(Bild: Shutterstock / Gansstock)
Als Intervalle bezeichnet man den Abstand zwischen zwei beliebigen Tönen. Eine Oktave ist der Abstand zwischen zwei Tönen, die gleich klingen, aber unterschiedlich hoch sind. Diesen Abstand können wir in insgesamt zwölf gleich große Teile teilen. So erhalten wir alle Töne, die wir in unserer westlichen Welt verwenden.
War das schon immer so? Nein! Es wurde viel experimentiert, doch die Grundlagen wurden 1691 von Andreas Werckmeister durch die temperierte Stimmung gelegt. Ihr kennt vieleicht ‚Das Wohltemperierte Klavier’ von Johann Sebastian Bach.
Die in exakt zwölf gleich große Halbtonschritte unterteilte Stimmung ist zwar leicht verstimmt, doch der Unterschied ist so gering, dass er nicht als störend empfunden wird. Hätte man die Oktave in unterschiedlich große Teile geteilt, wären zwar manche Tonarten rein, jedoch könnte man nicht so gut zwischen den Tonarten wechseln.
In anderen Kulturen ist das anders. Die arabische Musik kennt zum Beispiel Töne, die genau zwischen unseren zwölf Halbtönen liegen (Vierteltöne), die in der echten Spielpraxis sogar noch flexibler sind als jede feste Tonleiter es abbilden könnte. Genug Theorie, zurück zum Bass!
Bei uns am Bass sind die Halbtonschritte sehr gut sichtbar – bei Blasinstrumenten sieht das anders aus: Ein Bund entspricht einem Halbton. Wir können alle Intervalle sowohl auf einer Seite als auch über mehrere Saiten spielen.
Anlehnend an die lateinischen Ordnungszahlen werden folgende Namen für die Intervalle verwendet: Prime, Quarte, Quint und Oktave sind reine Intervalle – bei Sekunde, Terz, Sexte und Septime muss zwischen klein und groß unterschieden werden.
Es geht nicht nur darum, dass du weißt, wo deine Intervalle auf dem Griffbrett liegen, sondern auch darum, dass du sie innerlich hören kannst, bevor du sie spielst.
| Intervall |
Halbtonschritte |
Eigenschaft |
Bezifferung |
Songtitel-Anfangsnoten |
| Reine Prime |
0 |
Identisch |
|
Happy Birthday |
| Kleine Sekunde |
1 |
Spannungsgeladen |
b2 |
Der Weiße Hai |
| Große Sekunde |
2 |
Fließend, bewegt |
2 |
Alle meine Entchen, Frere Jacques |
| Kleine Terz |
3 |
Dunkel, bluesig |
b3 |
Smoke on the Water |
| Große Terz |
4 |
Hell, fröhlich |
3 |
When the Saints Go Marching in, Donauwalzer, Kumbaya |
| Reine Quarte |
5 |
Kraftvoll |
4 |
Amazing Grace |
| Übermäßige Quarte/verminderte Quint/Tritonus |
6 |
Instabil, Leitton |
#4/b5 |
Maria (West Side Story), The Simpsons Theme |
| Reine Quinte |
7 |
Stabil, tragend |
5 |
Also sprach Zarathustra |
| Kleine Sexte |
8 |
Sehnsuchtsvoll |
b6 |
Bei mir bist du schön |
| Große Sexte |
9 |
Warm |
6 |
My Bonnie Lies over the Ocean, Ein Prosit |
| Kleine Septime |
10 |
Funky |
b7 |
Watermelon Man |
| Große Septime |
11 |
Leitton |
Maj7 |
Take On Me |
| Reine Oktave |
12 |
Kraftvoll |
|
Somewhere Over the Rainbow |
Wenn du die Intervalle regelmäßig nicht nur spielst, sondern auch bewusst hörst und ihre Abstände mit dem Bass verknüpfst, passiert der entscheidende Schritt: Du beginnst, Intervalle wirklich zu erkennen, statt sie nur zu greifen.
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Spoiler: Dadurch wird es dir später viel leichter fallen, Basslinien rauszuhören. Du wirst schneller erkennen, welche Intervalle gespielt werden, weil dein Ohr die Abstände bereits kennt und sie automatisch einordnet. Ich habe dir alle Intervalle, angelehnt an die Songliste, als Noten aufgeschrieben (Aufbau von Prime bis Oktave, jeweils das erste Intervall in der Reihe).
Ich habe das Ganze mit zwei verschiedenen Fingersätzen notiert, damit dir direkt klar wird, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, ein Intervall zu greifen und zu spielen. Wenn du die Intervalle als Übung eine Oktave höher spielst, wird es besonders interessant. Dann kannst du sie noch leichter auf verschiedene Arten auf dem Griffbrett spielen, da die Abstände zwischen den Bünden kleiner werden und sich somit neue Griffmöglichkeiten ergeben.
Bisher beziehen sich fast alle notierten Übungen auf Intervallsprünge nach oben. Wenn du diese Übungen gut durchdacht, gesungen und gespielt hast, ist es an der Zeit, das Ganze auch in die andere Richtung zu übertragen, nämlich nach unten.
Denn Intervallsprünge lassen sich natürlich genauso gut abwärts spielen. Dadurch eröffnen sich dir nochmal ganz neue klangliche und spielerische Möglichkeiten.
Viel Spaß beim kennenlernen der Intervalle!
(erschienen in Gitarre & Bass 08/2026)