Gute Frage, denn in der Beschreibung des Herstellers wird dieses Modell als günstiger Einstieg in die Ovation-Welt angepriesen. Tja, na gut, das kann uns Normalverdienern ja nur Recht sein, wenn man eine so – im wahrsten Sinne des Wortes – „vielversprechende” Gitarre für etwa 680 Euro erwerben kann.
Natürlich sprechen wir über eine E-Acoustic, denn darum ging und geht es bei Ovation von Anbeginn an. Der Luftfahrtunternehmer und Gitarrenliebhaber Charles Kaman aus Connecticut wies 1966 seine Ingenieure an, ein Material für Gitarren-Bodys zu entwickeln, das leicht, hart, unempfindlich, frei formbar und schwingfähig ist. Heraus kam Lyrachord – es erfüllte alle Anforderungen und wurde zum Alleinstellungsmerkmal von Ovation-Gitarren, die darüber hinaus auch die ersten Serien-Acoustics mit einem bühnentauglichen Pickup-System waren.
SPEZIELLES KONSTRUKT
Das Interessante ist ja: An einer Ovation ist (fast) alles etwas anders als bei „normalen” Westerngitarren. Und ja, vielen gefällt das, vielen aber auch nicht. Ich finde Modellvielfalt grundsätzlich erstmal gut, denn „normale” Steelstrings gibt es schon genug. Da Ovation-Gitarren nun schon seit 60 Jahren erfolgreich am Markt und auf den Bühnen der Welt sind, hat dieser Hersteller aus New England wohl vieles richtig gemacht.
Unser Testmodell trumpft mit einer sehr schönen, bookmatched aufgeschnittenen Decke aus massivem geflammtem Gabun-Mahagoni auf. Bei der Beleistung handelt es sich um ein Quintad-Bracing (strahlenförmig angeordnete Leisten). Eine weitere Besonderheit dieses Elite-Modells sind die Multi-Soundholes, vorne/oben auf der Decke, die mit einer leicht erhabenen Hartholzeinfassung – einer Epaulette im Wave-Design – veredelt wurden.
(Bild: Dieter Stork)
Der großvolumige Korpus (Deep Contour) ist komplett aus einem Stück Lyrachord geformt. Die freie Formbarkeit dieses Materials eröffnet Freiheiten, die ein Holzkorpus natürlich nicht bieten kann. Die Rückseite zeigt ein Profil, welches sich gut an den Körper des Spielers anschmiegt. Mittig ist ein großer runder Deckel, der Zugang zum Innenleben ermöglicht. Unten ist eine deutliche Mulde ausgeformt, sodass die Gitarre sicher auf dem Oberschenkel ruht, wenn man im Sitzen spielt.
(Bild: Dieter Stork)
Besonderes Feature: Drei Schalllöcher oben/vorne auf der Zarge – in direkter Nähe zu den Multi Soundholes – die dem Spieler als „Monitor” dienen. Eine Beleistung braucht der absolut steife Kunststoff-Body natürlich nicht. Die Verbindung zur Decke wird über ein weißes Binding hergestellt.
Auch der Steg aus Ovangkol ist nicht wirklich Standard. Es braucht hier keine Pins zur Fixierung der Saiten, diese werden einfach von hinten durch den Steg gefädelt. Ist praktisch und sieht sauber aus. Der matt versiegelte Natohals ist am 14. Bund angesetzt. Er ist mit einem eingefassten Griffbrett aus Ovangkol belegt, das nochmal ein toller Hingucker ist, da es sich auf der Decke vom 17. bis zum 23. Bund zum Diskant hin verjüngt.
Kleine Dots und ein Spezial-Inlay für die Edition 2026 im 12. Bund aus Perloid sorgen für Orientierung. Die Bundstäbchen sind sauber poliert und an den Enden tadellos verrundet – keine kratzigen Stellen am gesamten Griffbrett.
Die Saiten liegen bei einer Mensur von 643 mm auf einer kompensierten Stegeinlage und dem Sattel aus Kunststoff. Die Kopfplatte könnte nicht typischer Ovation sein: Der schlanke Zuschnitt sorgt dafür, dass die Saiten relativ gerade über den Sattel laufen, was die Stimmstabilität erhöht. Die güldenen, geschlossenen Ovation-Pro-Series-Mechaniken sehen edel aus und die Stimmwirbel fühlen sich gut an. Hier oben auf der Kopfplatte ist dann auch der Zugang zum Halsstab, elegant verdeckt mit einem Trussrod-Cover aus Holz.
Eine Ovation gehört auf die Bühne, deshalb ist natürlich auch ein Pickup-System eingebaut. Es setzt sich zusammen aus dem OP-4CT Preamp inklusive Tuner, der relativ dezent auf der Zarge platziert wurde, und dem CP-100 Slimline Pickup unter der Stegeinlage. Dazu kommt dann noch ein gut zugängliches Batteriefach auf der Zarge und ein gesonderter Klinke-Output hinten, unterhalb des Gurtpins.
DIE PRAKTISCHE SEITE
Die Gitarre liegt sehr bequem und safe auf dem Schoß und schmiegt sich trotz Deep Contour gut an den Spieler. Der matt belassene Hals mit seinem satt ausgeformten V-Profil liegt wunderbar in der Spielhand. Da die werksseitige Einstellung von Saitenlage und Intonation bestens ausgeführt ist, steht sofortigem Spielspaß nichts im Wege. Komfortables Akkordspiel wird auch noch vom 10″-Griffbrettradius – üblich sind eher 12-14″ – zusätzlich unterstützt.
Die ersten Chords offenbaren eine gute Lautstärke und ein beeindruckendes Sustain, was man diesen Korpusmaterialien vielleicht nicht unbedingt zugetraut hätte. Der Grund-Sound ist voll und ausgewogen und dabei sehr klar aufgelöst. Diese gewisse holzig-trockene Note einer, sagen wir, Mahagoni-Dreadnought kann die Ovation nicht bieten. Bei einer unverstärkten Solo-Performance mag das auch den einen oder anderen ärgern. In einem Bandkontext stört das aber nicht, ist sogar hilfreich bei der Durchsetzungsfähigkeit im Sound-Gefüge.
Die Schalllöcher auf der Zarge leisten übrigens sehr gute Arbeit. Deckt man sie einmal ab, wird einem bewusst wie viel Sound sie Richtung Spieler transportieren.
(Bild: Dieter Stork)
Um die eigentliche Kernkompetenz der Ovation zu testen, brauchen wir ein Kabel. Es zeigt sich, dass der Klang der Gitarre sehr exakt ins Elektrische übertragen wird. All das über den Sound Gesagte kann hier übertragen werden. Dabei werden die einzelnen Saiten ausgewogen und gleich laut verstärkt. Am Preamp kann man dann sehr effizient per Bass-, Mitten- und Treble-Regler klangliche Detailarbeit vornehmen. Dabei gefällt mir der Sound besser, wenn ich etwas von der maximalen Lautstärke weggehe und den Volume-Knopf auf 12 Uhr stelle. Das gibt dann auch Reserven für ein Solo. 😉
RESÜMEE
Durch meine Brille betrachtet, ist die 2026er Ovation eine tolle Band-Gitarre, mit Extra-Sternchen bei Spielkomfort, Durchsetzungsfähigkeit und Bühnentauglichkeit. Dazu kommen dann noch ein gelungenes Design und diese Robustheit und Unempfindlichkeit gegenüber Temperatur- und Klimaschwankungen, was im Band-Alltag Gold wert sein kann. Ein persönlicher Test ist zu empfehlen!
Plus
- ureigenes Design
- Hölzer, Korpusmaterial Hardware
- Schalllöcher in Zarge
- Handling, Bespielbarkeit, Werkseinstellung
- bühnentauglicher Ovation-typischer A- und E-Klang
Übersicht
|
|
| Fabrikat |
Ovation |
| Modell |
CDX40P |
| Typ |
Deep-Contour-Steelstring-Gitarre |
| Herkunftsland |
China |
| Mechaniken |
Ovation Pro Series, Gold |
| Hals |
Nato |
| Sattel |
Kunststoff |
| Griffbrett |
Ovangkol |
| Radius |
10″ |
| Halsform |
V-Profil |
| Halsbreite |
Sattel 42,8 mm; XII. 53,8 mm |
| Halsdicke |
I. 21,8 mm; V. 23,4 mm; X. 25,2 mm |
| Bünde |
23 (davon 6 Teilbünde) |
| Mensur |
643 mm |
| Korpus |
Lyrachord |
| Decke |
geflammtes Gabun-Mahagoni, massiv |
| Steg |
Ovangkol |
| Stegeinlage |
Kunststoff, kompensiert |
| Elektronik |
Ovation OP-4CT Preamp, CP-100 slimline Pickup |
| Gewicht |
Gewicht: 2,42 kg |
| Internet |
www.ovationguitars.com |
| Zubehör |
Inbusschlüssel, Manual, Unterleger für Stegeinlage |
| Preis (Street) |
ca. € 680 |
(erschienen in Gitarre & Bass 05/2026)