Kopfloser Einstieg

Ibanez EHB600: Die “Spar”-Version im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Die EHB-Serie von Ibanez erfreut sich großer Beliebtheit. Man könnte sogar sagen, dass sie maßgeblich dazu beigetragen hat, den Headless-Bass wieder salonfähig zu machen und dank Serienproduktion auch massentauglich. Nach einigen Jahren gibt es nun diverse Serien dieser Baureihe, die sich teils nur gering unterscheiden. Mit dem EHB600 wird das Produktportfolio nach unten erweitert. Wie schlägt sich die „Spar”-Version im Test?

Als der erste EHB auf dem Markt erschien, gab es kopflose Bässe entweder als mehr oder weniger gut erhaltene Relikte der 80er-Jahre, als fragwürdige Fernostware oder eben über teure Custom Shops zu kaufen. Insofern war es durchaus angebracht, den EHB1000 trotz knapp vierstelliger Preise als preiswert zu bezeichnen. Es gab keine Alternativen und keine echte Konkurrenz. Das hat sich mittlerweile geändert. Mit einem Kaufpreis von knapp 800 Euro bewegt sich der „günstige” EHB600 immer noch weit über dem Einstiegsniveau, jedoch deutlich unter der (Schmerz)grenze von 1.000 Euro.

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SAME OLD?

Wo hat Ibanez den Rotstift angesetzt, um das Modell günstiger anbieten zu können? Die guten Nachrichten zuerst:

An der Essenz der Baureihe hat sich nichts verändert. Sowohl der ergonomische, zur Gewichtsreduktion gekammerte Korpus als auch die exzellenten Stimmmechaniken sind geblieben. Auch der mehrstreifige Aufbau des geschraubten Halses und das mit regulären Wandhängern kompatible Kopfstück sind keinen Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen.

Dafür ist die Auswahl der Hölzer etwas weniger spektakulär ausgefallen. Beim Korpus findet Okoumé Verwendung und anstelle von geröstetem Ahorn und Walnuss werden für Hals und Griffbrett regulärer Ahorn und Jatoba eingesetzt.

Mein Testexemplar ist mit hellblauem PU-Lack überzogen. Als Alternative steht auch eine braun gebeizte Version zur Verfügung. Dass im Lieferumfang kein Gigbag mehr enthalten ist, dürfte ebenfalls am Fokus auf einen reduzierten Preis liegen. Da die Geschmäcker, Ansprüche und Präferenzen bei Gigbags ohnehin stark variieren, sehe ich das allerdings gar nicht kritisch.

(Bild: Dieter Stork)

Schwierig oder zumindest ungewöhnlich und etwas schade ist allerdings, dass die EHB600-Serie bislang nicht mit Fächerbundierung erhältlich ist. Selbst die Fünfsaiter-Variante wird mit regulärer 34″ Longscale produziert. Wer es schräg braucht, muss entweder tiefer in die Tasche greifen oder sich woanders umsehen.

Wer hingegen mit „schnöder” Normalmensur von 34″ auskommt, darf sich über die wirklich exzellente Ergonomie dieser Baureihe freuen. Ibanez hat einiges an Aufwand in die Entwicklung der Korpuskonstruktion gesteckt. Von der sich an den Körper schmiegenden Konturierung, die einen angenehmen Winkel der Saiten zur Hand erlaubt, bis hin zur gewichtssparenden Kämmerung der oberen Hälfte ist nichts dem Zufall überlassen. Sowohl beim teuren Spitzenmodell als auch beim günstigeren EHB600 kommt das gleiche ergonomische Konzept zum Einsatz.

Das Ergebnis ist eine erstklassige Balance entlang der Halsachse und eine absolut mühelose Spielhaltung, die aufgrund des Winkels vom Korpus zum Körper schonender für das Handgelenk der Zupfhand ist.

Gleichzeitig hat die Greifhand über alle Lagen hinweg sämtliche Freiheiten, dafür sorgt ein ausgesprochen großzügiger Cutaway. Ich bin immer wieder erfreut darüber, wie Ibanez es geschafft hat, ein durch und durch ergonomisch optimiertes Instrument zu entwerfen, das zumindest in meinen Augen auch optisch gelungen ist und eben nicht aussieht, wie einige der strikten „Form follows function”-Versuche der vergangenen Jahrzehnte.

Bridges (Bild: Dieter Stork)

Auch über das Design der Brückenmechanik kann ich mich nur lobend äußern. Die Ibanez-Stimmmechaniken laufen ausgesprochen gleichmäßig und mit wenig Drehwiderstand, sodass das Stimmen wirklich angenehm vonstattengeht.

Angenehm hoch ist auch die Verarbeitungsqualität, abgesehen von einer ab Werk für meinen Geschmack zu hohen Saitenlage habe ich nichts an dem Instrument auszusetzen, und dieser kleine Umstand ist mit ein paar Griffen an der Bridge behoben. Zusätzlich zum Weglassen der Fächerung ist auch beim Material eingespart worden, denn anders als bei den EHB der höherwertigen Serien kommen beim EHB600 keine Edelstahlbünde zum Einsatz. Das ist zwar etwas schade, in der Praxis aber kein Problem, solange die Saiten nicht absolut grobschlächtig auf die Bünde geknallt werden.

Die Bundierung selbst ist sehr sauber und gewissenhaft ausgeführt, sodass nichts scharfkantig ist, hakt oder schnarrt.

ELEKTRONIK

Als Tonwandler kommen bei dieser Serie hauseigene Pickups zum Einsatz, die auf den Namen „A1″ getauft worden sind. Hierbei handelt es sich um passive Humbucker mit einem druckvollen, kernigen Grundsound. Ich würde sie nicht als ausgesprochen hochauflösend oder feinzeichnend charakterisieren.

Sie zeichnen sich eher durch einen etwas komprimierten Grundklang mit dezent aggressivem Biss in den Hochmitten aus. Sie ähneln klanglich den Tonabnehmern vom Typ T1, mit denen ich bereits im BTB605MS Bekanntschaft machen durfte (Eindrücke dazu in Ausgabe 10/2022). Tatsächlich sind die Messwerte, die ich zu beiden Typen habe, nahezu identisch. Es liegt also nahe, dass sich lediglich der Formfaktor verändert hat. Die hier verbauten A1 sind im üblichen 35DC-Format, womit bei Bedarf eine breite Auswahl an Ersatzprodukten auf dem Markt zur Verfügung steht.

Halsübergang (Bild: Dieter Stork)

Apropos Markt: Ich sehe den EHB600 als direkten Konkurrenten des Cort Artisan Space (getestet in Ausgabe 4/2025), da sich beide sowohl im Konzept als auch im Preis stark ähneln. Neben offensichtlichen Unterschieden im Design liegen die größten Differenzen im Grundklang beider Modelle. Während der EHB600 eher aggressiv und etwas bullig wirkt, wartet der Space mit hoher Feinzeichnung und erweitertem Hochtonbereich auf. Unterschiedlicher könnten sie hier kaum sein.

Während man den Cort mit einem weißen Blatt Papier vergleichen kann, das durch den Einsatz von EQ und Kompression in wirklich jedem Stil bemalt werden kann, liefert der EHB einen für einen Bandkontext passenden und ansprechenden Sound direkt „out of the box”. Qualitativ nehmen sie sich nicht viel, allerdings gefallen mir die Mechaniken beim Ibanez besser.

In der Praxis sind die Unterschiede zur EHB1000-Serie nicht riesig. Im Handling sind sie identisch und aufgrund der in meinen Augen besseren und leichter auswechselbaren Tonabnehmer, sehe ich beim EHB600 sogar einen Vorteil.

SOUND & PRAXIS

Ein dringendes Bedürfnis, die Tonabnehmer zu wechseln, habe ich beim Testexemplar jedoch nicht. Der Grundsound fügt sich auch in komplexeren Mixen gut ein und liefert ein knurriges Fundament, das bei kräftigerem Spiel auch in charmantes Beißen und Bellen überschlagen kann. Insbesondere der stegseitige Tonabnehmer liefert eine satte Portion aggressives Knurren, das Dank passiver Tonblende auch zu einem nasalen Knorzen entschärft werden kann.

Durch das Umlegen des Kippschalters am Bedienpanel der Elektronik wird die aktive Elektronik vollständig umgangen und der aktive Höhenregler zu einer passiven Tonblende umfunktioniert. Ich bin grundsätzlich Fan dieses Konzepts, allerdings sollte bedacht werden, dass die Neutralstellung der aktiven Höhenreglung bereits eine deutliche Absenkung der Höhen im passiven Modus bedeutet bzw. andersherum eine offene, passive Tonblende ein vollständig aufgerissenes aktives Höhenband bedeutet. Beim Umschalten zwischen beiden Modi sollte also zumindest kurz mitgedacht werden, damit der eventuell vorhandene Hochtöner der Box im schlimmsten Fall keinen Alarm macht.

(Bild: Dieter Stork)

Da die passiven Tonabnehmer im Passivmodus direkt am Instrumentenkabel hängen, spielt auch dessen Beschaffenheit, insbesondere die Länge, eine Rolle für den Sound. Zwischen aktivem und passivem Modus können so auch bei den jeweiligen Neutralstellungen merkliche Unterschiede entstehen. Das muss nichts Schlechtes sein und kann auch bewusst als künstlerisches Mittel genutzt werden, schließlich bieten beide Modi deutlich andere Möglichkeiten der Klanggestaltung.

Im Vergleich zu den höherwertigen EHB-Modellen ist die Parametrik für das Mittenband der Elektronik eingespart und die Einsatzfrequenz auf 450Hz festgelegt worden. Damit eignet sich der EQ gut, um durch einen dezenten Mittenscoop für etwas mehr Draht im Sound zu sorgen.

RESÜMEE

Der EHB600 punktet mit guter Verarbeitung, der gewohnt guten Ergonomie der EHB-Serie und einer vielseitigen und flexiblen Klangregelung. Er ist ein solides Arbeitsgerät, das dank seiner Standardmaße auch Upgrades erlaubt. Er ist keineswegs als Downgrade zum EHB1000 zu sehen, sondern vielmehr als dessen effizientere Version.

In der Werksausstattung liefert er ein gefälliges Gesamt- und Klangbild zu einem recht attraktiven Preis. Ich bin gespannt, ob wir irgendwann analog zu den Soundgear- und BTB-Reihen auch noch 400er- und 200er-Modelle zu sehen bekommen werden.

Plus

  • Ergonomie
  • Haptik
  • flexible Elektronik
  • Sound

Minus

  • nicht als Multiscale erhältlich

Übersicht

Fabrikat Ibanez
Modell EHB600
Typ viersaitiger Headless-E-Bass
Herkunftsland Indonesien
Mechaniken schwarz; MR5HS Headless Tuner, Kunststoffsattel
Hals aufgeschraubt, Kohlenstoffverstärkt, fünfstreifig Ahorn/Jatoba, Bundmarker
Griffbrett Jatoba, 500mm Radius, Dot-Inlays
Halsbreite Sattel 41 mm, XII. 56mm
Halsprofil Dünnes „D”
Bünde 24
Mensur 864 mm, Longscale
Korpus Okoumé, gekammert
Oberflächen Mattlack
Tonabnehmer passiv; 2x Ibanez A1
Elektronik aktiv/passiv; Ibanez 3-Band-EQ, 1x 9 Volt, ca. 1 mA
Bedienfeld Volume, Pickup-Blende, Bässe/Höhen/Höhenblende (Passivmodus), Mitten, aktiv/passiv Kippschalter
Saitenabstände Steg 19 mm
Gewicht ca. 3,4 kg
Lefthand-Option nein
Internet  www.ibanez.com
Zubehör Einstellwerkzeug
Preis (Street) ca. €799
(erschienen in Gitarre & Bass 05/2026)

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