Andreas Thiemann ist ein erfahrener Gitarrenbauer, der in der Tradition verwurzelt ist, aber mit dem Kopf im Hier und Jetzt. Er beherrscht die handwerklichen Grundlagen ebenso gut wie fantasievolle Umsetzungen im Rahmen physikalischer und materialtechnischer Gegebenheiten. Sein einzigartiges Modell Violet Summer zeugt von großer Kunstfertigkeit.
„Warum ich Gitarren baue? Weil sie ein Versprechen sind! Weil sie schöner sind. Weil sie mutiger sind. Weil sie besser sitzen als Gitarren von der Stange!” Andreas bietet vier eigene Gitarren-Designs an und steht seinen Kunden auch für individuelle Ideen und umfangreiche Customizing-Wünsche zur Verfügung.
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SWITENIA, QUILTED MAPLE, BRAZILIAN RW
Mit dem optisch höchst beeindruckenden Modell Violet Summer nehmen wir eine aus Switenia Mahagoni gefertigte Semi-Thinline in die Hand, welche das vom Gitarrenbauer gegebene Versprechen auf etwas Besonderes halten will und, soviel sei vorab schon verraten, auch kann.
Die Details: Der aus drei Teilen Switenia Mahagoni sehr schöner Qualität über Ahornstreifen gefügte Korpus von insgesamt gut 4,9 cm Stärke ist mit einem beeindruckend gemaserten Extra Quilted Maple Flat Top kombiniert. Die Korpusränder weisen vorn wie hinten starke Verrundungen auf. Ein umlaufendes Fake Binding (naturfarblich belassen) setzt die durch Glanzlack in Dark Violet Stain prachtvoll fokussierte Decke kontraststark in Szene.
Die Öffnungen für das E-Fach und das Tremolo am Boden sind mit farblich der Decke entsprechenden Deckeln aus Quilted Maple verschlossen. Ein Blick ins E-Fach zeigt neben den sauber verbauten elektrischen Komponenten auch die großzügigen Ausfräsungen um den mittig erhaltenen Block herum.
Der über vier versenkt angebrachte und in Hülsen geführte Schrauben angedockte Hals aus Switenia Mahagoni ist kombiniert mit einem Griffbrett aus Brazilian Rosewood – natürlich mit CITES 1-Zertifikat. Der Hals-/Korpus-Übergang erweist sich mit seiner weichen Verrundung als ergonomisch bestmöglich abgeglichen. Der Halsrücken wurde mit einem Oil/Wax Finish von angenehmem Griff versiegelt. 22 extraharte Jumbobünde (Sintoms 2,8 EH) zeigen sorgfältige kantenglatte Verarbeitung.
Kopfplatte mit MOP-Firmenlogo und Kluson Backlocks (Ebenholzgriffe). (Bild: Dieter Stork)
Kleine, seitlich gesetzte Dots aus Perlmutt auf dem Griffbrett und auf der Sichtkante sorgen für sichere Lagenkennung. Die stilvolle, mit einem glanzlackierten Ebenholzfurnier besetzte, abgewinkelte Kopfplatte präsentiert ein „t.man guitars”-Inlay aus MOP und ist mit Kluson Backlock Tuners bestückt.
Über den Sattel aus Knochen werden die Saiten mit 648-mm-Mensur zum Wilkinson by Gotoh VS100 Tremolo mit in der Gängigkeit einstellbarem Einsteckarm und individuell beweglichen Saitenreitern geführt.
Elektrik: Zwei Pickups von Harry Häussel, der 1959 Custom A4 am Hals und der Classic B Humbucker in der Stegposition, beide in Zebra-Ausführung, garantieren kompetente Tonwandlung. Bestens platzierte und in Reihe gesetzte generelle Volume- und Tone-Regler geben Kontrolle. Ein 5-Way „Double Wafer Switch” mit sogenannter „t.rickschaltung” sorgt für auffallend flexible Klanggestaltung.
Der mit 2,9 kg angenehm leichten Gitarre können wir eine in jeder Hinsicht stimmige Konstruktion, spielpraktische Abstimmung und wunderbar detailgenaue Verarbeitung testieren.
SING, VOGEL, SING!
Wo schon Design, Verarbeitung und Gewicht der Violet Summer nur zu loben sind, da wird es doch nicht etwa an lässiger Handhabung und exquisiter Klanggüte fehlen!? Keineswegs! Dank der weichen Verrundungen der Korpusränder fügt sich das Leichtgewicht geschmeidig an Bauch und Knie, bietet auch dem rechten Unterarm komfortable Auflage und richtet sich praxisgerecht aus. Die ergonomisch optimale Gestaltung des Hals-/Korpusübergangs erlaubt darüber hinaus freien Zugang zu den hohen Bünden.
Vor allem aber ist die perfekte Abstimmung von Halsprofil, Kantenrundung des Griffbretts und daran angepasste Premiumbundierung zu feiern. Diese Gitarre in die Hand zu nehmen, ist sofort Wonne. Ein Instrument, das mit dir spricht, dich schmeichelnd animiert: Komm, du willst es doch auch!
Fängt gut an, nicht? Aber das ist es doch, was wir immer suchen: Dieses innige Gefühl spontaner Interaktion von Perfektion und Emotion. Soweit, so gut! Dann muss der Hobel also nur noch klingen …
Am Amp spricht die Violet Summer tatsächlich mit starker Stimme zu uns, vermittelt durch die leistungsstarken Humbucker von Harry Häussel. Wie eigentlich immer setzen die Häussel-Pickups mit kraftvollem Output und großer Offenheit um. Der 1959 Custom-Pickup in der Halsposition übersetzt in klaren Amp-Einstellungen vollmundig breit aufgelöste und dabei bestens gewichtete Frequenzbilder.
Harry Häussel Zebra Pickups Classic B und 1959 Custom A4. (Bild: Dieter Stork)
Akkorde werden dank perfekter Saitentrennung rundum plastisch dargestellt, der Ausdruck ist harmonisch geschlossen. Im Drive-Kanal schwingen nach markanter Ansprache farbstarke Obertöne schnell ein, lassen den Ton förmlich aufblühen. Dynamisch lässt sich über den Anschlag Intensität und Tonfarbe optimal gestalten. Der schnalzend anreißende Ton zeigt bei gehaltenen Noten langen, ebenmäßigen Verlauf oder effektiv herausgehobene, sehr schön griffige Struktur bei schnell gespielten Linien.
Gehen wir auf den Classic B-Humbucker am Steg, so engt sich das Klangbild naturgemäß ein, bildet zwar auch eine feine Mittennase aus, aber da sich die Kompression in Grenzen hält, sind damit auch noch gesunde, kompakt, schlüssige Clean-Akkorde mit angenehmen Höhen ins Werk zu setzen. Zu Höchstform läuft die Violet Summer über diesen Pickup aber in Gain-Strukturen auf.
Ob Powerchords oder Single Notes, der Häussel wandelt jede Aktion akkurat und mit offensiver Präsenz. Schnell und ausgesprochen perkussiv in der Ansprache – die semiakustische Konstruktion hilft spürbar mit – federt der Ton ab. Die Wiedergabe von Bässen ist kernig und stringent, die Mitten drücken kompakt durch und sorgen für einen soliden, ja fetten Ton, der von den offensiven Höhen zudem mit gehörigem Biss ausgestattet wird. Bassquinten federn knochentrocken aus den Speakern; fingertechnische Finessen werden im Solospiel absolut präzise umgesetzt. Der Ton reißt prächtig auf und steht, unterstützt von wiederum spontan einfliegenden Obertönen, wie eine Eins!
In Mittelstellung des Wahlschalters hören wir die konventionelle Zusammenschaltung der Humbucker, und die sorgt für einen schön weit geöffneten, perlenden Sound von leicht kehligem Charakter.
Die oben schon angekündigte t.man t.rickschaltung erweitert das Angebot nun auch noch um einige zusätzliche Klangvarianten, die sich per 5 Way „Double Wafer”-Switch (vier Schaltebenen) über den Push/Push-Schalter im Tone-Poti leicht aufrufen lassen. Der Push/Push-Switch schaltet die beiden Spulen des Steg-Pickups parallel, wodurch deren Widerstandswerte auf ein Viertel reduziert werden. Von den gut 8 kOhm seines seriellen Ausgangswertes bleiben also nur etwas über 2 kOhm übrig. Der sich daraus ergebende Sound ist glasig, natürlich auch schlank und recht speziell – eine Art Rasierklingen-Twang.
In der Kombination von Steg- und Mittel-Pickup werden die inneren Spulen der Pickups parallel dargestellt. Das Ergebnis ist irgendwie glanzpoliert, spirrig und eher gehöhlt im Ausdruck: wenig Bass, wenig Mitten, zugespitzte Höhen. Auf seine Art ist damit aber gut schnacken, lässt sich rhythmisch gestochen scharf abliefern.
(Bild: Dieter Stork)
In der halsseitigen Zwischenposition liegt nun keineswegs ein Kombi-Sound an. Er vermittelt den Coil Split des Hals-Pickups und lässt nur dessen halsseitige Spule aktiv. Ein Sound in Annäherung an die Strat. Parallel-Sounds sind nicht jedermanns Sache, können aber durchaus die eine oder andere Nische füllen. Sie sind einerseits ober-clean, machen aber tatsächlich auch im Overdrive Sinn, wo sich damit ein Stimmungswechsel durch die starke Nivellierung des Zerrgrades spontan herstellen lässt. Bonus-Sounds eben, aber die sollen natürlich auch speziell sein.
Final: Das an drei Federn weich aufgehängte Wilkinson by Gotoh VS100 Tremolo passt mit seinem Alugussblock gut zur Gitarre. Es ist perfekt eingestellt, lässig zu handhaben und funktioniert selbst bei stärkeren Modulationsmanövern weitgehend stimmstabil. Nicht zuletzt unterstützt es die allgemein luftige Darstellung der Gitarre wie selbstverständlich.
RESÜMEE
Was Andreas Thiemann uns mit der T.C. Violet Summer in die Hand drückt, ist ein Beispiel hervorragender handwerklicher Kunstfertigkeit. Zum Handwerk gesellt sich bei ihm aber auch das Wissen um souveräne Klangschöpfung. Ein großes Wort, das nach inhaltlicher Auslegung verlangt, gibt es ihn doch gar nicht, den einen Sound für alle, mithin das universale Instrument.
Andreas trifft dennoch mit seiner aus besten Hölzern, inklusive Griffbrett aus Riopalisander, und sowieso ausschließlich hochwertigen Komponenten, ziel- und selbstsicher gebauten Semi-Hollowbody so etwas wie eine für viele zugängliche Mitte. Um den Begriff Mainstream im Sinne von: „kennste eine, kennste alle” zu umschiffen, sagen wir lieber mal: „flexibel ausrichtbar”. Diese purpelige Sommerblume kann nämlich wirklich viel!
Gut eingestelltes Wilkinson by Gotoh VS100 Tremolo (Bild: Dieter Stork)
Vor allem aber macht das schwingfreudige und resonanzstarke Instrument auf den ersten Griff hin Spaß – es spricht mit dir – und es überzeugt dann selbstredend auch mit elektrischer Kraft, schalttechnischer Flexibilität und farbreicher Umsetzung jeder spieltechnischen Attitüde. Du denkst: Genau mein Ding, nur dieses oder jenes hätte ich gerne anders? Da bist du bei Andreas an der genau richtigen Adresse, denn er ist dein Mann für Custom-Wünsche jeder Art. Wir jedenfalls vergeben die volle Punktzahl – tolle Gitarre!
Plus
stimmiges Design
Semi-Hollowbody-Konstruktion
bester Materialeinsatz
Häussel-Pickups
präsenzstarke Sounds
Schaltflexibilität
Hals, Handhabung
souveräne Verarbeitung
Übersicht
Fabrikat
t.man guitars
Modell
Violet Summer
Typ
Semisolidbody
Herkunftsland
Deutschland
Mechaniken
Kluson Backlocks, Ebenholzgriffe
Hals
Switenia Mahagoni, geschraubt
Sattel
Knochen
Griffbrett
Brazilian Rosewood (CITES1)
Radius
9,5″-12″
Halsform
C
Halsbreite
Sattel 43,0 mm; XII. 52,2 mm
Halsdicke
I. 20,8 mm; V. 21,6 mm; XII. 22,7 mm
Bünde
22, Sintoms 2,8 EH
Mensur
648 mm
Korpus
Switenia Mahagoni, hollow; Quilted Maple Top
Oberflächen
Dark Violet
Tonabnehmer
Harry Häussel 1959 Custom (Hals 6,8 kOhm); Classic B (Steg 8,2 kOhm)