Meilenstein 91

Ozzy Osbourne: No More Tears

„March 19, 1982 – The Day The Music Died“, heißt es so schön auf einer Fan-Website über den Gitarristen Randy Rhoads. Das dachten wohl auch viele Ozzy-Fans, als der Randys Tod bekannt wurde. Ex-Black-Sabbath-Frontman und Fledermaus-Freund John Michael Osbourne (so der richtige Name des Fürsten der Finsternis) lebt immer noch – aber der König war tot. Und es war danach einfach nicht mehr das selbe. Randy Rhoads war ein kreatives Talent, das lange unerreicht blieb – und es in vielen Dingen auch bis heute geblieben ist.

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(Bild: Archiv Sony)

Aber zum Glück fand Ozzy dann in Lemmy Kilminster von Motörhead doch wieder einen fähigen und erfahrenen Mitarbeiter für das Songwriting seines ’91er Comebacks ,No More Tears‘; er schrieb an vier von elf Stücken mit – und das waren nicht die schlechtesten. Am Titel-Track, vielleicht dem besten Song, den Ozzy nach seiner Zeit mit Randy Rhoads gemacht hat, war Lemmy allerdings nicht beteiligt; ,No More Tears‘ stammt von Ozzy Osbourne, Zakk Wylde, Randy Castillo, Michael Inez und John Purdell.

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Überhaupt ist das ganze Album ein Meilenstein. Schon die Tatsache, dass im Herbst 1991, zur Veröffentlichung, bekannt gegeben wurde, dass die anschließende Tour, die passender Weise unter „No More Tours“ lief, Ozzys letzte vor dem Ruhestand sein sollte, machen diese CD zu etwas besonderem. Neben dem Wunsch nach mehr Zeit für sich und seine Familie war auch Ozzys zunehmendes Alter schon damals ein Grund für ihn, kürzer treten zu wollen. Wie man heute in einer uns allen bekannten Reality-Soap auf MTV sehen kann, sieht er zwar immer noch uralt aus, ist aber aktiv geblieben. Und Popstar geworden.

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(Bild: Archiv Sony)

,No More Tears‘ war, was Ozzys Erfolg mit diesem Album angeht, schon fast ein Comeback: Das nicht zu Unrecht, denn er lieferte mit seinem vermeintlich letzten Werk eine richtige Granate ab, die sich durch ein geniales Line-Up, eine gelungene Produktion und gute Songs auszeichnet. Es ist eigentlich klar, dass man mit Saitengott Zakk Wylde nichts falsch machen kann; der hatte im Jahr 1989 auf ,No Rest For The Wicked‘ sein Debüt in der Ozz-Band gegeben – als 19jähriger! Er ist sowieso, nicht nur meiner Meinung nach, der beste Nachfolger von Randy Rhoads. Jake E. Lee oder Brad Gillis, die vor Wylde bei Osbourne spielten, waren zwar auch ausgezeichnete Gitarristen, aber Zakk brachte einen eigenen, unverwechselbaren Stil mit. Und: Er hat nicht versucht den unerreichbaren Randy Rhoads zu kopieren. Dies zeigt sich u. a. bei ,I Don’t Want To Change The World‘, wo Wylde seine typischen und gekonnt eingesetzten Obertöne klar zur Geltung bringt – das hatte der Rock/Metal/Klassik-Fusionist Rhoads so nie gespielt.

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(Bild: Archiv Sony)

Bei diesem Album wurde die Musik auch insgesamt vielfältiger: Weg vom typischen 80er Rock bzw. Metal, der auch noch auf ,No Rest For The Wicked‘ zu hören war, wurde der Ansatz insgesamt experimenteller, da man versuchte neue Elemente einzubringen. So z. B bei ,Hellraiser‘, wo unzählige Samples übereinandergeschichtet wurden. Aber nicht nur das war neu: Jetzt gab es auch ruhigere Lieder vom Prince of Darkness, in denen Mr. Wylde bewies, dass er nicht nur seine Paula gut beherrscht, sondern auch auf der Acoustic ein Ausnahmetalent ist. Dies wird in ,Mama, I’m Coming Home’ deutlich, einem Song, der erst 2003, also nach 12 Jahren, zu einem ganz großen kommerziellen Erfolg wurde. Natürlich war das Stück auch schon damals eine radiofreundliche EnergiePower-Ballade – aber anscheinend wurde dieses Potenzial von der Plattenfirma u./o. dem Künstler nicht erkannt. Und das war nicht die einzige Single von ,No More Tears‘ die in den Billboard-Charts hoch einstieg. 1991 kletterte der TitelTrack des Albums bis auf Platz 7 der amerikanischen Single-Hitliste. Hier hört man auch, was Mike Inez am Bass damals für eine hervorragende Arbeit ablieferte. Das Riff, mit dem dieser Track beginnt, ist prägnant und bleibt sofort im Kopf hängen, weil’s eben simpel ist. Aber Inez spielt keineswegs nur stupide und einfache Sachen: Es ist eigentlich egal, welches Stück man sich rauspickt, man findet immer einen trickreichen Bass-Lick. Man muss nur hinhören. Auch der, mittlerweile am 26. März 2002 leider verstorbene Schlagzeuger Randy Castillo lieferte einen guten Job ab.

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(Bild: Archiv Sony)

Kurz gesagt ist das Album ein Cocktail aus starken, rockigen, aber auch teils ruhigen Songs, die von absoluten Profis gespielt werden. Von einer Band, die so perfekt miteinander harmoniert, dass nur noch ein Kultsänger, eine Legende wie Ozzy Osbourne nötig war, um dieses Album zu einem kommerziellen Welterfolg zu machen. Und das wurde es. Für Zakk-Wylde-Fans ist ,No More Tears‘ auf jeden Fall ein Pflichtkauf. Und für alle die mal hören wollen, wie Ozzy in einer seiner besten Phasen klang, ist dieser Meilenstein in jedem Fall zu empfehlen. Buy it! Warum? Weil dieses Album das Beste ist, das Osbourne je abgeliefert hat. Natürlich abgesehen von den legendären Aufnahmen mit Randy Rhoads … Dazu vielleicht mal später mehr an dieser Stelle.

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