Seit Mitte Mai findet die 40-Jahre-Jubiläums-Tour der Rainbirds statt – da lohnt es sich, wieder einmal auf diese ganz besondere Band zu schauen, bei deren Rezeption man sie nicht auf ihren Mega-Hit Blueprint reduzieren sollte. Denn dann würde man jede Menge wertvolles Liedgut verpassen.
Michael Beckmann, den alle nur Beckmann nennen, war Gründungsmitglied und Bassist der Rainbirds, die mit ihm einen eigenen Band-Sound und zwei Alben schufen, die in die Geschichte des deutschen Pop eingingen.
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Wegen musikalischer Differenzen hatte sich die fulminante erste Besetzung mit Katharina Franck, Wolfgang Glum (Drums) und Michael Beckmann (Bass), zu der später noch Gitarrist Rodrigo Gonzales hinzustieß, bereits 1989/90 nach den besagten beiden Alben aufgelöst.
Katharina Franck führte das Projekt in unterschiedlichen Besetzungen durch die nächsten Jahrzehnte, während Beckmann und Rod in Bands wie Depp Jones, Fehlfarben, Plan B, Abseits und nicht zuletzt Die Ärzte ihre eigenen Wege gingen.
Blueprint Reprint
Doch dann pfeifen es 2024 die Spatzen plötzlich von den Dächern: Blueprint erhält aus dem Nichts eine goldene Schallplatte, eine limitierte Version der Single erscheint, und für 2026 wird eine Jubiläums-Tournee unter dem Motto „40 Jahre Rainbirds” angekündigt.
Das Markenzeichen der Musik der Rainbirds in der ersten Karrierephase war der außergewöhnliche Reichtum an Facetten und Kontrasten. Unterschiedliche musikalische Hintergründe und Ausdrucksformen verbanden sich über eine gewisse Zeit hinweg zu einem stimmigen, kraftvollen großen Ganzen.
Der erste Rainbirds-Bass: Fender Precision Special (Bild: Beckmann)
Rods dynamische und – wenn es darauf ankam – auch punkig bis rockig gespielte E-Gitarre traf dabei auf den von Folk und Pop geprägten Singer-/Songwriter-Background von Katharina Franck, während Beckmanns deutlich von Punk und New Wave beeinflusster Plektrum-Bass einen markanten Kontrapunkt zu Glums feinem, aufgeräumtem Schlagzeugstil setzte und selbst den leichteren Stücken Drive, Lebendigkeit, Bodenständigkeit und damit eine große Eigenständigkeit verlieh.
Nach einer stürmischen Zeit Mitte der 80er Jahre bei der Fun-Punkband Die Suurbiers, wo er gemeinsam mit Willi von den Toten Hosen die Rhythmusgruppe bildete, hatte mit den Rainbirds seine Karriere als professioneller Musiker begonnen.
Als Bassist und Co-Komponist war er an den ersten beiden, mit Gold und Platin ausgezeichneten, Alben der Band beteiligt gewesen und dabei stets mehr als nur der Bassist der Band. Denn neben und mit Katharina Franck schrieb er selbst auch Songs, darunter als Co-Autor auch den Mega-Hit ‚Blueprint’.
Über die Jahre hat Beckmann sich aber auch einen Namen als Filmmusik-Komponist und Music Supervisor gemacht und auch dort einige aufsehenerregende Erfolge feiern können. Im Interview erzählt er von der Auferstehung der „Regenvögel” aus seiner Sicht.
Wie kam es zur Neuauflage von ‚Blueprint’ in 2024 und der anstehenden Jubiläums-Tour in 2026?
2024 entdeckte Universal, dass die kleine Band Rainbirds mit ihrem Song ‚Blueprint’ damals so viele Tonträger verkauft hatte, dass sie sich quasi posthum eine goldene Schallplatte verdient hat. Bei einer schönen Zeremonie wurde sie uns überreicht – und brachte uns als Band nach langer Zeit wieder zusammen.
Rainbirds in der 2026-Variante, mit (v.l.n.r.): Rodrigo Gonzales, Wolfgang Glum, Ulrike Haage, Dominique Ehlert, Katharina Franck, Werner Neumann und Beckmann. (Bild: Jörg Steinmetz)
Katharina hatte drei Flaschen Schampus mitgebracht, und wir saßen stundenlang beisammen, sprachen in fast vertrauter Atmosphäre über alte und neue Zeiten. Später entstand die Idee, das 40-jährige Band-Jubiläum 2026 mit einer Tour und einer umfangreichen Vinyl-Box zu feiern.
Wir spielen in diesem Jubiläumsjahr also so oft, wie es unser Zeitplan erlaubt – alles Weitere ist vorerst nicht geplant, auch keine Reunion.
Wir wollen bei den anstehenden Konzerten alle verschiedenen Phasen der Rainbirds möglichst authentisch wiedergeben. Der Kern ist die Besetzung von 1989, also wir vier Ur-Rainbirds plus Keyboarderin Ulrike Haage, die auch schon auf dem zweiten Album gespielt hatte, sowie Gitarrist Werner Neumann und Schlagzeuger Dominik Ehlert, die in späteren Rainbirds-Phasen mit Katharina zusammengearbeitet hatten.
Was hast du damals nach deinem Ausstieg bei den Rainbirds gemacht?
Zuerst gründeten Rod, Bela B und ich die Band Depp Jones – Metal, Shred, Crossover. Ich war von der Band Talas und ihrem unfassbaren Bassisten Billy Sheehan angefixt worden, als ich eine Kassette von ihnen 1987 während eines Rainbirds-Aufenthalts in Kanada gekauft hatte.
Bei Depp Jones ließen wir diese neuen Einflüsse in unsere Musik einfließen, was technisch für einen Bassisten natürlich sehr spannend war. Doch nach dem ersten Album stieg ich aus, denn das war letztendlich dann doch nicht meine musikalische Welt.
Danach arbeitete ich als Produzent für Bands wie Keimzeit, Extrabreit und Fehlfarben und in weiteren Genres. Ab 1994 kam ich zur Fernsehmusik, unter anderem für Brainpool in Köln, bevor ich Musik-Supervisor für eine Münchner Musik-Consulting-Firma und später auf selbstständiger Basis wurde.
Und dann kam die Filmmusik, oder?
Ja – das aber eher zufällig! 2015 wurde Türkisch für Anfänger als Film gedreht und ich bekam den Auftrag, als Musik-Supervisor für diesen Film Komponisten zu engagieren. Doch selbst die Besten der Zunft komponierten nicht das, was dem Regisseur gefiel.
Als die Zeit drängte, setzte ich selbst an und fügte passend geschnittene Instrumentals von mir in die Stellen ein, denen noch die Musik fehlte. Das Ergebnis gefiel dann allen so gut, dass ich kurz darauf den Auftrag für Fack ju Göhte bekam … und zwar nicht als Supervisor, sondern als Komponist.
Becktone
Wie bist du an deinen ersten Bass geraten?
Eine schöne Geschichte! 1978 verkaufte mir Uli Kurtinat, damals bei Alfreds Musikladen in Köln, meinen ersten richtig guten Bass, einen gebrauchten Rickenbacker 4001 für 800 DM. Ich hatte zwar nur 300 DM dabei, doch Uli sagte, als vertrauenswürdiger Sauerländer könnte ich den Rest innerhalb eines Jahres abstottern. Ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte.
Uli war der erste Mensch im Musik-Business, der mir vertraute, und fast immer, wenn ich in Köln bin, besuche ich ihn! Übrigens: 20 Jahre später konnte ich meinen Ricky, den ich zwischenzeitlich verkauft hatte, wieder zurückkaufen.
Nach dem Rickenbacker spielte ich einen Ibanez Musician 024, einen Guild 301 und ab 1981 einen Rockinger Jazz Bass, den ich mir selbst zusammengebaut hatte.
Durch das aktuelle Rainbirds-Thema komme ich jetzt auch wieder mit den Bässen in Berührung, die ich damals dort spielte. Das erste Album wurde zum Beispiel mit einem roten Fender Precision Special eingespielt, den ich schon bei den Suurbiers hatte – das war der erste Fender-Bass mit aktiver Klangregelung.
So geht‘s in die Proben: Fender Precision Special, Fender Precision ’62 Reissue, Esh Sovereign Signature 5-String (Bild: Beckmann)
Für den eher mittigen Bass-Sound der Rainbirds-Songs passte der jedoch nicht, also spielte ich ihn meist passiv und baute später sogar die Elektronik samt Pickups aus und DiMarzio-Pickups ein, inkl. – wie Billy Sheehan – eines Humbuckers am Hals.
Ich kenne dich noch mit einem roten Music Man StingRay.
Das stimmt – der kam zur zweiten Platte und wurde auch live mein Hauptbass. Für den Depp-Jones-Sound war der StingRay jedoch nicht passend, dafür kam dann ein Spector NS-2, und ab 2004 spielte ich sehr gerne und oft einen Fender ’62 US-Reissue Precision.
Wie sieht dein Tour-Besteck denn für die kommende Tour aus?
Da gibt es den Fender Precision, derzeit mit Flatwounds bestückt. Ich habe Ernie-Ball-Pino-Palladino-Smoothie-Saiten entdeckt, die sehr gut klingen und sich superbequem spielen lassen.
Für die Songs des ersten Albums, bei denen der Bass ja weit nach vorne gemischt wurde, kommt entweder ein neulich testweise bestellter Sire Z3, der für sein Geld erstaunlich gut ist, zum Einsatz. Vielleicht wird’s aber auch noch ein richtiger Music Man StingRay. Und dann ist da noch mein Esh Sovereign Signature 5-String, mit Piezo-Pickup im Steg – nur für einen Song, der aber eben die ganz tiefen Töne braucht.
Champ auf Stramp
Wie sah die Verstärkersituation von den 1985er Suurbiers- bis zu den 2026er Rainbirds-Zeiten aus?
Bei den Suurbiers spielte ich ein 100-Watt-Röhren-Top von Stramp und eine 2×15″-Box – eine unfassbar laute Anlage. Gleich bei der ersten Probe der Rainbirds war damals aber schon klar, dass dieser Sound nicht passte.
Zur nächsten Probe kam ich dann mit einem Boss CE-2 Chorus und dem Boss OC-2 Octaver an – und einem Fender-Champ-Gitarrenverstärker! Aus dem zweiten Ausgang des Chorus wurde der Champ mit den Chorus- und Octaver-Sounds bedient, stand oben auf dem Stramp und sorgte, mit Mikro abgenommen, für den singenden Sound-Anteil, den ich vorher vermisst hatte.
Als wir mit den Rainbirds den Senatswettbewerb gewonnen hatten, holte ich mir für mein Preisgeld ein 500-Watt starkes Trace-Elliot-Topteil mit je einer 4×10″- und 1×15″-Box. Und oben drauf stand auch hier der kleine Champ! Bei Depp Jones musste es dann ein großes und sehr lautes Marshall-Stack aus der Silver-Jubilee-Serie sein, mit dem 600-Watt-Top 3560 und je einer 4×10″- und 2×15″-Box. Ohne Champ!
Seit den Plan-B-Zeiten spiele ich EBS-Equipment: das Classic-500-Top und je eine 4×10″- und 1×15″-EBS-Box. Diese Anlage ist sehr, sehr gut – und sie ist auch heute noch meine erste Wahl, wenn man mal, wie z. B. bei der Fehlfarben-Tour, eine größere Anlage braucht.
Mit den Rainbirds von heute spiele ich dagegen eine kleine Anlage von TC Electronic mit dem BQ250-Top und zwei BC208-Boxen. Das reicht bei unserer niedrigen Bühnenlautstärke – wir haben einen Flügel auf der Bühne! – völlig aus.
Und wie sieht das aktuelle Rainbirds-Pedalboard aus?
Ganz vorne sitzt ein Lehle-Dreifach-Splitter, an den meine drei Bässe angeschlossen sind, die ich so in der Lautstärke einander anpassen kann. Dann geht es in einen Origin Effects Cali76 V2 FET Compressor, einen MXR M288 Octaver, einen EBS UniChorus und von dort in den Ampeg-SGT-D.I.-Preamp, meine eigentliche Sound-Zentrale.
Das Live-Pedalboard: Lehle 3at1, MXR Bass Octave Deluxe, EBS UniChorus, Korg Pitchblack Tuner, Origin Effects Cali76 V2 Compressor, Ampeg SGT D.I. Preamp. Das TC Hall of Fame wird ersetzt durch die JHS Color Box. (Bild: Beckmann)
Danach folgt die JHS Color Box, die einen Neve-Kanalzug simuliert und den Sound abrundet und einfach besser macht. Von dort aus geht das Signal ins Pult, die TC-Anlage dient mir nur als Monitor.
Das hört sich gut an. Danke für das Gespräch, and see you on tour!