Pflichtprogramm für Rockgitarristen

Van Halen und ihr Debut von 1978

Van Halen veränderten mit ihrem Debutalbum „Van Halen“ 1978 die Welt – zumindest die Gitarrenwelt. Die hatte nämlich nach den späten 60er Jahren mit John McLaughlin und Jimi Hendrix keine großartigen Impulse mehr bekommen.

Van halen 1978

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Eddie hieß der neue Wunder-Gitarrist und Van Halen seine Band – zu der gehörten damals noch Alex van Halen (dr), Michael Anthony (b) und Rock-’n’-Roll-Blondine David Roth, der sich später noch ein „Lee“ zwischen Vor- und Nachnamen leistete. Dieses Line-up war perfekt um die etwas behäbig gewordene Rock-Szene mit neuer, lauter, harter und dabei aber immer gutgelaunter Musik aufzumischen.

Eine bodenständige Rhythmus-Gruppe, ein extrovertierter und auf affektiertes Live-Acting ausgerichteter Sänger, und ein Gitarrist, der von Anfang an der wahre Frontman dieser Formation war. Klar, Van Halen waren eine Rock-Band, aber für die Gitarristen dieses Planeten waren sie nach ihrem selbstbetitelten Debüt 1978 die Band von Eddie van Halen.

Schon der Opener ,Runnin’ With The Devil‘ ist ein Prototyp für dynamisches Trio-Spiel – und der ultrakurze Solo-Spot, wie auch die eingestreuten Flageolett-Fills sind echte Knaller. Da hört man die jahrelange Live-Erfahrung dieser Band raus. Und dann geht’s mit der Rockbarocken Introduktion ,Eruption‘, einem echten gitarristischen Gefühlsausbruch, gleich mal in die Cover-Abteilung: Mit ,You Really Got Me‘, ursprünglich von den Kinks, hatte diese Band jeden Hörer.

Auch so was lernt man auf der Bühne. Und kann ein Gitarrist diesen Song besser interpretieren? Rock ’n’ Roll!!! Hier zeigen sich übrigens auch die beachtlichen Arrangement-Talente dieser großartigen Band – man beachte die glatt-gebügelten Minimal-Chöre.

Es folgen gelungene Songs wie ,Ain’t Talkin’ ’Bout Love‘, ,Jamie’s Cryin‘’, ,Feel Your Love Tonight‘ und das großartige ,Little Dreamer‘ – alles perfekte Spielwiesen für Edwards immer funktionale und band-dienliche Virtuosität und David Lee Roths geniale Macho-Vocals. Dann noch ein paar Up-Tempo-„Punk”-Nummern, ein Acoustic-Track und das sehr Deep-Purple-inspirierte ,On Fire‘ – und schon sind die 35 Minuten und 25 Sekunden dieses echten Meilensteins der Rock-Geschichte vorbei.

Wo sonst konnte man als Gitarrist vorher so viel Material zum Weiterüben auf nur einem Album bekommen? Das gab’s seit ,Jimi Plays Monterey‘ (1967 gespielt, 1970 teilweise, aber erst 1986 komplett veröffentlicht) nicht mehr! In dem Zusammenhang fällt der packende Live-Charakter der hervorragend klingenden Studio-Aufnahme des Van-Halen-Debüts auf.

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Das liefert noch weitere Parallelen: Ähnlich wie bei Jimi Hendrix wurden nämlich auch bei EVH diverse andere musikalische Qualitäten vom Hype um die virtuose Tapping-Gitarre überdeckt. Auch Eddie war von Anfang an ein hervorragender Rhythmus-Gitarrist, der organisch Akkorde, Riffs und Licks miteinander verwob und so – wie Hendrix eine Dekade vor ihm – oft die Illusion mehrerer gleichzeitig spielender Instrumente erweckte.  Ebenso gab es schon sehr viele schlechtere Songwriter im Rock-Mainstream als Eddie & Kollegen. Und es ging weiter:

Van Halen wurden dann über die Jahre zur bodenständigen amerikanischen Rock-Institution, und das nicht unbedingt mit immer besseren Alben. Eddie und seinen Bruder Alex, die lauten Jungs von nebenan, ließ man sogar für Milch werben – Van Halen waren Pop-Stars!

Van Halen machen Milch-Werbung

Die Furore, die Eddies eigenwilliges und innovatives Lead-Gitarrenspiel, damals machte, zeigte sich u. a. darin, dass man plötzlich in jedem dritten Song von Pop bis Metal ein Gitarrensolo hörte, das in ein paar angestrengten Tapping-Licks gipfelte. Gähn!

Meist klang das einfach nur drittklassig – und nervte. Das Original blieb in seinem Energie-Level unerreicht, auch wenn Stanley Jordan diese Art des beidhändigen Gitarrenspiels weiter perfektionierte – wobei sein vom Stick mit-inspirierter Spielansatz immer besser aussah, als er sich anhörte.

Eddie und ,Van Halen‘ bleiben auch ein Vierteljahrhundert nach Erscheinen Weltklasse.

Ein Album zum (Wieder-)Entdecken! Und für Rock-Gitarristen immer noch Pflichtprogramm.

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van-halen-aint-talkin-but-love

Kommentare zu diesem Artikel

  1. yes sehr erstaunlich was eddie noch kann – jedoch pauli gilbert und ingwie bleiben immer noch mindestens eine stufe besser

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  1. Eddie Van Halen über Gitarren, Amps und Gear-Experimente › GITARRE & BASS

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