Produkt: Gitarre & Bass 5/2019
Gitarre & Bass 5/2019
INTERVIEWS: Slash, Phil Campbell, J.J. Cale, Bill Frisell, Kreator +++ VINTAGE-SPECIAL: Fender Princeton
Aus dem neuen Heft

Fender Acoustasonic Telecaster im Test

Fender Acoustasonic Telecaster(Bild: Dieter Stork)

Vor 3 Jahren saß die Fender Entwicklungsabteilung unter der Leitung von Brian Swerdfeger zusammen und beschloss, eine innovative E-Akustik-Gitarre zu entwickeln, die das Beste der akustischen und digitalen Welt vereint. Dabei stellte man immer wieder die Frage, was und wie würde Leo Fender das heute wohl machen. Und wenn man sich die Fender Acoustasonic Telecaster genau anschaut, entdeckt man einiges vom Erfinder der Fender-Gitarren.

Die Acoustasonic wurde auf der diesjährigen NAMM-Show in Anaheim erstmalig vorgestellt. Und … jeder sprach drüber. So ein Instrument polarisiert zunächst einmal. Diese Hybrid-Gitarre sieht aus wie eine Fender Telecaster, ist federleicht, da innen hohl, hat sichtbar einen Telepickup aber die Brücke einer Akustik. Als nächstes fällt die eingesetzte Fichtendecke ins Auge, und der Armrest, der in den oberen Zargen eingearbeitet ist.

Anzeige

Aber man sieht auch einen aufgeschraubter Mahagonihals mit Ebenholzgriffbrett, Telekopfplatte und staggered Mechaniken und natürlich den typischen geraden Saitenverlauf. Und wenn man hinschaut, sieht man auch die Möglichkeit, den Hals durch eine Inbussschraube zu kippen. Leo Fender hatte das 1969 tatsächlich für Akustik-Gitarren entwickelt, um darüber die Einstellung der Saitenlage zu korrigieren. Die damaligen Fender-Besitzer CBS allerdings haben das für die E-Gitarre zweckentfremdet, was zusammen mit der Dreipunkt-Befestigung zum damaligen Zeitpunkt wegen ungenauen Fräsungen absolut unstabil war. Aber man sieht, auch 50 Jahre später kann man eine Idee so einsetzen, wie sie gedacht war.

Die Acoustasonic hat modernste Elektronik an Bord: einen magnetischen Fender Noiseless Pickup, einen Fishman Under Saddle Pickup und einen Fishman Enhancer (Body Sensor), der die Schwingungen der Decke aufnimmt. Das alles ist mit einer aufwendigen Elektronik verbunden, Acoustic Engine genannt, die von Fishman entwickelt wurde, und die Pickup-Sounds wie beim Aura-System mit Modelings bearbeitet und bereitstellt. Die Sounds können gemischt werden. Die Stromversorgung übernimmt ein von außen über Mini-USB ladbarer Akku. Moderner geht es nicht.

Die Acoustasonic ist erst mal dafür gedacht, sie an ein Mischpult, eine PA, einen Akustikverstärker oder Ähnliches anzuschließen, aber natürlich kann man sie mit einem Gitarren-Amp verwenden. Sie lässt alle Möglichkeiten, und das ist gut so, denn was der Musiker mit dem Instrument im Endeffekt anstellt, das soll ihm überlassen, und nicht vom Hersteller vorgegeben sein.

Das gilt übrigens auch für die E-Gitarren-Sounds. Sie entsprechen dem Sound wie über einen Fender Amp gespielt, man kann sie also direkt verwenden. Aber über einen Amp gespielt passt das auch immer noch und kann extrem reizvoll sein. Und geregelt wird über einen Master-Volume, einen Mischregler und einen 5-Weg-Schalter. Man braucht also nicht – wie bei so vielen anderen Akustik-Gitarren-Systemen – einen Führerschein, um das „Cockpit“ zu bedienen.

Fender Acoustasonic Telecaster
V.l.n.r.: Fender Telepickup, Bodysensor, Stegunterseite mit Masseanschluss, NI-Akku (Bild: Dieter Stork)

konstruktion

Der Telekorpus ist aus Mahagoni gefertigt, und innen ausgehöhlt: Der Rand bleibt stehen und die Sitka-Fichtendecke ist darin auf- und eingesetzt. Sie wiederum kann frei schwingen, ist nur mit Längsstreben verstärkt, und hat ein kleines Schallloch, mit einem nach innen runden Trichter. Fender nennt das „Stringed Instrument Resonance System (SIRS)“. Obwohl der Body Telemaße hat, kommt schon eine ordentliche akustische Lautstärke heraus, zwar bassarm, aber laut genug zum Üben und zum Begleiten. Erstaunlich.

Durch die Korpuskonstruktion war es kein Problem, für den rechten Arm eine  bequeme Auflage zu integrieren. Nicht nur von herkömmlichen Akustik-Gitarren, auch von Tele kennt man die Druckstellen, die durch den harten Zargen am Unterarm entstehen.

Der Mahagonihals hat ein Ebenholzgriffbrett mit 22 Medium-Jumbo Bünden (tatsächlich noch einer mehr als bei der Tele) und hat einen 12″-Griffbrettradius. Der Hals hat die Maße eines E-Gitarren-Necks und eine tiefe C-Form. Das macht es den E-Gitarrespielern leicht, aber auch der Akustikspieler kann gut damit arbeiten, da nicht zu dünn.

Die verkapselten Mechaniken sind in einer Reihe auf der Tele-Kopfplatte angeordnet, da es gestaggerte Modelle sind, kann auf Saitenniederhalter verzichtet werden. Der Sattel (wie auch die Stegeinlage) ist von GraphTech und aus reibungsarmem Tusq. Perfekt.

Der eingesetzte Stahlstab ist von der Kopfplatte aus in beide Richtungen justierbar. Und man glaubt es kaum: Die Neckplate, in der die vier Schrauben zur Halsbefestigung sitzen, ist versenkt und bündig mit dem Korpus eingelassen. Dass man das bei Fender noch erleben darf! Hals und Decke der Acoustasonic sind seidenmatt lackiert, der Mahagoniteil des Korpus’ offenporig.

Der Akustik-Steg aus Ebenholz ist aufgeleimt, unter der kompensierten Tusq-Stegeinlage sitzt der Fishman-Pickup, die Saiten (hier Fender Bronze .011 – .052 mit umsponnener G-Saite) sind mit Pinnen eingeklemmt. Die Rückseite bietet zwei abnehmbare und versenkt eingesetzte Deckel: Der eine gibt Zugriff auf die Elektronik, auf der anderen ist der Akku befestigt. Geöffnet, hat man einen Blick ins Innere, auf die Stegunterseite, die geerdete Stegplatte, den Body Sensor (Acoustasonic Enhancer genannt) und den magnetischen Tele-Pickup.

Fender Acoustasonic Telecaster
Eine Menge Elektronik. Im silbernen Kästchen zwei Trimpotis zum Anpassen der Fishmen-Pickuplautstärken, rechts ein USB-Anschluss, über den wird die Acoustasonic mit Werkssounds versorgt. (Bild: Dieter Stork)

>>> Den vollständigen Testbericht gibt’s in der aktuellen Ausgabe Gitarre & Bass <<<

Produkt: Fender Stratocaster
Fender Stratocaster
Die 15 legendärsten Fender Stratocaster im Gitarre & Bass-Test! Hol dir das kostenlose Special!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. man hätte mal ein drei Ansichtsbild machen können und vor allem
    mal ein sound video hinterlegen können. So das man hört wie sie klinkt. Auch der Preis wäre mal wichtig.

    Auf diesen Kommentar antworten
  2. Als Unicum per excellence akzeptiert. Aber wer und vor allem wofür sollte man sich das “Gerät” kaufen? Habe damit weder einen echten E-Akkustik noch einen Telecaster-Sound. Aber darum genau geht es doch am Ende!! Kenne einige die kaufen sich kein Telecaster WEIL der Kopf hässlich ist. (Mich stört der Kopf an einer echten Tele nicht.) Hier jedoch an eine Art Western-Gitarre geschraubt, ist der Zenit der optischen Gefälligkeit wirklich weit überschritten. Akkustische Gitarrenbaukunst wird offensichtlich ignoriert und dann mit digitalem Aufwand wieder versucht noch zu retten, was zu retten ist (?). Wünsche Herrn Brian Swerdfeger in Zukunft bessere Ideen. Denn man muss nicht alles umsetzen nur weil es möglich ist.

    Auf diesen Kommentar antworten
  3. Wäre perfekt, wenn alles so klingt wie es soll. Die Bronzesaiten 011-052 sind natürlich für E-Gitarristen gewöhnungsbedürftig. Jetzt gehen die Signale aber nicht getrennt raus. Ich habe in einer E-Gitarre auch ein Fishman-System verbaut. Das kann aber über Stereobuchse und Y-Kabel auf getrennte Amps gesplittet werden. Geht auch Mono auf einen Amp, aber da benutze ich es nur, um dem Tele-Pickup ein akustisches Signal beizumischen. E-Sound über Akustik-Amp klingt nicht, A-Sound über Gitarrenamp schon eher. Bin gespannt, wie Fender das hinbekommen hat. Optisch hat die alte Telecoustic mir besser gefallen, mit der Stratocoustik konnte ich mich nicht anfreunden.

    Auf diesen Kommentar antworten
  4. Vor drei Wochen hatte ich das Vergnügen, mehrere Live-Sets von Lindsay Ell beizuwohnen, die sie ausschließlich mit der Acoustasonic Tele bestritten hat. Das war äußerst ansprechender Bühnen-Akustik-Sound, der da zu vernehmen gewesen ist. Bei tendenziell Richtung 2.000 Euro sicherlich etwas über meinem Budget für solch ein Instrument, aber wer sowas sucht, sollte es mal antesten. Klanglich für mich absolut überzeugend.

    Auf diesen Kommentar antworten
    1. C2C? 😄 Hab ich auch gedacht als ich Lindsay Ell dort mit der Acoustasonic gesehen hab! Klang meiner Meinung nach echt ordentlich!

      Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: