Tonabnehmer

Bei Tonabnehmern unterscheidet man zwischen einspuligen Systemen – Single Coil – und 2-spuligen Systemen, den sogenannten Humbuckern. Es gibt jedoch auch eine Reihe von Sonderformen. Wir haben uns natürlich alle Tonabnehmer genauer angeschaut!

 

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Viele sagen, dass die Geschichte der E-Gitarre eigentlich dann vorbei war, als mit der Erfindung der 100- bis 200-Watt starken Gitarrenverstärker das Optimum an Lautstärke erreicht wurde. Eine These, die sicherlich nicht alle teilen, die aber durchaus interessant ist. Fällt doch der Zeitpunkt, als die starken Verstärker-Boliden das Bühnengeschehen übernehmen, ungefähr mit dem Ende der Vintage-Ära, also dem Ende der 1960er-Jahre, zusammen.

Doch drehen wir erst einmal die Zeit zurück! Eine Schwarz-Weiß-Szenerie wie aus dem Bilderbuch, Backsteingebäude, diverse rauchende Anzugträger mit Al-Capone-Hut: Wir befinden uns in den 20er- und 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts! Die Elektrotechnik steckt in den Kinderschuhen, die großen Jazz-Orchester boomen, aber die Gitarristen spielen nur eine untergeordnete Rolle, weil sie sich mit ihren akustischen Schlaggitarren nicht gegen die Bläser durchsetzen können.

An vielen Orten wird zeitgleich Entwicklungsarbeit geleistet, um der Gitarre mehr Gehör zu verschaffen. Zum einen werden die Instrumente immer größer, aber auch die ersten Versuche mit Tonabnehmern fallen in diese Zeit. 1931 baut Rickenbacker eine elektrische Hawaii-Gitarre und bereits Anfang/Mitte der 30er-Jahre verkauft DeArmond nachrüstbare Tonabnehmer für die akustischen Gitarren dieser Zeit. 1936 erscheint dann die Gibson ES-150 mit einem fest montierten Riesen-Pickup, dem sogenannten Bar- oder Charlie-Christian-Pickup. Dieser Pickup ist mit zwei über 10 cm langen, quadratisch geformten Magneten aus Kobalt-Stahl bestückt, die seitlich neben dem Pickup unter die Decke montiert waren.

Der Zweite Weltkrieg lähmt die Entwicklung etwas, aber nach 1945, als die starken AlNiCo-Magnete verfügbar werden, erscheinen die heutigen Pickup-Klassiker in kurzen zeitlichen Abständen: Gibson P-90, Fender Esquire- bzw. Telecaster Steg-Tonabnehmer, Fender Stratocaster-Pickup und schließlich die brummfreien Gretsch-FilterTron- und Gibson-P.A.F.-Humbucker.

Die Konstruktionen klassischer Tonabnehmer Von Wolfgang Damm// AmberPickups Bevor wir uns der Konstruktion der verschiedenen Tonabnehmer widmen, sollten wir uns die Funktionsweise dieser kleinen Stromgeneratoren – denn genau das sind sie! – bewusst machen. Die Stahlsaite der Gitarre hat eine hohe magnetische Leitfähigkeit (Permeabilität) und wird durch den Dauermagneten des Pickups magnetisiert.

Pickup Technik

Wenn die so magnetisierte Saite angezupft wird und schwingt, erzeugt sie ein magnetisches Wechselfeld, das wiederum in der Spule des Tonabnehmers eine elektrische Spannung hervorruft. Diese relativ kleine Spannung von ein paar hundert Millivolt wird dann zum Verstärker geführt und auf die gewünschte Lautstärke gebracht – so einfach in der Theorie! Doch wie immer ist die Praxis viel komplizierter, denn alle Bauteile und Materialien haben einen Einfluss auf den Klangcharakter des Pickups – und es ist schließlich vor allem der Klang, der für den Gitarristen von Bedeutung ist.

 

Elektronik der Tonabnehmer

Wie damals in den Pioniertagen, besitzen die meisten Instrumente auch heute passive Lautstärke- und Tonregler. Um die Klangveränderungen und die Regelcharakteristiken verändern und den eigenen Vorlieben anpassen zu können, gibt es viele Möglichkeiten. Vor allem durch den geschickten Einsatz von Kondensatoren und Widerständen lassen sich sehr gute Ergebnisse erzielen.

Pickup-Schalter

Sind mehr als ein Tonabnehmer auf einer Gitarre versammelt, stellt sich natürlich von selbst die Frage nach Verschaltung und Regelbarkeit. Anfang der 1950er-Jahre stammten die Tonabnehmer-Wahlschalter der Fender Stratocaster und Telecaster aus dem Zubehörlager für Telekommunikationsanlagen des amerikanischen Herstellers Switchcraft, von dem auch die Klinkenausgangsbuchsen kamen. Und das hat sich bis heute so gehalten, wenn auch 1977 Fender in der Strat vom Dreiweg zu Fünfwegschalter wechselte. Praktisch alle anderen Hersteller verwendeten sogenannte Toggle-Schalter in unterschiedlichsten Varianten. Die bekannteste ist die Gibson-Version mit der legendären Unterlegscheibe, auf der „Rhythm“ und „Treble“ steht.

E-Gitarren Elektrik

In den 90er-Jahren führte Jackson einen Fünfweg-Schalter ein, der vier statt der bis dahin üblichen zwei Schaltebenen bot. Jede dieser Schaltebenen hatte pro Schaltposition einen Eingang, der wiederum auf den Ausgang dieser Schaltebene führte und so das Verbinden der verschiedenen Ebenen ermöglichte. So lassen sich mit dem sogenannten Mega-Switch viele Schaltvarianten erzielen, die mit einem normalen Fünfweg-Schalter nicht zu realisieren wären.

Kondensatoren & Widerstände

Ein Kondensator ist ein passives elektrisches Bauteil, das elektrische Ladung und Energie speichern kann. Die Fähigkeit, Ladung zu speichern, wird als elektrische Kapazität bezeichnet und in der Einheit Farad angegeben. Kondensatoren wirken Spannungsänderungen aufgrund ihrer Speicherfähigkeit entgegen und bestehen aus zwei elektrisch leitenden Flächen, den Elektroden, die in meist geringem Abstand angeordnet sind. Dazwischen befindet sich ein isolierender Bereich, das sogenannte Dielektrikum. Meist werden dabei Elektroden und Dielektrikum aufgerollt in einem zylinderförmigen oder in einem runden Gehäuse untergebracht. Vor allem mit Kondensatoren, aber auch mit Widerständen. lässt sich wirkungsvoll in die Schaltkreise unserer Gitarren eingreifen, um sie effekiver oder für unseren Geschmack besser arbeiten zu lassen.

Verschiedene Kondensatoren

Eine übliche Klangregelung besteht z. B. aus einem Potentiometer und einem Kondensator. Je größer der Kondensator bemessen ist, desto stärker ist die Höhenabsenkung. Es lohnt sich immer, kleinere Werte als die der Werksbestückung der meisten Gitarren auszuprobieren. Denn nicht jeder braucht einen Tonregler, der die Gitarre komplett dumpf regelt. Auch gerne gesehen ist der Einsatz eines Kondensators (manchmal sogar mit einem Widerstand gekoppelt) am Volume-Poti, um dem Höhenverlust beim Zurückregeln der Lautstärke entgegenwirken zu können.

FilterTron-Humbuckern
Gretsch 6120 von 1957 mit den ersten FilterTron-Humbuckern

Musiker, die sich auf der Suche nach dem guten, alten Sound befinden, werden immer wieder über das Thema Kondensatoren stolpern. Denn nach Meinung vieler Vintage-Experten waren die alten Kondensator-Legenden in hohem Maße mitverantwortlich für den gesuchten Klang. Die bekanntesten Kondensator-Legenden sind sicherlich Sprague Black Beauty und Bumblebee, die in den 50er-Jahren verbaut wurden. Sie sind heute sehr gesucht und dementsprechend unverschämt teuer. Weitere Klassiker sind Vitamin Q, Mustard, Mallory, Orange Drop, Styroflex, Jensen Paperin-Oil, Silver Mica u. a. Es gibt genügend Hersteller, die diese Bauteile heute in guter Qualität nachbauen, sodass man nicht unbedingt Zeit und Geld für die alten Originale aufbringen muss.

Aktive Gitarrenschaltungen

Seit den 80er-Jahren werden eine ganze Reihe von E-Gitarren mit aktiven Elektroniken ausgestattet. Mit Boostern (Vorverstärker) und wirkungsvollen Klangregelungen sollen die nachgeschalteten Gitarren-Verstärker übersteuert werden, um so einen halbwegs brauchbaren verzerrten Sound zu liefern. Wenn auch die Mehrheit der Musiker bis heute solchen Erweiterungen der Möglichkeiten ihrer Gitarre eher zurückhaltend gegenübersteht, gibt es immer noch einige Modelle, die aktive Elemente aufweisen, wie z. B. die Fender Eric-Clapton-Stratocaster mit ihrem Mitten-Booster.

Elektrik in Gitarren

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