G&B Basics!

Gitarrenpflege: reinigen & polieren

Eine E-Gitarre ist ein relativ anspruchsloses Haustier. Sie will regelmäßig bespielt und bespaßt werden, braucht ab und zu mal ein paar neue Saiten und sie macht ihren Besitzer glücklich – manchmal sogar auch sein Umfeld. Hier findest du alle Tipps zur Gitarrenpflege!

Pflegekit für Gitarren

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Damit das so bleibt, solltest du die Gitarrenpflege nicht zu kurz kommen lassen und dein Instrument regelmäßig nach dem Spiel mit einem Tuch abwischen. Die Gitarrenpflege tut auch den Saiten gut, und verlängert unter Umständen ihre Lebensdauer beträchtlich, insbesondere bei schwitzigen Genie-Händen. Für eine rundum-komplette Gitarrenpflege benötigst du folgendes:

• BAUMWOLLTUCH: Zum Gitarre polieren eignet sich ein amtliches Poliertuch oder z.B. ein altes T-Shirt.

• POLITUR ist ein spezielles Guitar-Polish oder ein Produkt der Autopflege und dient dazu, deine Gitarre zu polieren.

• Als GRIFFBRETTÖL sollte man schon was Gutriechendes aus dem Fachhandel bevorzugen. Experimente bei der Gitarrenpflege mit Whiskey, Butter, Vaseline, Nivea-Creme oder Heizöl sind bereits gescheitert und müssen nicht wiederholt werden.

• BÜNDE regelmäßig säubern & polieren! Siehe hierzu auch „Gitarrensaiten wechseln, Tonabnehmer & Co.“ – Absatz „Griffbrett & Bünde“.

GRUNDSÄTZLICHES ZUR GITARRENPFLEGE

Du solltest immer daran denken, dass zu trockene Luft, z.B. in geheizten Räumen, Gift für Instrumente ist; das gilt insbesondere für massive Hölzer, die dann sehr leicht reißen. Die LUFTFEUCHTIGKEIT sollte ca. 50 bis 60 Prozent betragen, die Raumtemperatur sollte sich zwischen 15 und 25 Grad Celsius bewegen. Zu hohe und zu niedrige Temperaturen, vor allem aber TEMPERATURSCHWANKUNGEN sind zu vermeiden.

Eine Gitarre, die nach der Probe mehrere Stunden im eiskalten Auto verbracht hat, sollte man in der geheizten Wohnung auf keinen Fall sofort auspacken und neben den Kohleofen stellen! Stattdessen sollte man der Gitarre im Koffer oder Gigbag mindestens zwei Stunden Zeit zur Temperatur-Anpassung geben. Hierbei sind Archtops mit massiver Decke wesentlich gefährdeter als robuste, massive Arbeitstiere wie eine Solidbody-Gitarre.

 

Gitarren-Body reingen: Die beste Körperpflege!

Natürlich sollte auch die Oberfläche eines Gitarren-Bodys gehegt und gepflegt werden! Aber dabei gibt es einiges zu beachten, vor allem hinsichtlich der verschiedenen Oberflächen und der jeweils dafür geeigneten Reinigungsmitteln. Dabei kann nicht jeder z. B. zwischen Nitro- und PUR-Lacken unterscheiden. Im Zweifel lieber den Hersteller oder einen Gitarrenbauer dazu befragen, bevor man mit einer der beschriebenen Reinigungsmethoden beginnt.

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Klassische Lackreiniger helfen bestens bei modernen Kunststofflacken.

Diese fünf Lacksysteme sind am häufigsten anzutreffen:

  1. hochglanzpolierte Polyurethan-, Acrylharz-, oder Polyesterlacke
  2. matte, oder seidenglänzende Flächen aus obigem Material
  3. hochglanzpolierte Nitrozelluloselacke
  4. seidenmatte, oder offenporige Lackierungen mit Nitrozellulose
  5. geölte und/oder gewachste Flächen

In der Regel ist es so, dass massenproduzierte Instrumente aus Fernost fast ausnahmslos mit Lacken der Kategorien 1 oder 2 versiegelt sind. Einige Bestandteile sind vielleicht geölt, wie z. B. eine Halsrückseite (oder ein Steg bei einer Akustik-Gitarre), aber mir persönlich ist in den letzten 20 Jahren noch kein asiatisches Produkt, das etwa mit Nitrolack behandelt wurde, in die Hände gekommen. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber diese Ausnahme würden allerhöchstens z. B. Eastman-Jazz-Gitarren bilden oder Instrumente eines Boutique-Gitarrenbauers, die per Hand gebaut wurden.

Die Kategorien 3 und 4 betreffen in der Regel Instrumente, die in traditioneller Art und Weise hergestellt werden. Hier handelt es sich meist um Gitarren aus europäischer oder amerikanischer Fertigung, und in der Regel um sehr alte, frühe Jahrgänge aus den 1930ern bis teils hinein in die 70er-Jahre, wobei hier einige Hersteller unter der Ägide der Großindustrie (Norlin/Gibson, CBS/Fender) auf einfacher zu verarbeitende Kunstofflacke umgestellt hatten.

Jedoch sind traditionell lackierte Instrumente nach wie vor wegen der dem Klang zuträglichen Lackart beliebt und sind heute am häufigsten in den Custom-Shop-Bereichen der großen Hersteller anzutreffen.

Geeignete Mittel

Generell gilt, dass eine Pflege für empfindliche Nitrolacke (Kategorien 3 und 4) immer auch für Kunstofflacke (Kategorien 1 und 2) funktioniert. Der große Unterschied liegt darin, dass die lösemittelhaltigen Nitro-Lacke nach ihrer Aushärtung immer noch sehr sensibel reagieren, weil sie wieder anlösbar sind.

Wohingegen auf Kunststoff basierende Systeme chemisch komplett ausgehärtet sind und nach außen ähnlich resistent sind wie Kunststoff oder Glas, von Kratzern einmal abgesehen. Das ist zum einen der Grund, warum sich moderne Lacke nicht so gut reparieren lassen, weil ein Ausbessern mit dem gleichen Material nicht zu einer Kohäsion, sprich Anlösung führt. Wohingegen der Nitrolack jederzeit ausgebessert werden kann, denn die vorhandene Schicht lässt sich leicht anlösen und nahtlos mit einer neuen Schicht verbinden.

Genau diese Problematik gilt es bei der Reinigung zu beachten, und im Zweifel ist unbedingt Rat einzuholen! Ein vorheriger Test an einer unsichtbaren Stelle (z. B. unter einem Schlagbrett) kann hier auch Gewissheit bringen.

Kategorie 1: Hier hat man in der Tat das geringste Pflegeproblem. Eine handelsübliche Gitarrenpolitur, sogar viele Polituren aus der Autobranche sind hier völlig problemlos einzusetzen. In der Regel nimmt die enthaltene Feuchtigkeit hartnäckigere Schmutzstellen auf, und die enthaltenen Poliermittel lassen den Lack nach kurzer Antrocknungszeit mittels Abpolieren in neuem Glanz erscheinen.

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Tiefenglanz auch bei einem VintageInstrument, dank der richtigen Mittel

Ein geeigneter, sauberer Lappen ist natürlich immer Voraussetzung, und das sollte sehr beachtet werden, da ja auch mechanisch gewischt wird. Wenn es geht, sollten Anbauteile wie Saiten, Stege, Schlagbretter etc. für eine gründliche Reinigung kurzfristig entfernt werden, damit auch Schmutzränder, die sich gerne um diese Teile bilden, angegangen werden können. Bei diesen Lacken kann man sich grundsätzlich auf die Gitarrenpolituren aller bekannten Anbieter verlassen.

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Was meinem Porsche gut tut, wird auch meine Gitarre zum Glänzen bringen – das aber nur bei Kunststofflacken.

So sind die Firmen Dunlop, Planet Waves, GHS, dAndrea, Kyser, Gibson, Martin, Fender, Duesenberg, Clover, Taylor, Dr. Ducks Ax Wax und andere auf dem Markt mit guten Produkten vertreten. Alternativ können allerdings auch handelsübliche Autolackpolituren (z. B. von Nigrin) benutzt werden, ebenso gibt es aus der Industrie sehr gute, auch in größeren Gebinden erhältliche Lackpflegemittel von 3M, Festool oder Rotweiss.

Kategorie 2: Achtung! Alle üblichen Gitarrenpolituren würden durch die enthaltenen Polierstoffe aus dem Mattlack einen Glanzlack machen und sollten deswegen nicht eingesetzt werden. Diese von Haus aus unempfindlichen Oberflächen sollten schlichtweg mit einfacher Seifenlauge nebelfeucht abgewischt werden, und sofort mit einem sauberen, fusselfreien Tuch trocken gerieben werden, um z. B. Schweißränder oder andere Substanzen zu entfernen.

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Kleine Produktauswahl für Mittel, die bei Nitrolacken anzuwenden sind

Gleiches gilt für Akustik-Gitarren, die in dieser Art und Weise oder eben sehr dünn und matt lackiert sind. Hier benutze ich auch gerne die Tastenreinigungstücher von Cleanlike, da sie sehr schonend und ohne Polierstoffe funktionieren.

Kategorie 3: Hier kommen wir zum pflegeintensiven Klassiker, der nitrolackierten Hochglanzoberfläche. Je nach Jahrgang oder Benutzung sind diese Lacke teils gut erhalten, oder eben mäßig bis stark verwittert. Ebenso haben sie oft, einfach auch aus dem Grund, weil sie älter sind, einen Nikotinfilm – sei es wegen der eigenen Raucherei, oder als Kneipen- und Club-Gig-Mitbringsel.

Der Grund dafür ist folgender: Im Vergleich zu Kunststofflacken ist die Adhäsion (Anhaftung) wesentlich höher, da Nitrolacke zum Einsacken in die Holzporen neigen und dadurch später wesentlich mehr Oberfläche bieten. Ebenso ist die Anlösbarkeit gegeben, und saure Stoffe wie Schweiß, Alkohol und auch Nikotinschleier greifen die ehemals hochglanzpolierte Fläche über die Jahre an.

Je nach Verschmutzungsgrad sollte man zunächst die am wenigsten schädliche Reinigungs-Methode wählen. Abgestuft von minimal invasiv bis grundreinigend folgen jetzt Mittel und Methoden: Zur Beseitigung heftiger Flecken, Ränder und sonstiger Filme nehme ich zunächst meist Wasch- bzw. Haushaltsbenzin.

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Frisch mit Joha-Lackreiniger behandelte 1956er Gibson Les Paul Junior

Dieses Mittel greift niemals irgendwelche lösungsmittelhaltigen Lacke an, weil beide Seiten chemisch nicht aufeinander reagieren. Man kann also wunderbar z. B. Aufkleberreste, sämtliche Schweißränder und andere heftige Substanzen entfernen. Auch Nikotin wird aufgenommen und entfernt, spätestens im Lappen sieht man dann, was eigentlich die Farbe der eigenen Gitarre so gelbstichig gemacht hat … Für ältere Nitrolacke hat sich insbesondere der Joha-Lackreiniger bewährt, der kein Wasser enthält.

Nach erfolgreicher Reinigung und Desinfizierung der Oberfläche kann es zur Beigabe von pflegenden und polierenden Substanzen kommen. Spätestens hier sind alle speziell für Nitrolacke deklarierten Gitarrenpolituren willkommen. Sie dürfen allerdings kein Silikon enthalten! Alle silikonhaltigen Polituren (auch und vor allem viele Autopolituren) sind hier schädlich, denn Silikon verträgt sich einfach nicht mit Nitrolacken.

Silikon ist ein synthetisches Öl und geht sofort eine teils anlösende Verbindung mit dem Lack ein. Es entsteht eine „unheilige Allianz“, wie wir Gitarrenbauer zu sagen pflegen, weil sich Schmutzpartikel und Lack mit pflegenden Reinigungssubstanzen verbinden und einen schmierigen Film bilden, der nur schwerlich zu entfernen ist. Nicht schön …

Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es für Vintage-Instrumente und somit insbesondere für die Pflege und Reinigung des Nitrozellulose-Lacks sehr gute Mittel von Gibson (speziell für Gibson-Lacke), Martin, Duesenberg, Virtuoso sowie Dr. Ducks Ax Wax gibt. Ebenso geeignet ist das Behlen OZ Cream Polish (100% siliconfree), welches allerdings nur aus dem Ausland zu beziehen ist.

Ebenso habe ich sehr gute Erfahrungen mit Produkten von Bellacura Klavicura gemacht, eine deutsche Firma, die eine sehr schöne Palette von Produkten anbietet, die vollkommen ungiftig und umweltverträglich sind.

Ebenso ist das Bellacura Sensitive für Allergiker geeignet, denn viele andere Polituren enthalten teilweise chemische Emulgatoren, die allergische Hautreaktionen auslösen können. Ein weiteres empfehlenswertes Lackpflegesortiment bietet die heimische Firma Josef Hammerl an, deren Produkte vor allem für klassische Gitarren-und Geigenlacke gut zu verwenden ist.

Auch den Lackreiniger von Joha kann ich uneingeschränkt für alte Nitrolacke empfehlen. Meine alte Gibson Les Paul Junior habe ich schon einige Male damit aufgefrischt und eine Nachbehandlung mit Behlen OZ Cream Polish ließ sie in wunderschönem, für Nitrolacke typisch speckigem Tiefenglanz erstrahlen.

Kategorie 4: Hier sollte so minimal wie möglich gereinigt werden, insbesondere unter Verzicht auf polierende Mitteln, die Glanz erzeugen sollen. Bei matten, oder sehr dünn aufgetragenen Schichten wäre ich zudem sehr vorsichtig mit Feuchtigkeit. Also lieber bei Waschbenzin und einem einfachen, fusselfreien Baumwolltuch bleiben, z. B. einem alten T-Shirt.

Nur wenn man sich sicher ist, dass die Lackschicht ausreichend das Holz bedeckt, kann man mit einem mit Seifenlauge angefeuchteten Tuch dezent Schmutz entfernen. Das Trockenreiben mit einem weichen Tuch ist sehr wichtig, damit keine Restfeuchte zum Holz durchdringen kann. Auch die weiter oben schon erwähnten Tücher der Marke Cleanlike für Tasteninstrumente können hier für eine schnelle und gute Reinigung sorgen.

Kategorie 5: Bei geölten oder gewachsten Oberflächen kann man durchaus radikaler vorgehen. Hier ist bei Verschmutzungen oft die reinigende und polierende Wirkung von Stahlwolle (ausschließlich Grad 0000) hilfreich. Mit ein wenig neuem Öl in der Stahlwolle lassen sich oft sehr schnell vorhandene Schmutzstellen egalisieren, bzw. angleichen, und das frisch geölte Holz wird gleichzeitig poliert.

Darauf zu achten ist, dass man nicht zu viel Öl benutzt, und vor allem abwartet, bis das Öl ausreichend eingezogen ist, auch wenn das mal eine Nacht dauert. Es gibt einige sehr gute Holzöle, und das entscheidende Merkmal bei der Auswahl sollte sein, dass das Präparat wirklich für die Holzanwendung gedacht ist. Ich würde immer ein möglichst pures Produkt nehmen, Holzöle aus dem Baumarktregal sind da weniger geeignet.

Produkte wie z. B. von Auro (Hartöl Nr. 126-90), Joha-Griffbrettöl, sowie chinesisches Tungöl von Lignea, das man, mit Orangen/Zitrusöl verdünnt, zu einer sehr edlen Oberfläche verarbeiten kann, sind bestens für naturbelassene Instrumente geeignet.

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Exotisch, aber bestens für die Behandlung naturbelassener Oberflächen geeignet: Chinesesisches Tungöl und Orangen-Öl

Auch typische Griffbrettöle sind z. B. ebenso für die Halsrückseite eines Ahornhalses generell benutzbar. Griffbrettöle sind spezielle Holzöle, die sehr niedrigviskos sind, und schnell in die Holzporen einziehen und trocknen. Das bildet eine angenehme Oberfläche, und man vermeidet eine eventuell zu klebrige Oberfläche durch falschen Einsatz bestimmter Öle, die für Musikinstrumente nicht geeignet sind.

Abschließend möchte ich noch einige grundsätzliche Tipps loswerden:

  • Bei der Reinigung immer auf eine saubere, kratzfreie Unterlage sorgen, auf dem das Instrument sicher liegen kann.
  • Reinigungstücher sollten im Idealfall klassische Poliertücher sein, z. B. Brillenputztücher, gute Mikrofasertücher, Staubtücher aus der Drogerie, oder eben ein altes, zu 100% aus Baumwolle bestehendes T-Shirt, das durch häufiges Waschen fusselfrei geworden ist.
  • Sparsamer Umgang mit allen Produkten, vor allem bei Nitrolacken.
  • Keine Übertreibung mit der Reinigung! In regelmäßigen Abständen Flecken, Schmutzränder sowie Schweiß zu entfernen und hin und wieder mal ein Pflegeprodukt aufzutragen, reicht absolut aus! [1993]

Mehr Basics rund um deine Gitarre findest du in unserem Gitarren ABC!

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Habe mir eine gebrauchte Gibson ES339 Custom gekauft. Klingt super und bin voll zufrieden damit. Jedoch würde ich die Gitarre gerne ordentlich reinigen, da die einen eigenen Geruch hat. Etwas abgestanden, muffelig, ev. hat der Vorbesitzer geraucht. Wie finde ich nun heraus welcher Lack bei der Gitarre verwendet wurde, und welches Pflegemittel ich verwenden darf? Hilft die Seriennummer hier weiter? CS 051446 (ES339LCBNH..)

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    1. Gibson lackiert mit Nitrocelluloselacken. Ich empfehle Gibson-Reinigungsmittel. Die sind sehr gut und einigermaßen günstig (Z. B. Luthiers Choice, 3er-Pack)

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  2. 1956 gabs noch keine double cut juniors…

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