Meilenstein 1989

Stevie Ray Vaughan and Double Trouble: In Step

Es lief alles unglaublich schnell! Bei einem Auftritt beim Montreux Jazz-Festival 1982 wurden Jackson Browne und David Bowie auf den virtuosen Gitarristen & Sänger Stevie Ray Vaughan und seine Band Double Trouble – Tommy Shannon (b) und Chris Layton (dr) – aufmerksam.

Album-Cover
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Und das hatte Konsequenzen: Bowie engagierte den jungen Texaner für die Aufnahmen zu seinem Album ,Let’s Dance‘, Browne stellte der Band sein Studio zur Verfügung. 1983 glänzte Vaughans Gitarre nicht nur in Bowie-Hits wie ,China Girl‘ und ,Let‘s Dance‘, auch sein DebütAlbum ,Texas Flood‘ wurde ein Überraschungserfolg. Einen Blues-Gitarristen wie Stevie Ray Vaughan, der mit seiner Strat auch fett in Richtung Hendrix abrocken konnte, hatte man lange nicht mehr gehört.

Auch die folgenden Alben ,Couldn’t Stand The Weather‘ und ,Soul To Soul‘ konnten sich jeweils in den Top 40 festsetzen. Dann folgte der Einbruch: Vaughans jahrelanger Drogen-Konsum forderte seinen Tribut, und während der Welt-Tournee 1986 kollabierte er auf der Bühne. Stevie zog die Notbremse und begab sich sofort in Rehabilitation. Diese Krise spiegelt sich in den Mitschnitten jener Tour auf dem Album ,Live Alive‘ wieder. Trotz zweifellos guter Momente fehlte in Vaughans Spiel die ganz große Brillanz.

Die hatte er drei Jahre später auf ,In Step‘ wiedergefunden. Mit dem scharfen Intro-Riff von ,The House Is Rockin’‘ rollt der schnelle Opener gleich über den Hörer hinweg. Astrein kommen hier auch die Piano-Licks von Reese Wynans! Buddy Guys ,Leave My Girl Alone‘ ist ein typischer Slow-Blues, dessen Intensität mit älteren Songs wie ,Tin Pan Alley‘ konkurriert.

Und Stevie hatte auf diesem Album auch den Funk wie im knackigen ,Tightrope‘. ,Wall Of Denial‘ , mit seinen rhythmisch vertrackten Licks, geht einen Schritt weiter und mixt Funk-mit Jazz-Elementen zu einem eigenwilligen Blues. Gegen Ende gibt‘s in ,Scratch-N-Sniff‘ noch mal trockenen Rock & Roll made in Texas und mit ,Love Me Darlin’‘ von Chester Burnett aka Howlin‘ Wolf einen packenden SRV-Shuffle, den Shannon und Layton so richtig schön zum Rollen bringen. Einen sanften Kontrast dazu bildet das fast neunminütige Instrumental ,Riviera Paradise‘.

Auffällig ist der jazzige Ansatz den Vaughan hier verfolgt, etwa im Intro mit tollen Akkordwechseln und später den schönen Oktav-Licks im Stile von Wes Montgomery. Unglaublich sind die ultraschnellen Einlagen gegen Ende des Stücks. Und einfach fantastisch kommt der cleane und mit feinem Hall versehene Gitarrenklang.

Für den richtigen Sound wurde auf ,In Step‘ ein immenser Aufwand betrieben: Laut Amp-Tech César Diaz wurden insgesamt 32 Verstärker eingesetzt. Diaz bemerkte hierzu einmal: „Er fragte mich, ob ich ihm bei den Aufnahmen zu ,In Step‘ helfen könne. Stevie konnte einfach nicht den richtigen Sound finden. Wir zogen um in die KivaStudios in Memphis, und einmal habe ich 32 Verstärker aufgebaut, um sie gleichzeitig aufzunehmen. Stevies Ohr war so feinfühlig, dass er hörte, das ein einziger Amp unter all den anderen nicht vernünftig klang. Das hat mich wirklich verblüfft.“

Nach der erfolgreichen Rehabilitation lieferte der wieder klare und fokussierte Stevie ein starkes Album ab, das zum 25-jährigen Jubiläum dank der Virtuosität und musikalischen Vielseitigkeit des Bandleaders immer noch frisch wirkt. Tragisch, dass es seine letzte Veröffentlichung zu Lebzeiten werden sollte. Am 27. August 1990 verunglückte er tödlich bei einem Helikopterabsturz über den Bergen von Wisconsin. Am 3. Oktober 2014 wäre Stevie Ray Vaughan 60 Jahre alt geworden

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