El Toro

Sandberg Florence Nova 40th Anniversary Koa 4 & Nature 5 im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Was schenkt man sich als Bassfirma zum Geburtstag? Sandberg hat sich schon Sondermodelle mit besonderen Lackierungen und Ausstattungsdetails beschert, zum vierzigsten Jubiläum gibt es sogar ein ganz neues Modell, den Florence Nova. Entstanden ist der Bass in enger Zusammenarbeit mit Sandberg-Endorser Victor Tugores, der regelmäßiger Gast auf dem Guitar Summit ist.

Der spanische Bassist ist zu Hause in World Music, Jazz, und im modernen Flamenco. „Flamenco Bass“ kann man wiederum nicht schreiben, ohne Carles Benavent zu erwähnen, der vor allem im Sextett von Paco de Lucia den E-Bass im modernen Flamenco etabliert und definiert hat.

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ALLES NOVA

Die neuen Florence Novas zeigen eindeutige Zugehörigkeit zur Florence-Familie, aber auch ganz eigene Züge. Nach dem Vorbild von Carles‘ Bässen sollte der Bass ein Halbresonanz-Modell werden. Das wird durch einen ausgehöhlten Korpus erreicht, auf den eine Decke mit zwei schmalen Schalllöchern, die mit etwas Fantasie wie Stierhörner aussehen, mit einer dünnen Zwischenlage abgesetzt geleimt wird.

(Bild: Dieter Stork)

Die Holzkombination beim Viersaiter ist Mahagoni mit Koa-Top, während der Fünfsaiter mit Erlengrundlage und Flamed-Maple-Decke kommt. Natürlich ist die Fünfsaiter-Kombi auch mit vier Saiten zu bekommen und umgekehrt; während es Koa nur im Naturlook gibt, steht bei Flamed Maple noch ein Tobacco-Sunburst-Finish zur Wahl.

Für gute Balance bei gleichzeitig gutem Zugang zu allen Bünden gibt der Nova die Beinahe-Symmetrie des Shortscale-Florence auf und zieht das obere Horn weiter Richtung Kopfplatte. Auf eine Abschrägung für die Armablage wurde verzichtet, dafür gibt es eine umlaufende Fase, die ich überaus schick finde und die auf der Decke in die Ausfräsung im unteren Cutaway mündet.

(Bild: Dieter Stork)

Das zeigt einerseits die Hölzer und die kontrastierende Zwischenlage noch einmal sehr schön, zum anderen erleichtert es natürlich den Zugang zu den hohen Lagen und sieht nach „typisch Florence“ aus. Auch der Boden hat eine Fase bekommen, die den für guten Zugang zu den oberen Bünden speziell geformten Halsfuß einschließt und hier zwischenzeitlich in die bequem ausgeprägte Fräsung für die Rippen übergeht.

Während das Finish bei Erle und Ahorn eine glatte, feine Oberfläche gibt, sind die gröberen Faserverläufe bei Mahagoni und Koa deutlich sichtbar und spürbar, was keineswegs als unperfekt rüberkommt, sondern noch wärmer und holziger, und zeigt, dass hier kein Lackpanzer aufgetragen wurde. Das gilt auch für den Hals, der sich perfekt glatt in die Hand schmiegt.

Bei beiden Bässen ist er aus drei Streifen kanadischem Felsahorn, gesperrt mit zwei Lagen Mahagoni. Das ordentliche, dicke Griffbrett ist bei beiden aus Palisander. Der Schwung am Griffbrettende bedeutet, dass für D- und G-Saite 24 Bünde zur Verfügung stehen, beim Fünfsaiter für die A-Saite gerade so 23, und für alles andere 22 Bünde.

 

Fretless sind die Novas ohne Aufpreis erhältlich (mit oder ohne durchgehende Linien; Sidelines kosten extra), was ich mir auch sehr lecker vorstelle. Aber bleiben wir bei den Testbässen: Die Bundstäbchen sind sauber eingesetzt und verrundet, den letzten Feinschliff bekommen sie in der Plek-Maschine.

Vor dem Nullbund sorgt ein Sattel für die Saitenführung, die bei Vier- wie Fünfsaiter angenehm gerade zu den gekapselten Mechaniken ausfällt. Diese sind, wie die gesamte Hardware, beim Koa/Mahagoni in Gold gehalten, bei Flamed Maple in Schwarz – jeweils sehr passend, wie ich finde.

Optisch besticht die Kopfplatte durch eine Decklage aus Ebenholz mit markanten Streifen sowie einem silbernen Schriftzug und Modellnamen. Unter einer Abdeckkappe liegt der Zugang zum Zwei-Wege-Stahlstab, wobei beim Fünfsaiter zum Abschrauben E- und D-Saite gelockert und beiseitegelegt werden müssen. Das lässt sich sicherlich noch eleganter lösen.

Sehr elegant sind dagegen die Einlage, die den 12. Bund markiert und die Form der Schalllöcher wieder aufnimmt, und die klassischen vier Sandberg-Punkte in Perlmutt. Die Ball-Ends der Saiten finden ihren Platz eingehängt in einzelne Brückenelemente. Über diese habe ich schon oft geschrieben. Fan dieser Bauform werde ich wohl nicht mehr, weil vor allem die Justierung der Oktave etwas mühselig ist.

Andererseits macht man das nicht jeden Tag, und nach der Einstellung von Oktave, Saitenlage, und in Maßen dem Saitenabstand lässt sich alles arretieren und bleibt dann fest an Ort und Stelle. Um im Vorfeld zu ermitteln, wo der Pickup eingebaut werden soll, bekam Victor Tugores von Sandberg mit, was Leo Fender seinen „Breadboard Bass“ nannte: ein spielbares Testinstrument, auf dem der Abnehmer frei zu positionieren ist.

Nachdem sich Victor damit eine ganze Zeit lang beschäftigt hatte, traf er dann seine Wahl. Im so gefundenen Sweet Spot sitzt in den Novas ein Soapbar von Harry Häussel, der ein Holzcover bekommen hat: der Koa mit passendem Koa-Deckel, der Flamed Maple in etwas dunklerem Quilted Maple – beides sehr hübsch und stimmig.

Geregelt wird über ein Volume-Poti und ein Tone-Poti, das wie beim Shortscale-Florence als Push/Pull ausgelegt ist und über zwei Kondensatorwerte unterschiedlich zupackende Höhenblenden bietet. Ein Blick ins rückseitige E-Fach offenbart die wie erwartet spartanische Ausstattung, dazu saubere Verarbeitung und Auskleidung mit Abschirmlack.

OLÉ (UND MEHR!)

Beide Novas kommen perfekt eingestellt aus ihren gewohnt guten Gigbags, also müsste ich gar nicht tätig werden. Aber was tut man nicht alles als Tester. Die Brücke offenbart die üblichen Vor- und Nachteile: Zum Einstellen der Oktave muss die Saite entspannt werden, der Schlitten gelöst, dann von Hand hin und her bewegt werden, arretiert, wieder gestimmt – und wenn die Einstellung nicht exakt ist, geht‘s wieder von vorne los.

Nicht eben meine Lieblingslösung, aber wie gesagt, zum einen bei den Testbässen nicht nötig, zum anderen hält die Einstellung, einmal justiert, ewig, wenn man nicht viel mit unterschiedlichen Stimmungen und Saitenstärken arbeitet. Die Stahlstäbe geben sich auch sehr entspannt und bewegen sich ohne viel Kraftaufwand. Beim Fünfsaiter muss zum Einstellen aber wie beschrieben nicht nur die A-Saite für den Inbus aus dem Weg, es müssen dazu auch die beiden Nachbarsaiten gelöst werden.

Das ist etwas umständlich, allerdings blieben die Hälse über die gesamte Testdauer ausgesprochen stabil, auch beim Runterstimmen um einen Halbton und wieder zurück.

Im Sitzen spielen sich beide überaus angenehm und gut ausbalanciert, die Hälse liegen mir perfekt in der Hand. Der Viersaiter hat am Sattel 40 mm bei 19 mm Saitenabständen an der Brücke, der Fünfsaiter kommt mit 45 mm und 17,5 mm. Beide lassen sich mühelos bespielen, Ergebnis der guten Einstellung und der absoluten Schnarrfreiheit dank Plek-Bearbeitung.

An den Gurt darf zuerst der Koa-Nova. Die Pins dafür sind Schaller-kompatibel, der hintere ist Spector-esk etwas nach oben versetzt. Auf die Waage bringt er gerade mal knapp 3,4 Kilo, entsprechend pendelt sich der Hals an meinem ziemlich rutschigen Nylongurt knapp über der Waagerechten ein.

Der Fünfsaiter ist mit 3,55 Kilo ebenfalls ein absolutes Leichtgewicht, mit seinem breiteren Hals und der zusätzlichen Mechanik möchte der Hals hier komplett in die Waagerechte. Das ist aber schon mit dem Nylongurt beherrschbar, mit einem rutschfesteren Gurt lassen sich beide quasi beliebig positionieren.

Bei meinen Halbakustik-Bässen, wie dem Epiphone Jack Casady, dem Guild Starfire oder dem Yamaha BEX-BS, bin ich harte Korpuskanten gewohnt, da macht sich die umlaufende Fase der Novas schon sehr bemerkbar und erleichtert auch lange Proben und Auftritte.

Ein Thema, bei dem ich sensibel bin, ist die saubere Wiedergabe in den hohen Lagen, und tatsächlich muss ich bei der Höheneinstellung des Pickups beim Fünfsaiter relativ niedrig bleiben, weil sonst der magnetische Zug E- und vor allem H-Saite oberhalb des 12. Bundes unsauber schwingen lässt. Sandberg versprach aber schon, sich das nochmal anzuhören, und etwas weiter in den Korpus geschraubt, ist das kein Problem mehr.

Was schon trocken gespielt noch auffällt: Beide Bässe sind erstaunlich laut im Vergleich zu normalen Solidbodys, vermitteln mir körperlichen Punch und klingen einander sehr, sehr ähnlich. Aufgrund der unterschiedlichen Holzzusammenstellung und der Tatsache, dass auch sonst gleich gebaute Vier- und Fünfsaiter meistens berechenbare Tendenzen aufweisen (schnellere Ansprache beim Vierer, fetterer Ton beim Fünfer), bin ich – angenehm – erstaunt.

Beim Fünfsaiter kommt „nur“ eine überzeugende tiefe H-Saite dazu, die sich bestens gegen den Rest behauptet, mit Draht und Substanz. Beste Vorlage, die die Tonabnehmer nur verwandeln müssen. Und das tun sie!

Ein breitbandiger Ton entfleucht der Anlage und füllt den Raum. Obertöne verleihen dem Sound eine luftige Präsenz. Besonders der Oberton, der mit leichtem Lispeln dafür sorgt, dass sich die Novas auch in einem dichten Bandgefüge durchsetzen können. Das hat für mich latente Aktiv-Bass-Anklänge, es ist aber definitiv nirgends eine Batterie versteckt.

Die Entscheidung für nur einen Pickup macht den Bass keineswegs unflexibel. Das geht schon damit los, dass beide sehr sensibel auf unterschiedlich harte Anschläge und auf wandernde Anschlagspositionen reagieren, auch wenn der rechte Daumen seine natürliche Heimat wohl bequem abgestützt auf der Pickupkappe finden wird.

Weitere Variationen bietet die passive Höhenblende. Im Normalmodus, also mit gedrücktem Poti, lässt sich der Ton fein abrunden, mit dem klassischen, gefühlten Boost in der Mittenresonanz, wenn ich weiter zudrehe. Der alternative Kondensator, der bei gezogenem Poti ins Spiel kommt, agiert deutlich radikaler.

Hier wird tiefer abgeschnitten, mit weniger Resonanz, was das Ganze sauberer wirken lässt. Ich muss gestehen, dass ich mit dem so entstehenden Sound anfangs gar nicht viel anfangen konnte, bis ich mich entspannt darauf eingelassen und einfach treiben lassen habe. Da kamen dann wie von selbst mit dem Handballen abgestoppte Daumenzupfereien, die sich kontrabassig-tief in den Bandsound fügen, und dubbiger Fingerstyle, der trotz Höhenarmut trocken und beherrschbar bleibt.

Wieder aufgedreht und den Daumen nochmal slappend ins Spiel gebracht, zeigt sich, dass der Nova auch diese Spielart sauber umsetzt, genauso wie Tapping oder Plektrumspiel, wie es Großmeister Benavent macht. (Nicht, dass ich das auch nur ansatzweise so könnte …)

RESÜMEE

Das Temperament eines Toros spricht Sandberg dem Florence Nova zu, und in der schnellen Ansprache des Tons und seiner Präsenz (und damit meine ich nicht nur die ausgeprägten Präsenzen im Sinne der lebhaften Höhenwiedergabe, sondern den fulminanten Gesamtsound) finde ich das wieder.

Ich höre bei beiden Novas vor allem Bässe, die es mit ihrer minimalistischen Ausstattung erlauben, seine eigene Stimme zu finden. Die beiden sind nicht neutral und bringen schon Farbe mit, reagieren aber bemerkenswert sensibel auf den Input der Spielerin oder des Spielers.

Dank ihrer exzellenten Bespielbarkeit und ihres komfortablen Gewichts sind sie dabei die am leichtesten handzuhabenden Stiere, die mir je untergekommen sind. Da auch Holzauswahl und Verarbeitung vom Feinsten sind, wie es sich in dieser Preisklasse gehört, kann ich diesen Test nur mit einer klaren Antestempfehlung abschließen und auch an dieser Stelle nochmal sagen: Herzlichen Glückwunsch, Sandberg!

Plus

  • Sounds
  • Verarbeitung
  • Gewicht
  • gleichmäßige Ansprache
  • Bespielbarkeit
  • Hölzer
  • Sensibilität

Übersicht

Fabrikat Sandberg
Modell Florence Nova 40th Anniversary Koa 4
(Florence Nova 40th Anniversary Nature 5)
Typ Schraubhals-Semi-Hollow-E-Bass
Herkunftsland Deutschland
Hardware Sandberg-Monorail-Brücke,
Sandberg-Mechaniken
Hals Ahorn/Mahagoni
Griffbrett Palisander
Halsbreite Sattel 40 mm, XII. 54 mm
(Sattel 45 mm, XII. 63 mm)
Bünde 24
Mensur 34 Zoll
Korpus Mahagoni, Koa-Decke
(Erle, Flamed-Maple-Decke)
Oberflächen matt
Tonabnehmer passiv; Häussel Soapbar
Elektronik passiv
Bedienfeld Volume, passive Höhenblende mit Push/Pull für unterschiedliche Kondensatoren
Saitenabstände Steg 19 mm (17,5 mm)
Gewicht ca. 3,4 kg (ca. 3,55 kg)
Fretless und Lefthand-Option ja
Internet www.sandberg-guitars.de
Zubehör Gigbag, Guide, Inbusschlüssel
Preise (UVP/Street) Koa 4: € 3130 / ca. € 2600
Nature 5: € 3368 / ca. € 2800

(erschienen in Gitarre & Bass 06/2026)

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