Workshop

Out of the Box: Pentatonik – Teil 1

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Wenn es um die Pentatonik geht, ist der Fingersatz der A-Moll-Pentatonik am 5. Bund wohl bei den meisten Gitarristinnen und Gitarristen der bekannteste. Unzählige Gitarren-Tutorials nehmen das Shape als Ausgangspunkt, und oft schließen sich weitere vier Boxen an, um das Griffbrett komplett zu erschließen.

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Beispiel 1 zeigt alle fünf Boxen zur Rekapitulation in der Übersicht, beginnend mit der berühmten Box 1 am 5. Bund.

Nun, ist es sicher kein Fehler, die fünf Boxen zu beherrschen, die auch als Grundlage für die Improvisation, zum Beispiel über einen Blues in A, dienen können. Sehr häufig allerdings werden diese Shapes beim Üben und auch später bei ersten Solo-Versuchen einfach nur rauf- und runtergespielt. Durch das Üben der einzelnen Boxen wird das „Muscle Memory” trainiert und später beim Solieren abgerufen. Man ist oft buchstäblich „CAGED”, also in der jeweiligen Box gefangen!

Das „CAGED”-Konzept steht ursprünglich ja für die offenen Akkorde C, A, G, E und D, um die herum Fingersätze der Durtonleiter und der Pentatonik in allen Tonarten lokalisiert werden. Ich persönlich konnte mit diesem Konzept nie etwas anfangen.

In diesem Workshop möchte ich einen alternativen Ansatz zum Umgang mit Pentatoniken zeigen. Dieser ist auch entstanden, weil ich bei unzähligen Transkriptionen von Blues- und Rock-Soli bemerkt habe, dass sich viele große Musiker wie B.B. King beim Solieren mitnichten an den Pentatonik-Boxen orientierten, sondern von viel kleineren Ton-Kombinationen, oft nur auf zwei Saiten ausgehend, ihre Soli entwickelten. „Less is more!”, statt den zwölf Tönen einer Pentatonik-Box reichen unter Umständen schon vier aus.

Wie wär’s, wenn wir statt fünf Boxen mit je zwölf Tönen (= 60 Töne) nur EINE Abfolge von vier Tönen auf zwei benachbarten Saiten lernen müssten und dabei beim Greifen lediglich den Zeigefinger (1) und den Ringfinger (3) brauchen würden?

Beispiel 2a zeigt eine horizontale Art, die A-Moll-Pentatonik zu spielen. Wir beginnen im ersten Takt mit den vier Tönen G, A, C und D auf der E- und A-Saite. Diese vier Töne nenne ich „Zelle 1″. Exakt die gleiche Tonfolge, jetzt aber auf der A- und D-Saite, beginnend mit D, gefolgt von den Tönen E, G und A, bildet dann die „Zelle 2″. Das Spiel können wir fortsetzen mit „Zelle 1″ auf D- und G-Saite und „Zelle 2″ auf G- und H-Saite.

Achtung: Wegen des Intervalls der großen Terz zwischen G- und H-Saite, ändert sich hier der Fingersatz der linken Hand. „Zelle 1″ auf H- und E-Saite benutzt wieder den bekannten Fingersatz. Danach spielen wir das Ganze rückwärts. Wirklich sehr einfach zu greifen, oder? Und dazu klingt die Linie durch die Tonwiederholungen sofort viel interessanter, als eine der Boxen rauf und runter zu nudeln.

Trotzdem können wir dieses Konzept natürlich auch ohne Tonwiederholungen spielen. Wie das geht, zeigt Beispiel 2b. Legato bietet sich hier natürlich an, aber auch komplett gepickt, hat die Linie ihre Reize.

Spielt man Riffs mit super einfachen Fingersätzen, die wie hier mit nur zwei Greif-Fingern auskommen, gehen diese leichter von der Hand und klingen überzeugender und resoluter. Sich so das Leben einfacher zu machen, ist keine Faulheit oder Bequemlichkeit, sondern ein bewährtes Konzept, das quer durch alle Stile funktioniert. Fast schon Allgemeingut dürfte sein, dass die Töne der A-Moll-Pentatonik und der C-Dur-Pentatonik identisch sind. Sie haben aber ein unterschiedliches tonales Zentrum.

Beispiel 3 analysiert unsere beiden Zellen im Bezug auf diesen Unterschied. Die Töne A (1), C (b3), D (11), E (5) und G (b7) der A-Moll-Pentatonik bilden einen Am711-Akkord. Und die Töne C (1), D (9), E (3), G (5) und A (6) ergeben in der Summe A69.

Beispiel 4 zeigt ein Shuffle-Rock-Riff, das mit der Kombination von einer Viertel- und zwei Achtelnoten das gleiche rhythmische Konzept wie Deep Purples ‚Black Night’ einsetzt. Geht sofort ins Ohr! Um Pentatonik-Riffs interessanter zu gestalten, ist eine geänderte Reihenfolge der Töne ein sehr wirksames Mittel.

Beispiel 5 zeigt ein kleines Lick, das inspiriert ist von ‚Witch Queen Of New Orleans’, dem 1971er-Hit der US-Band Redbone. Das Lick wäre innerhalb einer Box eher sperrig zu spielen, mit unserem „1/3″-Fingersatz geht es leicht von der Hand. Beim Übergang von der H- zur G-Saite kommt übrigens auch mal der Mittelfinger (2) zum Einsatz. Greift sich besser!

Beispiel 6 ist inspiriert von einem der berühmtesten Pentatonik-Riffs der Pop-Geschichte. Stevie Wonder schrieb ‚Sir Duke’ für den Komponisten und Großmeister der Jazz-Bigband Duke Ellington. Ein perfektes Workout, um das Konzept der zwei Zellen in größerem Rahmen auszuprobieren.


 

(erschienen in Gitarre & Bass 08/2026)

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