(Bild: Fender)
Greetings and salutations, my dearest Blues Friends! Na, was geht ab bei euch? Nachdem wir uns in den letzten beiden Ausgaben unseres Blues Bootcamps mit technisch etwas leichteren Solos im Stile von Albert und B.B. King beschäftigt haben, richten wir unseren Fokus diesmal auf jemanden anderen: Brent Mason, den King of Nashville & Country Guitar.
Country Gitarre ist meiner Meinung nach ja die wahre Königsdisziplin der E-Gitarre, und da Brent Mason im September für sein Lebenswerk in der Grand Ole Opry geehrt werden wird, dachte ich mir, dass wir in dieser Episode mal Blues und Country miteinander verknüpfen.
Über welche Art Lebenswerk reden wir hier? Um nur einige Eckdaten zu nennen: ein Grammy, 12-facher Gewinner Guitar Player of the Year der Academy Of Country Music, zwei Soloalben und Gitarre auf über 2000 (!) Country Top Ten Singles.
WER IST DIESER BRENT MASON?
Brent Mason wurde am 13. Juli 1959 in Van Wert, Ohio, geboren. In seinem Elternhaus wird er durch seinen Vater, der auch Gitarre spielt, schon als Kind mit Old-School-Country-Musik in Berührung gebracht und er fängt mit sieben Jahren an, akustische Gitarre zu lernen, indem er sich mühevoll Melodien und Parts von Merle Travis, Chet Atkins und vor allem Jerry Reed Platten abhört.
Mit 17-18 Jahren verändert sich seine Ausrichtung, und er übt, weiterhin autodidaktisch, einige Zeit ausschließlich Jazz. Nachdem er seinen Job in einer Fabrik verliert, ziehen er und seine Frau 1981 nach Nashville, um herauszufinden, ob man nicht dort Fuß fassen könnte.
Sein ursprünglicher Plan ist, sich als Interpret und Sänger zu etablieren. Er produziert dort viele Demos seiner Songs, auf denen er natürlich auch selbst Gitarre spielt, und seine ersten Kontakte sind der Pedal-Steel-Gitarrist Paul Franklin und der Studio-Gitarrist Greg Gilmore, der ihm einen ersten Job als Live-Gitarrist in einem Club besorgt, was seine Karriere in Nashville startet.
Eins dieser Demos landet bei dem Sänger Keith Whitley, der zwar nicht den Song übernimmt, der aber so begeistert von Masons virtuosen Gitarrenspiel ist, dass er ihn für eine Overdub-Studiosession für sein Album ‚Do You Think of Me‘ einlädt. Weitere Sessions für Dan Seals und Randy Travis folgen.
Dann kommt unerwartet ein Anruf von Chet Atkins, der dazu führt, dass Brent Mason zusammen mit Mark Knopfler auf einem Song auf Atkins nächstem Soloalbum ‚Stay Tuned‘ spielt, für den es einen Grammy gibt. Was für ein Start. Dieser ‚Big Break‘ befeuert alles, und ab diesem Zeitpunkt steht das Telefon im Hause Mason nicht mehr still. Parallel dazu spielt er immer noch täglich live in der Band von Don Kelly, der ein gutes Gespür für herausragende Gitarristen zu haben scheint, und in dessen Band später Gitarristen wie Guthrie Trapp oder JD Simo spielen.
1989 spielt Brent Mason auf einem weiteren Album, das wegweisend für ihn und das Thema Country-Gitarre wird: Entgegen des Mainstreams in der damals aktuellen Country-Szene entschließt sich der Sänger Alan Jackson dazu, den beteiligten Musikern große solistische Freiräume einzuräumen, in etwa so, als würde die Band in einer Kneipe spielen. Die Single ‚I don’t even know your name‘ definiert Country neu und die virtuosen Soli von Mason prägen über Nacht neu, wie moderne Country-Gitarre zu klingen hat. Sowohl Sound-technisch als auch spielerisch.
Seitdem ist Brent Mason die unangefochtene Nummer 1 der Session-Szene Nashvilles, und in den folgenden Jahrzehnten dekorieren seine Tracks die Songs der ganz Großen: Keith Urban, Shania Twain, Faith Hill, Vince Gill, Blake Shelton, Garth Brooks, Brooks & Dunn, Dolly Parton, Willie Nelson und in letzter Zeit sogar Post Malone. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Es gab eine Zeit, da war Brent auf 16 von 20 Songs der Country Top20 hören. Das Maß aller Dinge. Jeder wollte und will immer noch seinen Sound und Style.
1997 veröffentlicht er sein erstes Solo-Album ‚Hot Wired‘ – eines der besten Gitarrenalben, das ich besitze – entscheidet sich dann aber doch gegen eine Karriere als Solokünstler. 2006 erscheint ein weiteres Soloalbum unter dem Namen ‚The Players‘.
PERSÖNLICHE EINFLÜSSE
Laut eigenen Angaben sind seine Haupteinflüsse Merle Travis, Chet Atkins, Jerry Reed, Jeff Beck, Chaka Khan sowie George Benson und Pat Martino, was seine jazzige Seite betrifft, die, was sein Spiel anbelangt, nicht zu unterschätzen ist.
Es gibt ein sehr zu empfehlendes HOT LICKS Unterrichtsvideo/DVD mit dem Titel ‚Western Swing & Nashville Chops‘ (1996) von ihm. Ich war damals schon Fan und kaufte es natürlich. Man erwartet berechtigterweise virtuose Country Gitarre, aber wenn er dann im zweiten Teil mit Jazz loslegt … Gnade! Hauptsächlich wird und wurde Mason gebucht, weil die Produzenten seinen Signature-Stil und -Sound wollen, der eigentlich recht einfach ist, was uns zum Thema Gear bringt …
EQUIPMENT & SOUND
Das Equipment, mit dem Brent Mason den Sound und Stil moderner Country-Gitarre neu definiert hat, ist simpel und weit weg von Custom Made oder High-End-Technik. Sein Hauptinstrument seit über 40 Jahren ist eine stark modifizierte 1967er Maple-Neck-Telecaster, die mit grauer Grundierung lackiert ist.
Da sie in den Anfangsjahren auch sein einziges Instrument war, hat er sie so modifiziert, dass sie möglichst viele unterschiedliche Sounds abliefert. In der Halsposition ist ein Gibson Minihumbucker eingebaut, und in der Mitte wurde ein zumischbarer Strat-Tonabnehmer installiert. Später wurde noch ein Joe Glaser B-Bender eingebaut, um die typischen Pedal-Steel-Style-Licks zu spielen. Diese Gitarre hört man auf der überwiegenden Mehrheit aller Studio-Sessions von ihm.
In der Zeit vor Brent Mason dominierten Gitarristen wie Brent Rowan oder Chris Leuzinger die Studioszene Nashvilles und – zugegebenermaßen mit einiger Verzögerung – waren Rack-Systeme wie in LA der heiße Stoff. Weil Mason zu Beginn seiner Karriere nicht über dieses Equipment verfügte, nahm er zu den ersten Sessions seinen alten 1967er Deluxe Reverb mit. Kombiniert mit etwas Kompression, gelegentlich etwas Overdrive und einer Spur Slapback Delay (ca. 160ms, eine Wiederholung) ist dies eigentlich auch heute noch die Basis für (s)einen modernen Country-Sound.
Klar, es sind natürlich auch in moderner Country-Musik durch Gitarristen wie Tom Bukovac, Dann Huff, Kenny Greenberg, Derek Wells, Andrew Synowiec, Justin Ostrander andere, auch mit mehr Effekten gefärbte Sounds populär geworden, aber der Back-to-Basics-Ansatz Brent Mason war wegweisend. Insgesamt also kein Custom-Schnickschnack, sondern Mainstream-Geräte. Und obwohl es von verschiedenen Herstellern Signature-Instrumente und Pedale gibt, macht es fast den Anschein, als sei ihm fast egal, was er spielt, solange es seine Tele und ein Fender-Amp ist.
CHARAKTERISTISCHE STILELEMENTE
Brent Mason sieht sich als eine Art musikalisches Chamäleon, stilistisch das zu spielen, was den Künstler ausmacht, und das zu spielen, was der Song braucht, um ein Hit zu werden. Aus erster Hand weiß ich, wie beeindruckend leicht dies im Studio von sich gehen kann: In der Regel wird im Studio ein Demo des einzuspielenden Songs von allen Anwesenden gehört, wobei sich alle eigentlich noch mit anderen Dingen wie Mittagspause, Social Media, das letzte Barbecue, eBay und so beschäftigen.
Dann geht man rein und spielt die Nummer eben schnell ein. Wenn es mal unbedingt sein muss, gibt es vielleicht noch mal einen zweiten Take. Ggf. eben noch ein paar Overdubs. Fertig. Klingt ein bisschen nach Mythos, ist aber einfach Realität und Tagesgeschäft.
Die Herren sind natürlich sehr teuer, spielen dafür aber dann halt auch ein ganzes Album an einem Tag ein. Und zwar … äh … jeden Tag … und zwar seit Jahren bzw. Jahrzehnten. Kein Stress, kein Gepose, und absolut tiefenentspannt. Auf Brents Instagram Account kann man sich das übrigens auf zahlreichen ‚Tales From The Office‘-Videos ansehen. What a time to be alive …
RHYTHMUSGITARRE
In Brent Masons Rhythmusgitarrespiel findet man ein Element recht häufig, an dem man gut den Einfluss von Country-Ikone Jerry Reed ablesen kann – den Claw-Style. Dieser Begriff wurde nach dem famosen Instrumental ‚The Claw‘ (Die Kralle) von Jerry Reed geprägt.
Bei dieser Technik werden fast ausschließlich „Double Stops” (englische Bezeichnung für harmonische Intervalle) gespielt, bei denen die Handhaltung der rechten Hand – mit etwas Fantasie – einer Klaue oder Kralle ähnelt. Die Technik ist sehr gängig und wird von zahlreichen Country-Gitarristen benutzt.
In Beispiel 1 findest du eine Grundübung mit Wechselbass dazu. An dieser Stelle eine Bemerkung zu Brent Masons rechter Hand. Er spielt überwiegend mit Daumen-Pick sowie dem Mittel- und Ringfinger (mit künstlichen Nägeln). Den Zeigefinger benutzt er fast ausschließlich, um die Saiten fest und knallig auf das Griffbrett „poppen” zu lassen. Double Stops finden natürlich nicht nur in der Country-Rhythmusgitarre statt. In vielen Solos des Blues Bootcamps findest du Passagen mit ihnen.
SOLOGITARRE
Wenn man sich mit Country-Sologitarre beschäftigen möchte, kommt man eigentlich an einer Spieltechnik nicht vorbei: Hybrid Picking, also dem Spiel mit Pick und Fingern. In Ausgabe 10/2025 zum Thema Josh Smith bin ich schon einmal auf Grundübungen zum Erlernen dieser Technik eingegangen.
Bereit für den nächsten Schritt? In Beispiel 2 findest du eine Technik, die „Open String Cascades” genannt wird, und die man oft im Spiel von Gitarristen wie Chet Atkins oder Tommy Emmanuel entdecken kann. Classic, old school Country. In Beispiel 2a ist nur die erste Bewegung notiert, die man erstmal flüssig beherrschen sollte, weil sie bei der Line dann auf weitere Saitenpaare übertragen wird. 2b ist dann eine II-V-I Line in C-Dur, die die Cascades mit Open-String-Scales verbindet. Sie klingt auch nur über einen G7- oder Dm7-Akkord sehr gut. Wichtig: Alle Töne möglichst lange ineinander über klingen zu lassen!
Bereit für etwas freakiges Hybrid Picking à la Brent Mason? Vorab – ich spiele NICHT mit Daumen-Pick. Ich habe es immer wieder mal versucht, aber irgendwie ist es nie an mir hängen geblieben. Brent Mason hat eine sehr, sehr individuelle Technik der rechten Hand, mit der er Single-Note-Solo-Lines spielt. Man könnte sagen, es handelt sich dabei um eine Art Wechselschlag zwischen dem Daumen und dem Mittel- und Ringfinger.
In Beispiel 3 ist eine Grundübung, die veranschaulichen soll, wie das so grundsätzlich läuft. ABER, wenn man Masons Spiel mal genau beobachtet, sieht man, dass er dieser Abfolge nicht immer ganz strikt folgt, zumal er auch viel mit Bindungen spielt. In Beispiel 4 ist diese Technik mal auf eine Bluestonleiter angewendet. Ziemlich ungewöhnlich, oder?

ZUM SOLO
Diesen Monat gibt es mal wieder eine doppelte Portion Gitarrenfeinkost. Der erste Teil ist ein Blues in A, in einer Art und Weise, wie ihn Mister Mason vielleicht begleiten könnte. Im zweiten Teil gibt es dann jede Menge Hot Wired Licks.
- Takt 1 bis 8: ein typischer Claw-Style-Rhythm im Stil von Brent Mason.
- Takt 12: ein typisches Mason-Klischee mit Approach Notes zu den Akkordtönen von A7
- Takt 15 und 16: Claw-Style-Solo-Licks
- Takt 17 und 18: Repeating-Licks mit leeren Saiten über D7
- Takt 19: ein Signature-Lick aus ‚I don’t even know your name’
- Takt 20: im Original ist dieses Lick mit einem B-Bender gespielt. Die Herausforderung ist, mit dem Zeigefinger gleichzeitig die G- und H-Saiten in zwei unterschiedliche Richtungen zu ziehen.
- Takt 21: ein typisches Standard-Country-Bending von Mason, auch meist mit dem B-Bender gespielt
- Takt 22: Open String Cascades
- Takt 24: ein typisches Rhythmusklischee kombiniert mit Double Stops
An dieser Stelle möchte ich mich sehr bei meinem ehemaligen Studenten Dominik Kraus bedanken, der vor ein paar Jahren bei mir in Gießen studiert hat. Ein super Typ und prima Gitarrist. Nachdem ich ihn erfolgreich mit Country infiziert hatte, ist er regelmäßig nach Nashville geflogen, um bei Brent Mason und ein paar anderen geilen Typen Unterricht zu nehmen. Er hat mich diesmal mit einigen Insider-Informationen versorgt und mir Brent als wahnsinnig netten, vollkommen geerdeten Typen ohne jegliche Starallüren und mit einer ausgesprochen freundlichen, offenen Ausstrahlung beschrieben, was meinen Eindruck aus der Ferne voll bestätigt hat.
So, und mit dieser XXL-Ausgabe schließen wir unser Blues Bootcamp. Nächsten Monat geht es weiter mit … lasst euch überraschen! Es bleibt also spannend … Viel Erfolg beim Üben und auch sonst so. Haltet durch und bleibt echt. Immer.
P.S.: Mehr Informationen zum Thema Country-Gitarre findest du in meinem Lieblingsbuch von mir – ‚Survival Guitar‘.

(erschienen in Gitarre & Bass 07/2026)