Vintage Edel-Tuning:

52er Gibson Les Paul Goldtop wird zu einem 59er Modell (Teil2)

Wir erinnern uns: In dieser Artikelreihe wollen wir aus einem halbwegs heiligen Gral, einer Gibson Les Paul Goldtop von 1952, einen richtigen heiligen Gral zimmern: die Goldene soll am Ende meiner Arbeiten so klingen und so zu spielen sein wie eine 1959er Les Paul.

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Angezeichnete Linien des Saitenverlaufs sowie Positionslinie von Steg und Saitenhalter

gibson-les-paul-angezeichnete-linien-2Die vorliegende Gitarre gehört Klaus P., einem Bekannten von mir, der sie ca. 1987 quasi ungespielt – heute sagt man wohl NOS dazu – aus den USA mitgebracht hatte. Eine besonders rare Ausführung in „All-Gold“ – also auch Hals und Korpusrückseite in Metallic Gold lackiert und bis auf einen Kopfplattenbruch in einem bemerkenswert guten Zustand. Außerdem klingt dieses Exemplar einfach sensationell gut, was sicherlich auch mit an dem intensiven Bespielen der letzten 20 Jahre liegt. Also ein vielversprechendes Pimp-Objekt. Der Preis 1987: So um die DM 3500. (Zum Vergleich: 1958er Maple-Neck-Strats wurden 1987 bereits mit DM 5000 bis 6000 gehandelt). Schon damals baute ich für Klaus dieses im Originalzustand wegen des langen Trapez-Tailpiece praktisch unspielbare Instrument auf Tune-o-matic/Stop-Tailpiece um, was den Sound weit nach vorne brachte und die Spielbarkeit sowieso. Da der Halswinkel zum Korpus nicht geändert werden sollte (stand damals kostenmäßig nicht wirklich in Relation zum Kaufpreis), musste für diese Aktion der viel zu hohe Steg an der Unterseite um einige Millimeter abgeschliffen werden. Der heute durch das intensive Bespielen der letzten 20 Jahre völlig abgenutzte 60er-Jahre-Steg soll im Rahmen der jetzigen Pimpaktion durch einen korrekten ABR-1-Steg ersetzt werden. Die Bilder zeigen den recht großen Höhenunterschied.

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Höhenunterschied zwischen originalem und modifiziertem Steg

Dass bei dem Umbau eines solch alten Instrumentes die Überlegungen von Klaus, dem Besitzer, und mir, dem Berater und Ausführenden, zum Teil jahrelang hin- und hergehen, ist völlig normal, und so entschieden wir uns nach vielem Für und Wider dazu, den Halswinkel nach wie vor nicht zu verändern. Recht so! Denn erstens ist eine solche Aktion ein radikaler Eingriff. Außerdem waren die von mir 1987 neu gemachten Bünde noch völlig intakt und mussten lediglich abgerichtet werden. Auch der Hals ist mehr als vorbildlich gerade, was für eine Les Paul nicht unbedingt selbstverständlich ist. Also kein zwingender Grund, hier irgendetwas zu verändern.

In der Zwischenzeit hatten die Kollegen vom Munich Repair Shop die bahnbrechende Idee, den unteren Haltering der Befestigungsschrauben des Saitenhalters abzuschleifen. So konnte der Saitenhalter noch ein klein wenig weiter nach unten gestellt und damit der Saitendruck auf den Steg erhöht werden. Prima! Der Saitenhalter liegt jetzt praktisch auf der Korpusdecke auf, was der Schwingungsübertragung nur dienlich sein kann. Um das noch weiter zu verbessern, wurde der Saitenhalter auf seiner Unterseite so weit wie möglich abgeschliffen, sodass gerade noch die Löcher für die Saitendurchführung nicht tangiert werden. Genial – warum bin ich da nicht selbst und vor allem früher drauf gekommen?

Wer schon mal Aluminium-Druckguss mit der Feile bearbeitet hat, weiß, wie sich das Werkzeug schon nach kurzer Zeit mit Metallpartikeln zusetzt und unbrauchbar wird. Also habe ich den größten Teil der Brücke an der großen Kantenschleifmaschine abgeschliffen. Wer das nachmachen will, sollte hier jedoch mit äußerster Vorsicht und auf eigenes Risiko zu Werke gehen, das Metall wird durch die Schleifarbeit sehr heiß. Zu diesem Zweck wurde der Steg mit zwei Schrauben an eine Holzlatte geschraubt und die Schraubenköpfe abgeknipst.

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Höhenunterschied aus einer anderen Perspektive

Bei den Aussparungen für die Rändelschrauben bietet die große Schleifmaschine leider keine Lösung. Hier musste ich den Dremel sowie die Tischbohrmaschine mit allerlei Dremel-Tools zur Hilfe nehmen. Für die restliche, präzise Nacharbeit kam dann trotzdem ohne Rücksicht auf Verluste die Feile dran. Denn schließlich muss der Steg nachher auf den Rändelschrauben plan und sauber aufliegen. Auch am Saitenhalter konnte ich noch einen halben Millimeter durch zusätzliches Abschleifen mit dem Bandschleifer rausholen, so dass jetzt wirklich genügend Saitendruck auf den Steg gewährleistet ist.

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Steg und Saitenhalter fertig – noch sind die P-90s drin …

Auf einigen Bildern wird ein ähnlicher Umbau gezeigt, den ich an einer schwarzen 1953er Les Paul vor ca. 2 Jahren gemacht hatte.

Dass man für das Bohren der Löcher unbedingt eine Tischbohrmaschine braucht, um die Löcher im rechten Winkel zur Korpusdecke einbohren zu können, dürfte selbstverständlich sein. Wichtigster Teil dieser Arbeit ist jedenfalls das genaue Anzeichnen des Saitenverlaufs und das Ermitteln des Auflagpunktes der hohen E-Saite. Also nicht nur allein auf Halsmittel- und Seitenlinie(n) verlassen. Der Auflagepunkt für die hohe E-Saite hat immer dieselbe Länge, wie der Abstand vom Sattel bis zur Mitte des 12. Bundes plus Saitendurchmesser. Hat man diese Eckpunkte ermittelt, kann man die anderen Maße leicht von einer anderen Les Paul übertragen.

In der nächsten Ausgabe muss auch Holz dran glauben. Denn schließlich brauchen die Humbucker mehr Platz als die P90s.


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