internet harleybenton.com
Zubehör Werkzeug
Preis ca. € 799

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2026)

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